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Reichert, Dr. Ludwig Verlag

 
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Das Athenaheiligtum von Priene. Die Nebenbauten - Altar, Halle und Propylon - und die bauliche Entwicklung des Heiligtums. Hennemeyer, Arnd. Priene (2); Archäologische Forschungen (27). 2014. 472 S. 170 Tafeln mit 173 s/w-Abb., 316 Strichzeichnungen, 6 Plänen, 9 Beilagen, 16 Tabelle(n). 30 x 21 cm. Gb. EUR 88,00. CHF 119,00 ISBN: 978-3-89500-924-2 L, Reichert
Das Athenaheiligtum der Stadt Priene mit seinem umfangreichen Bestand an Architekturresten war durch Forschungsunternehmungen im 19. Jahrhundert bis auf das Niveau hellenistischer Zeit freigelegt worden. Dies erm√∂glichte, eine Untersuchung des Komplexes weitgehend mit den Methoden der Bauforschung durchzuf√ľhren, erg√§nzt um einige gezielte arch√§ologische Sondagen. Der Band, der die Ergebnisse dieser mehrj√§hrigen Feldforschung vorlegt, basiert auf einer 2006 an der TU M√ľnchen angenommenen Dissertation. Gegenstand des vorliegenden Bandes sind drei Bauten des Heiligtums - in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Errichtung der Monumentalaltar, die Halle und das Propylon - und schlie√ülich die Gesamtanlage des Heiligtums. Zur Architektur des Hauptbaus - des von Pytheos entworfenen Athenatempels - folgt eine eigene Monographie von Wolf Koenigs.
Die umfassende und detaillierte zeichnerische Dokumentation der in situ erhaltenen Reste und aller zuweisbaren Bauteile, erg√§nzt durch Notizen, Skizzen und Fotos aus dem 19.Jahrhundert, kann die f√ľr die drei Bauten entwickelten Rekonstruktionen fast l√ľckenlos belegen. Das f√ľhrt teils zu Best√§tigung und Pr√§zisierung √§lterer Rekonstruktionsvorschl√§ge,
oft aber auch zu wichtigen √Ąnderungen. Gezielt beobachtet werden Hinweise auf die Bauabfolge, die technische Ausf√ľhrung, Umplanungen w√§hrend des Bauprozesses, Bauphasen und sp√§tere Umbauten. Die Analyse der einzelnen Bauten verfolgt unterschiedlichste Aspekte, die mitunter weit √ľber die Einzelobjekte hinausweisen:
Entwurfs- und Planungsprozesse, die Proportionierung der Bauten und ihrer Bauglieder,
Metrologie und das verwendete Fußmaß, die Mittel architektonischer Verfeinerung, die Beziehung zwischen Funktion und Gestalt der Bauten, Blickbeziehungen innerhalb des Heiligtums und in die Ferne, Vergleiche mit Angaben Vitruvs, sowie im Zusammenhang mit dem Propylon die Entwicklung korinthischer Kapitelle hellenistischer Zeit in Kleinasien und im Zusammenhang mit dem Altar die Merkmale von Halbsäulenordnungen.
Die Ergebnisse zu den Einzelbauten werden abschlie√üend zusammengef√ľhrt, um die bauliche Entwicklung des Heiligtums im Ganzen zu rekonstruieren, die sich vom Baubeginn des Tempels im 4.Jh. v. Chr. bis zur Errichtung des Propylons, wahrscheinlich in augusteischer Zeit, erstreckte. Dieser monumentale Ausbau des Heiligtums folgte keineswegs einem bereits von Beginn an festgelegten Gesamtplan. Vielmehr nahm das Heiligtum urspr√ľnglich sogar eine weit kleinere Fl√§che, als bislang angenommen, ein, ehe es schrittweise, zuletzt im 1.Jh. v. Chr., erweitert wurde. Die einzelnen Bauprojekte √§nderten die Erscheinung und Anlage des Heiligtums jeweils entscheidend und spiegeln unterschiedliche st√§dtebauliche Vorstellungen wider. Die Publikation erschlie√üt die Architektur des Athenaheiligtums f√ľr unterschiedliche Disziplinen der Altertumswissenschaften und dient als Referenzwerk f√ľr Forschungen zu hellenistischer Architektur.
Bestattungssitten zwischen Tradition und Modifikation. Kulturelle Austauschprozesse in den griechischen Kolonien in Unteritalien und Sizilien vom 8. bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. Burkhardt, Nadin. Italik√° (2). 2014. 424 S. 70 sw. u. 39 fb. Abb. 30 x 21 cm. Gb. EUR 128,00. CHF 172,00 ISBN: 978-3-89500-954-9 L, Reichert
Im Zentrum der Arbeit stehen Kulturaustausch und Akkulturationsaspekte, die auf die Ansiedlung der Griechen in Unteritalien und Sizilien zur√ľckgehen und aus dem Mit- und Nebeneinanderleben der italischen und sizilischen Bev√∂lkerungsgruppen und der griechischen Kolonisten resultieren.
Anhand der Entwicklung von Grabtypen, Beigaben und Bestattungssitten werden Einfl√ľsse verschiedener Art untersucht wie die Beziehungen zwischen Kolonie und Mutterstadt, zwischen den Kolonien untereinander und zu ihrer Umgebung und zu der im Umland lebenden Bev√∂lkerung. Die Untersuchung erfolgt anhand dreier Fallbeispiele - die eub√∂ischen Gr√ľndungen Pithekoussai und Kyme in Kampanien, die ach√§ische Kolonie Metapontion und das spartanische Taras in Unteritalien und die rhodisch-kretischen Gr√ľndungen Gela und Akragas auf Sizilien.
Es gibt keinen homogenen in allen Kolonien auf die gleiche Weise ablaufenden Prozess, sondern jeweils lokale Entwicklungen, die aus den verschieden agierenden Kulturgruppen im Umland, der Zusammensetzung der griechischen Siedlergruppe, der Lage und Entwicklung der Kolonie und den naturräumlichen Gegebenheiten resultieren.
In allen drei Untersuchungsgebieten sind die griechischen Einfl√ľsse in der indigenen Bestattungskultur deutlich; es ist jedoch keine reine √úbernahme griechischer Gepflogenheiten zu beobachten. Die "Idee", der einzelne Ritus oder Grabtyp und das Bed√ľrfnis, diesen zu verwenden und auch zur Visualisierung sozial differenzierter Gesellschaftsgruppen zu benutzen, geht auf den durch die Koloniegr√ľndungen bedingten direkten Kontakt zur√ľck. Die jeweilige Auspr√§gung und Gestaltung geschieht dann vor dem kulturellen Hintergrund der Indigenen.
