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Reichert, Dr. Ludwig Verlag

 
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Kauz, Ralph: Politik und Handel zwischen Ming und Timuriden. China, Iran und Zentralasien im SpÀtmittelalter. 2005. 312 S., 1 sw. Abb. 24 x 17 cm. (Iran - Turan 7) Gb EUR 69,- ISBN: 3-89500-388-3 L, Reichert
Sinologie und islamkundlich orientierte Philologien – hier die Iranistik – verfolgen oft mit vergleichbaren Methoden vergleichbare Inhalte, werden aber eher ausnahmsweise in einer Studie zusammengefĂŒgt. Falls zu speziellen historischen Ereignissen Quellen beider Disziplinen vorhanden sind, bietet sich eine solche Synthese an, ist bei der kritischen Analyse der Texte streng genommen sogar vorgeschrieben, können doch nur so die dort erzĂ€hlten Ereignisse mit denen, die die "Gegenseite" ĂŒberliefert, verglichen werden. Dennoch findet diese Zusammenschau nur selten statt.
Nach dem Zusammenbruch der mongolischen Dynastien in Iran (einschließlich des westlichen Teils Zentralasiens) und in China ĂŒbernahmen die Timuriden (im Westen) respektive die Ming (in China) deren Erbe. Beide Dynastien waren in hohem Maße nach "außen" orientiert – die Ming allerdings nur in den ersten Jahrzehnten ihrer Herrschaft. Die nach außen gerichteten Unternehmungen beider waren keineswegs immer friedlich – besonders gilt das natĂŒrlich fĂŒr Timur selbst, aber auch die Ming fĂŒhrten offensive FeldzĂŒge – etwa nach Vietnam – durch. Ein Erbe der Mongolen, das in einer langen Tradition der Kontakte zwischen Ost- und Westasien steht, ist der enge Kontakt und Austausch, der sich zwischen Timuriden und Ming nach einigen Anfangsschwierigkeiten schon am Ende des 14. Jahrhunderts entwickelte. Das Potenzial dieser Interaktionen ist schwer abzuschĂ€tzen, aber bei beiden Dynastien wurden sie fĂŒr wert gefunden, an nicht unwichtiger Stelle aufgezeichnet zu werden.
Die persischen und chinesischen Aufzeichnungen der genannten Periode bilden die Quellenbasis der hier vorliegenden Politik-, Wirtschafts- und Diplomatiegeschichte Asiens im SpĂ€tmittelalter. Nach einer EinfĂŒhrung in die außenpolitischen Systeme der Timuriden und der Ming wird der Verlauf der Interaktionen beider Reiche beschrieben und analysiert. Die methodische Grundlage bilden Werkzeuge der Politikwissenschaft. Das reziproke politische Interesse beider Reiche dauerte nur wenige Jahrzehnte an, wichtiger war das kommerzielle Interesse und dabei vor allem das der Timuriden an der chinesischen Seite. In der Arbeit wird den Fragen nachgegangen, worin das Interesse der beteiligten Parteien an diesen innerasiatischen Interaktionen bestand und warum sie letztlich scheiterten.
Paulinus Nolanus und die Basilica Nova in Cimitile/Nola. Studien zu einem zentralen Denkmal der spĂ€tantik-frĂŒhchristlichen Achitektur. Von Tomas Lehmann. 2004. 4°. 476 S. 42 fb. u. 274 s/w-Abb., 1 Faltkarte, Gb., EUR 169,– ISBN: 3-89500-133-3 L, Reichert
SpĂ€tantike – FrĂŒhes Christentum – Byzanz. Kunst im ersten Jahrtausend
Hg. von Beat Brenk, Johannes G. Deckers, Arne Effenberger, Lieselotte Kötzsche
Reihe B: Studien und Perspektiven, Band 19
Das christliche Pilgerheiligtum des hl. Felix in Cimitile/ Nola (nordöstlich von Neapel gelegen) ist in vielfĂ€ltiger Hinsicht ein einzigartiges Denkmal der Kunst- und Kul-tur-geschichte. Es gibt keinen anderen frĂŒhchristlichen Baukomplex, der eine solch reichliche FĂŒlle an archĂ€ologisch und kunstgeschichtlich bedeutenden Zeugnissen (vom 3. bis 6. Jh.) und zugleich an epigraphischen und literarischen Quellen (vom 4. bis 6. Jh.) aufweisen kann. Von keinem anderen in der SpĂ€tantike entstandenen Kirchenkomplex haben sich so frĂŒhe und umfangreiche Baubeschreibungen (aus der Zeit um 400) erhalten, die zudem nicht nur zahlreiche Details zur Architektur und Ausstattung, sondern auch zur Nutzung einzelner, z. T. noch zu ergrabener GebĂ€ude(teile) enthalten. Diese Texte stammen von Meropius Pontius Paulinus (ca. 353-431), nach seinem letzten Aufenthaltsort auch Nolanus genannt, einem der bedeutendsten Zeitgenossen an der Wende vom 4. zum 5. Jh. Nach Aufgabe seiner erfolgreichen politischen Laufbahn und seiner Taufe (im Jahr 389) zog sich der sehr vermögende und literarisch hochgebildete Paulinus aus dem weltlichen Geschehen zurĂŒck und ließ sich als Priester und Mönch am Pilgerheiligtum des hl. Felix vor den Toren der Stadt Nola nieder, wo er dank seines riesigen Vermögens umfangreiche Bau- und Restaurierungsmaßnahmen durchfĂŒhren ließ und ca. 409 Bischof wurde. Nicht nur aus seinen eigenen, schon zu Lebzeiten publizierten Briefen und Gedichten, sondern auch aus den Schriftzeugnissen so bekannter Zeitgenossen wie Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Kaiser Honorius geht hervor, daß sich die PilgerstĂ€tte des hl. Felix zu einem sehr bedeutenden Ort des wissenschaftlich-theologischen Austauschs zwischen Vorderem Orient (PalĂ€stina), Nordafrika und Okzident entwickelte.

