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Reichert, Dr. Ludwig Verlag

 
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Bankettgeb√§ude in griechischen Heiligt√ľmern. Von Christina Leypold. 2008. 8¬į. 368 S., 69 s/w-Abb., 138 Strichzeichnungen, geb., EUR 82,00 ISBN: 978-3-89500-582-4 L, Reichert
Das Bankett im Heiligtum bildete in der griechischen Antike einen zentralen Bestandteil der Kultfeste: Der Verzehr des Opferfleisches bedeutete f√ľr die ganze B√ľrgerschaft einer Polis den besonderen und keineswegs allt√§glichen Genuss einer reichlichen Fleischmahlzeit.
In der Regel schmauste und feierte die Festgemeinschaft nach dem Opferritual unter freiem Himmel oder in tempor√§r errichteten Zelten und H√ľtten. Einige Heiligt√ľmer besa√üen jedoch eine besondere Ausstattung: Geb√§ude, die eigens f√ľr die sakralen Bankette errichtet worden waren und in welchen eine auserw√§hlte Personengruppe abgesondert vom turbulenten Fest tafelte.
Die Monographie erfasst das Thema sakraler Speisebauten erstmals in seiner Gesamtheit und liefert neue Grundlagenforschung zur architektonischen Ausstattung griechischer Heiligt√ľmer und ihrem vielschichtigen funktionalen Kontext: Woran kann man einen solchen Bankettbau auch bei schlechtem Erhaltungszustand erkennen? Welche Stellung nahmen diese Speisebauten innerhalb der Sakralarchitektur ein? Welche Bedeutung kam ihnen bei den G√∂tterfesten zu? Und welche Personen genossen das Privileg, ihr Kultmahl in diesem besonderen architektonischen Rahmen einzunehmen? Christina Leypold geht diesen vielf√§ltigen Fragen in einer minuti√∂sen und dennoch anschaulichen Analyse von Grund auf nach: Bisherige Vorgehensweisen bei der Identifizierung architektonischer Reste als sakrale Bankettr√§umlichkeiten werden auf den Pr√ľfstand gestellt und klare Kriterien zur Funktionsbestimmung neuer arch√§ologischer Befunde erarbeitet. Auf der Basis einer umfassenden Materialvorlage, die Speisebauten aus dem Zeitraum vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis in hellenistische Zeit einschlie√üt, wird die erstaunliche architektonische Vielfalt dieser Geb√§udegattung pr√§sentiert, in welcher sich gleicherma√üen funktionale Anspr√ľche und lokalspezifische Besonderheiten niederschlagen. Dem Leser erschlie√üt sich, inwiefern bauliche Elemente speziell f√ľr die sakralen Speiseanlagen entwickelt wurden und in welchem konkreten Zusammenhang sie mit ihrer Nutzung standen. Leypold richtet den Fokus insbesondere auch auf den bislang kaum bekannten kultischen Kontext der Bauten, wobei sie neue methodische Wege geht: Die Plazierung der Bankettgeb√§ude im Heiligtumsareal wird als Indikator nicht nur f√ľr ihren r√§umlichen, sondern auch f√ľr ihren funktionalen Bezug zum Kultgeschehen ausgewertet, was erm√∂glicht, zwischen verschiedenartigen Speiseanl√§ssen zu differenzieren.
Indem die Autorin die Erkenntnisse aus ihrer Analyse mit den Informationen literarischer und epigraphischer Zeugnisse zusammenf√ľhrt, macht sie die potentiellen Nutzer der Bankettrr√§ume ausfindig und erhellt entscheidend die Bedeutung der Bankettr√§ume als Bestandteil der Heiligtumsinfrastruktur.
Beitr√§ge zur islamischen Kunst und Arch√§ologie. Jahrbuch der Ernst-Herzfeld-Gesellschaft, Band 1. Bericht √ľber die Tagungen in Bamberg vom 1. bis 2. Juli 2005 und in Bonn vom 7. bis 8. Juli 2006. Hrsg. Ernst-Herzfeld-Gesellschaft. 2008. 8¬į. 214 S., 99 s/w-Abb., 6 Zeichnungen und 25 Karten/Pl√§ne, kart., EUR 59,00 ISBN: 978-3-89500-648-7 L, Reichert
Der erste Band der Beitr√§ge zur islamischen Kunst und Arch√§ologie enth√§lt Vortr√§ge der Tagungen der Ernst-Herzfeld-Gesellschaft, die in Bamberg im Juli 2005 und in Bonn im Juli 2006 gehalten wurden. Beide Tagungen zeigen die thematische Vielfalt und die geographische Spannbreite der vorgestellten Beitr√§ge sowie das Spektrum des Programms f√ľr kunsthistorische und arch√§ologische Forschungen, das f√ľr die publizierten Arbeiten der Ernst-Herzfeld-Gesellschaft richtungsgebend ist.
Ein wichtiger Aspekt der Beiträge zur islamischen Kunst und Archäologie besteht darin, dem Nachwuchs in den Fächern Kunstgeschichte, Archäologie und Bauforschung der islamischen Welt eine Plattform zu geben, die einen angemessenen Publikationsrahmen gewährleistet, und gleichzeitig Autoren in verschiedenen Sprachen zu Wort kommen zu lassen. Neue Forschungsergebnisse werden auf internationaler Ebene publiziert und tragen maßgeblich zur Kenntnis der islamischen Kultur und deren Rezeption in Europa bei. Regelmäßig stattfindende Kolloquien bieten weitere Diskussionsforen und runden das Programm ab.
Die erste Ausgabe des Jahrbuches publiziert Forschungsergebnisse, die auf den Feldarbeiten der Autoren basieren, aber auch literarische, epigraphische und kunsthistorische Betrachtungen. Die Beitr√§ge umfassen die Zeitspanne von der Fr√ľhzeit des Islam bis in die Neuzeit und werfen Streiflichter auf die Rezeptionen islamischen Formengutes im 19. und 20. Jahrhundert. Der geographische Rahmen erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel bis nach China.
Fundst√ľcke in abendl√§ndischen Museen und architektonische Zeugnisse von Bauformen der islamischen Welt im Eklektizismus Europas geh√∂ren gleicherma√üen dazu wie die Kulturkreise Vorder- und Mittelasiens.
Als Inaugurationsschrift enth√§lt der Band Biographisches sowie W√ľrdigungen der wissenschaftlichen und k√ľnstlerischen Arbeit Ernst Herzfelds, des Namenspatrons der Gesellschaft.
Aktuelle Ausgrabungsergebnisse werden genauso ber√ľcksichtigt wie Studien an Objekten aus √∂ffentlichen und privaten Sammlungen, gelegentlichen Stellungnahmen zu anderen Schriften der Fachgebiete runden den Band ab.
So diskutieren die Berichte des ersten Kolloquiums Funde, die Ernst Herzfeld in Samarra gemacht hat, epigraphisches Material einer Moschee in China, indische Architektur aus Delhi, aber auch neue Erkenntnisse an spanischen Bauten sowie Grabungsresultate aus Syrien. Weitere Beiträge befassen sich mit der Verwendung islamischer Dekorations- und Architekturformen in den Bauten König Ludwigs II. von Bayern und mit islamischer Kunst in deutschen Sammlungen.