Die Dissertation erscheint als zweiter Band in der neu gegr√ľndeten Reihe "Italik√°", die ausschlie√ülich die Arch√§ologie des vorr√∂mischen Italien mit all ihren Bereichen zum Thema hat und damit einem aktuellen und stetig anwachsenden Forschungsinteresse entgegenkommt. "Italik√°" wird monographische Werke und thematisch einheitliche Sammelschriften aus allen Gebieten der Altertumskunde aufzunehmen, die sich im weitesten Sinne mit Quellen, Befunden und Funden zu den Bev√∂lkerungsgruppen auf dem Territorium des heutigen Italien in vorr√∂mischer Zeit befassen und methodisch und theoretisch innovative Ans√§tze bieten, die das weit gef√§cherte Spektrum der komplexen Welt der Kulturkontakte exemplarisch beleuchten.
Die archaische Bildhauerkunst von Paros. Untersuchungen zur stilistischen Entwicklung der anthropomorphen Rundplastik. Barlou, Vasiliki. 344 S. 370 Abb. 30 x 21 cm. Gb. EUR 98,00. CHF 129,00 ISBN: 978-3-89500-860-3 L, Reichert
Die Marmorinsel Paros ist seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. eines der wichtigsten Zentren der antiken Bildhauerkunst. In der vorliegenden Arbeit wird erstmals eine umfassende Untersuchung der archaischen Skulptur von Paros unter Ber√ľcksichtigung neuerer Funde unternommen. Ausgehend von Werken gesicherter Herkunft, die in einem detaillierten Katalog aufgenommen sind, werden die spezifischen Stilmerkmale parischer Plastik herausgearbeitet und die bisher etablierten Kriterien mit der Methode der vergleichenden Stilanalyse √ľberpr√ľft und erweitert. Die daraus resultierenden, teils √ľberraschenden Ergebnisse zur Formsprache der parischen Werkst√§tten er√∂ffnen neue Perspektiven auf die Vielfalt und Komplexit√§t der archaischen Kunstlandschaften und fordern zum √úberdenken dieses vieldiskutierten Ph√§nomens auf.
Das Buch in der Spätantike. Herstellung, Form, Ausstattung und Verbreitung in der westlichen Reichshälfte des Imperium Romanum. Schipke, Renate. 2014. 280 S. 24 x 17 cm. Gb. EUR 49,80. CHF 66,90 ISBN: 978-3-89500-958-7 L, Reichert
In der modernen Forschung gilt die Sp√§tantike als eine durchaus eigenst√§ndige historische Epoche, die eher durch eine gewisse Stetigkeit und Dominanz r√∂mischer Traditionen als durch deutliche Br√ľche gepr√§gt ist. Das Ziel dieser Untersuchung besteht darin nachzuweisen, dass auch das Buchwesen dieser Epoche f√ľr sich einen eigenst√§ndigen Charakter beanspruchen kann. Im Mittelpunkt der Argumentation stehen die materielle Beschaffenheit, die Herstellung und die Verbreitung des Buches. Eingebettet in die allgemeine Kultur- und Geistesgeschichte werden folgende Fragen diskutiert. Wirken sich Ver√§nderungen im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gef√ľge auf das Buch aus und gibt es neue Aspekte im Buchwesen? Sind Ver√§nderungen klar erkennbar und als solche in den zeitgen√∂ssischen Quellen wahrgenommen worden? Ist der Unterschied zwischen antiker und mittelalterlicher Buchherstellung in der Sp√§tantike nachweisbar? Erh√§lt das Buch eine ver√§nderte Wertigkeit? Welche Rolle spielen die Produzenten und werden sie in den Quellen gew√ľrdigt?
Die Er√∂rterung der o.g. Thematik und die Suche nach Antworten auf diese Fragen f√ľhrte (in gedr√§ngter Form) zu folgenden Ergebnissen. Der Codex als Buchform bot neue bisher unbekannte Gestaltungsm√∂glichkeiten, die es zu erkennen und auszusch√∂pfen galt. Bereits in der Sp√§tantike entwickelte sich eine Herstellungsweise, die der klassischen Antike unbekannt war: die Vervielf√§ltigung in kl√∂sterlichen Skriptorien. Die von antiker Tradition, Bildung und Wissenschaft gepr√§gte Oberschicht des R√∂mischen Reiches fand sich infolge der ver√§nderten politischen und wirtschaftlichen Verh√§ltnisse in gelehrten Gemeinschaften zusammen, um hier das schriftliche Erbe zu sammeln, zu pflegen und zu erhalten. Die konkrete Umsetzung erfolgte durch das Abschreiben von relevanten Texten. Hinzu traten die christlichen Gemeinschaften, die f√ľr ihr Zusammenleben Regeln schufen, in denen sie auch f√ľr die praktische Umsetzung ihres Glaubens die Herstellung von B√ľchern verankerten. In den Kl√∂stern entstanden die Skriptorien mit gut ausgebildetem Personal. Das in der Sp√§tantike zu staatlicher Anerkennung gelangte Christentum war eine Buchreligion. Als Texttr√§ger der Heiligen Schriften erfuhr das Buch eine au√üerordentliche Wertsch√§tzung. Die mit der Etablierung des Christentums entstandenen h√∂heren Verwaltungsinstitutionen boten der r√∂mischen Oberschicht eine Alternative zu den verloren gegangenen staatlichen √Ąmtern. Der r√∂mische Bildungsgedanke drang in die christlichen Institutionen ein und konnte in die Folgezeit tradiert werden. Das Buch als Bildungs- und Glaubenstr√§ger hatte einen fruchtbaren Boden gefunden, in dem es wurzeln konnte.
Die Schlussfolgerungen beruhen auf einer breiten Basis literarischer, paläographischer und epigraphischer Quellen.
Die Dekorelemente der Elfenbeinskulpturen des Kalifats von Córdoba (Mitte 10. bis Anfang 11. Jahrhundert). Ewert (†), Christian. Madrider Beiträge (31). 2014. 170 S. 2715 Zeichnungen auf 88 Tafeln, 4 Falttafeln. 32 x 22 cm. Gb. EUR 88,00. CHF 119,00 ISBN: 978-3-89500-705-7 L, Reichert
Das Lebenswerk des Architekten und Kunsthistorikers Christian Ewert war die Untersuchung und Analyse des westislamischen Bauschmuckes, von seiner Bl√ľte im 10. Jahrhundert bis in das 12. Jahrhundert. Seine letzte, kurz vor seinem Tod abgeschlossene Monographie erweitert unsere Sicht durch die Untersuchung einer eng verwandten Kunstgattung: die spanisch-islamischen Elfenbeinskulpturen. Mit viel Feinsinn und gewohnter Akribie legt der Autor eine umfassende zeichnerische Dokumentation der Dekorfl√§chen von 21 B√ľchsen und K√§sten aus Elfenbein vor, analysiert deren Repertoire an Dekorelementen und setzt diese in Vergleich mit Beispielen des zeitgleich entstandenen Baudekors.