Das grĂ¶ĂŸte Bauprojekt des Paulinus Nolanus betraf die Errichtung eines neuen Kirchenbaus, da die alten Ge-bĂ€u--de nicht mehr ausreichten, die stĂ€ndig zunehmende Pilgerschar aufzunehmen. Die in nur etwa zweieinhalb Jahren fertiggestellte und in seinen Schriften ausfĂŒhrlich dargestellte Basilica Nova (Einweihung 403) ist nun erstmals Gegenstand einer Untersuchung, die auf zwei verschiedenen Wegen zum Ziel, d. h. zu einem Rekonstruktionsversuch zu gelangen sucht. Zum einen werden die archĂ€ologischen Befunde unter Einbeziehung neuer Vermessungen und bisher weitgehend nicht veröffentlichter Grabungsergebnisse und Fotos der Jahre 1933-1999 ausfĂŒhrlich vorgestellt und diskutiert, zum anderen werden die den Bau betreffenden Texte eingehend analysiert und z. T. erstmals in die deutsche Sprache ĂŒbersetzt.
Es dĂŒrfte, so kann das Gesamtergebnis bilanziert werden, kaum einen anderen Kirchenbau des 4/5. Jhs. geben, ĂŒber dessen Gestalt, Ausstattung und Funktion wir so gut unterrichtet sind wie bei der Basilica Nova. Die vielfĂ€ltigen Forschungsergebnisse strahlen weit ĂŒber die spĂ€tantike, frĂŒh-christliche und byzantinische ArchĂ€ologie hinaus in die Architektur- und Kunstgeschichte, in die Klassische Philologie und Epigraphik, sowie in die Theologie, insbesondere in die spĂ€tantike Kirchengeschichte und Patristik.
Fanny Hensel. Briefe aus Venedig und Neapel an ihre Familie in Berlin 1839/40. Nach den Quellen zum ersten Mal herausgegeben von Hans-GĂŒnter Klein. 2004. 17 x 24 cm. 120 S. 12 s/w-Abb., Gb., EUR 24,80 ISBN: 3-89500-387-5 L, Reichert
Fanny Hensel, geb. Mendelssohn Bartholdy (1805-1847), unternimmt 1839/40 zusammen mit ihrem Mann, dem preußischen Hofmaler Wilhelm Hensel, und ihrem Sohn eine Reise nach Italien, die sie selbst als einen Höhepunkt ihres Lebens empfindet. Von ihren Erlebnissen berichtet sie regelmĂ€ĂŸig an ihre Familie in Berlin. Nachdem ihre Familienbriefe aus Rom bereits in edierter Form vorliegen, sind mit diesem Band nun auch die ĂŒbrigen Briefe dieser Reise in vollstĂ€ndiger Fassung mit Kommentaren und Anmerkungen veröffentlicht. Auch diese Briefe sind, wie schon die aus Rom, zum erstenmal nach den Quellen, ungekĂŒrzt und in ihrem originalen Wortlaut veröffentlicht.
Die Briefe kommen ĂŒberwiegend aus Venedig und Neapel, wo sich die Familie jeweils lĂ€ngere Zeit aufgehalten hat, aber auch aus Mailand, Verona, Florenz und dann von der RĂŒckreise aus Genua und Airolo. Fanny Hensel berichtet sehr anschaulich und humorvoll von ihren EindrĂŒcken, wenn sie die Überquerung der Alpen schildert oder die Besteigung des Vesuvs. Aus Venedig schreibt sie vor allem ĂŒber die damaligen großen GemĂ€ldesammlungen, die z. T. heute nicht mehr existieren, und gibt uns damit ein bedeutendes Zeugnis ihrer Zeit.
Einen eigenen Schwerpunkt bilden ihre Gedanken und Kommentare zu Berliner Familienereignissen, von denen ihr die Mutter und die Schwester berichten. Entsprechend werden auch die gemeinsamen Bekannten und Freunde gewĂŒrdigt, denen sie in Italien begegnet. So spiegeln diese Briefe auch einen Teil Familiengeschichte der Mendelssohns.
Die Briefe, die bisher nur in Auswahl und in bearbeiteter Form bekannt waren, werden in all ihren Teilen wider-gegeben, einschließlich der kurzen Texte, die der Sohn Sebastian an seinen Cousin Walter Dirichlet schreibt, sowie auch der Postscripta Wilhelm Hensels.
Das in den Briefen eingeschlossene Bildmaterial, gedruckte Vignetten mit Ansichten aus Venedig und die Zeichnungen des Sohnes aus Neapel, ist vollstÀndig reproduziert. Weiter enthÀlt der Band zwei Briefseiten im Faksimile und ein DoppelportrÀt des Ehepaars Hensels. Der Band ist durch ein Literaturverzeichnis und ein Namensregister ergÀnzt
Hans-GĂŒnter Klein, Dr. phil., geboren 1939. Studium der Musikwissenschaft,Philosophie und Kunstgeschichte in Hamburg. Von 1969 bis 2003 tĂ€tig als wissenschaftlicher Bibliothekar in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, dort von 1988 bis 2003 Leiter des Mendelssohn-Archivs. Seit 1993 Mit-Herausgeber der Mendelssohn-Studien, 1991–2001 Herausgeber der Schriftenreihe „VerdrĂ€ngte Musik„. Mehrere Bestands- und Ausstellungskataloge fĂŒr die Staatsbibliothek. Veröffentlichungen ĂŒber die Familie Mendelssohn, Felix Mendelssohn Bartholdy und Fanny Hensel, ĂŒber Oper im 20. Jahrhundert und Musik im „Dritten Reich„.