Das Repertoire des zweiten Kolloquiums stellt Neues aus Spanien, Indien und Iran vor. Eine Abhandlung √ľber die √Ąsthetik der islamischen Kunst zeigt deren Einfluss auf die europ√§ische Kunst des 19. Jahrhunderts und besch√§ftigt sich mit Rezeptionsfragen
Der islamische Palast auf der Alcazaba von Almer√≠a.Von Felix Arnold. mit Beitr√§gen von Lorenzo Cara Barrionuevo, Patrice Cressier und Natascha Kubisch. Madrider Beitr√§ge, Band 30. 2008. 4¬į. 352 S., 93 s/w-Abb., 17 Tabellen, weitere 183 s/w-Abb. auf 46 Tafeln, 12 Faltkarten, Ln., EUR 110, ISBN: 978-3-89500-587-9 L, Reichert
Muhammad al-Mutasim, Herrscher √ľber die Stadt Almer√≠a, hatte einen Traum: Auf seiner Burg sollten ihm seine Architekten eine Gartenvilla anlegen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1091 entstand auf dem Burgberg ‚Äď der so genannten Alcazaba von Almer√≠a ‚Äď eine eigenwillige Synthese aus milit√§rischer Festung, b√ľrgerlichem Stadthaus und luxuri√∂sem Lustschloss. Der Geograph al-Udhri, der den Palast noch zu Lebzeiten des Erbauers besuchte, schw√§rmte von seinem Obstgarten, dem aufwendigen Bew√§sserungssystem und einem Saal, dessen Fenster einen Ausblick auf die Stadt und den Hafen von Almer√≠a gew√§hrten.
Viel ist von der Palastanlage des al-Mutasim nicht erhalten geblieben. Nach der Reconquista zerst√∂rte im Jahr 1522 ein gewaltiges Erdbeben nicht nur die gesamte Stadt Almer√≠a, sondern auch den Palast. Erst eine arch√§ologische Grabung f√∂rderte in den Jahren 940 bis 952 die √úberreste des Palastes von al-Mutasim zutage: Neben Spuren des ehemaligen Palastgartens Reste einer Badeanlage sowie Fragmente der Granatapfeldekoration des Thronsaales. Die vorliegende Publikation dokumentiert erstmals umfassend die Ergebnisse dieser Grabung. Anhand einer ausf√ľhrlichen Baubeschreibung sowie einer Analyse baukonstruktiver Methoden und architektonischer Entwurfsprinzipien zeichnet der Autor dabei die Entwicklung der Alcazaba nach, von ihrer Errichtung durch den Kalifen von C√≥rdoba im Jahr 956 als Festung zur Sicherung des Milit√§rhafens sowie der Werft von Almer√≠a bis zu ihrem Ausbau zum Lustschloss unter al-Mutasim und ihrer Weiternutzung durch Statthalter und Gouverneure des 2. bis 5. Jahrhunderts. Die lange Entstehungs- und Nutzungsgeschichte der Alcazaba von Almer√≠a bietet dabei die einzigartige M√∂glichkeit, dem Wandel in den Leitbildern islamischer Palastarchitektur und in den ihr zugrunde liegenden Herrschervorstellungen nachzugehen.
Vervollst√§ndigt wird die Beschreibung des Palastes durch Beitr√§ge zur Baudekoration, zur Weiternutzung der Alcazaba in christlicher Zeit und zu ihrer Geschichte als Baudenkmal im 9. und 20. Jahrhundert.
Der Traum, Burg und Gartenvilla in einem einzigen Bauwerk zu vereinen, blieb der islamischen Palastarchitektur der iberischen Halbinsel erhalten. Höhepunkt und Endpunkte der Versuche einer solchen Synthese war die Alhambra, die Palastanlage der Nasriden des 13. bis 15. Jahrhunderts in Granada.
Die vorliegende Publikation erweitert unsere Kenntnis der architektonischen Vorläufer und Vorbilder der Alhambra, eines der bekanntesten und bemerkenswertesten Monumente des islamischen Andalusien. Beiträge:
Lorenzo Cara Barrionuevo: La Alcazaba de Almería como monumento: Investigación, patrimonio y restauración Felix Arnold: Die Architektur Lorenzo Cora Barrionuevo: Alcazaba de Almería en la época cristiana Patrice Cressier: Chapiteaux, bases et tailloirs des monuments islamiques d’Almería Natascha Kubisch: Las yeserías islámicas Fachgebiete:
Baugeschichte, Islamwissenschaft, Kunstgeschichte, Mittelalterarchäologie, Burgenforschung, Kultur Andalusiens
Kilian, Klaus: Die handgemachte gegl√§ttete Keramik mykenischer Zeitstellung. Bearb. v. M√ľhlenbruch, Tobias. 2008. 180 S., 50 sw Abb., 40 Tafels. 31,60 x 22,40 cm. (Tiryns 15) Gb EUR 39,00 ISBN: 3-89500-549-5 L, Reichert
Dieser Band publiziert ein von Klaus Kilian kurz vor seinem Tode fertig gestelltes Manuskript, das sich mit einer keramischen Fundgruppe der sp√§trnykenischen Zeit auseinandersetzt, deren Bedeutung kontrovers diskutiert wird. W√§hrend ein Teil der Forschung der so genannten ‚Äěhandgemachten gegl√§tteten Keramik" (Handmade Burnished Ware) eine Schl√ľsselrolle in der Frage nach der Zuwanderung von Fremdbev√∂lkerung in die mykenischen Kernregionen S√ľdgriechenlands beimisst, sehen andere in ihr ein rein autochthones Ph√§nomen, das seine Entstehung internen Prozessen des sozialen und √∂konomischen W√§nde ist am √úbergang vom 13. zum 12. Jahrhundert v. Chr. verdankt. In diesem Werk wertet Kilian die bei seinen Ausgrabungen entdeckten Gef√§√üfragmente handgemachter gegl√§tteter Keramik aus, die den bisher umfangreichsten in Griechenland gefundenen Bestand dieser Art repr√§sentieren. Er untersucht die chronologische Laufzeit, er√∂rtert die Herstellungstechnik, umrei√üt das Spektrum an Gef√§√üformen und Ziertechniken und vergleicht den vom ihm bearbeiteten Keramikbestand mit √§hnlichen Fundkomplexen anderer Orte der √Ąg√§is und Zyperns. Das zentrale Problem der Herleitung dieser Keramik steht dabei im Vordergrund. Eine eingehende Gegen√ľberstellung mit vergleichbarer Keramik aus anderen Teilen S√ľdost- sowie S√ľdeuropas gew√§hrt hier neue Einblicke. Kilians detaillierte Untersuchungen zeigen, dass die Herstellung sp√§tmykenischer handgemachter gegl√§tteter Keramik wolil tats√§chlich auf fremden T√∂pferei-Traditionen beruht, und zwar vorrangig auf solchen zeitgleicher Kulturgruppen der Apenninenhalbinsel. Die daraus resultierende Anwesenheit von Bev√∂lkerungsgruppen aus S√ľdeuropa und ihre Hintergr√ľnde unterzieht er einer ausf√ľhrlichen Diskussion. So l√§sst sich in Tiryns die handgemachte gegl√§ttete Keramik bereits mehrere Jahrzehnte vor der Zerst√∂rung des mykenischen Palastes nachweisen. Sie kann daher nicht als Anzeichen f√ľr die Ankunft von Neuank√∂mmlingen zu Beginn der Nachpalastzeit dienen.