Mit der Gr√ľndung der prunkvollen Palaststadt Madinat az-Zahra' bei C√≥rdoba im Jahr 936 entstand ein erh√∂hter Bedarf an Luxusg√ľtern und, angesichts des verfeinerten, die W√ľrde des Kalifen betonenden Hofzeremoniells und des Zustroms hochrangiger ausw√§rtiger G√§ste und Gesandtschaften, auch der Bedarf an W√ľrdegeschenken. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, sch√∂pfte eine Meisterelite einen √ľberbordenden, nur schwer vollst√§ndig zu erfassenden Formen- und Variantenreichtum, der sich auf plastischem Bauschmuck und in Elfenbeinschnitzereien gleicherma√üen findet. Offenbar arbeiteten Baudekorateure und Elfenbeinschnitzern Seite an Seite und beeinflussten sich gegenseitig.
Aral Histories. Geschichte und Erinnerung im Delta des Amudarja. Hrsg.: Dzhumashev, Askar; G√ľnther, Olaf; Loy, Thomas. Erinnerungen an Zentralasien . 2014. 138 S. 20 Abb., 5 Karte(n), 3 Diagramm‚ā¨. 21 x 15 cm. Pb. EUR 16,90. CHF 24,50 ISBN: 978-3-89500-965-5 L, Reichert
Das Verschwinden des Aralsees ist eine der gr√∂√üten Umweltkatastrophen des 20. Jahrhunderts. Vor allem in den 1980er Jahren erregte es weltweite Aufmerksamkeit. Bis auf wenige Ausnahmen ist die bisherige Forschung in Bezug auf den Aralsee jedoch vornehmlich auf naturwissenschaftliche, √∂kologische oder medizinische Themen konzentriert. Die Menschen der s√ľdlichen Aralregion, ihre Geschichte und Kultur sowie ihre Erfahrungen und Strategien im Umgang mit der Katastrophe - oder mit den Gegebenheiten des Lebens im Delta in "normaleren" Zeiten - sind dabei weitgehend unbeleuchtet geblieben.
Im hier vorgelegten Sammelband Aral Histories - Geschichte und Erinnerung im Delta des Amudarja werden verschiedene historische und kulturwissenschaftliche Beitr√§ge von Wissenschaftlern aus Karakalpakstan und von ForscherInnen vorgelegt, die in Deutschland t√§tig sind. Alle hier versammelten Texte befassen sich mit der neueren und j√ľngsten Geschichte des Amudarjadeltas und greifen dabei vor allem auf eine bewegliche und fl√ľchtige Ressource des Wissens zur√ľck: die Erinnerung.
Selbst in der ehemaligen Hafenstadt Mojnaq erinnern sich heute nur noch die √Ąltesten an den See. Der einstige Kurort war bekannt f√ľr sein angenehmes Seeklima, selbst im zentralasiatischen Hochsommer. Jetzt gibt es hier seit Jahren fast t√§glich Sand- und Salzst√ľrme, vor denen sich die Bev√∂lkerung kaum sch√ľtzen kann. Zu Sowjetzeiten lebten hier √ľber 20.000 Menschen und die √∂rtliche Fischereiindustrie belieferte die gesamte Sowjetunion. Davon zeugen heute nur noch Fabrikruinen und Schiffsgerippe im W√ľstensand.
Das Leben der Menschen der √ľbrigen Deltaregion war seit jeher enger an den Fluss und sein Kanalsystem angepasst. Die meisten dort kennen den See nur aus dem Schulunterricht. Von seinem Verschwinden erfuhren sie erst in den sp√§ten 1980er Jahren, als dieses l√§ngst nicht mehr aufzuhalten war. Auch dass auf den Kan√§len, die noch immer das Land durchziehen, vor nicht allzu langer Zeit gro√üe Segelschiffe und Lastk√§hne fuhren, ist heute kaum mehr vorstellbar. Bilder aus den 1930er Jahren muten da an wie aus einer anderen Welt; und sie sind es auch.
Der Sammelband versteht sich als eine Einf√ľhrung in die Geschichte und Lebenswelt einer und radikalen naturr√§umlichen und gesellschaftlichen √Ąnderungen unterworfenen und bisher kaum beachteten Deltaregion im 20. und 21. Jahrhundert und pr√§sentiert neben historischem und aktuellem Bild- auch seltenes Kartenmaterial aus Karakalpakstan.
Der r√∂mische Milit√§rplatz Submuntorium/Burgh√∂fe an der oberen Donau. Arch√§ologische Untersuchungen im sp√§tr√∂mischen Kastell und Vicus 2001 bis 2007. Hrsg.: Mackensen, Michael; Hrsg.: Schimmer, Florian. M√ľnchner Beitr√§ge zur Provinzialr√∂mischen Arch√§ologie (4). 2014. 568 S. 3 fb. Faltpl√§ne als Beilage, 177 sw. 20 fb. Abb, 49 Tabelle(n). 30 x 21 cm. Gb. EUR 128,00. CHF 172,00 ISBN: 978-3-89500-821-4 L, Reichert
Der auf einem Hochterrassensporn √ľber dem Donau- und Lechtal, gut 30 km n√∂rdlich der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum/Augsburg gelegene r√∂mische Fundplatz Submuntorium/Burgh√∂fe z√§hlt zu den wichtigsten Kastellorten der Provinz Raetia w√§hrend der fr√ľhen und sp√§ten Kaiserzeit. 2001-2007 wurden von der Provinzialr√∂mischen Arch√§ologie der Universit√§t M√ľnchen der Sporn und ein Teil der Hochterrasse, das sog. Ostplateau, in vier Grabungskampagnen untersucht, erg√§nzt durch einen Gel√§ndesurvey und eine geophysikalische Prospektion. Vor allem sollte das sp√§tr√∂mische Kastell und die Dauer der milit√§rischen Nutzung nachgewiesen werden. Neue Erkenntnisse ergaben sich auf dem Ostplateau zur Abfolge der Holz-Erde-Kastelle und zur Ausdehnung des Lagerdorfs (vicus) im 1. Jahrhundert n. Chr. Zu den wichtigsten Ergebnissen z√§hlt eine 1,5 ha gro√üe Abschnittsbefestigung mit Doppelgraben, die √§lter als das bekannte Auxiliarkastell ist und sp√§testens in den fr√ľhen 40er Jahren des 1. Jahrhunderts erbaut wurde. Nach dessen Auflassung entwickelte sich hier nach Gr√ľndung des Auxiliarkastells der Ostvicus, der um 80 n. Chr. durch einen Brand zerst√∂rt wurde.