Weber, Kristine /Wehking, Sabine /Fuhrmann, Hans: Die Inschriften der Stadt Lemgo. 2005. 278 S., 95 sw u. 1 fb. Abb. 27 x 19 cm. (Dt. Inschr. Heidelb. Reihe 59) EUR 49,- ISBN: 3-89500-345-X L, Reichert
Der Band enthÀlt die kommentierte Edition von 239 Inschriften der Stadt Lemgo bis zum Jahre 1650, von denen 62 nicht mehr im Original erhalten sind, sondern nur noch in Àlteren Abschriften oder Fotografien vorliegen.
Die Lemgoer InschriftenĂŒberlieferung setzt im 14. Jahrhundert ein. WĂ€hrend aus der Ă€lteren Zeit im wesentlichen InschriftentrĂ€ger bekannt sind, die in den Bereich der Kirchenausstattung gehören - darunter ein Wandteppich und Wandmalereien mit umfangreichen Text-Bild-Programmen -, verlagert sich der Schwerpunkt der Inschriften mit der dichter werdenden Überlieferung im 16. Jahrhundert von den Kirchen zum Bereich des bĂŒrgerlichen Wohnbaus. Die in Lemgo zahlreich erhaltenen StaffelgiebelhĂ€user und Fachwerkbauten aus der Zeit der Renaissance weisen ein reiches Repertoire an Hausinschriften auf, die neben Baudaten auch Bibelzitate und -paraphrasen sowie in Sentenzen und Sprichwörter gefaßte allgemeine Lebensweisheiten in lateinischer und deutscher Sprache enthalten. Darin reprĂ€sentiert sich das Lemgoer BĂŒrgertum ebenso wie in den Bild- und Inschriftenprogrammen des Rathauskomplexes, in denen die Bildungsinhalte der Renaissance in vielfĂ€ltiger Weise Ausdruck finden.
Der chronologisch aufgebaute Katalogteil wird durch eine umfangreiche Einleitung und zahlreiche Abbildungen ergĂ€nzt. Zehn Register erschließen dem Leser das Material unter verschiedenen Gesichtspunkten.
Osterrieder, Markus: Das wehrhafte Friedensreich. Bilder von Krieg und Frieden in Polen-Litauen (1505-1595). 2005. 338 S. 24 x 17 cm. (Imagines Medii Aevi 20) Ln EUR 59,- ISBN: 3-89500-438-3 L, Reichert
Die Idee, den politischen Gegensatz als Mittel zur eigenen IdentitĂ€tsbildung benutzen, ist aktuell. So schrieb der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington, der 1993 das Schlagwort vom Clash of Civilizations prĂ€gte, 1997 in der Zeitschrift Foreign Affairs, wie das Auftauchen eines neuen Feindbildes dazu beitragen könnte, eine heterogene Gesellschaft neu zusammenzufĂŒhren und „national„ zu verschmelzen. Schließlich erfolgte in den USA eine solche, teils interessenspolitisch gesteuerte Besinnung auf die eigene IdentitĂ€t nach dem verheerenden Terroranschlag des 11. September 2001.
Europa erlebte bereits im 16. Jahrhundert, der Zeit der Glaubensspaltung und der Expansion in die Neue Welt, Àhnliche Versuche. Die neue MobilitÀt der Menschen auch innerhalb des lateinischen Europa, die Glaubenskrisen und die Renaissance stimulierten gedankliche Auseinandersetzungen, in denen vor allem in den Grenzgebieten die Frage nach der IdentitÀt der lateinischen Christenheit neu gestellt und erörtert wurde.
Mythische Bilder spielten im 16. Jahrhundert wie auch noch heute eine zentrale Rolle. Das „sarmatische„ Ideal des polnisch-litauischen Adels (Szlachta) etwa sollte verschiedene ethnische und sprachliche Komponenten zu einem Ganzen verbinden. Das neu aufgegriffene Prinzip der Polarisierung, der GegenĂŒberstellung von angeblich unvereinbaren Extremen, diente zugleich der Festigung der eigenen IdentitĂ€t. Reales vermischte sich dabei mit Fiktivem, tatsĂ€chliches Geschehen mit literarischen Topoi und Allegorien.
Dr. Markus Osterrieder hat diesen Vorgang am Beispiel des damaligen polnisch-litauischen Großreiches untersucht und zeigt KontinuitĂ€ten und Wandlungen in der Wahrnehmung, Beschreibung und Beurteilung von Kriegs- und Feindbildern in Osteuropa wĂ€hrend des 16. Jahrhunderts auf. Aus der Arbeit, die auf den gesamteuropĂ€ischen Kontext eingeht und einen mentalitĂ€ts- und bewußtseinsgeschichtlichen Ansatz verfolgt, lassen sich allgemeine mentale und soziale Muster in Form von entwicklungsbedingten VerĂ€nderungen oder anthropologischen Konstanten herleiten, die den Umfang eines eventuell sich vollziehenden west-östlichen Kulturtransfers aufzeigen, aber auch Aufschluß auf die von der Forschung seltener gestellte Frage geben, ob nicht auch ein umgekehrter, von Osten nach Westen erfolgender Austausch nachzuweisen ist. Damit bietet die Untersuchung auch einen wesentlichen Beitrag zu der heftig umstrittenen Frage der Festlegung der Epochengrenze zwischen Mittelalter und Neuzeit im osteuropĂ€ischen Raum sowie ĂŒber die ideen- und bewußtseinsgeschichtliche Stellung Osteuropas im Europa des Humanismus, der Renaissance und der Reformation.
