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Reichert, Dr. Ludwig Verlag

 
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Sei mutig wie ein Leopard.... Bildgewordener jĂŒdischer Glaube zwischen Krakau und Czernowitz. Sörries, Reiner. Fotos von Meyer zur Capellen, Helmut. Deutsch. 08.12.2020. ca 80 S. ca. 100 teils großformatige Farbabbildungen, 120 Abbildungen, farbig. 21,0 x 29,7 cm. EUR 29,95. ISBN: 978-3-95490-534-8 L, Reichert
Galizien und Bukowina waren Kernlande jĂŒdischen Lebens, und nirgendwo anders hat der jĂŒdische Glaube einen derart bildhaften Ausdruck gefunden wie dort. Die Synagogen waren ganz im Gegensatz zum mosaischen Bilderverbot prachtvoll mit figĂŒrlichen Bildern ausgestattet, die Glauben, IdentitĂ€t und Hoffnung der Juden dokumentieren. Viele von ihnen sind dank des Engagements polnischer und ukrainischer lnstitutionen und Spenden aus aller Welt restauriert und erstrahlen in neuem Glanz. Der Bildband mit Fotografien von Helmut Meyer zur Capellen und Texten von Reiner Sörries will diese vergessene Bilderwelt zwischen Krakau und Czernowitz wieder ins Bewusstsein rĂŒcken.
Ein Großteil der Malereien entstand im spĂ€ten 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert, als sich die Lebensbedingungen der jĂŒdischen Bevölkerung drastisch zu verschlechtern begannen. So stellten sich die Fragen „wer sind wir“, „was glauben wir“ und „was hoffen wir“. Darauf geben die Bilder Antworten. Die Darstellungen der Zwölf StĂ€mme Israels reprĂ€sentieren die Ganzheit des Volkes Israels. Die zwölf Tierkreiszeichen stehen fĂŒr die Ordnung Gottes und seine Verheißung, diese Welt zu bewahren. Und die Bilder von den StĂ€tten im Heiligen Land stehen fĂŒr die Sehnsucht und Hoffnung, dorthin zurĂŒckzukehren. Viele folgten dem Ruf nach PalĂ€stina, die Mehrheit blieb.
Zu bleiben, erforderte Mut und Vergewisserung. Und damit fĂŒhrt dieser Bildband nicht nur in die Vergangenheit, sondern will eine Metapher sein fĂŒr die Gegenwart, in der angesichts von wachsender Anfeindung und Antisemitismus das Bleiben wieder Mut erfordert. Die Möglichkeit einer Auswanderung nach Israel wird wieder verstĂ€rkt in Betracht gezogen.
Mit Bedacht zitiert der Bildband vor diesem Hintergrund in seinem Titel eine Zeile aus den Pirket Avot (5, 22): „Sei mutig wie ein Leopard .. .!" Und im vollen Wortlaut: „Juda, Temas Sohn, sagte: Sei mutig wie ein Leopard, geschwind wie ein Adler, schnell wie ein Hirsch und heldenmĂŒtig wie ein Löwe, den Willen deines Vaters im Himmel zu erfĂŒllen.“ Diese vier Tiere sind es auch, die stets wiederkehrend zum Bildprogramm der Synagogen in Galizien und der Bukowina gehören.
Der Bildband wendet sich gleichermaßen an Juden wie an Nichtjuden. Er möchte Juden an einen Ausschnitt ihrer Geschichte erinnern, der viel mit ihrer Gegenwart gemein hat. Nichtjuden möchte er mit seinen knappen Texten die wesentlichen Aspekte jĂŒdischen Glaubens nahebringen. Nicht zuletzt soll es um die Dokumentation jĂŒdischer Kunst und Kultur gehen, die nur ein wenig von uns entfernt eine solch prachtvolle Entfaltung gefunden hat.
Lettres, chiffres, notes et symboles au Moyen Âge. Scrinium Friburgense (48). Uhlig, Marion. Figures. Französisch. 21.12.2020. ca 88 S. 3 Abbildungen, schwarz-weiß, 25 Abbildungen, farbig. 24,0 x 17,0 cm. EUR 49,00. ISBN: 978-3-95490-524-9 L, Reichert
Der vorliegende Band widmet sich dem Bedeutungskomplex des Zeichens. Er vereint die drei BeitrĂ€ge, die als HauptvortrĂ€ge am 7. Graduiertenkurs des MediĂ€vistischen Instituts vom 3.–5. September an der UniversitĂ€t Freiburg gehalten wurden und wird durch eine gehaltvolle EinfĂŒhrung begleitet. Dieser interdisziplinĂ€re Kurs, der sich den Figurationen der Schriftlichkeit im Mittelalter widmete (Buchstaben, Zahlen, Noten und Symbolen) interessierte sich zugleich fĂŒr die handgeschriebene Manuskriptseite als Raum der Interaktion zwischen ihrer Bedeutung (signifiĂ©) und deren graphischer Gestaltung (signifiant), zwischen Inhalt und Form. Die ebenso unterschiedlichen, wie sich ergĂ€nzenden ForschungsansĂ€tze der drei eingeladenen SpezialistInnen, Prof. Dr. Daniel Heller-Roazen (Philosophie und Komparatistik, Princeton), Prof. em. Dr. Michel Pastoureau (Geschichte und Kunstgeschichte, EPHE Paris) und Prof. Dr. Susan Rankin (Musikologie, Cambridge) werden durch einen kritischen Essay von Prof. Dr. Marion Uhlig (Französische und okzitanische Sprache und Literatur des Mittelalters, Freiburg) eingefĂŒhrt.