Die Ausf√ľhrungen von Kilian haben wenig an Aktualit√§t eingeb√ľ√üt. Zum einen liegt dies an seiner au√üergew√∂hnlich gr√ľndlichen Einarbeitung in die Materie, zum anderen an der Tatsache, dass es sich bei den Tirynther Funden um einen Schl√ľsselkomplex f√ľr die Beurteilung sp√§tmykenischer handgemachter gegl√§tteter Keramik handelt. Die Qualit√§t der Forschungsleistung von Kilian wird dadurch unterstrichen, dass ihm Einsichten gelingen, die eine Reihe von sp√§teren Forschungsergebnissen vorwegnehmen.
Breuer, Ingo: Existenzsicherung und Mobilität im ariden Marokko. 2007. 220 S. 24 x 17 cm. (Nomaden u. Sesshafte. SFB Differenz u. Integration. Wechselwirkung zw. nomadischen Band 9) Gb EUR 54,00 ISBN: 3-89500-606-8 L, Reichert
Bagg, Ariel: Die Orts- und Gew√§ssernamen der neuassyrischen Zeit. Teil 1: Die Levante. 2008. 476 S., 1 Kte 24 x 17 cm. (T√ľbinger Atlas d. Vorderen Orients (Beih.) B Band 7/7) Pb EUR 49,00 ISBN: 3-89500-586-X L, Reichert
Persistenz und Rezeption. Weiterverwendung, Wiederverwendung und Neuinterpretation antiker Werke im Mittelalter. Hrsg. v. Boschung, Dietrich/Wittekind, Susanne . 2008. 396 S., 138 sw. Abb. 24 x 17 cm. (Schriften des Lehr- und Forschungszentrums f√ľr die antikenKulturen des Mittelmeerraumes - Centre for Mediterranean Cultures 6) Pb EUR 39,90 ISBN: 3-89500-622-X L, Reichert
Das Mittelalter baut in vielen Bereichen des praktischen wie geistigen Lebens auf Erkenntnissen, Strukturen und Werken der Antike auf oder f√ľgt diese auf unterschiedliche Weise in seine eigene kulturelle Ordnung ein. In den mittelalterlichen St√§dten gaben antike Stra√üenz√ľge, Verteidigungsmauern und Monumentalbauten eine r√§umliche Struktur vor, die an neue Bed√ľrfnisse angepasst wurde, indem bestimmte Bereiche verlassen. Bauten umfunktioniert oder √ľberbaut wurden. Bildung, Wissenschaft und Kunstfertigkeit der Antike wurden an K√∂nigsh√∂fen und in Kl√∂stern gesch√§tzt - viele Werke der antiken Literatur wurden abgeschrieben, kommentiert oder neu geordnet, antike Kostbarkeiten wurden in den Schatzkammern bewahrt, verschenkt und oft zu neuen Gegenst√§nden verarbeitet. Doch dies sind nur einige Beispiele f√ľr die rege Auseinandersetzung mit der antiken Kultur im Mittelalter.
Die arch√§ologische Forschung hat sich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Sp√§tantike besch√§ftigt. Dabei galt das Interesse zum einem der Transformierung des antiken Repertoires in einem ver√§nderten politischen und religi√∂sen Umfeld, zum anderen dem Weiterbestehen und Weiterwirken von Strukturen und Lebensformen in vielen Bereichen des Alltags. In der deutschen Medi√§vistik des 20. Jahrhunderts richtete die historische und kunsthistorische Forschung ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Antikenrezeption im Zusammenhang mit der karolingischen und ottonischen Renovatio imperii als herrscherlicher Legitimationsstrategie sowie auf die Wissenschafts-Renaissance im 12. Jahrhundert. Neuere Arbeiten zeigen nun die Fortf√ľhrung und die Ver√§nderungen antiker Verwaltungsformen, Leitbegriffe, Zesetzeswerke oder Lehrb√ľcher auf und reflektieren die mittelalterlichen Antikenbilder und -fiktionen.
Diese neuen Impulse greift der vorliegende Band, der auf einem Kolloquium zweier Forschungszentren der Philiosophischen Fakult√§t der Universit√§t zu K√∂ln - des ‚ÄěLehr- und Forschungszentrums f√ľr die antiken Kulturen des Mittelmeerraums (Zakmira)" und des ‚ÄěZentrums f√ľr Mittelalterstudien" - basiert, auf. Verschiedene Autoren aus den F√§chern Arch√§ologie, Geschichte, Judaistik, Kunstgeschichte, Mittellatein und Philosophie stellen in den Beitr√§gen die vielf√§ltigen Ph√§nomene der Weiterverwendung und Neuinterpretation antiker Werke in unterschiedlichen Bereichen aus interdisziplin√§rer Perspektive dar und vergleichen sie miteinander.
Die Begriffe Persistenz und Rezeption im Titel des Bandes weisen auf verschiedene Formen des Weiterlebens der Antike im Mittelalter hin. Der Begriff der Persistenz zielt auf das Beharrungsverm√∂gen der antiken Relikte, auf die scheinbar selbstverst√§ndliche Aufnahme und Fortf√ľhrung √ľberkommener Formen, Stoffe und Strukturen; der Rezeptionsbegriff akzentuiert die bewusste √úbernahme bestimmter kultureller Formen der Antike durch die Kulturtr√§ger der mittelalterlichen Gesellschaft. Auf diese Weise gelingt es, die unterschiedlichen Perspektiven der Altertumswissenschaften und der Medi√§vistik aufzunehmen und Disziplinen zusammenzuf√ľhren, die sonst durch Gegenstand und Methoden getrennt sind.
Interessenten /Bereiche: Archäologen, Historiker, Judaisten, Kunsthistoriker, Mittellatein und Philosophie
Buffa, Vittoria: Ma'layba et l'Age du Bronze du Yémen. 28.03.2008. 340 S., 83 sw Abb., mit 4 Klapptaf.31 x 22 cm. (Archäologische Berichte aus dem Yemen 12) Gb EUR 68,00 ISBN: 3-89500-572-X L, Reichert
Bräm, Andreas: Das Andachtsbuch der Marie de Gavre. Paris, Bibl. Nat. Ms. nouv. acq. fr. 16251. Buchmalerei in der Diözese Cambrai imletzten Viertel des 13. Jahrhunderts. 1998. 388 S., 84 sw. Abb. 29 x 21 cm. Ld EUR 62,00 ISBN: 3-89500-031-0 L, Reichert
Das Andachtsbuch der Marie de Gavre, Ms. nouv. acq. fr. 16251 der Bibliotheque Nationale von Paris, z√§hlt mit ehemals 90, heute 87 ganzseitigen Miniaturen zur Vita Christi und der Heiligen zu den bedeutendsten Bilderhandschriften des 13. Jahrhunderts. Es stellt den buchk√ľnstlerischen H√∂hepunkt Nordfrankreichs und Flanderns in dieser Zeit dar.
Kalendar- und Archivstudien erlauben es, die Erstbesitzerin um 1285, eine Nonne im Zisterzienserinnenkloster von Wauthier-Braine im belgischen Hennegau zu ermitteln, die damit in den kleinen Kreis adeliger Besitzerinnen exklusiver Bilderhandschriften gehört.
Typologisch ist das Werk einzigartig, da es außer einem lateinischen Kalendar und einer in französischer Sprache geschriebenen Miniaturenliste textlos ist. Die große Zahl von ganzseitigen Miniaturen ohne Text - mit Szenen in knapper aber prägnanter Formulierung und mit Compassio-Motiven - zeigt, daß die Handschrift als Bilderandachtsbuch konzipiert und benutzt wurde.