Das sp√§tr√∂mische Kastell konnte auf dem Sporn lokalisiert und die Wehrmauer an mehreren Stellen erfasst werden. Die Befestigung wurde gegen Ende der 90er Jahre des 3. Jahrhunderts errichtet und geh√∂rt zu dem in der Provinz Raetia um 300 n. Chr. umgesetzten tetrarchischen Festungsbauprogramm. F√ľr Submuntorium sind in der Notitia Dignitatum eine Reitereinheit und eine Abteilung der dritten italischen Legion √ľberliefert. Nicht erwartet hatte man die auf dem Ostplateau ab der constantinischen Zeit festgestellte offene, d√∂rfliche Handwerkersiedlung mit kombinierten Wohn- und Werkstattgeb√§uden f√ľr Metallverarbeitung, die ab ca. 350 durch einen Abschnittsgraben mit Erd- oder Rasensodenwall gesch√ľtzt wurde. Das Fundmaterial gibt Aufschluss √ľber die Dauer des Kastells und der Zivilsiedlung, die Zusammensetzung und die Lebensgewohnheiten der Milit√§rgarnison und der Bev√∂lkerung. Zwei Goldm√ľnzen des Kaisers Leo I. dienen als Beleg f√ľr die Pr√§senz einer Milit√§reinheit noch w√§hrend des dritten Viertels des 5 Jahrhunderts. Denn bis zum Tod des Heermeisters A√ętius im Jahr 454 ist mit einer Beibehaltung der Grenzsicherung und der milit√§rischen Strukturen der zur italischen Di√∂zese Italia annonaria geh√∂rigen Provinzen Raetia prima et secunda zu rechnen. Raetien diente wohl bis zur Absetzung des letzten westr√∂mischen Kaisers Romulus Augustulus als eine Art Schutzglacis f√ľr die italische Praefektur.
Scribes, Texts, and Rituals in Early Tibet and Dunhuang. Proceedings of the Third Old Tibetan Studies Panel held at the Seminar of the International Association for Tibetan Studies, Vancouver 2010. Hrsg.: Dotson, Brandon; Hrsg.: Iwao, Kazushi; Hrsg.: Takeuchi, Tsuguhito. Contributions to Tibetan Studies (9). 2014. Engl. 156 S. 50 z. T. fb. Abb. 24 x 17 cm. Gb. EUR 98,00. CHF 129,00 ISBN: 978-3-89500-938-9 L, Reichert
This volume presents new findings and original research concerning early Tibet and the social and cultural history of the Tibetan Empire (c. 600-850 CE). In five chapters, leading scholars approach the problem of textual production in interrelated and complementary ways. These include a chapter on the social history of scribal practice in Dunhuang, a codicological study of royally commissioned sutras, a palaeographical essay at a typology of early Tibetan writing, a study of hunting topoi in narrative and ritual texts, and a text-critical approach to an early Bon tantra. Demonstrating the methodological breadth of the field of early Tibetan studies, the remaining contributions range from an archeological study of pre-historic ritual artefacts and an art-historical study of illuminated tomb panels to two chapters on Tibetan imperial administration and a chapter on the cosmopolitan origins of materia medica used in the Silk Road entrep√īt of Dunhuang.
The work will be of interest to all those interested in the language, history, and culture of early Tibet. Its essays are appropriate for those ranging from undergraduates to professional scholars.
Die griechischen Säulenbasen. Dirschedl, Uta. Archäologische Forschungen (28). 2014. 652 S. 77 Tafeln, 529 s/w-Abb., 4 Falttafeln, 31 Beilagen, 40 Diagramm(e). 30 x 21 cm. Gb. EUR 98,00. CHF 129,00 ISBN: 978-3-89500-950-1 L, Reichert
Gegenstand der vorliegenden Untersuchung ist die griechische S√§ulenbasis - der "Fu√ü" der ionischen S√§ule, der ab dem fr√ľhen ersten Jahrtausend v. Chr. bis in sp√§thellenistische Zeit architektonisch gestaltet wird.
Die Untersuchung der griechischen Säulenbasen zeigt, dass der Fuß der ionischen bzw. korinthischen Säule im Gegensatz zu Säulenschaft und Kapitell einen gestalterischen "Spielraum" bot, und die verschiedenen individuell ausgebildeten Säulenbasistypen, die eine spezifische Verbreitung aufweisen, offensichtlich als charakteristisches Ausdrucksmittel lokaler Architekturtraditionen eingesetzt wurden.
Besonders augenf√§llig wird dies z. B. an der Verwendung "fremdartiger" kleinasiatischer S√§ulenbasen an Denkm√§lern in √ľberregional bedeutenden Heiligt√ľmern, wie z. B. an den Schatzh√§usern von Klazomenai und Massalia und der Athener-Halle in Delphi sowie dem Ptolem√§er-Weihgeschenk in Olympia, die auf die Herkunft bzw. urspr√ľngliche Herkunft der Stifter, den Ort einer kriegerischen Auseinandersetzung oder die Heimat des Adressaten verwiesen. Die an die dreigliedrige Form des "Peloponnesischen TypusB" ankn√ľpfenden sog. Tarentiner Basen demonstrierten in der Magna Graecia offenbar die "peloponnesische" Herkunft der Kolonisten.
Das bewusste Wiederaufnehmen der "ionisch-karischen Tradition" der archaischen ephesischen S√§ulenbasen nach etwa einhundertj√§hriger Unterbrechung in der sog. Ionischen Renaissance an den sp√§tklassischen Bauten der karischen Hekatomniden in Labraunda und Halikarnassos verdeutlicht dies ebenfalls. Auch die von ionischen S√§ulenbasen abh√§ngigen Neusch√∂pfungen von S√§ulenbasen am Nike-Tempel der Athener Akropolis sowie am Apollon-Tempel in Bassai-Phigalia in der zweiten H√§lfte des 5. Jahrhunderts - als jeweils eigenst√§ndige "attische" bzw. "peloponnesische Basistypen" - sind motiviert durch das Bed√ľrfnis, sich die in Attika und auf der Peloponnes neu rezipierte ionische S√§ule anhand einer individuellen lokalen Basisform "zu Eigen" zu machen.
Erfasst wurden die Säulenbasen von etwa vierhundertsechzig verschiedenen griechischen Baudenkmälern (proto)geometrischer bis späthellenistischer Zeit - aus einem Zeitraum von mehr als neun Jahrhunderten - im griechischen Stammland und auf der Peloponnes, auf den griechischen Inseln und in Kleinasien sowie exemplarisch in den griechischen Kolonien in Unteritalien und Sizilien, im Schwarzmeergebiet und im Nildelta. Auch Denkmäler der hellenistischen mittel- und unteritalischen, ptolemäischen sowie punischen Architektur mit griechischen Säulenbasen werden in die Untersuchung einbezogen sowie vereinzelt architektonische Zeugnisse der östlichen Peripherie der hellenistischen Welt.