Das Große Haus und die Moschee. Deutsch-Syrische Ausgrabungen im islamischen Kharab Sayyar (4). Koppel, Angela. Die Stuckarbeiten aus Kharab Sayyar. Deutsch. 07.12.2020. ca 152 S. 76 Tafeln, 139 Abbildungen, farbig, 30 Abbildungen, schwarz-weiß. 29,7 x 21,0 cm. EUR 110,00. ISBN: 978-3-95490-122-7 L, Reichert
Einer der ĂŒberraschenden Entdeckungen unserer Ausgrabungen im abbasidischen Kharab Sayyar war die Freilegung mehrerer stuckverzierter WĂ€nde in PrivathĂ€usern und in der Großen Moschee. Als Motive kommen u.a. unendliche BlĂ€tter, die sog. Fischblasen, zweiseitig entwickelte Dreiecke, an deren Spitze sich konzentrische Kreise befinden, steigende Palmettranken, Wellenranken - hĂ€ufig aus einem fĂŒnffingrigem Palmettblatt bestehend -, Schuppen- und Netzmuster vor. Die stilistische Einordnung lĂ€sst diesen etwas komplexer und entwickelter erscheinen als denjenigen aus Samarra, was möglicherweise auf eine stĂ€rkere Vermischung der Stile Samarra A und B zurĂŒckgeht. Daher ist auch eine etwas jĂŒngere Datierung wahrscheinlich.
Der Rheingau von Wiesbaden bis Lorch im 19. Jahrhundert. Zeichnungen von Carl Theodor Reiffenstein (1820–1893) aus dem StĂ€del. Söder, Dagmar. Hrsg.: Gesellschaft zur Förderung der Rheingauer Heimatforschung e.V. Deutsch. 16.12.2020. ca 184 S. 336 Abbildungen, farbig. 30 x 24 cm. EUR 29,95. ISBN: 978-3-95490-514-0 L, Reichert
Carl Theodor Reiffenstein (1820-1893) war ein Frankfurter Architektur- und Landschaftsmaler der Romantik. Seine Aufzeichnungen und Bilder stellen heute die wertvollste Quelle fĂŒr das Leben in der Frankfurter Altstadt im 19. Jahrhundert dar. Aber auch der Rheingau hatte es ihm angetan, den er zwischen 1838 und 1890 immer wieder besuchte und durchwanderte. Hier fand er eine Landschaft und Objekte, die seiner romantischen Sicht entsprachen; seine stimmungsvollen Landschaftsbilder brachten ihm den Beinamen eines „malenden Dichters“ ein. Wie in seiner Heimatstadt und auf seinen Reisen durch Deutschland, die Schweiz und Italien war Reiffenstein auch im Rheingau fasziniert von der Natur und alten Mauern, mittelalterlichen HĂ€usern und Burgen, den architektonischen Zeugen der Vergangenheit, die seit der Kindheit seine Phantasie anregten.
Er sah sich an der Schwelle einer neuen Zeit, „VerĂ€nderung“ schien ihm die Signatur seiner Gegenwart zu sein. Dem stellte er sich entgegen, mit den Mitteln der Malerei festzuhalten, was unterzugehen drohte. Diese Sicht bestimmte die Auswahl seiner Objekte, die uns ein Bild des Rheingaus zeigen, wie er heute kaum mehr existiert. Er selbst schrieb darĂŒber: „Die Bilder vergangener Zeiten entschwinden rasch aus dem GedĂ€chtnis und wem es gelingt, sie in geeigneter, verstĂ€ndlicher Weise festzuhalten, der darf den Dank der Nachwelt mit Sicherheit erwarten und seine Spuren werden sich im Sande der Zeit nicht verwehen.“
Aus Anlass des 200sten Geburtstags des Malers veröffentlichen die Rheingauer Heimatforscher seine Zeichnungen und Aquarelle mit Motiven aus dem Rheingau zwischen Wiesbaden und Lorch. Rund 350 bisher weitgehend unbekannte Studien und Skizzen aus der Graphischen Sammlung des Frankfurter StÀdel Museums vergegenwÀrtigen uns diese alte Kulturlandschaft in der Zeit der Rheinromantik.
Die Farbigkeit der antiken Skulptur. Die griechischen und lateinischen Schriftquellen zur Polychromie. Henke, Felix. Deutsch. 2020. 740 S. 29 fb. Abb. EUR 98,00. ISBN: 978-3-95490-427-3 L, Reichert
Diese Analyse literarischer und epigraphischer Quellen stellt einen Beitrag zu den aktuellen Forschungen zur antiken Polychromie dar und soll die archĂ€ologisch-naturwissenschaftlichen Untersuchungen sowohl in der Breite als auch in der Tiefe ergĂ€nzen: Sie kann zum einen Informationen zu verlorenen Bildwerken und mit anderen Mitteln nicht mehr greifbaren Aspekten von Farbigkeit geben, zum anderen Dimensionen wie Bedeutung und Deutung von Farbe in der Antike erschließen. Dabei kann sie sich auf eine extensive SammeltĂ€tigkeit und intensive Diskussion der Quellen insbesondere im 19. Jahrhundert stĂŒtzen. Bisher fehlte aber nicht nur eine detaillierte Gesamtbetrachtung des Materials, auch der Forschungsstand ist in vielen FĂ€llen zu revidieren: Sowohl Fortschritte in der Textedition als auch eine hohe Dichte an Fehl- und Überinterpretationen machten eine kritische Neubewertung des Materials notwendig.
Die Texte bieten Einblicke in ganz unterschiedliche Aspekte von Farbigkeit. So lassen sich hier Gattungen wie die der monochrom rot angestrichenen Kultbilder fassen – vom griechischen Dionysos bis zu einfachen römischen Priapstatuen und dem Staatsgott Jupiter. Auch die Erscheinung monumentaler Goldelfenbeinbildnisse mit ihrer exzessiven Materialpolychromie lĂ€sst sich nur ĂŒber Schriftquellen erschließen. Andere Texte erwĂ€hnen etwa Pflegeprozeduren von Statuen zur Konservierung ihrer OberflĂ€chengestaltung, wobei hier besonders eine Neuinterpretation der Quellen zur Ganosis dringend nötig war.