Bauer, Franz A: Das Bild der Stadt Rom im FrĂŒhmittelalter. Papststiftungen im Spiegel des Liber Pontificalis von Gregor dem Dritten bis zu Leo dem Dritten. 2005. 256 S., 97 sw Abb. 29 x 22 cm. Pb EUR 29,80 ISBN: 3-89500-437-5 L, Reichert
Antike Skulpturen in englischen Schlössern. BegrĂŒndet von Hansgeorg Oehler. Die antiken Skulpturen in Newby Hall sowie in anderen Sammlungen von North Yorkshire (= MAR XXXV) Von Dietrich Boschung und Henner von Hesberg. 2005. 4°. 352 S., 497 s/w-Abb., Ln. In Vorbereitung ISBN: 3-89500-431-6 L, Reichert
"Deambulatorium Angelorum" oder irdischer Machtanspruch. Der Chorumgang mit Kapellenkranz ­von der Entstehung, Diffusion und Bedeutung einer architektonischen Form. Donat Grueninger. 2005. 8°. 444 S., 104 Abb., Gb., EUR 49,-­ ISBN: 3-89500-377-8 L, Reichert
Selten in der Kunstgeschichte bezeichnet sich ein Objekt selbst so eindeutig wie der Chorumgang mit Kapellenkranz: Er habe Pilgern zur umgehenden Bewegung um ein Heiligengrab im Chor und als HinfĂŒhrung zu sich anschließenden Kapellen gedient. HĂ€ufig zu selbstverstĂ€ndlich ging die bisherige Forschung daher auch davon aus, dass die Entstehung und Verbreitung jenes Bauelements ausschließlich in seiner baupraktischen Funktion begrĂŒndet liege.
Die vorliegende Dissertation stellt derartige Thesen infrage. Der Autor erarbeitet die Entwicklung der Formen von den frĂŒhen Zeugnissen bis zu den Monumenten des 11. Jhs. und weist nach, dass von einer einheitlichen Funktion der ChorumgĂ€nge keine Rede sein kann, ja dass sogar die meisten ChorumgĂ€nge gar keine feststellbare Nutzung erfuhren, die ihre Gestalt hĂ€tte determinieren können. Selbst bei den oft sogenannten Pilgerkirchen erklĂ€rt sich die Bauform nicht durch die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela.
Es bleibt die Frage nach dem Grund fĂŒr die immense Verbreitung dieser Form, der im zweiten Teil der Arbeit nachgegangen wird. Der Autor vertritt die Annahme, dass der Auftraggeber Bauelemente einsetzte, um dem Publikum auf diese Weise Aussagen zu vermitteln. Architektur wird durch eine solche Sichtweise zu einem Kommunikationsprozess, in dem das Bauelement die Rolle eines kĂŒnstlerischen Kommunikationsmediums ĂŒbernimmt.
Dieser Funktion gilt es nachzuspĂŒren. Auf der Basis historischer Kenntnisse und mit Hilfe sozialgeographischer ForschungsansĂ€tze wird ein Konzept entwickelt, um den Verstehenshorizont des zeitgenössischen Kirchenbesuchers zu rekonstruieren. Es geht um das Wissen der Auftraggeber und des Publikums, und wie durch die visuellen Mittel der Architektur konkrete Aussagen reprĂ€sentiert werden konnten. Die ModalitĂ€ten und Möglichkeiten dieser ReprĂ€sentation erforscht der Autor am Beispiel der Pilgerkirchen im normannischen England und in Italien. Dabei zeigt sich die Vielfalt der Aussagen, die der Chorumgang in unterschiedlichen Situationen ermöglichte.
Diese Schrift zeigt neue Perspektiven auf, die von Formen, Funktionen und dem historischen Umfeld zu neuen Interpretationsmodellen fĂŒhren und die ein umfassenderes VerstĂ€ndnis von Architektur in ihrem Kontext anstreben.
Interessenten:
Architekturhistoriker, Kulturhistoriker, Kunstgeographen, Kunsthistoriker, Kunstsoziologen, MediÀvisten, Sozialgeographen, Pilger
Verzeichnis DĂŒsseldorfer Drucke 1555–1806. Bearbeitet von Manfred Neuber, Marianne RiethmĂŒller und Rudolf Schmitt-Föller (= Schriften der UniversitĂ€ts- und Landesbibliothek DĂŒsseldorf. Bd. 39) 2005. 8°. 300 S., Geb. EUR 39,– ISBN: 3-89500-436-7 L, Reichert
Wenn auch DĂŒsseldorf nicht zu den Zentren frĂŒhneuzeitlicher Buchproduktion gehörte, so wurde hier doch zwischen 1555 und 1806 eine beachtliche Anzahl von Drucken hergestellt. GestĂŒtzt auf Vorarbeiten u.a. von Ludwig MerlĂ€nder aus dem 19. Jahrhundert, konnte die UniversitĂ€ts- und Landesbibliothek DĂŒsseldorf in mehrjĂ€hrigen Recherchen rechtzeitig zum 450. JubilĂ€um des Buchdrucks in DĂŒsseldorf sowohl im eigenen Bestand, als auch in den Bibliotheken und Archiven DĂŒsseldorfs und anderer StĂ€dte 862 Monographien und 30 Periodica mit Druck- oder Verlagsort DĂŒsseldorf aus diesem Zeitraum ermitteln und erstmals vollstĂ€ndig im vorliegenden Verzeichnis zusammenstellen. Sie schließt damit eine LĂŒcke, die schon in der Mitte des 20. Jahrhunderts erkannt, aber wegen des großen Aufwandes nicht geschlossen werden konnte. DĂŒsseldorf brachte als Residenzstadt zahlreiche Publikationen hervor, die dem Umfeld des Hofes, der Verwaltung oder Gesetzgebung zuzuordnen sind, so dass hier zahlreiche rechts-, verfassungs- und verwaltungsgeschichtliche Quellen erschlossen werden. Die Bandbreite ist jedoch wesentlich weiter und umfasst theologische Titel genauso wie solche aus dem spĂ€teren 18. Jahrhundert, die einer bĂŒrgerlichen Kultur der AufklĂ€rung verpflichtet sind. Ein Überblick ĂŒber den Forschungsstand und ein kurzer Abriss der Geschichte des Buchgewerbes sollen nun gemeinsam mit der Bibliographie EinfĂŒhrung, Arbeitsinstrument und Anstoß fĂŒr diejenigen sein, die sich in Zukunft mit der Druck-, aber auch der Kultur- und Geistesgeschichte DĂŒsseldorfs von der Mitte des 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts beschĂ€ftigen werden. Gleichzeitig leistet die Ermittlung der Drucker und Verleger sowie ihrer Produktion einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte DĂŒsseldorfs und des Niederrheins, da Kooperationen mit und AbhĂ€ngigkeiten von Druckern, Verlegern, Illustratoren und KĂŒnstlern etwa aus Köln und Duisburg nachweisbar sind.