Die Buchmaler, aus deren Werkstatt noch f√ľnf weitere Handschriften hervorgegangen sind, haben kaum im Kloster gearbeitet, sondern wohl in der Stadt Nivelles. Ihre Arbeit ist denn auch stark dem dort befindlichen ber√ľhmten Gertrudenschrein verpflichtet. Die Untersuchung der Arbeitsabl√§ufe hat gezeigt, da√ü die Herstellung des au√üerordentlich reich illustrierten Codex f√ľr die K√ľnstler keine allt√§gliche Aufgabe darstellte.
Die monographische Darlegung des Bilderandachtsbuches erfolgt im Zusammenhang mit der Produktion illuminierter Handschriften in der Di√∂zese Cambrai, die im Mittelalter mit Brabant und Hennegau einen betr√§chtlichen Umfang erreichte und st√§dtische Zentren wie Mons, Br√ľssel und Mechelen umfa√üte.
Die Monographie enth√§lt au√üer einer kunsthistorischen und historischen Einordnung s√§mtliche Miniaturen sowie ausf√ľhrliches Vergleichsmaterial in √ľber 200 Abbildungen.
Christina Thieme. Das Tafelbild aus der Kathedrale von Trogir. Kunsttechnologische Studien zur Tafelmalerei Dalmatiens des 13. Jahrhunderts. Sp√§tantike - Fr√ľhes Christentum Byzanz. REihe A. Grundlagen und Monumente. Bd. 14. 2008. 292 S., 120 sw. Abb und 224 fb. Abb., 49 sw. und 2 fb. Strichzeichnungen. 29 x 22 cm, Gb. EUR ISBN: 978-3-89500-562-6 L, Reichert
Das Tafelbild von Trogir, als Hochaltarretabel f√ľr die Kathedrale des kleinen dalmatinischen St√§dtchens an der √∂stlichen Adriak√ľste geschaffen, stellt ein einzigartiges kulturelles und k√ľnstlerisches Zeugnis der fruchtbaren Begegnung von Osten und Westen dar. Das Tafelbild entspricht formal der westlichen Kunstgattung, folgt aber in Planung und Ausf√ľhrung √∂stlichen Konventionen und spiegelt somit die lebendige Spannung zwischen der √∂stlichen hochbyzantinischen und der neu entstehenden westlichen Tafelmalerei wider.
Der erste Teil der Arbeit besch√§ftigt sich mit der Geschichte Dalmatiens und der Stadt Trogir, die politisch und kulturell im Spannungsfeld zwischen Byzanz und Rom, zwischen dem ungarischen K√∂nigreich und Venedig lag. Daran schlie√üen sich Studien zur Kult- und Liturgiegeschichte der Stadt Trogir an, die trotz der geographischen N√§he zur Ostkirche an die r√∂mische Kirche gebunden war. Neben den Fragen aus dem Kontext des Fundortes bilden Untersuchungen am Tafelbild selbst den Kern der Arbeit. Nach einer Beschreibung der Darstellung werden Holztechnik, vorbereitende Ma√ünahmen f√ľr die Malerei und die Maltechniken bis ins Detail untersucht und erfasst. Dar√ľber hinaus bezieht Cristiana Thieme stilistische und qualitative Eigenschaften der Malerei ein. Schlie√ülich wertet sie die umfangreiche kroatische Literatur aus, um das Tafelbild von Trogir mit der dalmatinischen Tafelmalerei des 13. Jahrhunderts vergleichen zu k√∂nnen.
Die Autorin:
Dr. phil. Dipl.-Restauratorin Cristina Thieme absolvierte ihr Studium der Konservierung und Restaurierung an der Hochschule der K√ľnste (HKB), Bern. 1991 bis 1995 war sie Mitarbeiterin am Bayerischen Landesamt f√ľr Denkmalpflege und bearbeitete Konservierungsfragen zur Polychromie der Terrakotta-Armee des Ersten Kaisers von China, Qin Shi Huandi. Seit 1997 ist sie wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl f√ľr Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft an der Technischen Universit√§t M√ľnchen. 2006 promovierte sie √ľber das Tafelbild von Trogir an der Technischen Universit√§t M√ľnchen. Forschungsschwerpunkte sind kunsttechnologische Fragen zur Maltechnik, Mikroskopie und die Analytik von Malmaterialien.
Neapolitanische Bilderbibeln des Trecento. Anjou-Buchmalerei von Robert dem Weisen bis zu Johanna I. Andreas Bräm. 1056 S., Textband. 464 S., Tafelband. mit 866 sw und 45 Farbtafeln. 29 x 22 cm, Gb. EUR 248,00 ISBN: 978-3-89500-503-9 L, Reichert
Andreas Bräni analysiert erstmals acht zwischen 1310 und 1365 in Neapel illuminierte lateinische Bibeln, die unter Robert dem Weisen (König von Neapel 1309-1343) und seiner Nachfolgerin Johanna I. (Königin von Neapel 1343-1382) entstanden. Neben Bildprogrammen, Stil und Ikonographie, Erzählstruktur, beteiligten Werkstätten und Buchmalern ermittelt er die Auftraggeber. Im Vordergrund stehen die Illustrationszyklen, die ein neues Licht auf dieses Feld der Kunstgeschichte werfen.
Die neapolitanischen Trecentobibeln sind die bedeutendsten illustrierten Vulgata-Handschriften ihres Jahrhunderts und werden heute unter anderem im Vatikan, in Turin, in der √∂sterreichischen Nationalbibliothek und der British Library aufbewahrt. Ihre narrativen Bibelzyklen werden nur von den Bible mora/wee-Handschriften, einem Buchtyp, der im 13. Jahrhundert im Umkreis des franz√∂sischen K√∂nigshofes geschaffen wurde, √ľbertroffen. Andreas Br√§m wies nach, dass in Neapel franz√∂sische Handschriften vorlagen, die teilweise kopiert wurden. Den Bibeln lassen sich ferner byzantinische Oktateuche an die Seite stellen, die f√ľr Einzelszenen als Vorlagen dienten. Die Apokalypse-Zyklen der Planisio- und der Wiener-Bibel gehen auf zwei in Stuttgart aufbewahrte Tafeln zur√ľck, der olkham-Hall-Bibel diente ein anglonormannischer Zyklus als Vorbild. Einzelne Bilder beruhen sogar auf au√üerbiblischen Quellen, so auf Flavius ]osephus Antiquitates ludaicae.
Die neapolitanischen Bibeln sind das Werk von vier Buchmalern, die weitere Bilderhandschriften hinterlassen haben: Der Maler der Holkham-Hall-Bibel, der Maler des Andalo di Negro, Christophoro Orimina und der Wiener Bibelmaler. Das Gesamtwerk der beteiligten K√ľnstler wird ebenso untersucht wie ihr Verh√§ltnis zu anderen neapolitanischen Trecento-K√ľnstlern. Diese umfassende Darstellung erm√∂glicht weitere Einblicke in Arbeitsweise und Quellen der Illustrationsprogramme sowie Datierungen der T√§tigkeit der Vulgata-Maler. Insgesamt entsteht eine Monographie zur Buchmalerei Neapels zwischen 1330 und 1380, in der alle wesentlichen Werke abgebildet sind.