Die Texte bieten aber auch Einblicke in die Motivationen, die hinter der Verwendung bestimmter Farbmittel standen: Neben dem Ideal des Realismus und der Freude an Materialpracht erscheint so beispielsweise Vergoldung als Ausdruck von ehrfurchtsvoller Verehrung fĂŒr eine dargestellte Gottheit oder das Kunstwerk selbst. Gerade ungewöhnliche Farbgebungen regten unter Gebildeten immer wieder Diskussionen ĂŒber Technik und Semantik an; so zeigt sich, dass die allgegenwĂ€rtige Farbe nicht nur als Dekoration galt, sondern oft im Mittelpunkt des Diskurses stand. Selbst ĂŒberreiche Farbigkeit wird dabei stets positiv bewertet, und eine gelungene Gestaltung kann wiederum zur Definition vollendeter menschlicher Schönheit herangezogen werden. Farblosigkeit wird dagegen, ebenso wie Korrosion, als wertmindernder Schaden und bei Götterbildern als Zeichen fehlender Verehrung angesehen. Dennoch ergibt sich aus mehreren Hinweisen, dass Stein nicht immer gĂ€nzlich mit Farbe bedeckt wurde: Gerade bei weiblichen Statuen scheint – passend zum antiken Schönheitsideal heller Haut – auch die Farbwirkung weißen Marmors fĂŒr das Gesamtbild genutzt worden zu sein.
Weitere behandelte Aspekte sind z. B. die bei der Farbgestaltung angewandten Prinzipien von realitĂ€tsnaher Mimesis bis zu metaphorischer Anspielung, technische Fragen wie die nach der Rolle der Enkaustik oder der Verwendung von Legierungen fĂŒr die Skulpturenpolychromie sowie das SelbstverstĂ€ndnis der beteiligten KĂŒnstler.
Katalog der GrĂ€ber 601-1000. Forschungen und Berichte zur ArchĂ€ologie in Baden-WĂŒrttemberg (11). Höke, Benjamin; Gauß, Florian; Peek, Christina; Stelzner, Jörg. Lauchheim II.3. Deutsch. 2020. 562 S. 437 Abb., 210 Tafeln, 1 Beilage. 29,7 x 21,0 cm. in 2 BĂ€nden. EUR 99,00. ISBN: 978-3-95490-442-6 L, Reichert
Mit rund 1300 GrĂ€bern aus dem Zeitraum vom spĂ€ten 5. bis zum spĂ€ten 7. Jahrhundert ist das GrĂ€berfeld von Lauchheim (Ostalbkreis) bis heute der grĂ¶ĂŸte bekannte merowingerzeitliche Bestattungsplatz SĂŒddeutschlands. Als Ergebnis eines Forschungsprojekts, das sich der Dokumentation und Auswertung der GrĂ€ber mit modernen Methoden und Technologien widmete, werden die Befunde und Funde aus Lauchheim in einem detaillierten Katalog mit umfangreichem Tafelteil vorgelegt und damit eine einzigartige Quelle der FrĂŒhmittelalterforschung der weiteren wissenschaftlichen Auswertung zugĂ€nglich gemacht. Der zweite von insgesamt vier TeilbĂ€nden des Katalogs umfasst die GrĂ€ber 601–900.
Ein Hinterhofquartier und sein historisch-bauhistorisches Umfeld. Forschungen und Berichte zur ArchĂ€ologie in Baden-WĂŒrttemberg (18). Hrsg.: Röber, Ralf. Konstanz Obere Augustinergasse. Deutsch. 2020. 376 S. 42 Tafeln, 4 Beilagen, 50 Abb.,, 173 fb. Abb. 29,7 x 21,0 cm.EUR 75,00. ISBN: 978-3-95490-479-2 L, Reichert
Nach dem 2018 erschienenen Band ĂŒber die Konstanzer MarktstĂ€tte (Forschungen und Berichte zur ArchĂ€ologie in Baden-WĂŒrttemberg Bd. 5) hat die Aufarbeitung einer zweiten großen Konstanzer Grabung ihren Abschluss gefunden. Im Hinterhofbereich der wichtigsten Nord-SĂŒd-Verbindung in der Stadt, der Hussenstraße, wurden 1986–1987 großflĂ€chige Untersuchungen durchgefĂŒhrt. An deren Auswertung waren zahlreiche Fachleute verschiedenster Wissenschaftsdisziplinen beteiligt. In einem breit gespannten interdisziplinĂ€ren Ansatz erfolgt, ausgehend von der Einbettung des Quartiers in stĂ€dtebaulicher, bauhistorischer und historischer Hinsicht durch Frank Mienhardt, Frank Löbbecke und Hilde Bibby die Auswertung der Befunde durch Ralph Röber. Vorgelegt wird darĂŒber hinaus Fundmaterial aus Leder, Glas, Keramik und Metall durch Dorothee Ade, Jori Fesser, Andrea Nölke, Ralph Röber sowie Serge und Marquita Volken. Naturwissenschaftliche Untersuchungen von Ralf-JĂŒrgen Priloff und Edith Schmidt zu den Tierknochen und Überresten von Insekten erlauben RĂŒckschlĂŒsse auf die ErnĂ€hrung der Bewohner, sowie den Pflanzenbewuchs und die hygienischen VerhĂ€ltnisse in diesem Areal.
Die Ă€ltesten Funde, darunter eine Zwiebelknopffibel, stammen aus römischer Zeit, sind allerdings verlagert. Trotz unmittelbarer NĂ€he zur frĂŒhmittelalterlichen Kirche St. Paul erfolgte eine Aufsiedlung erst ab der zweiten HĂ€lfte des 11. Jahrhunderts. Noch um 1300 war die Straßenfront nicht durch HĂ€user geschlossen. Es entwickelte sich in dieser verkehrsgĂŒnstigen Lage ein sozial gehobenes Quartier, was sich im archĂ€ologischen Material unter anderem durch die Reste von Schutzbewaffnung, kostbaren GlĂ€sern und GefĂ€ĂŸen fĂŒr die Destillation Ă€ußert. Aber auch die Einfuhr von Heidelbeeren, vielleicht auch Pfirsichen, Mandeln und Maulbeeren, bis zu LuxusgĂŒtern wie Feigen und GranatĂ€pfeln zeigen die finanziellen Möglichkeiten der Bewohner. Im Rahmen einer allgemeinen BlĂŒte der Stadt in der ersten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts verlangte der Bebauungsdruck die Anlage von HinterhĂ€usern. Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts, in einer Zeit der religiösen und politischen Krisen, aber auch von Hungersnot und Pest, ist ein Stillstand zu beobachten, der erst im 15. Jahrhundert ĂŒberwunden wird. Die Hinterhöfe der WohnhĂ€user wurden multifunktional genutzt: Als Zier- und NutzgĂ€rten, zur Haltung von Kleinvieh, vielleicht auch zur Aufstallung von Pferden und, wie es damals ĂŒblich war, zur Errichtung von Latrinen. Nicht nur diese, sondern auch Misthaufen, modernde Hölzer und offen zutage liegende Lebensmittelreste haben ein hohes Infektionsrisiko bedeutet, und es ließ sich ein Befall der Bewohner durch verschiedene Parasiten nachweisen.