Die Hagiographie des La phyi ba Nam mkha' rgyal mtshan (1372 bis 1437). Eine Studie √ľber das Leben eines tibetischen Heiligen. Pahlke, Michael. Contributions to Tibetan Studies (8). 2014. 368 S. auf Tafeln, 1 Faltkarte, 48 z. T. fb. Abb. 24 x 17 cm. Gb. EUR 98,00. CHF 129,00 ISBN: 978-3-89500-723-1 L, Reichert
Diese Studie erhellt das Leben eines tibetischen Eremiten, der einunddrei√üig Jahre seines Lebens in La phyi, einer heiligen St√§tte des Cakrasamvara-Kultes, auf der Grenze zwischen Tibet und Nepal in Klausur verbrachte. Er gilt als Emanation des Geistes Mi la ras pas (1040-1123) und war Sch√ľler einer Vielzahl von Meistern und Linienhaltern unterschiedlicher Traditionen. Darunter befanden sich der V. Karma pa De bzhin gshegs pa (1384-1415), der X. 'Bri gung-Thronhalter Nyer gnyis pa Chos rje Dharmaraja (1335-1407), der Shangs pa-Eremit Rin rdzong pa dBang phyug rgyal mtshan (geb. 1317) sowie der Sa skya-Meister Theg chen chos kyi rgyal po Kun dga' bkra shis rgyal mtshan dpal bzang po (1349-1425).
Der weltliche und religi√∂se Werdegang des La phyi ba Nam mkha' rgyal mtshan verlief in gro√üer Parallelit√§t mit denen anderer herausragender buddhistischer Pers√∂nlichkeiten, wie z. B. des Religionsgr√ľnders Buddha Śakyamuni oder des ber√ľhmten tibetischen Yogins Mi la ras pa. Besondere Bedeutung wird dem La phyi ba u. a. deswegen zuteil, weil er in mehreren "Praxisschulen" (sgrub brgyud) des tibetischen Buddhismus als Halter von √úbertragungslinien gilt, so z. B. in den 'Bri gung bka' brgyud, Shangs pa bka' brgyud, Karma bka' brgyud und Ras chung bka' brgyud-Traditionen. In einigen F√§llen wurden ihm sogar als einzigem Sch√ľler Lehrsysteme √ľbertragen und damit seine au√üergew√∂hnlichen F√§higkeiten zum Ausdruck gebracht.
Neben einer generellen Einleitung in das Thema Hagiographie und die Rahmenbedingungen f√ľr den hier behandelten Eremiten im Besonderen, beinhaltet die Arbeit eine textkritische Edition, basierend auf drei verschiedenen Ausgaben des zugrunde liegenden Manuskriptes sowie eine annotierte √úbersetzung der Lebensgeschichte des La phyi ba Nam mkha' rgyal mtshan. Im Anhang finden sich zudem die tibetischen Texte samt √úbersetzung sowohl eines Lobpreises an den Buddha Śakyamuni als auch eines l√§ngeren Bittgebetes an Mi la ras pa, welches in der Vergangenheit oft zusammen mit dessen Biographie und den "Gesammelten Spirituellen Ges√§ngen" gedruckt wurde. Das letztgenannte Gebet war lange Zeit nicht verf√ľgbar und stammt aus der Feder desselben Autors, der auch die hier bearbeitete Lebensgeschichte verfasst hat, n√§mlich des Nam mkha' bSam grub rgyal mtshan. Es wurde im Jahre 1448, elf Jahre nach Nam mkha' rgyal mtshans Tod, in bKra shis lhun grub chos grwa niedergeschrieben. Ein Bildteil mit wichtigen Orten, religi√∂sen Objekten und Personen, die im engen Zusammenhang mit dem Thema stehen und eine Faksimile-Ausgabe des Originalmanuskriptes komplettieren die vorliegende Studie.
Ergebnisse der Ausgrabungen in Manching-Altenfeld 1996 bis 1999. Teil 1: Text und Beilage. Teil 2: Text. Sievers, Susanne; Leicht, Matthias; Ziegaus, Bernward. Die Ausgrabungen in Manching (18). 2014. 780 S. 30 Tafeln, 10 Beilagen, 1 CD-Rom, 236 sw. u. 153 fb. Abb. 31 x 23 cm. Gb. EUR 1200. CHF 162,00 ISBN: 978-3-89500-755-2 L, Reichert
Mit 6 ha Fl√§che handelt es sich bei der Altenfeld-Unternehmung um die gr√∂√üte jemals in Manching durchgef√ľhrte Rettungsgrabung. Die in vier Jahren aufgedeckten Befunde und Funde werden von den Ausgr√§bern Susanne Sievers (Gesamtleitung) und Matthias Leicht (√∂rtliche Grabungsleitung) sowie von einer Vielzahl weiterer Autoren vorgelegt.
Die Grabungsfl√§che, die eine Rekonstruktion der Besiedlungsgeschichte im Norden des Oppidums erlaubt, bindet sowohl an die Ost-West-Achse durch das Oppidum als auch an den Nordrand der Siedelfl√§che an, der sich als potentielles Hafenareal erwies (M. Leopold / J. V√∂lkel),. In die von M. Leicht erarbeitete Abfolge von sechs Bauphasen, die den Zeitraum vom sp√§ten 3. bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts f√ľllen, passen sich die gr√∂√üeren Fundgruppen Keramik (R. Gebhard, V. Salač mit T. Kub√°lek und R. Neruda), Kleinfunde (S. Sievers) sowie Tier- und Menschenknochen (E. Hahn; H. Obermaier) ein und erm√∂glichen die Festlegung r√§umlicher, zeitlicher und funktionaler Schwerpunkte der Besiedlung. So wurde z.B. ein Geh√∂ft durch die Anlage einer Stra√üe verdr√§ngt; n√∂rdlich davon entwickelte sich ein Areal, das qualit√§tvolle Funde geliefert hat und das von Sonderbauten beherrscht wird, wie wir sie aus Viereckschanzen kennen. Entlang der Ost-West-Achse etablierte sich ein Handwerkerviertel, in dem Eisen- und Bronzeverarbeitung vorherrschten, in dem aber auch M√ľnzen gepr√§gt und Keramik gebrannt wurde. Vor allem die Eisenverarbeitung bot sich als Publikationsschwerpunkt an, zu dem G. Gassmann und A. Sch√§fer, Ch. Raub und R. Schwab mehrere Beitr√§ge beisteuern, in denen es um die Herkunft des in Manching verwendeten Eisens geht, um Schlackenanalysen, Produktionsfragen und Recyclingprozesse. Die Analyse der Holzkohlen (J. Wiethold) gibt Einblick in das verwendete Bau- und Feuerungsholz und erlaubt damit in Erg√§nzung der Makrorestanalyse durch H. K√ľster u.a. eine Rekonstruktion der Umwelt. Erstmals wird f√ľr Manching auch eine Analyse der verwendeten Gesteine vor allem f√ľr Drehm√ľhlen (M. Trappe) vorgelegt, die das Manchinger Einzugsgebiet beleuchten. Die Baustoffe (u.a. eine Art Kalkm√∂rtel) untersucht W. Scharff.