Als Auftraggeber der ersten Bibel, die heute in der vatikanischen Bibliothek aufbewahrt wird, lie√ü sich der C√∂lestinerabt Matteo de Planisio ermitteln, w√§hrend die Hamilton-Bibel f√ľr K√∂nigin Johanna entstand. Weitere Auftraggeber sind Johannas Gemahl Ludwig von Tarent und die Erzbisch√∂fe Landolfo Brancaccio und Giovanni Gaetani Orsini.
Viele Stellen zeigen, wie die Illuminierung auf ihre Auftraggeber zugeschnitten wurde. Eine Schl√ľsselszene ist etwa die Besiegelung des neu geschlossenen Bundes mit Gott am Ende des Buches Josua: W√§hrend diese Episode in der Planisio-Bibel f√ľr den Abt Matteo in ein christlich-sakrales Ambiente verlegt wird, erscheint sie in der f√ľr K√∂nigin Johanna bemalten Hamilton-Bibel in einer st√§dtisch-royalistischen Pr√§gung. In der ersten Miniatur ist der als alter Mann dargestellte, nimbierte F√ľhrer von einer basilikalen Kleinarchitektur umgeben, in der zweiten erscheint er als mittelalterlicher K√∂nig.
Kosmos der Zeichen. Schriftbild und Bildformel in Antike und Mittelalter. Begleitbuch zur Ausstellung des Lehr- und Forschungszentrums f√ľr die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes der Universit√§t zu K√∂ln und des R√∂misch-Germanischen Museums der Stadt K√∂ln. Hrsg. Boschung, Dietrich /Hellenkemper, Hansgerd. 2007. 384 S., 120 Abb. 24 x 17 cm. (Schriften des Lehr- und Forschungszentrums f√ľr die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes Centre for Mediterranean Cultures 5) Pb EUR 39,90 ISBN: 3-89500-585-1 L, Reichert
Aizanoi, Dokimion und Anatolien. Stadt und Land, Siedlungs- und Steinmetzwesen vom sp√§teren 4. bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. Arch√§ologische Forschungen, Band 23 Aizanoi, Band1. Von Philipp Niew√∂hner. 2007. 4¬į. 374 S., 637 sw. u. 1 fb. Abb., 1 Faltplan. EUR 78,00 ISBN: 978-3-89500-547-3 L, Reichert
1990 begann ein neuer Abschnitt der Aizanoi-Grabung mit dem Ziel, die Stadtentwicklung von den Anf√§ngen bis zur Einbeziehung der Ruinen in das traditionelle t√ľrkische Landst√§dtchen √áavdarhisar zu untersuchen. Diese Untersuchungen liefern Erkenntnisse zur Erforschung des Siedlungswesens und der Kulturlandschaften im westlichen Zentralanatolien und dar√ľber hinaus.
Im Gegensatz zu anderen anatolischen Städten hat die Lage Aizanois abseits der modernen Wirtschafts- und Tourismuszentren zahlreiche antike Hinterlassenschaften bewahrt. In vielen Dörfern finden sich Architekturteile, die offensichtlich aus christlichen Bauten stammen, aber kaum Hinweise auf antike Repräsentationsarchitektur.
Philipp Niew√∂hner analysiert jenen historischen Wandlungsprozess am Ende der Antike, indem er alle auffindbaren fr√ľhbyzantinischen Monumente der Aizanitis dokumentiert und auswertet. Er weist √ľberzeugend nach, dass sich die Siedlungsbilder des st√§dtischen Zentrums und der l√§ndlichen Siedlungen im 5. und 6. Jh. angleichen. Die fortschreitende Vernachl√§ssigung der Stadt geht mit einem Bauboom auf dem Land einher, der auf steigende Bev√∂lkerungszahlen hinweist ‚Äď eine Tendenz, die ganz Anatolien im 5. und 6. Jh. pr√§gte. Ihre Ursachen liegen im komplexen Zusammenwirken von politisch-gesellschaftlichen und √∂konomischen Faktoren.
Ein weiteres Ergebnis zeichnete sich erst im Lauf der Untersuchungen ab: Erstklassige Steinmetzarbeiten aus dem gleichen dokimischen Marmor, der in der Kaiserzeit f√ľr die ber√ľhmten kleinasiatischen Sarkophage verwendet wurde, belegen die fortgesetzte Produktion der Br√ľche und Werkst√§tten in Dokimion. Sie entwickelten im 4. Jh. jenes charakteristische Formenrepertoire, das in theodosianischer Zeit von den hauptst√§dtischen Marmorbr√ľchen auf Prokonnesos √ľbernommen wurde, und blieb bis ins 6. Jh. erstklassig. Diese Entdeckungen werfen ein neues Licht auf die Entwicklung der Steinmetzkunst, insbesondere in Bezug auf das Verh√§ltnis von Hauptstadt und Provinz. F√ľr die weitere Erforschung des fr√ľhbyzantinischen Siedlungs- und Steinmetzwesens in Anatolien bieten die neu vorgelegten Befunde aus Aizanoi eine umfangreiche und in vieler Hinsicht repr√§sentative Materialbasis.
Kult und Kommunikation. Medien in Heiligt√ľmern der Antike. Schriften des Lehr- und Forschungszentrums f√ľr die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes ‚Äď Centre for Mediterranean Cultures (ZAKMIRA), Band 4. Hrsg.: Christian Frevel und Henner von Hesberg. 2007. 8¬į. 468 S., 116 s/w-Abb., kart., EUR 42,00 ISBN: 978-3-89500-574-9 L, Reichert
Der vorliegende Band untersucht die komplexen Zusammenh√§nge und Strukturen von Kommunikation an und in antiken Heiligt√ľmern.
Dabei wird offensichtlich, dass diese spezielle Kommunikation untrennbar mit den Heiligt√ľmern verbunden ist.
Zumindest f√ľr die heidnische Antike gilt, dass im Heiligtum die Verbindung von Gottheiten und Menschen in besonderer Weise vermittelt wurde und in Kult und Ritual f√ľr die Teilnehmer erfahrbar sein sollte. In diesem Zusammenhang sind eine Vielzahl von Kommunikationssituationen und -konstellationen denkbar. Ohne Anspruch auf Vollst√§ndigkeit lassen sich vier Bereiche der Kommunikation an und in Heiligt√ľmern unterscheiden. Zun√§chst gibt es den Bereich der direkten sprachlichen Kommunikation, wie er in Gebeten, Ritualen, Orakeln oder auch im Austausch mit anderen Kultteilnehmern auftritt. Daneben existiert die schriftlich fixierte Kommunikation eines Tempelbetriebes, die aus Opferlisten, Tarifen oder anderen Texten besteht. Der dritte Bereich umfasst die medial vermittelte Kommunikation w√§hrend der Kulthandlung, zu dem Prozessionen, konsumptive Opfer oder Votiv- und Weihegaben z√§hlen. Zuletzt ist der Bereich der symbolisch repr√§sentativen Kommunikation zu nennen, der aus Architektur, Ausstattung, Kultbildern, Inschriften etc. besteht. Der Begriff ‚ÄěMedium‚Äú steht hierbei als Synonym f√ľr den Tr√§ger oder Mittler einer Kommunikationsleistung und beschr√§nkt sich nicht auf die technischapparativen Aspekte der Informations√ľbertragung. Er schlie√üt vielmehr die antiken Symbolsysteme und ihre Kommunikation mit ein und hilft, die Repr√§sentanz und Permanenz der antiken Kulturen genauer zu beschreiben.