Freiheitsbaum und Galgen. Die Mainzer Republik 1792/93. Chronologie, Dokumente mit Anmerkungen, AufsÀtze zur französischen Expansionspolitik und zur Rolle der Mainzer Jakobiner. Brauburger, Heinz.Deutsch. 2020. 148 S. 88 fb. Abb., 4 Abb. 24 x 17 cm. L. Reichert Verlag, Wiesbaden 2020. EUR 29,80. ISBN: 978-3-95490-467-9 L, Reichert
Die Mainzer Republik – beginnend mit der Eroberung der Festung und der Residenzstadt des KurfĂŒrsten, Erzbischofs und Erzkanzlers Erthal durch General Custine am 21. Oktober 1792, endend mit dem Abzug von 20.000 Revolutionssoldaten am 24.07.1793 – ist von Beginn an umstritten. In der politischen Diskussion anlĂ€sslich der EinfĂŒhrung des Platzes der Mainzer Republik bezeichneten die Protagonisten die „Mainzer Republik“ als Wiege deutscher Freiheit, als Wurzel der Demokratie in Deutschland, die auf dem ersten nach demokratischen GrundsĂ€tzen zustande gekommenen Parlament der deutschen Geschichte basierte. Auch das Werk setzt sich mit diesen Wertungen auseinander. Es stellt den Zusammenhang dar mit dem ersten Koalitionskrieg zwischen Österreich, Preußen und ihren VerbĂŒndeten einerseits, Frankreich andererseits, mit der Kanonade von Valmy, dem Übergang vom Verteidigungskrieg zum Befreiungskrieg fĂŒr die „unterjochten Völker“, und schließlich zum Eroberungskrieg im Rahmen der zweiten, der radikalen Phase der Revolution. In Chronik, AufsĂ€tzen und Dokumenten zeigen sich die Ziele Frankreichs und die InteressenidentitĂ€t der deutschen Jakobiner: Revolutionierung zur Überwindung des „ancien rĂ©gime“, der adligen und stĂ€ndischen Herrschaft; Anschluss der eroberten Gebiete an Frankreich als Ziel; Enteignung und Vertreibung als Mittel eines zunehmend autoritĂ€ren, nicht demokratisch legitimierten Systems. Die Frage: Der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent – Wiege der Demokratie, Ursprung des Parlamentarismus wird ebenso verneint wie die Frage nach der „liberalen“ Anfangsphase der Mainzer Republik. Am Beispiel des bekanntesten Mitglieds des Jakobinerclubs, Georg Forster, wird der Weg der Mainzer Republik „mit Pathos und Gewalt“ in die frĂ€nkische Freiheit dargestellt. Beschrieben wird, wie eine jakobinische Minderheit, von hochfliegenden Ideen erfĂŒllt, glaubte, das Recht zu haben, die „rĂŒckstĂ€ndige Bevölkerung“ ohne RĂŒcksicht und mit Gewalt zu ihrem angeblichen GlĂŒcke zwingen zu dĂŒrfen. Deutlich ist die Frage, die im letzten Satz aufgeworfen wird: Staaten, die andere Völker unterjochen, revolutionĂ€re Minderheiten, die unter dem Schutz auslĂ€ndischer Bajonette in einem zunehmend totalitĂ€ren System Menschen zu ihrem GlĂŒck zwingen wollen – dĂŒrfen die EhrenplĂ€tze erhalten?
Die Reisen des Grafen und der GrĂ€fin von Schlieffen 1850 bis 1853. Menschen – Reisen – Forschungen (6). Germer, Renate. Orient statt Mecklenburg. Deutsch. 2020. 302 S. 308 fb. Abb., 29 Abb. 27,0 x 21,0 cm.EUR 79,00. ISBN: 978-3-95490-501-0 L, Reichert
Graf Wilhelm von Schlieffen bereiste in den Jahren 1851-1853 Ägypten und den Sudan. Er war Erbe eines großen Majorates in Mecklenburg, mit 20 Jahren aber noch nicht mĂŒndig. Seine frĂŒh verwitwete Mutter GrĂ€fin Sophie von Schlieffen geb. v. Jagow hatte seine Erziehung nach ihren religiösen Vorstellungen streng geleitet und ĂŒberwacht. In ihren mehr als 2.700 Seiten umfassenden erhaltenen Tagebuchaufzeichnungen ĂŒber die Entwicklung ihres Sohnes hat sie ihre Gedanken niedergeschrieben. Um ihren Sohn dem Einfluss seiner Familie und seines Vormundes zu entziehen, ging sie frĂŒh mit ihm auf Reisen, zuerst in Europa, danach waren Ägypten und der Sudan ihr Ziel. In Ägypten und Nubien fuhren Mutter und Sohn, wie alle Touristen, mit einer Dahabije auf dem Nil, um die antiken Monumente zu besichtigen. Der Berliner Ägyptologe Richard Lepsius, mit dem die GrĂ€fin bekannt war, hatte Graf Wilhelm einige Ă€gyptologische AuftrĂ€ge wie das Kopieren oder Abklatschen von Inschriften mit auf den Weg gegeben, die der Graf auch ausfĂŒhrte. Von Lepsius vorgeschlagene Ausgrabungen konnte der Graf allerdings aus Zeitmangel und aufgrund bĂŒrokratischer Schwierigkeiten nicht ausfĂŒhren. Er machte aber Lepsius auf die in Dongola liegende Stele des Königs Nastasen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. aufmerksam, die spĂ€ter als Geschenk des Ă€gyptischen Vizekönigs in das Ägyptische Museum Berlin kam. Von Dongola aus reisten der Graf und die GrĂ€fin mit einer Kamelkarawane nach el-Obeid, der Hauptstadt des Kordofan und von dort aus östlich bis an den Nil. GrĂ€fin von Schlieffen war die erste EuropĂ€erin, die den Weißen Nil sĂŒdlich von Khartum erreichte. Der Graf war außer an antiken Monumenten vor allem an der Natur der fremden LĂ€nder interessiert, ein scharfer Beobachter der Tier- und Pflanzenwelt, er sammelte Tier-BĂ€lge fĂŒr das Zoologische Museum in Berlin, eine darunter neu entdeckte Fledermausart wurde nach ihm benannt. Da er Arabisch sprach, gelang es ihm mit den Leuten unterschiedlichsten ethnischen Hintergrundes Kontakt aufzunehmen. Sein Reisetagebuch ist deshalb ein ungewöhnlich vielseitiger Berichter, besonders ĂŒber den Sudan in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