Das Verzeichnis weist insgesamt den Weg zu einem wesentlichen Teil des kulturellen Lebens einer Residenzstadt der FrĂŒhen Neuzeit und eröffnet so zahlreiche Forschungsperspektiven.
Interessenten:
Studierende und Lehrende der FÀcher Buchwissenschaft, mittelalterliche Geschichte, Landesgeschichte, Historische Hilfswissenschaften, Altgermanistik und Germanistik, Mittellatein, Theologie (besonders Kirchen- und Frömmigkeitsgeschichte); Kunstgeschichte; Wissenschaftsgeschichte (vor allem Verwaltungs-, Kultur- und Geistesgeschichte)
Entstehung und FrĂŒhgeschichte des FlĂŒgelaltarschreins. Hrsg.: Krohm, Hartmut /KrĂŒger, Klaus /Weniger, Matthias. 2003. 308 S., 250 sw. u. 29 fb. Abb. 28 x 21 cm. Pb EUR 79,- ISBN: 3-89500-343-3 L, Reichert
Cristoforo Buondelmonti, Liber insularum. (ULBD Ms. G 13) Faksimile. Hg. von Irmgard Siebert und Max Plassmann. BeitrĂ€ge von Arne Effenberger, Max Plassmann und Fabian Rijkers (= Schriften der UniversitĂ€ts- und Landesbibliothek DĂŒsseldorf. Bd. 38) 2005. 30 x 43 cm. 168 S., 61 Faksimile-Tafeln, Ln., EUR 158,– ISBN: 3-89500-435-9 L, Reichert
Der Florentiner Cristoforo Buondelmonti (ca. 1380/ 85-1431) besuchte wĂ€hrend des ersten Drittels des 15. Jahrhunderts auf mehreren Reisen die Ă€gĂ€ische Inselwelt, Kreta, die ionische WestkĂŒste und Konstantinopel. Seine dabei gewonnenen geographischen Erkenntnisse legte er in zwei Schriften nieder, nĂ€mlich in der Descriptio insulae Cretae (1417) und im Liber insularum archipelagi (1420), die beide in der Folge in verschiedenen Fassungen eine weite Verbreitung fanden. Sie sind unter anderem in der unter der Signatur Ms. G 13 in der UniversitĂ€ts- und Landesbibliothek DĂŒsseldorf verwahrten spĂ€tmittelalterlichen Sammelhandschrift ĂŒberliefert, die geographische, historiographische und astronomisch-astrologische Texte vereint.
Die besondere Bedeutung dieser DĂŒsseldorfer Fassung des Liber insularum liegt in der Illustration des Textes. Denn die zahlreichen Abschriften wurden zumeist unabhĂ€ngig von den begleitenden Illustrationen gefertigt, so dass Text und Bild nicht immer korrespondieren und auch von unterschiedlicher QualitĂ€t sein können. Der Wert der DĂŒsseldorfer Fassung liegt eindeutig nicht beim Text, der zum Teil verderbt und verstĂŒmmelt ist, sondern bei den Illustrationen, nĂ€mlich den Karten von den einzelnen beschriebenen griechischen Inseln mitsamt Einzeichnung wichtiger Bauwerke. Von ĂŒberragender Bedeutung ist dabei eine ganzseitige Ansicht von Konstantinopel, die völlig neue AufschlĂŒsse zu Topographie und Baugeschichte der Stadt im spĂ€ten 15. Jahrhundert gibt und deren Quellenwert weit ĂŒber den begleitenden Text hinausweist. Aus diesem Grunde wird die DĂŒsseldorfer Fassung als Faksimile prĂ€sentiert, um sie der Wissenschaft leichter zugĂ€nglich zu machen.
Exemplarisch fĂŒr die Forschungsperspektiven, die sich durch das Faksimile ergeben, hat Prof. Dr. Arne Effenberger (Museum fĂŒr Byzantinische Kunst Berlin) diese Stadtansicht bearbeitet. Sein kunsthistorischer Kommentar fĂŒhrt eindringlich den Quellenwert des Faksimiles bzw. des zugrunde liegenden Originals vor Augen, ohne zu beabsichtigen, es abschließend auszuwerten.
Dr. Max Plassmann und Fabian Rijkers, M.A., von der UniversitĂ€ts- und Landesbibliothek haben schließlich einen Beitrag zur unklaren Überlieferungsgeschichte der Handschrift beigesteuert.