Ein besonderes Glanzlicht der Publikation bildet die Vorlage des M√ľnzschatzes, bestehend aus 483 boischen Stateren und einem Goldgusskuchen durch B. Ziegaus. Der starke boische Schwerpunkt im Fundstoff erkl√§rt sich aus einem durch Strontium-Isotopen-Analysen (M. Schweissing) best√§tigten Zuzug von Personen aus boischem (heute b√∂hmischem) Gebiet.
Mittelalter-Renaissance auf der B√ľhne. Wiederaufleben des mittelalterlichen Dramas und Theaters in der Neuzeit. Linke, Hansj√ľrgen. Imagines Medii Aevi. Interdisziplin√§re Beitr√§ge zur Mittelalterforschung (32). 2014. 472 S. 31 Abb. 24 x 17 cm. Gb. EUR 98,00. CHF 129,00 ISBN: 978-3-89500-905-1 L, Reichert
Nach Vorbereitungen im 19. Jh. Wird in Deutschland zu Beginn des 20. Jh. das lateinische und volkssprachige, geistliche und weltliche Spiel des Mittelalters wieder zum Leben erweckt. Man spielt bis in die Gegenwart hinein reichlich drei Dutzend der St√ľcke, teils in modernen Bearbeitungen, immer h√§ufiger jedoch in m√∂glichst gro√üer Ann√§herung an die historische Auff√ľhrungspraxis. Im Strom vielf√§ltiger sozialer, kultureller und religi√∂ser Erneuerungsbestrebungen - wie Jugend -, Laienspiel-, niederdeutsche Bewegung, Reformp√§dagogik, Theaterreform und Anthroposopie - werden die Spiel getragen zun√§chst vom Sprechtheater, seit der Mitte des 20. Jh.s zunehmend von Ensembles, die auf mittelalterliche Musik spezialisiert sind; denn die geistlichen Spiele wurden nicht allein schauspielerisch, sondern auch musikalisch dargeboten. Die Arbeit dokumentiert √ľber 3000 Auff√ľhrungen und zeichnet den Verlauf des geistlichen und theatralen Prozesses analysierend nach.
Vergangenheit als Konstrukt. Mittelalterbilder seit der Renaissance. Hrsg.: Kerth, Sonja. 2014. 192 S. 30 Abb. 24 x 17 cm. Gb. EUR 78,00. CHF 105,00 ISBN: 978-3-89500-911-2 L, Reichert
Die Frage nach Mittelalterbildern, nach Formen und Funktionen der Auseinandersetzung mit Mittelalter, ist derzeit und seit l√§ngerem ein √ľberaus beliebtes Thema. Verfolgt man diese Besch√§ftigung √ľber die letzten Jahre hinaus zur√ľck, haben sich die Fragestellungen lange Zeit auf Mittelalter-Rezeption im Werk einzelner K√ľnstler und Wissenschaftler bzw. in bestimmten Zeitr√§umen (z. B. Romantik) konzentriert. Festgestellt wurden dabei vor allem die Auslagerung von √Ąngsten und die Suche nach einer Zufluchtsst√§tte als Erf√ľllungsort f√ľr Tr√§ume und W√ľnsche, die einer √§sthetischen, konfessionell-religi√∂sen oder politisch-ideologischen Ebene zuzuordnen sind, in der die Vergangenheit mit dynastischen, national(istisch)en oder gesellschaftsutopischen Hoffnungen verkn√ľpft ist. Welche Denkschemata, Modelle, Text- oder Bildstrategien hinter den einzelnen Mittelalterbildern stecken, wurde bislang weit seltener untersucht. Es ist keineswegs gekl√§rt, welche Prinzipien der Wahrnehmung, der Selektion, Kombination und Sinnzuschreibung den Bausteinen f√ľr die Mittelalterbilder zugrunde liegen. Untersucht sind Mittelalter-Rezeption und ihre Hintergr√ľnde zudem vor allem f√ľr die Moderne und die Gegenwart. Die Frage nach Wahrnehmung und Konstruktionsweisen gilt aber auch f√ľr Mittelalterbilder, die vor die sogenannte "Erfindung des Mittelalters" um 1800 (Reinhart Koselleck) zur√ľckreichen. Ob und inwiefern diese fr√ľhe Phase von Mittelalter-Besch√§ftigung grunds√§tzlich andere Formen aufweist als nach 1800, ist noch weitgehend unklar. Trotz der Probleme um die Annahme von Epochen bzw. Epochengrenzen allgemein und im Fall der Fr√ľhen Neuzeit speziell kann die Renaissance bei allen Kontinuit√§tslinien als Bruchstelle und Startpunkt einer kritischen Auseinandersetzung mit Mittelalterbildern verstanden werden, die bis in die Gegenwart fortdauert - und ein Ende ist nicht abzusehen. Die Renaissance ist daher der Fluchtpunkt, von dem die interdisziplin√§ren Beitr√§ge in diesem Band ausgehen. Sie erstrecken sich bis zu aktuellen Formen und Medien der Mittelalter-Besch√§ftigung und haben einen Schwerpunkt im 19. Jahrhundert. Im Mittelpunkt stehen literarische Quellen vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart in lateinischer, deutscher und franz√∂sischer Sprache, daneben werden Fachliteratur, B√ľhnenbilder und Baudenkm√§ler untersucht. Der Band, der die Ergebnisse eines wissenschaftlichen Symposions festh√§lt, umfasst Vortr√§ge aus den Disziplinen mittellateinische, franz√∂sische, √§ltere und neuere deutsche Literaturwissenschaft, Religionswissenschaft, Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaften.
Die Agora von Solunt. √Ėffentliche Geb√§ude und √∂ffentliche R√§ume des Hellenismus im griechischen Westen. Wolf, Markus. Sonderschriften des Dtsch.en Arch√§ologischen Instituts Rom (16). 2014. 208 S. 2 Pl√§ne, 295 sw. Abb., 1 fb. Abb, 13 Tabelle. 34 x 24 cm. Gb. EUR 78,00. CHF 105,00 ISBN: 978-3-89500-726-2 L, Reichert
Ausgangspunkt dieser neuen Studie von Markus Wolf ist die Agora von Solunt auf Sizilien, die hier mit einer Bauaufnahme der Gesamtanlage sowie aller erhaltenen Bauglieder und mit neuen Vorschl√§gen zur Rekonstruktion ihrer Geb√§ude vorgelegt wird. Demnach wurde die auf einer l√§nglichen Terrasse am Hang angelegte Agora an der Bergseite von einer gro√üen, zweigeschossigen Fl√ľgelrisalitstoa U-f√∂rmig gerahmt, die f√ľr vielf√§ltige Nutzungen administrativer und sakraler Art zur Verf√ľgung stand. N√∂rdlich schlo√ü eine gro√üe gedeckte, √∂ffentliche Zisterne an, und weiter oberhalb am Hang auf der Terrasse des Theaters lagen das "Odeon", ein Bouleuterion, und ein ungedeckter, sakraler Bezirk, der Rechteckbau. Der Umgang mit der Hanglage und die Anordnung verschiedener Ebenen f√ľr verschiedene Funktionen konnte als das wesentlichste Charakteristikum der Agora von Solunt herausgearbeitet werden. Die Neuordnung des √∂ffentlichen Stadtzentrums erfolgte um die Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. Nachdem das Theater von Solunt bereits 1997 im Band 12 der Sonderschriften durch Armin Wiegand bearbeitet wurde, komplettiert die neue Studie mit der Vorlage der √ľbrigen Bauten unsere Vorstellung von der Gestalt des √∂ffentlichen Raumes der Stadt.