The Stone and Metal Miniature Repertoire of the Awam Cemetery Marib (Yemen). ArchÀologische Berichte aus dem Yemen (15). O`Neill, D Arne. 2020. 488 S. 1306 sw. Abb. 31,0 x 22,5 cm. Englisch. EUR 98,00. ISBN: 978-3-95490-470-9 L, Reichert
The study documents the first millennium BC miniature repertoire of 1006 stone and 126 metal miniatures excavated from the Awām cemetery in the Mārib oasis Yemen by the German Archaeological Institute in 1997-2001. Prior to the excavation of the `Awām cemetery, and in common with many sites in the Near East, miniature finds in South Arabian archaeological contexts were typically fragmentary. Miniatures as a class have generally been under studied in the archaeological literature with definitions often arbitrary and cultural meanings by default. The Stone and Metal Miniature Repertoire of the Awām Cemetery, Mārib (Yemen) critically examines in depth the forms, comparanda, chronology, origins and functions of the stone and metal miniature repertoire and places it in its wider South Arabian cultural setting. The first appearance of miniatures in the South Arabian archaeological record is discussed and is connected to the appearance of other major elements of first millennium BC South Arabian culture such as script, monumental architecture and iconography. The various stone and metal miniatures forms that were deposited in the `Awām cemetery for burial are revealed, parallel forms where they exist are documented and chronology of the repertoire discussed. Questions relating to specific functions of the miniatures in South Arabia, whether they were a pragmatic response to cemetery overcrowding, an attempt to limit looting, or a symbolic statement are explored. Researchers interested in miniatures as a particular class of objects historically ignored and largely understudied in Near Eastern archaeology, will find a wealth of detailed information in the study. Those interested in South Arabia will find a compelling account of a miniature repertoire from the largest cemetery to be excavated to date of the powerful first millennium BC Sabaean polity.
Römische Lampen der Sammlung K. Wilhelm. MĂŒnchner BeitrĂ€ge zur Provinzialrömischen ArchĂ€ologie; ErgĂ€nzungsbĂ€nde (2). Abspacher, Ines. Italische und nordafrikanische Lampen des 1. bis 5. Jahrhunderts. Deutsch. 2020. 192 S. 30 Tafeln, 215 Abb., 75 fb. Abb. 24,0 x 17,0 cm. EUR 34,00. ISBN: 978-3-95490-412-9 L, Reichert
Die vorgelegten Lampen sind Bestandteil einer Sammlung römischer Feinkeramik von K. Wilhelm, deren Schwerpunkt auf nordafrikanischer Sigillata des spĂ€ten 2. bis 6. Jahrhunderts liegt, die bereits 2019 als Band 8 der MBPA veröffentlicht wurde. Elf Bildlampen wurden in Italien produziert, 41 Lampen und drei Lampenmodel wurden in Nordafrika hergestellt. Sie bieten einen Überblick ĂŒber Formen- und Dekorspektrum der zum Teil in großen StĂŒckzahlen gefertigten und weitrĂ€umig verhandelten Beleuchtungskörper. Bei den frĂŒh- und mittelkaiserzeitlichen Exemplaren aus Italien handelt es sich um typische Beispiele fĂŒr diese Bildlampen. Sie sind teilweise von großer kĂŒnstlerischer QualitĂ€t; ihre Spiegel zieren Motive, die mit ihrer lichtspendenden Funktion in Verbindung stehen, aber auch verschiedene mythologische Szenen. Die nordafrikanischen, nicht-rottonigen Lampen des 2. und 3. Jahrhunderts sind gleichfalls als typische Exemplare anzusprechen; herausragend ist eine Volutenlampe, deren Spiegel mit einer Risalitvilla und einem zweirĂ€drigen Wagen verziert ist. Bislang gibt es kaum konkrete Hinweise, in welchen Töpfereien in Tunesien diese Lampen gefertigt wurden. Aus solchen stammen auch drei singulĂ€re Oberteile von Gipsmatrizen, die zur Lampenherstellung verwendet wurden. Der grĂ¶ĂŸte Teil der nordafrikanischen Lampen ist rottonig und rot engobiert, darunter zwei figurale Kopflampen. Große Bedeutung kommt zwölf in Zentraltunesien hergestellten rottonigen, rot engobierten (Sigillata-)Lampen zu, die zu den seltenen Vertretern der frĂŒhen Produktionsphase dieser Gattung wĂ€hrend des 3. und der ersten HĂ€lfte des 4. Jahrhunderts gehören. Sie zeigen den Variantenreichtum sowohl in der Form als auch im Dekor wĂ€hrend einer frĂŒhen Experimentierphase in der Produktion dieser Lampen, die letztlich zu den „klassischen“ spĂ€tantiken Formen mit teilweise christlichen Spiegel- und Schulterdekormotiven fĂŒhrten. So wurden teilweise Ă€ltere, nicht-rottonige Lampen zum Vorbild genommen, abgeformt und abgewandelt; teilweise entwickelte man aber auch neue Formen bzw. Form- und Dekorelemente. Zur Verzierung der Spiegel verwendeten die Töpfer vom 3. bis frĂŒhen 5. Jahrhundert oftmals von der applikenverzierten SigillatagefĂ€ĂŸkeramik abgeformte Dekormotive. Dies zeigt bereits die Verbindungen zu den diese reliefverzierte Sigillata produzierenden WerkstĂ€tten in Zentraltunesien. Eine BestĂ€tigung hierfĂŒr liefern die Röntgenfluoreszenzanalysen ausgewĂ€hlter Lampen der Sammlung. Demnach stammt der Großteil der frĂŒhen Exemplare aus Henchir el Guellal bei Djilma, dem offensichtlich in der FrĂŒhphase der rottonigen Lampen wichtigsten Produktionszentrum in Zentraltunesien, einzelne StĂŒcke wurden jedoch in Sidi Marzouk Tounsi hergestellt.