Der Fokus dieses Bandes liegt auf dem Zusammenhang zwischen Kult und Medialit√§t in ihren verschiedenen Formen von Kommunikation an, in und √ľber Heiligt√ľmern. Die Aufs√§tze des ersten Teils zeigen auf, dass die heiligen St√§tten mehr als nur Orte waren, an denen Rituale vollzogen und das G√∂ttliche repr√§sentiert wurde.
Stattdessen verstehen sie Heiligt√ľmer als komplexe Kommunikationssysteme, durch die religi√∂se, politische und wirtschaftliche Botschaften anhand von sprachlichen und graphischen Medien vermittelt wurden.
Der zweite Teil befasst sich mit der besonderen Bedeutung, die Votiv- und Weihegaben zukommt, da sie sich sowohl an eine Gottheit als auch an die anderen Kultteilnehmer richten. Die Aufsätze beleuchten unterschiedliche Aspekte der Votivkulte und decken den gesamten Mittelmeerraum in der Zeit vom akeramischen Neolithikum bis zur Spätantike ab.
Aus dem Inhalt:
Christian Frevel, Henner von Hesberg: Einf√ľhrung
I. Heiligt√ľmer
José Luis García-Ramon: Der Begriff des Heiligtums aus sprachgeschichtlicher Perspektive
Katja Sporn: H√∂hlenheiligt√ľmer in Griechenland
Dietrich Boschung: Kultbilder als Vermittler religiöser Vorstellungen
Bernd Manuwald: Wundergeschichten aus dem Asklepios-Heiligtum von Epidauros.
Dokumente eines religiösen Kommunikationssystems Wolfgang Thiel: Überlegungen zur Kultur- und Religionspolitik König Antiochos’ IV.
Epiphanes am Beispiel der Entwicklung des Heiligtums des Zeus Olympios/Akraios von Nysa-Skythopolis
Rotraud Wisskirchen: Die Apsisstirnwand von SS. Cosma e Damiano/ Rom: Ihre Aussage zur Kirchenpolitik Sergius‚Äô I. (687‚Äď701)
II. Votive
Christian Frevel: Geschenke f√ľr die G√∂tter: Votive als Kommunikationsindikatoren in Heiligt√ľmern der Bronze- und Eisenzeit in Pal√§stina/Israel
Robert Wenning: Nabat√§ische Votivnischen, Clan-Heiligt√ľmer, Tempel und Votive Henner von Hesberg: Votivseriationen
Daphni Doepner: Zur medialen Funktion von Terrakottastatuetten in griechischen Heiligt√ľmern. Ein Befund in Medma (Rosarno)
Helga Bumke: Fremde Weihungen f√ľr griechische G√∂tter. √úberlegungen zu den Bronzestatuetten √§gyptischer G√∂tter und Priester im Heraion von Samos
Ralf Krumeich: Ehrenstatuen als Weihgeschenke auf der Athener Akropolis. Staatliche Ehrungen in religiösem Kontext
Werner Eck: Votivalt√§re in den Matronenheiligt√ľmern in Niedergermanien: Ihre Aussagef√§higkeit f√ľr die Formen der ‚ÄěKommunikation zwischen Menschen und G√∂ttern‚Äú
Manuel Fiedler, Constanze H√∂pken: Das ‚Äěgemeinschaftliche‚Äú und das ‚Äěprivate‚Äú Opfer: Beispiele aus dem Spektrum von Votivpraktiken in r√∂mischen Heiligt√ľmern, dargestellt an Befunden aus Apulum und Sarmizegetusa (Dakien)
Madrider Mitteilungen. Band 48 (2007). Hrsg. Deutsches Arch√§ologisches Institut, Abteilung Madrid. 2007. 8¬į. 384 S., 200 s/w- und 11 fb. Abb. 36 Tafeln, Gb. EUR 78,00 ISBN: 978-3-89500-577-0 L, Reichert
Aus dem Inhalt:
M. KUNST und M. A. ROJO GUERRA: La L√°mpara und La Revilla del Campo. Zwei Siedlungen des fr√ľhesten Neolithikums der Iberischen Halbinsel bei Ambrona (Provinz Soria) und ihre absolute Chronologie. Teil 1: La L√°mpara
H.-P. STIKA: Fr√ľher neolithischer Ackerbau in Zentralspanien sowie Pflanzenreste aus einem neolithischen Grabh√ľgel aus Ambrona (Provinz Soria) R. DAMBECK und H. THIEMEYER: Geoarch√§ologisch-bodenkundliche Untersuchungen bei Ambrona (Provinz Soria). Zwischenbericht
A. SCHWEIZER: Ein pleniweichselzeitliches Pollenprofil von der spanischen Nordmeseta bei Mi√Īo de Medinaceli (Provinz Soria)
A. SCHWEIZER: Einblicke in die mittel- bis sp√§tholoz√§ne Vegetationsgeschichte auf der Nordmeseta Spaniens bei Mi√Īo de Medinaceli (Provinz Soria). Ergebnisse einer arch√§opalynologischen Prospektion
H.-P. STIKA: Großrestbestimmungen an Pollenprofilen aus Ambrona (Provinz Soria)
A. M. ARRUDA: A idade do ferro do Sul de Portugal. Estado da investigação
R. GRAELLS I FABREGAT: Espadas miniturizadas en las necrópolis del Noreste de la Península Ibérica
J. VIVES-FERR√ĀNDIZ S√ĀNCHEZ: A prop√≥sito de un infundibulum etrusco hallado en aguas de la Bah√≠a e X√†bia (Alacant)
J. MAIER ALLENDE und TH. G. SCHATTNER: Neues zur galläkischen Kriegerstatue von Villar de Barrio (Provinz Orense)
D. GRAEN: Ein neues Fragment eines Reliefsarkophages aus Quinta de Marim (Olh√£o, Distrikt Faro, Portugal). Bemerkungen zur Sarkophagbestattung in der Lusitania
J. PERA ISERN und A. USCATESCU: La Antig√ľedad Tard√≠a en la ciudad de Iesso (Guissona, L√©rida). Una aproximaci√≥n a trav√©s del an√°lisis de algunos contextos estratigr√°ficos
CH. EGER: Guarrazar (Provinz Toledo). Bericht zu den Untersuchungen 2002 bis 2005
F. GIESE-V√ĖGELI: Die Gew√∂lbe der Gro√üen Moschee von C√≥rdoba und der islamische Osten. Ursprung, Verbreitung und Aufl√∂sung eines W√∂lbsystems
Die antiken Skulpturen in Newby Hall sowie in anderen Sammlungen in Yorkshire. Monumenta Artis Romanae, Band XXXV. Hrsg.: Forschungsarchiv f√ľr Antike Plastik am Arch√§ologischen Institut der Universit√§t zu K√∂ln. Antike Skulpturen in englischen Schl√∂ssern. Begr√ľndet von Hansgeorg Oehler. Von Dietrich Boschung und Henner von Hesberg. 2007. 4¬į. 320 S., 497 s/w- und 4 fb. Abb., Gb. EUR 110,00 ISBN: 978-3-89500-431-5 L, Reichert
Die Skulpturengalerie in Newby Hall geh√∂rt zu den bedeutendsten Antikensammlungen in Privatbesitz. Ihr Rang gr√ľndet sich vor allem auf die Qualit√§t der hier zusammengetragenen 69 Statuen, B√ľsten und Reliefs. Die Bedeutung der Statuen ist in der arch√§ologischen Literatur seit dem 9. Jahrhundert betont worden, doch wird eine zuverl√§ssige Beurteilung der St√ľcke erst durch den vorliegenden Katalog erm√∂glicht.