In einem √ľbergreifenden, vergleichenden Teil geht es dann um die Einordnung dieser Agora und ihrer baulichen Ausstattung in einen gr√∂√üeren Rahmen der Architektur von Stoen und Bouleuterien, aber auch √∂ffentlicher Pl√§tze insgesamt, in Unteritalien und Sizilien. Erstmals steht damit die √∂ffentliche Architektur der hellenistischen Sp√§tzeit in dieser Region im Blickpunkt der Forschung, nachdem sich die Gro√ügriechenlandforschung des Deutschen Arch√§ologischen Institutes bislang meist auf die archaische und klassische Zeit konzentrierte. Die Rahmung der Agora mit √∂ffentlichen Geb√§uden und vor allem mit Hallen ist bereits in dem √§ltesten archaischen Muster Megara Hyblaea ausgebildet und ist in der Folge vor allem f√ľr alle hellenistischen Agorai bestimmend, wie besonders bei den sizilischen Parallelen in Halaesa, Iaitas, Segesta, Morgantina und Kamarina deutlich wird, wo die Stoen wie auch in Solunt jeweils die Platzr√§nder definieren und regelm√§√üig fassen.
Dar√ľber hinaus werden in der Arbeit aber auch Bez√ľge zu √§hnlichen Anlagen im griechischen Mutterland und Kleinasien hergestellt, um so ein umfassendes Bild und eine neue Zusammenschau der √∂ffentlichen Architektur des Hellenismus zu gewinnen. √úber die Betrachtung der Monumente hinaus bildet die Studie eine wichtige Grundlage f√ľr eine weitere Besch√§ftigung mit der Epoche des Hellenismus auch aus Sicht anderer Disziplinen der Altertumswissenschaften wie der Klassischen Arch√§ologie oder der Alten Geschichte.
¬ĽSelbstbetrachtungen¬ę und Selbstdarstellungen - ¬ĽMeditations¬ę and Representations. Der Philosoph und Kaiser Marc Aurel im interdisziplin√§ren Licht. The Philosopher and Emperor Marcus Aurelius in an interdisciplinary light. Akten des Interdisziplin√§ren Kolloquiums K√∂ln 23. bis 25. Juli 2009. Hrsg.: Ackeren, Marcel van; Hrsg.: Opsomer, Jan. Schriften des Lehr- und Forschungszentrums f√ľr die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes ‚Äď Centre for Mediterranean Cultures (9). 2014. 400 S. 40 Abb. 24 x 17 cm. Pb. EUR 49,00. CHF 65,90 ISBN: 978-3-89500-929-7 L, Reichert
Marc Aurel war r√∂mischer Kaiser und der letzte bedeutende stoische Philosoph in der Antike. Seine Selbstbetrachtungen sind eines der meistgelesenen und √ľber die Fachwelt hinaus bekannten antiken Schriftst√ľcke. Er ist daher wie kaum eine andere antike Figur Gegenstand eines so gro√üen Spektrums von Forschungsdiziplinen. Im vorliegenden Sammelband, der auf der ersten Tagung zu Marc Aurel (2009 in K√∂ln) basiert, werden aktuelle Forschungsbeitr√§ge aus den F√§chern Geschichtswissenschaft, Arch√§ologie, Philosophie, Philologie, Numismatik, Rhetorik, Rechtsgeschichte und Literaturwissenschaft vereint.
Politics of Qat. The Role of a Drug in Ruling Yemen. Gatter, Peer. Jemen-Studien (20). 2014. Engl. 880 S. 14 s/w- und 13 fb. Karten, 409 sw u. 84 fb. Abb, 63 Tabelle(n), 32 Abb. 28 x 21 cm. Gb. EUR 98,00. CHF 129,00 ISBN: 978-3-89500-910-5 L, Reichert
For Imam Yahya, one of Yemen's last kings, qat was a delight that he praised in poems. For his adversary, the revolutionary al-Zubayri, the plant was the "devil in the shape of a tree".
Still today the views on qat greatly diverge. For some, qat farming is the perpetuum mobile of Yemen's rural economy and qat chewing an age-old social pursuit that has helped to preserve Yemeni identity in a rapidly changing world. For others, qat is the main inhibitor of human and economic development in Yemen and is to blame for poverty and corruption, the depletion of Yemen's water resources and the country's sloppy approach to fighting Islamist terror.
While some believe that qat chewing was the very motor of Yemen's "Arab Spring", others hold it responsible for Yemen's muddled revolution with its high blood toll. In internet blogs even al-Qaeda, its affiliates, and sympathizers discuss the pros and cons of the drug, and a number of Yemeni suicide bombers have met their fate with qat-filled cheeks. A final decision of al-Qaeda on what stance to adopt towards the drug has seemingly been postponed. The Jihadists want to avoid alienating Yemen's population with a premature ban of the popular stimulant before having gained firm control over the country. Al-Qaeda has learned from the mistakes of its Islamist sister organization, the al-Shabab militia in war-torn Somalia.
With Yemen's 2011 "Youth Revolution", a decade of half-hearted qat policies and missed opportunities has come to an end - a decade, however, that has succeeded in lifting the veil of silence that was cast over qat in media and politics after President Ali Abdullah Salih came to power in 1978. This whitewash had been part of a ruling bargain between the Salih regime and the unruly tribes that had imparted highland Yemen several decades of relative stability and Salih a 33-year rule.
With the forecast depletion of Yemen's oil and gas reserves within the next decade, the economic importance of qat will further increase and will bring about an important shift in the balance of power from the central government towards the qat producing highland tribes. The challenge of addressing the qat problem is thus tremendous for Yemen's policy makers. While the transitional government is hesitant about its future qat course, Yemen's anti-qat activists have seized the current, favorable climate of change. Emboldened by Yemen's revolution and the ouster of President Salih they have recently launched a series of campaigns against the drug, dubbed a "revolution on one's self ".