Aus der Arbeit des Rheinischen Landesmuseums Trier. Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier (51). Hrsg.: Rheinisches Landesmuseum Trier. Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier 51/2019. Deutsch. 2020. 123 S. 51 Abb., 97 fb. Abb. 24,0 x 17,0 cm. EUR 12,80. ISBN: 978-3-95490-502-7 L, Reichert
Aus dem Inhalt:
Sabine Faust
Eine FĂŒlle an FĂŒllhörnern:
Das römische DoppelfĂŒllhorn aus Morscheid, Kreis Trier-Saarburg, und weitere FĂŒllhörner aus Trier und Umgebung
Korana Deppmeyer
Sol – ein römischer Gott aus Hottenbach, Kreis Birkenfeld
Lothar Schwinden
Die Weinschiffe der römischen GrabmÀler von Neumagen
Karl-Uwe Mahler
Wo saß der ‚ernste Steuermann‘ des Neumagener Weinschiffs tatsĂ€chlich?
Sabine Faust
Ausgrabungen an der Feldstraße in Trier.
Zur Fundstelle der Legionsziegelstempel
Lars Blöck
Ein spĂ€tantik-frĂŒhmittelalterlicher Monogrammring aus Oberweis, Eifelkreis Bitburg-PrĂŒm
Lukas Clemens / Sonngard Hartmann / Hiltrud Merten / Nicole Reifarth / Stefan Schu / Marvin Seferi / Wolf-RĂŒdiger Teegen
FrĂŒhchristliche Bestattungstraditionen in SpĂ€tantike und frĂŒhem Mittelalter.
Aktuelle Forschungen zur Coemeterialbasilika unter St. Maximin vor Trier
Anne Kurtze
„Trierer Heidenwerfen“?
Die Venus von St. Matthias. Zur Überlieferung seit dem Mittelalter
Sigmund Oehrl
Ein Bronzearmring mit Runen aus Lorscheid, Kreis Trier-Saarburg, und die Rezeption der „Merseburger ZaubersprĂŒche“
JĂŒrgen Merten
Der „Große Trier-Plan“ der 1930er Jahre:
Die Via (triumphalis) archaeologica und das Großmuseum im KurfĂŒrstlichen Palast Autoren
ArchÀologischer Anzeiger. 2. Halbband 2019. Fless, Friederike; von Rummel, Philipp. ArchÀologischer Anzeiger. Deutsch. 2020. ca 262 S. 62 Abb., 176 fb. Abb. 29,7 x 21,0 cm. EUR 40,00. ISBN: 978-3-95490-471-6 L, Reichert
Im ArchĂ€ologischen Anzeiger werden KurzbeitrĂ€ge zu aktuellen Forschungen und Berichte ĂŒber Grabungsprojekte des DAI sowie von Fachkollegen weltweit publiziert. SchwerpunktmĂ€ĂŸig informiert die Zeitschrift ĂŒber Themen aus dem Mittelmeerraum von der Vorgeschichte bis in die SpĂ€tantike, durchaus aber auch ĂŒber Projekte außerhalb des Kernbereichs der Alten Welt.
Jahrbuch der Ernst Herzfeld-Gesellschaft e.V. Vol. 6, Encompassing the Sacred in Islamic Art. BeitrÀge zur islamischen Kunst und ArchÀologie (6). Hrsg.: Ernst-Herzfeld-Gesellschaft e.V.; Korn, Lorenz; Ivren, Cigdem. BeitrÀge zur Islamischen Kunst und ArchÀologie. Englisch. 2020. ca 176 S. 23 Abb., 43 fb. Abb. 24,0 x 17,0 cm. EUR 79,00. ISBN: 978-3-95490-448-8 L, Reichert
To what extent has Islam as a religion shaped the art and material culture of the Middle East and North Africa? How is Islamic religion, in turn, informed by art and material culture? Under the title "Encompassing the Sacred", papers at the 11th Colloquium of the Ernst Herzfeld Society have carefully examined these questions, with a focus on sanctity and the sacred, through examples of Qur`an manuscripts, calligraphic writing, royal iconography, religious locations and buildings. Nine case studies gathered in this volume range from shrines and banners in early Islam until ongoing debates about the use and the conservation of religious buildings.
Untersuchungen zur Siedlungs- und Handelsgeschichte des augusteischen vicus und des municipium Claudium Iuvavum. MĂŒnchner BeitrĂ€ge zur Provinzialrömischen ArchĂ€ologie (9). Schmid, Sebastian; Gschwind, Markus. Italische Terra Sigillata aus Iuvavum/Salzburg. Deutsch. 2020. ca 320 S. 477 Abb., 544 fb. Abb. 29,7 x 21,0 cm. EUR 59,00. ISBN: 978-3-95490-450-1 L, Reichert
Aufgrund ihrer weitrĂ€umigen Verhandlung und ihrer feinchronologischen Relevanz stellt die in großen Mengen in Ober-, Mittel- und SĂŒditalien sowie SĂŒdfrankreich hergestellte italische Terra Sigillata eine der wichtigsten Quellengattungen der frĂŒhen Kaiserzeit dar. Dabei kommt ihr insbesondere in siedlungs- und handelsgeschichtlicher Hinsicht eine entscheidende Rolle zu.
Aus Österreich, aber auch aus den angrenzenden Gebieten, wurde bislang nur aus der Stadt auf dem Magdalensberg (KĂ€rnten) eine große Menge dieser Feinkeramik publiziert. Mit mehr als 1500 Fragmenten, von denen ĂŒber 1000 auch typologisch klassifizierbar waren, kann nun auch aus Salzburg/Iuvavum eine mehr als reprĂ€sentative Zahl italischer Terra Sigillata vorgelegt werden. Diese fanden sich im Zuge der langjĂ€hrigen Ausgrabungen in der Stadt, insbesondere wĂ€hrend archĂ€ologischer Untersuchungen der letzten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.