Interessenten:
Studierende und Lehrende der FĂ€cher Handschriftenkunde, mittelalterliche Geschichte, Kunstgeschichte, Byzantinistik, Mittellatein, Theologie, Kunstgeschichte; Wissenschaftsgeschichte (vor allem Geographie- und Baugeschichte)
Malerei und Skulptur des spĂ€ten Mittelalters und der frĂŒhen Neuzeit in Norddeutschland. KĂŒnstlerischer Austausch im Kulturraum zwischen Nordsee und Baltikum. Hrsg.: Krohm, Hartmut /Albrecht, Uwe /Weniger, Matthias. 2004. EUR 110,- ISBN: 3-89500-344-1 L, Reichert
Mitteilungen zur SpĂ€tantiken ArchĂ€ologie und Byzantinischen Kunstgeschichte. Hrsg. von Johannes G. Deckers und Marcell Restle im Auftrag des Vereins SpĂ€tantike ArchĂ€ologie und Byzantinische Kunstgeschichte e.V. MĂŒnchen Heft 4: Hrsg. von Johannes G. Deckers, Marcell Restle und Avinoam Shalem. 2005. 8°. 196 S., 25 Tafeln mit 31 Abb., kart., EUR 32,­- ISBN: 3-89500-430-8 L, Reichert
Aus dem Inhalt:
Anthony Cutler:
Silver across the Euphrates. Forms of Exchange between Sasanian Persia and the Late Roman Empire
Josef Engemann:
Diplomatische "Geschenke" ­ Objekte aus der SpÀtantike?
Franz Alto Bauer: Herrschergaben an Sankt Peter
Avinoam Shalem: Objects as Carriers of Real or Contrived Memories in a Cross-cultural Context
Franz Tinnefeld:
Mira varietas. Exquisite Geschenke byzantinischer Gesandtschaften in ihrem politischen Kontext (8.­12. Jh.)
GĂŒnter Prinzing:
Zum Austausch diplomatischer Geschenke zwischen Byzanz und seinen Nachbarn in Ostmittel- und SĂŒdosteuropa
Diether Roderich Reinsch:
Die Kultur des Schenkens in den Texten der Historiker der Komnenenzeit
Alexandru Stefan Anca:
Ehrerweisung durch Geschenke in der Komnenenzeit: Gewohnheiten und Regeln des herrscherlichen Schenkens
Anhang:
VortrÀge und Exkursionen des Vereins. SpÀtantike ArchÀologie und Byzantinische Kunstgeschichte e.V. 2002­2004
Falk Eisermann: Verzeichnis der typographischen Einblattdrucke des 15. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (VE 15). 2004. 8°. 3 BĂ€nde. Zus. 1536 S., 100 Abb., Ln., EUR 148,– ISBN: 3-89500-375-1 L, Reichert
Dieses Werk enthĂ€lt Beschreibungen von etwa 2150 typographischen, in deutscher (inkl. niederdeutscher und niederlĂ€ndischer) oder lateinischer Sprache abgefaßten Einblattdrucken des 15. Jahrhunderts einschließlich solcher BlĂ€tter, die in Ă€lteren Arbeiten als Inkunabeln eingestuft wurden, jedoch ins frĂŒhe 16. Jahrhundert zu datieren sind. Zahlreiche Drucke werden hier erstmals beschrieben. Der Zuwachs gegenĂŒber dem VorgĂ€ngerwerk ,Einblattdrucke des XV. Jahrhunderts‘ (1914), das auch die nicht in Deutschland gedruckten BlĂ€tter berĂŒcksichtigte, betrĂ€gt ĂŒber 500 Nummern. Trotz seiner einheitlichen Erscheinungsform - es handelt sich durchweg um einseitig bedruckte, hĂ€ufig mit Holzschnitten ausgestattete EinzelblĂ€tter mit in sich abgeschlossenem Text, die selbstĂ€ndig publiziert wurden – ist das Medium Einblattdruck von einer enormen formalen und thematischen Vielfalt geprĂ€gt. Überliefert sind Ablaßbriefe und Ablaßbullen, Almanache, amtliches Schriftgut (pĂ€pstliche, kaiserliche, königliche, bischöfliche, fĂŒrstliche und stĂ€dtische Mandate, SchĂŒtzenbriefe, Notariatsinstrumente), humanistische FlugblĂ€tter, volkssprachige Reimpaartexte, Lieder, Gebete, katechetische Kleintexte, Pestregimina, Rezepte, akademische ThesenblĂ€tter, BĂŒcher- und Vorlesungsanzeigen und vieles andere mehr.
Die Katalogisate bieten zunĂ€chst eine Autorbestimmung (bei anonymen Texten einen Sachtitel) und nennen Druckort, Drucker, verwendete Drucktypen und bibliographische Daten: Umfang des Satzspiegels, Zeilenzahl, Ausstattungsmerkmale, z. B. Holzschnitte, Zierleisten, besondere typographische Elemente. Es folgt ein ausfĂŒhrliches Druckzitat, das Initium und Textschluß umfaßt, ggf. weitere wichtige Textstellen auffĂŒhrt und mehrere auf einem Druck enthaltene Texte voneinander absetzt. Wichtige Neuerungen des VE 15 sind die ausfĂŒhrliche Kommentierung von druck- und ĂŒberlieferungsgeschichtlichen, literarischen, historischen und kunst-historischen Problemen der jeweiligen Ausgabe sowie die detaillierte Beschreibung der erhaltenen Exemplare mit Angaben zu Signatur, Erhaltungszustand, handschriftlichen ZusĂ€tzen und Besitzgeschichte. Durch die Verbindung inkunabelkundlicher und historisch-philologischer Methoden werden erstmals die druckgeschichtlichen Kontexte der BlĂ€tter, ihre Entstehungs- und RezeptionshintergrĂŒnde sowie ihre historischen, literarischen und kĂŒnstlerischen TraditionszusammenhĂ€nge herausgearbeitet.