Die Inschriften des Landkreises Hildesheim. Wulf, Christine. Die Deutschen Inschriften (88); Göttinger Reihe (16). 2014. 560 S. 164 Abb. 43 fb. Abb. 27 x 19 cm. Gb. EUR 69,00 CHF 89,00 ISBN: 978-3-89500-967-9 L, Reichert
Der Band bietet eine kommentierte Edition von ca. 450 Inschriftentexten sowie Jahreszahlen und Initialen von 83 weiteren Objekten aus einer d√∂rflich gepr√§gten Region Niedersachsens. Einen Schwerpunkt bilden die knapp 100 Glockeninschriften, die einen authentischen Einblick in die Hildesheimer Glockenlandschaft mit ihren verschiedenen Gu√üwerkst√§tten gestatten. Die zahlreichen Grabinschriften dokumentieren die Memorialkultur vor allem des l√§ndlichen Adels sowie der evangelischen Pastoren und der herzoglichen Amtm√§nner. Neben den Glockeninschriften geben die Inschriften auf Altarretabeln, Opferst√∂cken und Kelchen wertvolle Hinweise u. a. darauf, wie sich das Innere der Kirchen durch die Reformation ver√§ndert hat und welche Rolle Stiftungen und Stifter dabei gespielt haben. Nur etwa 60 Inschriftentexte stammen aus mittelalterlicher Zeit, der Schwerpunkt der √úberlieferung liegt in der fr√ľhen Neuzeit. Zusammen mit den bereits vorliegenden Inschriften der Stadt Hildesheim (DI 58) wird nunmehr auf der Grundlage von fast 1500 Inschriften, Initialen und Daten das Spannungsfeld von Peripherie und Zentrum f√ľr ein zentrales Gebiet der ehemaligen welfischen Territorien in der inschriftlichen √úberlieferung sichtbar.
Zeitschrift f√ľr Arch√§ologie Au√üereurop√§ischer Kulturen. Band 5, 2013. Dtsch.es Arch√§ologisches Institut. Kommission f√ľr Arch√§ologie Au√üereurop√§ischer Kulturen. Zeitschrift f√ľr Arch√§ologie Au√üereurop√§ischer Kulturen (5). 2014. 368 S. 63 Abb. 275 fb. Abb. 28 x 20 cm. Gb. EUR 110,00 CHF 148,00 ISBN: 978-3-89500-993-8 L, Reichert
Stra√üen von der Fr√ľhgeschichte bis in die Moderne. Verkehrswege ‚Äď Kulturtr√§ger ‚Äď Lebensraum. Hrsg.: Fischer, Thomas; Horn, Heinz G√ľnter. 2014. 344 S. 72 sw. Abb., 3 Tabelle(n). 24 x 17 cm. Pb. EUR 39,90. CHF 53,90 ISBN: 978-3-89500-930-3 L, Reichert
Stra√üen waren zu allen Zeiten der Schl√ľssel zur Erschlie√üung neuer R√§ume und zum Austausch von Waren und Wissen. Als verbindendes Element zwischen Landschaften, V√∂lkern und Kulturen geh√∂ren sie zu den Grundpfeilern gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung. Ziel des Kolloquiums war es, das Ph√§nomen Stra√üe interdisziplin√§r und aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren. Ein besonderes Anliegen lag darin, √ľber die nahe liegende Pr√§sentation von einzelnen Stra√üentrassen, Magistralen oder von Stra√üenkategorien hinauszugehen und sowohl die r√§umliche als auch die soziologische und zeitliche Dimension des Verkehrsbauwerkes Stra√üe zu betrachten. Wie wird der Kulturtr√§ger Stra√üe in verschiedenen zeitlichen Epochen, in der Antike oder im Mittelalter, wahrgenommen? Welchen Stellenwert hatte das Reisen? Mit welchen Risiken und M√ľhen war Mobilit√§t behaftet? Was kennzeichnet die Gegenwart, vor allem aber was die Zukunft der Stra√üe? Die Autoren des vorliegenden Bandes besprechen diese Fragestellungen und versuchen m√∂gliche Antworten aufzuzeigen.
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Märchen und Geschichten der Beduinen im Sinai. Victor, Marion. 2013. 96 S. 7sw u. 20 fb. Abb. 21 x 15 cm. Pb. EUR 12,90. CHF 18,90 ISBN: 978-3-89500-985-3 L, Reichert
Der vorliegende Band versammelt erstmals M√§rchen und Geschichten von Beduinen aus der Stein- und Bergw√ľste des Sinai und erz√§hlt von einer Welt, die gleich hinter den hohen Mauern der gro√üen Hotelresorts beginnt.
Die jahrhundertealte Kultur der Beduinen ist geprägt von einer oralen Tradition. Ihr Leben wurde bestimmt von Wanderung und Armut. Eine Schrift- und Buchkultur konnte in diesem Umfeld nicht entstehen. Trotzdem gab es Literatur, Gedichte und Geschichten. Eine erste Sammlung von Gedichten der Beduinen legte in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Amerikaner Clinton Bailey vor.
Im Zuge der Sesshaftmachung der Beduinen, der Entdeckung des Landes f√ľr den Tourismus sowie mit dem Einzug der neuen Medien an den K√ľsten des Roten Meeres und des Golfs von Aquaba ist diese uralte Kultur im Verschwinden begriffen.
Noch gibt es einige Beduinen, die abends am Feuer unterm Sternenhimmel diese Geschichten erz√§hlen. Aber es ist bei der Geschwindigkeit der Entwicklung absehbar, dass sie ganz aus dem kulturellen Ged√§chtnis der Beduinen verschwinden. Schon jetzt weisen die Geschichten Spr√ľnge und L√ľcken auf, erscheinen sie uns, vergleichbar arch√§ologischen Funden, bruchst√ľckhaft.
Doch in der Summe ergeben die 30 M√§rchen und Geschichten dieses Bandes ein farbiges Bild des Beduinenlebens. Sie erz√§hlen vom Unterwegssein, davon wie das Gehen das Leben bestimmt. Sie berichten von der Bedeutung des Kamels und des Wassers, von einem √ľberaus harten √úberlebenskampf, von Treue und Gastfreundschaft.
Die Funktion der M√§rchen wie der Geschichten war Regeln des Zusammenlebens und √úberlebens zu vermitteln und weiterzugeben. Bei aller Fremdheit sind doch die √Ąhnlichkeiten zu unseren M√§rchen auch verbl√ľffend, erinnern sie doch zum Teil deutlich an unsere M√§rchen der Br√ľder Grimm.
Dar√ľber hinaus sind die Geschichten in eine lebendige Beschreibung des heutigen Alltags der Beduinen eingebettet. Sie lassen so deutlich werden, was von diesem Bild einer im Untergang begriffenen Kultur heute noch g√ľltig ist.
Der Band richtet sich sowohl an den Märchenforscher und -liebhaber wie an alle, die mehr als die glänzenden Fassaden der großen Hotelresorts auf dem Sinai sehen wollen und einen Einblick in die Kultur der Beduinen gewinnen möchten.
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