Iuvavum wurde zu etwa gleich großen Teilen mit italischer Terra Sigillata aus WerkstĂ€tten in Mittel- und Oberitalien beliefert, wie makroskopische Untersuchungen und chemische Analysen (durch G. Schneider und M. Daszkiewicz), aber auch ĂŒber 160 Töpferstempel zeigen. Die frĂŒhesten GefĂ€ĂŸe stellen Teller und Schalen dar, die in das letzte Jahrzehnt v. Chr. und das erste Jahrzehnt n. Chr. datieren; es ĂŒberwiegen jedoch Formen des 1. Jahrhunderts n. Chr., von denen ĂŒber 500 Fragmente mit Appliken verziert sind.
Die antiquarische Analyse der italischen Terra Sigillata aus Iuvavum und der Vergleich des Salzburger Spektrums mit jenen anderer Fundorte in Raetien und Noricum erlaubt weitergehende Untersuchungen zur Siedlungs- und Handelsgeschichte der Stadt an der Salzach in der frĂŒhen Kaiserzeit: Die frĂŒhesten GefĂ€ĂŸe belegen eine in mittelaugusteischer Zeit gegrĂŒndete, kleinere Siedlung, die vornehmlich mit Produkten aus Oberitalien versorgt wurde. Bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., als die Stadt unter Kaiser Claudius den Rang eines municipium erhielt, breitete sie sich ĂŒber das gesamte spĂ€tere Stadtgebiet aus, wobei die Terra Sigillata nun mehrheitlich aus Mittelitalien stammte. Diese VerĂ€nderung in der Herkunft der italischen Terra Sigillata aus Salzburg ist wohl mit einem Wandel der Belieferungsstrukturen und anderen Transportwegen zu verbinden. Dabei spielten insbesondere die Nord-SĂŒd-Routen ĂŒber die TauernpĂ€sse eine wichtige Rolle. Die Verbindung nach Westen in Richtung Augsburg hatte – zumindest in der FrĂŒhzeit – offenbar keine grĂ¶ĂŸere Bedeutung fĂŒr die Versorgung Salzburgs mit Terra Sigillata.
Teil 3. TĂŒbinger Atlas des Vorderen Orients (Beihefte) (7). Bagg, Ariel M.. Die Orts- und GewĂ€ssernamen der neuassyrischen Zeit. Deutsch. 2020. ca 1104. S. 1 Landkarten. 24,0 x 17,0 cm. in 2 BĂ€nden. EUR 148,00. ISBN: 978-3-95490-430-3 L, Reichert
Die historische Geographie ist eine der wichtigsten Disziplinen, die eine Rekonstruktion der Geschichte des Alten Orients ermöglichen. Es sind ĂŒberwiegend die Keilschriftquellen, die den Zugang zu den zahlreichen Ortsnamen erschließen. Eine große Anzahl einschlĂ€giger Orts- und GewĂ€ssernamen ist als kommentierte Materialsammlung in der Reihe RĂ©pertoire GĂ©ographique des Textes CunĂ©iformes (RGTC) erfasst. Es liegen bisher 16 BĂ€nde bzw. TeilbĂ€nde vor (1974–2017), die nach chronologischen und regionalen Kriterien gegliedert sind. Sie sind ebenso wie die Karten des TAVO ein wichtiges Hilfsmittel fĂŒr die Erforschung der Historischen Geographie des Alten Orients. Der vorliegende Band stellt den dritten und abschließenden Teil der neuassyrischen Orts- und GewĂ€ssernamen fĂŒr die Reihe RĂ©pertoire GĂ©ographique des Textes CunĂ©iformes dar. Im 2007 publizierten ersten Teil (RGTC 7/1) wurde die Levante behandelt. Der zweite Teil RGTC 7/2 (2017) umfaßt Ägypten, die arabische Halbinsel, das Kernland Assyriens, das Osttigrisgebiet, die nordwestliche Ğazīra, das Ḫābūr-Gebiet, die östliche Ğazīra und Nordmesopotamien. RGTC 7/3 umfasst ĂŒber 1400 mit ca. 500 zusĂ€tzlichen fragmentarischen Toponymen aus den restlichen Regionen des neuassyrischen Reiches: Urarṭu, das Zagrosgebiet, Elam und Babylonien. DarĂŒber hinaus wurden die Ortsnamen unbekannter Lage berĂŒcksichtigt.Wie in den ersten zwei Teilen enthĂ€lt RGTC 7/3 ausfĂŒhrliche Register sowie zwei Anlagen mit ErgĂ€nzungen zu RGTC 7/1 und RGTC 7/2.
Die Darbietung des Materials schließt sich an frĂŒhere RGTC-BĂ€nde an. RGTC 7 umfasst alle Texte der neuassyrischen Zeit, soweit sie nicht als „literarisch“ einzustufen sind, d. h. Königsinschriften, Briefe, Rechts- und Veraltungsurkunden, VertrĂ€ge, königliche Erlasse, astrologische Berichte und historiographische Texte. Anschließend an RGTC 5 (1982) von Kh. Nashef werden alle Texte von 934 v. Chr. bis zum Untergang des neuassyrischen Reich berĂŒcksichtigt. Orts- und GewĂ€ssernamen werden alphabetisch und unter BerĂŒcksichtigung der unterschiedlichen Keilschriftorthographie aufgefĂŒhrt. DarĂŒber hinaus erfolgt die Anordnung der Belege nach chronologischen und typologischen (Art der Quelle) Kriterien. Es folgen Angaben zur Lokalisierung unter BerĂŒcksichtigung der relevanten SekundĂ€rliteratur. Wie in den BĂ€nden RGTC 8 und RGTC 12/2 werden die Ortsnamen nach ihrer sprachlichen Herkunft zugeordnet. Umfangreiche Register, darunter Verzeichnisse der modernen Ortsnamen sowie der erwĂ€hnten aramĂ€ischen, biblischen, klassischen Toponyme u. a. schließen die BĂ€nde ab. BeigefĂŒgte Karten veranschaulichen die meisten LokalisierungsvorschlĂ€ge.