Die beiden KatalogbĂ€nde werden von einem Einleitungsband erschlossen, der eine ErlĂ€uterung des Artikelaufbaus und der Katalogisierungsmethode, ein Register der Drucker, Namen- und Sachregister, Literaturverzeichnis sowie Konkordanzen enthĂ€lt. Etwa 300 von nichtdeutschen Offizinen publizierte Inkunabel-Einblattdrucke sind in einer Negativliste zusammengestellt. Einhundert Abbildungen ermöglichen einen reprĂ€sentativen Überblick ĂŒber die formale und inhaltliche Vielfalt der Drucke. Das VE 15 dokumentiert in umfassendem Zugriff die Bedeutung des Einblattdrucks fĂŒr die Medienwelt des 15. und frĂŒhen 16. Jahrhunderts und stellt einen großen Quellenfundus fĂŒr viele an der typographischen Kultur des spĂ€ten Mittelalters interessierte Disziplinen bereit.
Klemm, Elisabeth: Die ottonischen und frĂŒhromanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. 2 Bde/Tle. 2004. 544 S., 689 sw. u. 32 fb. Abb., Textbd: 276 S., Tafelbd: 268 S. 32 x 24 cm. (Kat. d. illuminierten Handschr. d. Bayer. Staatsbibl. In Mchn. 2) Gb EUR 220,- ISBN: 3-89500-348-4 L, Reichert
Madrider Mitteilungen 45, 2004. Engl. /Ital. /Dt. Hrsg. v. Deutsches ArchÀologisches Institut Madrid. 2004. VI, 615 S., 191 Abb., 32 Taf. und 2 fb. Taf. 25 x 19 cm. Ln EUR 98,- ISBN: 3-89500-401-4 L, Reichert
Uerpmann, Hans P /Uerpmann, Margarethe: Stone Age Sites and their Natural Environment. The Capital Area of Northern Oman. Part III. 2004. 280 S. 24 cm. (TĂŒbinger Atlas d. Vorderen Orients (Beih.) B ) Kt EUR 88,- ISBN: 3-89500-373-5 L, Reichert
Elisabet Enß: SpĂ€tantike · FrĂŒhes Christentum · Byzanz. Reihe A. Band 13: Holzschnitzereien der spĂ€tantiken bis frĂŒhislamischen Zeit aus Ägypten. Funktion und Dekor. 2004. 4°. ca 600 S., ca. 1000 s/w-Abb., Gb., ca. EUR 178,– ISBN: 3-89500-398-0 L, Reichert
Die in zahlreichen Sammlungen weltweit zerstreuten Holzschnitzereien des spĂ€tantiken bis frĂŒhislamischen Ägypten sind hier in einem wissenschaftlichen Katalog zusammengestellt. Erstmalig wird durch eine Analyse von Form und Verbindungsmöglichkeiten von mehr als 400 StĂŒcken eine Gliederung der Objekte in Funktionsgruppen ermöglicht. Weiterhin wird der ornamentale und figurale Dekor der Schnitzereien untersucht, zum einen hinsichtlich der Funktion der StĂŒcke und zum anderen in Bezug auf die Dekoration von Objekten anderer Gattungen und/oder Provenienzen des östlichen Mittelmeerraumes.
Die Taliban im Land der Mittagssonne. Geschichten aus der afghanischen Provinz. Erinnerungen und Notizen von ‘AbdurraÂȘmÂĄn PahwÂĄl. Aus dem Dari ĂŒbersetzt und hrsg. von Lutz Rzehak. 2004. 120 S., 4 Abb., Kt. EUR 16,90 ISBN: 3-89500-416-2 L, Reichert
Dieses Buch enthĂ€lt die deutsche Übersetzung einer in Persisch (Dari) verfassten und bislang unveröffentlichten Handschrift, die der Herausgeber und Übersetzer im Herbst 2002 bei einer Forschungsreise nach Afghanistan finden konnte. Die Handschrift beinhaltet persönliche Erinnerungen und Notizen des inzwischen verstorbenen afghanischen Intellektuellen Abdurrahman Pahwal an die Zeit der Taliban-Herrschaft. Diese Aufzeichnungen, grĂ¶ĂŸtenteils wĂ€hrend der Taliban-Herrschaft angefertigt, sind die erste umfassende Schilderung der Geschichte der Taliban aus innerafghanischer Perspektive. In zeitlicher Hinsicht gibt die Handschrift einen chronologisch geordneten Überblick ĂŒber die Ereignisse, die sich vom Auftauchen der Taliban bis zum Ende ihrer Herrschaft im Herbst 2001 zugetragen haben. Gelegentlich wird auch auf frĂŒhere Ereignisse Bezug genommen, die bis in die 1950er Jahre zurĂŒck liegen.