Newby Hall gilt zu Recht als Muster einer englischen Antikensammlung des 18. Jahrhunderts ‚Äď sie ist in ihrem Aufstellungskontext seit 1764 weitgehend intakt geblieben. Eine ausf√ľhrliche Einleitung besch√§ftigt sich daher mit der Erwerbungsgeschichte und mit dem Aufstellungskonzept des 18. Jahrhunderts.
Diese Publikation enth√§lt in erster Linie die wissenschaftliche Erschlie√üung der 137 Antiken in Newby Hall und in sieben weiteren englischen Privatsammlungen. Zum Teil wurden sie bisher nur ungen√ľgend vorgelegt, zum Teil werden sie hier erstmals ver√∂ffentlicht.
Dem Ziel einer Grundlagenpublikation entsprechend, dokumentiert die vorliegende Monographie alle St√ľcke fotografisch, basierend auf den Fotokampagnen des K√∂lner Forschungsarchivs f√ľr Antike Plastik. Ebenso wichtig ist die sorgf√§ltige Darstellung von Erhaltungszustand und modernen Erg√§nzungen, die in der bisherigen Literatur zum Teil kontrovers beurteilt wurden. Die einzelnen Katalogtexte erm√∂glichen zudem die begr√ľndete Datierung sowie Einordnung und Interpretation der Skulpturen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage nach der Provenienz der St√ľcke, die sich in zahlreichen F√§llen kl√§ren lie√ü.
Der Orientteppich. Einblicke in Geschichte und √Ąsthetik. Von Werner Br√ľggemann. 2007. 8¬į.416 S., 124 z. T. fb. Abb. Gb., EUR 98,00 ISBN: 978-3-89500-563-3 L, Reichert
Der Orientteppich wird meistens aus der kunsthistorischen Perspektive betrachtet. Werner Br√ľggemann w√ľrdigt in der vorliegenden Arbeit erstmals die Bedeutung des Orientteppichs anhand geschichtlicher und √§sthetischer Aspekte. F√ľnf Abhandlungen f√ľhren in bislang unbekannte Themen ein und er√∂ffnen neue Einblicke in die ‚ÄěBild‚Äú-Welt der Orientteppiche. Neben einer Geschichtsbetrachtung untersucht der Autor verschiedene Teppichmuster und verfolgt deren Urspr√ľnge.
Im letzten Teil widmet er sich der Rezeption des Orientteppichs im 20. Jahrhundert. Ziel des Bandes ist ein vertieftes Verst√§ndnis f√ľr diesen bedeutenden Gegenstand orientalischer Kultur. Werner Br√ľggemann studierte Literaturwissenschaft, Germanistik, Geschichte und Philosophie, bevor er sich auf islamische Kunst und Orientteppiche spezialisierte. Seit 1968 arbeitet er wissenschaftlich auf diesem Gebiet. Sein Interesse gilt vor allem der √Ąsthetik des Orientteppichs. Er hat dazu zahlreiche Ausstellungen begleitet und Publikationen herausgegeben. Zwei seiner Werke gelten als Standardwerke: Teppiche der Bauern und Nomaden in Anatolien (gemeinsam mit Harald B√∂hmer) und Yayla, Form und Farbe in t√ľrkischer Textilkunst.
Aus dem Inhalt
Vorwort: Jens Kröger
Einf√ľhrung: Versuch einer Ann√§herung
Erster Teil: Zur Geschichte des Orientteppichs I Traditionen in Anatolien ‚Äď Eine andere Betrachtung der Geschichte
II Van Eyck ‚Äď Ein unbekanntes Teppichmuster aus fr√ľher Zeit
III Holbein-Teppich und Holbein-Kelim Zweiter Teil: Zur √Ąsthetik des Orientteppichs IV Die Stunde des Fragments
V Die Macht des Einfachen
Farbabbildungen
Anhang
Statuen in der Sp√§tantike. Hrsg.: Franz Alto Bauer und Christian Witschel. Sp√§tantike ¬∑ Fr√ľhes Christentum ¬∑ Byzanz. Kunst im ersten Jahrtausend. Hrsg. Beat Brenk, Johannes G. Deckers, Arne Effenberger, Lieselotte K√∂tzsche. Reihe B: Studien und Perspektiven, Band 23. 2007. 8¬į. 500 S., 202 s/w- und 4 fb. Abb. Gb. EUR 98,00 ISBN: 978-3-89500-576-3 L, Reichert
Die Erforschung statuarischer Bildwerke steht im Schnittpunkt verschiedener altertumswissenschaftlicher Disziplinen, und dies gilt insbesondere f√ľr sp√§tantike Skulpturen: Sie sind Zeugnisse einer allm√§hlich auslaufenden Kunstgattung, der Vollplastik, denen ‚Äď vielleicht gerade infolge nachlassender Produktion ‚Äď besondere Bedeutung beigemessen wird. Statuen, die im √∂ffentlichen Raum aufgestellt waren, bilden einen wichtigen Gradmesser f√ľr die Kontinuit√§t st√§dtischer Ausstattungspraxis in der Sp√§tantike. Sie belegen, sofern es sich um Bildwerke im privaten Lebensbereich handelt, die Langlebigkeit klassisch-mythologischer Sujets am √úbergang zum Mittelalter. Die Inschriften auf Statuenbasen wiederum entwerfen in ihrer Intellektualit√§t das Bild einer bildungsfreudigen Oberschicht, w√§hrend gerade Verst√ľmmelungen und Zerst√∂rungen von Bildnissen die Furcht vor Statuen bezeugen.
Damit sind nur einige wenige Aspekte der Bedeutung und verschiedenartigen Wahrnehmung von Bildwerken in der Sp√§tantike genannt, die in dem vorliegenden Band aus verschiedenen Blickwinkeln von Arch√§ologen, Historikern und Kunsthistorikern thematisiert werden. Dabei werden am Beispiel ausgew√§hlter Befunde und Kontexte nicht nur Probleme der Chronologie und der Entstehung von Statuensammlungen thematisiert, sondern auch Fragen der Kontextualisierung sowohl im privaten wie im √∂ffentlichen Raum behandelt. Besonderes Augenmerk gilt der Frage nach den Gr√ľnden f√ľr das Ende der Statuenproduktion und welche Repr√§sentationsformen an die Stelle der Statuenausstattung traten.
Aus dem Inhalt:
Vorwort
Franz Alto Bauer, Christian Witschel: Statuen in der Spätantike
I. Statuen im kulturellen Diskurs der Spätantike
Peter Stewart: Continuity and Tradition in Late Antique Perceptions of Portrait Statuary Barbara E. Borg: Bilder f√ľr die Ewigkeit oder glanzvoller Auftritt?
Zum Repräsentationsverhalten der stadtrömischen Eliten im 3. Jh. n. Chr.