Travels in Nubia – Photographs of an expedition around 1900. Menschen – Reisen – Forschungen (4). Hrsg.: Helmbold-DoyĂ©, Jana; Gertzen, Thomas L. Reise durch Nubien – Fotos einer Expedition um 1900. Deutsch. 2020. 192 S. 124 sw. Abb., 10 fb. Abb. 27,0 x 21,0 cm. EUR 49,00. ISBN: 978-3-95490-367-2 L, Reichert
Nubien um 1900, versunkene Welten auf wiederentdeckten Fotografien aus dem Ägyptischen Museum Berlin; im Rahmen der Erschließung des Fotoarchivs des Museums sind 340 Aufnahmen von einer Expedition in die Region zwischen dem ersten und zweiten Nilkatarakt wiederaufgetaucht, welche in Auswahl in diesem Band erstmals publiziert werden. Begleitet durch BeitrĂ€ge zu den HintergrĂŒnden der Reise, der Kulturlandschaft Nubiens und der Geschichte der frĂŒhen Fotografie in Ägypten werden zusĂ€tzlich bislang ebenfalls nicht veröffentlichte Bleistiftzeichnungen aus den BestĂ€nden der Southern Methodist University, Dallas publiziert. Dadurch wird der bereits in MRF 2 veröffentlichte Quellenbestand zu der Reise nach Nubien im Jahr 1900 vervollstĂ€ndigt und weitere Einblicke in eine Welt gewĂ€hrt, die inzwischen in den Fluten des Nasser-Stausees versunken ist.
Die Inschriften des Hochtaunus-Kreises und des Main-Taunus-Kreises. Mainzer Reihe; Die Deutschen Inschriften (97). Monsees, Yvonne; Fuchs, RĂŒdiger. Deutsch. 2020. 884 S. 136 Tafeln, 99 Abbildungen, schwarz-weiß, 316 Abbildungen, farbig. 27,0 x 19,0 cm. EUR 98,00. ISBN: 978-3-95490-297-2 L, Reichert
Der Band enthĂ€lt ca. 400 Katalognummern mit den mittelalterlichen und frĂŒhneuzeitlichen Inschriften vom 7. Jahrhundert bis zum Jahr 1700. Der Katalog beginnt mit dem einzigen erhaltenen frĂŒhmittelalterlichen Grabstein der Roteldis. Danach sind Inschriften erst wieder aus dem 14. Jahrhundert nachzuweisen. Heraus ragen die Grabplatten der Herren von Kronberg und ab dem 15. Jahrhundert die Adelsgrablegen ebendort, in Eppstein und Königstein mit Figurengrabplatten. Das adlige SelbstverstĂ€ndnis der Familie von Kronberg spiegelt sich darĂŒber hinaus in Schlachten-, Familienbildern und Fensterzyklen. Einen eigenen Schwerpunkt fĂŒr das 17. Jahrhundert bildet die Grablege der Landgrafen von Hessen in der FĂŒrstengruft der Homburger Residenz. Zahlreiche ZinnsĂ€rge der landgrĂ€flichen Familie legen in ausfĂŒhrlichen Bibelzitaten und lĂ€ngeren Grabinschriften ein eindrucksvolles Zeugnis von der Frömmigkeit einer FĂŒrstenfamilie ab. Seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert sind Inschriften von gelehrten Theologen und Juristen, Pfarrern und Amtleuten sowie von BĂŒrgern ĂŒberliefert. Der Band enthĂ€lt einen grĂ¶ĂŸeren Fachwerkbestand auch mit poetischen Hausinschriften.
Die frĂŒhhellenistische Nekropole von Alexandria-Shatby. Studien zur Antiken Stadt (RJ342), Band: 17. Rummel, Christoph; Schmidt, Stefan. 2020. 148 S., 243 Abbildungen, 2 Beilagen. 32 x 24 cm., Hardcover. Deutsch. EUR 69,00 ISBN: 978-3-95490-395-5 L, Reichert
Nach der GrĂŒndung durch Alexander den Großen wuchs Alexandria schnell zu einer Großstadt neuen Typs. Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft schufen sich einen neuen Lebensraum und neue gesellschaftliche Strukturen. Das Ă€lteste bekannte BegrĂ€bnisgelĂ€nde der Stadt ist die Nekropole von Shatby, die in den besonders bewegten einhundert Jahren nach der StadtgrĂŒndung genutzt wurde. Ausgrabungen am Beginn des 20. Jahrhunderts sowie die aktuellen Nachuntersuchungen der Autoren zeigen die Entwicklung der alexandrinischen Bestattungsformen und Grabarchitekturen, bei der auf unterschiedliche Inspirationsquellen zurĂŒckgegriffen wurde. Neben detaillierten Analysen der alten und neuen archĂ€ologischen Befunde bietet der Band einen Einblick in die gesellschaftlichen Bindungen und Bedingungen, die sich in den GrĂ€bern widerspiegeln. Das rasante Wachstum der Stadt fĂŒhrte schließlich zur Aufgabe der frĂŒhen Nekropole. Auch dieser Vorgang kann im archĂ€ologischen Befund nachvollzogen werden.
From Ordinary to Luxury. Islamic Ceramics from Iran, Central Asia and Afghanistan. Siméon, Pierre. Hrsg.: Daiber, Verena. Engl. 2020. 192 S. 190 Abb. 369 fb. Abb. 30 x 21 cm. EUR 79,00. ISBN: 978-3-95490-387-0 L, Reichert
“From Ordinary to Luxury” is based on the glazed and unglazed pottery from The Bumiller Collection, assembled by the late Manfred Bumiller (1928-2018). The work is both a profound study of Central Asian ceramics and the start of the new series “Studies on The Bumiller Collection” dedicated to the development of the collection of the University Museum of Islamic Art in Bamberg. Pierre SimĂ©on’s expertise and hands-on experience as an archaeologist are invaluable assets for the knowledge of Iranian and Central Asian pottery. Apart from that, his study takes into account the works of our Russian colleagues, that have gone without adequate acknowledgement for decades due to the language barrier. After a break of ten years this book on material largely neglected and barely studied in a comprehensive way launches the new series of Studies on The Bumiller Collection. May it be a handbook for whoever works on and is interested in the field of Islamic ceramics from the area that spreads from the Zagros to the borders of China.
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