In rĂ€umlicher Hinsicht konzentriert sich die Schilderung auf die Geschehnisse in der Provinz Nimruz, also einer Gegend abseits der in den Medien viel beachteten Regionen Kabul, Kandahar, Kunduz oder Mazar-i Sharif. Nimruz ist in den sonstigen Berichten weitgehend unbeachtet geblieben, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung Afghanistans gerade dort zu Hause ist. In ihrer ErzĂ€hlstruktur sind die Erinnerungen Pahwals zwischen oraler ErzĂ€hltradition, Memoirenliteratur und moderner Geschichtsschreibung anzusiedeln. Der Verfasser sieht sich in erster Linie als Bewahrer der Erinnerung an vergangene Ereignisse. Seine Aufzeichnungen weisen einige Merkmale auf, die auch schon aus der persischsprachigen Memoirenliteratur bekannt sind. Abschnitte aus dem Leben des Verfassers werden rekonstruiert und von Zeit zu Zeit mit der Darstellung der Geschichte der Taliban-Herrschaft in Nimruz verflochten. Insgesamt ist das Werk aber keine Autobiographie, denn der Autor folgt seinem Anspruch, vornehmlich politische bzw. historische Ereignisse und Prozesse der jĂŒngeren Vergangenheit festzuhalten und möchte seine schriftstellerische TĂ€tigkeit vor allem unter historiographischen Gesichtspunkten gewĂŒrdigt sehen. Mit der oralen ErzĂ€hltradition verbindet ihn der Brauch, vergangenes Geschehen in Form einzelner Geschichten zu erzĂ€hlen. Auch eine wohlgebildete Geschichte gilt dabei als pragmatisch defizitĂ€r, wenn sie keine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Geschehens anbieten kann. Deshalb wird Geschichte wie bei oraler Überlieferung gern in Form von metaphorischen Geschichten erzĂ€hlt, bei denen fiktional-dichterische Elemente gegenĂŒber dem faktualen Geltungsanspruch einer historiographischen Darlegung keine alternative, sondern eine zusĂ€tzliche Dimension der Sinnbildung darstellen. DarĂŒber hinaus wollte Abdurrahman Pahwal aber auch den AnsprĂŒchen jener modernen Geschichtsschreibung genĂŒgen, mit der er aufgrund seiner universitĂ€ren Ausbildung und akademischen TĂ€tigkeit vertraut war. All diese AnsprĂŒche lassen sich in der Absicht bĂŒndeln, vergangenes Geschehen als objektiv sinnvollen und kohĂ€renten Zusammenhang mit erklĂ€rbaren kausalen VerknĂŒpfungen zu begreifen. Gelegentlich bietet Pahwal deshalb analytische Zusammenfassungen oder er fĂŒhrt jene Faktoren an, die das eine oder andere Ereignis seiner Meinung nach bewirkt haben.
Sein Text bietet so anschauliche Informationen ĂŒber die Helfershelfer der Taliban im Ausland sowie aus den Kreisen der einheimischen Bevölkerung. Wir lernen Personen kennen, die es verstanden haben, ungeachtet ideologischer Vorbehalte jedem Herrschaftssystem zu dienen, das es in den vergangenen 25 Jahren in Afghanistan gegeben hat. Das PhĂ€nomen Taliban wird somit seiner ideologischen Überfrachtung entrissen.
Sprachen und Kulturen des Christlichen Orient. Die koptischen Textilien im museum kunst palast DĂŒsseldorf. Teil 1: Wirkereien mit figĂŒrlichen Motiven. Von Karl-Heinz Brune. 2004. 312 S., 34 s/w- und 32 fb. Abb., 24 cm, Gb., mit Bild-CD, EUR 98,- ISBN: 3-89500-397-2 L, Reichert
Das museum kunst palast ehemals Kunstmuseum DĂŒsseldorf beherbergt etwa 500 koptische Textilien, der grĂ¶ĂŸte Teil davon Mitte der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts durch AnkĂ€ufe des KunsthĂ€ndlers Franz Bock erworben. Er hatte auf seinen Reisen nach Ägypten zahlreiche Textilien aus spĂ€tantiker bis frĂŒh-islamischer Zeit erstanden, die er spĂ€ter in Europa an verschiedene Museen verĂ€ußerte. Er selbst war es auch, der in DĂŒsseldorf im Jahre 1887 die erste und bisher einzige Ausstellung dieser damals 458 Exponate organisierte und einen (unbebilderten) Katalog dazu verfasste. Seitdem war diese großartige Sammlung bis auf einige wenige Wirkereien den Blicken der Öffentlichkeit entzogen.
Im vorliegenden Werk werden nun in Form eines Katalogs die 150 StĂŒcke mit figĂŒrlichen Motiven vorgestellt. Sie umfassen den Großteil des ikonographischen Materials, das den Webern in der Zeit der SpĂ€tantike und des frĂŒhen Christentums zur VerfĂŒgung stand. Deswegen lĂ€sst sich an etlichen Beispielen der Übergang von einer paganen zu einer christlich geprĂ€gten Thematik nachvollziehen, wodurch die Rolle der koptischen Kunst als BrĂŒcke zwischen Heiden- und Christentum verdeutlicht wird. Bei der Realisierung dieses Projekts war eine anschauliche und möglichst ausfĂŒhrliche Bilddokumentation ein vordringliches Anliegen. Deswegen wurde fĂŒr diese Publikation der Entwicklung neuer Medien Rechnung getragen und dem Katalog eine Bild-CD beigegeben. Auf ihr sind alle Stoffe, teilweise mit bis zu einem halben Dutzend Detailaufnahmen, im jpg-Format dokumentiert. Um eine möglichst hohe BildqualitĂ€t zu erzielen, wurden die Textilien, soweit möglich eingescannt, also ohne den Umweg ĂŒber das Fotografieren direkt digital erfasst. Das hat entscheidende Vorteile, denn so können die Textilien am Bildschirm in starker VergrĂ¶ĂŸerung und damit in allen Details betrachtet werden. Selbst im Original weniger gut erkennbare Partien können durch digitale Bearbeitung (Helligkeitswechsel, KontrastverstĂ€rkungen) besser visualisiert werden.
Die Tatsache, dass nun am Bildschirm unter UmstĂ€nden mehr Einzelheiten zu erkennen sind als am Original und erst recht auf Buchabbildungen, eröffnet fĂŒr die wissenschaftliche Diskussion natĂŒrlich ganz neue Perspektiven. Speziell die Diskussion z.B. ĂŒber Darstellungen, deren ikonographischer Gehalt noch nicht entschlĂŒsselt worden ist, sollte auf diese Weise eine deutliche Belebung erfahren. 57 der insgesamt 150 Stoffe werden aber in der herkömmlichen Bildform im Buch selbst auf Tafeln prĂ€sentiert, so dass sich auch beim „normalen„ Lesen durchaus ein guter Eindruck der Sammlung gewinnen lĂ€sst.
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