Franz Alto Bauer: Virtuelle Statuensammlungen
II. Statuen im öffentlichen Bereich Christian Witschel: Statuen auf spätantiken Platzanlagen in Italien und Africa
Robert Coates-Stephens: The Reuse of Ancient Statuary in Late Antique Rome and the End of the Statue Habit
Sarah Bassett: Ancient Statuary in Fourth-Century Constantinople: Subject, Style, and Function
R. R. R. Smith: Statue Life in the Hadrianic Baths at Aphrodisias, AD 100−600: Local Context and Historical Meaning
Johanna Auinger, Elisabeth Rathmayr: Zur spätantiken Stautenausstattung der Thermen und Nymphäen in Ephesos
III. Statuen im privaten Bereich
Niels Hannestad: Late Antique Mythological Sculpture ‚Äď In Search of a Chronology
Lea M. Stirling: Statuary Collecting and Display in the Late Antique Villas of Gaul and Spain: A Comparative Study
Marianne Bergmann: Die kaiserzeitlichen Porträts der Villa von Chiragan: Spätantike Sammlung oder gewachsenes Ensemble?
Susanne Muth: Das Manko der Statuen? Zum Wettstreit der bildlichen Ausstattung im spätantiken Wohnraum
Bayer, Karl: Cristoforo Buondelmonti, Liber insularum (ULBD Ms. G 133). Transkription des D√ľsseldorfer Exemplars, √úbersetzung und Kommentar. 2007. 92 S., 1 Kte 43 x 30 cm. Pb EUR 49,00 ISBN: 3-89500-542-8 L, Reichert
Der Florentiner Cristoforo Buondelmonti besuchte w√§hrend des ersten Drittels des 15. Jahrhunderts auf mehreren Reisen die √§g√§ische Inselwelt, Kreta, die ionische Westk√ľste und Konstantinopel. Seine so gewonnenen geographischen Erkenntnisse legte er in zwei Schriften nieder: in der Descriptio insulae Cretae (1417) und im Liber insularum archipelagi (1420), die beide in der Folge in verschiedenen Fassungen eine weite Verbreitung fanden. Sie sind unter anderem in der unter der Signatur Ms. G 13 in der Universit√§ts- und Landesbibliothek D√ľsseldorf verwahrten sp√§tmittelalterlichen Sammelhandschrift √ľberliefert, die geographische, historiogra-phische und astronomisch-astrologische Texte vereint. Die besondere Bedeutung der D√ľsseldorfer Fassung des Liber insularum liegt in der Illustration des Textes, n√§mlich den Karten von den einzelnen beschriebenen griechischen Inseln mitsamt Einzeichnung wichtiger Bauwerke. Von √ľberragender Bedeutung ist dabei eine ganzseitige Ansicht von Konstantinopel, die v√∂llig neue Aufschl√ľsse zu Topographie und Baugeschichte der Stadt im sp√§ten 15. Jahrhundert gibt und deren Quellenwert weit √ľber den begleitenden Text hinausweist. Der Text selbst beschreibt detailreich und immer um Objektivit√§t bem√ľht die kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Verh√§ltnisse der bereisten Orte. Im Vordergrund steht jedoch ‚Äď wie k√∂nnte es im Zeitalter des Renaissance-Humanismus auch anders sein? ‚Äď die Suche nach √úberresten der antiken Kultur. Er registriert einen erstaunlichen Bestand v. a. an marmornen S√§ulen, wohl allerdings mit dem Hintergedanken, dass man derlei in Florenz gut brauchen k√∂nnte. In einem Fall macht er sich sogar an die Wiederaufrichtung einer gro√üen S√§ule, was ihm aber trotz des Einsatzes von Schiffsmaschinen nicht gelingt. Die ‚ÄěTranskription‚Äú von Karl Bayer enth√§lt eine √úbersetzung ins Deutsche, eine √úbersichtskarte, einige Kommentarnotizen und umfangreiche Register.
Tiryns. Band XIV. Hg. vom Deutschen Arch√§ologischen Institut in Athen. Studien zur sp√§tmykenischen Keramik. Hrsg. von Joseph Maran. Von Christian Podzuweit (‚Ć). 2007. 4¬į. 616 S., 1339 s/w- Abb., und 100 Tabellen, EUR 78,00 ISBN: 978-3-89500-548-0 L, Reichert
Der vorliegende Band fu√üt auf der Habilitationsschrift ¬ĽStudien zur sp√§tmykenischen Keramik¬ę, die Christian Podzuweit 1992 an der Universit√§t Bonn einreichte. Kurz nach Abschluss des Habilitationsverfahren verstarb er pl√∂tzlich und hinterlie√ü ein Manuskript, das f√ľr die Beurteilung der formenkundlichen und stilistischen Entwicklung mykenischer Keramik von gro√üer Bedeutung ist. Podzuweit war seit Beginn der Ausgrabungen in Tiryns unter der Leitung von Klaus Kilian einer seiner engsten Mitarbeiter, und ihm wurde die Bearbeitung der bemalten mykenischen Keramik der ausgehenden mykenischen Palastzeit und der Nachpalastzeit √ľbertragen. Als er diese Aufgabe √ľbernahm, war abzusehen, dass wegen der M√∂glichkeit zur feinen stratigraphischen Unterteilung der Siedlungsbefunde und wegen deren exzellenter Erhaltung g√ľnstige Voraussetzungen f√ľr die Keramikauswertung bestehen w√ľrden. Von Anfang an war aber auch klar, dass es sich bei der sp√§tmykenischen Keramik aus der Unterburg nicht nur um einen der bedeutendsten, sondern auch umfangreichsten Fundkomplexe des 2. Jts. v. Chr. im Ostmittelmeerraum handeln w√ľrde. Dies veranlasste den Grabungsleiter, die zutage tretende sp√§tmykenische Keramik nicht als Gesamtkomplex von einem Bearbeiter auswerten zu lassen, sondern die unterschiedlichen Keramikgattungen die bemalte, die unbemalte, die fig√ľrlich bemalte und die handgemachte, gegl√§ttete mykenische Keramik ‚ÄĒ auf vier Bearbeiter zu verteilen. Trotz dieses Vorgehens wurden die Verantwortlichen von der schieren Menge des Fundstoffs geradezu √ľberrollt. Aus diesem Grund wurde die Auswertung der in diesem Band untersuchten Keramik erst neun Jahre nach der letzten Ausgrabungskampagne abgeschlossen. Podzuweit vermochte es, die schwierige Aufgabe der Bearbeitung dieses umfangreichen Fundbestandes der bemalten mykenischen Keramik zu Ende zu f√ľhren und dabei Ergebnisse zu erzielen, die nicht nur f√ľr die Kenntnis dieser Fundgruppe, sondern auch f√ľr die Kulturgeschichte der sp√§tmykenischen Argolis wichtig sind. Anhand der Keramik zeichnet Podzuweit (nach Gef√§√üformen getrennt) meisterhaft die Grundlinien der Keramikentwicklung von den letzten Jahrzehnten der Palastherrschaft bis zum Ende der mykenischen Epoche in der Argolis nach. Ihm gelingen neue Einblicke in das Spektrum und den Wandel von Gef√§√üformen und Dekorsystemen einer Keramikart, der seit den Untersuchungen von A. Furumark eine √ľberragende Rolle f√ľr die relative Chronologie der mykenischen Zeit beigemessen wird. F√ľr die gerade in j√ľngster Zeit diskutierte Frage nach den Trinksitten der mykenischen Palastzeit und ihrer Ver√§nderung am √úbergang zur Nachpalastzeit enth√§lt die Studie eine F√ľlle aufschlussreicher Beobachtungen.
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