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Reichert, Dr. Ludwig Verlag

 
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Persistenz und Rezeption. Weiterverwendung, Wiederverwendung und Neuinterpretation antiker Werke im Mittelalter. Hrsg. v. Boschung, Dietrich/Wittekind, Susanne . 2008. 396 S., 138 sw. Abb. 24 x 17 cm. (Schriften des Lehr- und Forschungszentrums fĂŒr die antikenKulturen des Mittelmeerraumes - Centre for Mediterranean Cultures 6) Pb EUR 39,90 ISBN: 3-89500-622-X L, Reichert
Das Mittelalter baut in vielen Bereichen des praktischen wie geistigen Lebens auf Erkenntnissen, Strukturen und Werken der Antike auf oder fĂŒgt diese auf unterschiedliche Weise in seine eigene kulturelle Ordnung ein. In den mittelalterlichen StĂ€dten gaben antike StraßenzĂŒge, Verteidigungsmauern und Monumentalbauten eine rĂ€umliche Struktur vor, die an neue BedĂŒrfnisse angepasst wurde, indem bestimmte Bereiche verlassen. Bauten umfunktioniert oder ĂŒberbaut wurden. Bildung, Wissenschaft und Kunstfertigkeit der Antike wurden an Königshöfen und in Klöstern geschĂ€tzt - viele Werke der antiken Literatur wurden abgeschrieben, kommentiert oder neu geordnet, antike Kostbarkeiten wurden in den Schatzkammern bewahrt, verschenkt und oft zu neuen GegenstĂ€nden verarbeitet. Doch dies sind nur einige Beispiele fĂŒr die rege Auseinandersetzung mit der antiken Kultur im Mittelalter.
Die archĂ€ologische Forschung hat sich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der SpĂ€tantike beschĂ€ftigt. Dabei galt das Interesse zum einem der Transformierung des antiken Repertoires in einem verĂ€nderten politischen und religiösen Umfeld, zum anderen dem Weiterbestehen und Weiterwirken von Strukturen und Lebensformen in vielen Bereichen des Alltags. In der deutschen MediĂ€vistik des 20. Jahrhunderts richtete die historische und kunsthistorische Forschung ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Antikenrezeption im Zusammenhang mit der karolingischen und ottonischen Renovatio imperii als herrscherlicher Legitimationsstrategie sowie auf die Wissenschafts-Renaissance im 12. Jahrhundert. Neuere Arbeiten zeigen nun die FortfĂŒhrung und die VerĂ€nderungen antiker Verwaltungsformen, Leitbegriffe, Zesetzeswerke oder LehrbĂŒcher auf und reflektieren die mittelalterlichen Antikenbilder und -fiktionen.
Diese neuen Impulse greift der vorliegende Band, der auf einem Kolloquium zweier Forschungszentren der Philiosophischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t zu Köln - des „Lehr- und Forschungszentrums fĂŒr die antiken Kulturen des Mittelmeerraums (Zakmira)" und des „Zentrums fĂŒr Mittelalterstudien" - basiert, auf. Verschiedene Autoren aus den FĂ€chern ArchĂ€ologie, Geschichte, Judaistik, Kunstgeschichte, Mittellatein und Philosophie stellen in den BeitrĂ€gen die vielfĂ€ltigen PhĂ€nomene der Weiterverwendung und Neuinterpretation antiker Werke in unterschiedlichen Bereichen aus interdisziplinĂ€rer Perspektive dar und vergleichen sie miteinander.
Die Begriffe Persistenz und Rezeption im Titel des Bandes weisen auf verschiedene Formen des Weiterlebens der Antike im Mittelalter hin. Der Begriff der Persistenz zielt auf das Beharrungsvermögen der antiken Relikte, auf die scheinbar selbstverstĂ€ndliche Aufnahme und FortfĂŒhrung ĂŒberkommener Formen, Stoffe und Strukturen; der Rezeptionsbegriff akzentuiert die bewusste Übernahme bestimmter kultureller Formen der Antike durch die KulturtrĂ€ger der mittelalterlichen Gesellschaft. Auf diese Weise gelingt es, die unterschiedlichen Perspektiven der Altertumswissenschaften und der MediĂ€vistik aufzunehmen und Disziplinen zusammenzufĂŒhren, die sonst durch Gegenstand und Methoden getrennt sind.
Interessenten /Bereiche: ArchÀologen, Historiker, Judaisten, Kunsthistoriker, Mittellatein und Philosophie
Buffa, Vittoria: Ma'layba et l'Age du Bronze du Yémen. 28.03.2008. 340 S., 83 sw Abb., mit 4 Klapptaf.31 x 22 cm. (ArchÀologische Berichte aus dem Yemen 12) Gb EUR 68,00 ISBN: 3-89500-572-X L, Reichert
BrÀm, Andreas: Das Andachtsbuch der Marie de Gavre. Paris, Bibl. Nat. Ms. nouv. acq. fr. 16251. Buchmalerei in der Diözese Cambrai imletzten Viertel des 13. Jahrhunderts. 1998. 388 S., 84 sw. Abb. 29 x 21 cm. Ld EUR 62,00 ISBN: 3-89500-031-0 L, Reichert
Das Andachtsbuch der Marie de Gavre, Ms. nouv. acq. fr. 16251 der Bibliotheque Nationale von Paris, zĂ€hlt mit ehemals 90, heute 87 ganzseitigen Miniaturen zur Vita Christi und der Heiligen zu den bedeutendsten Bilderhandschriften des 13. Jahrhunderts. Es stellt den buchkĂŒnstlerischen Höhepunkt Nordfrankreichs und Flanderns in dieser Zeit dar.
Kalendar- und Archivstudien erlauben es, die Erstbesitzerin um 1285, eine Nonne im Zisterzienserinnenkloster von Wauthier-Braine im belgischen Hennegau zu ermitteln, die damit in den kleinen Kreis adeliger Besitzerinnen exklusiver Bilderhandschriften gehört.
Typologisch ist das Werk einzigartig, da es außer einem lateinischen Kalendar und einer in französischer Sprache geschriebenen Miniaturenliste textlos ist. Die große Zahl von ganzseitigen Miniaturen ohne Text - mit Szenen in knapper aber prĂ€gnanter Formulierung und mit Compassio-Motiven - zeigt, daß die Handschrift als Bilderandachtsbuch konzipiert und benutzt wurde.
Die Buchmaler, aus deren Werkstatt noch fĂŒnf weitere Handschriften hervorgegangen sind, haben kaum im Kloster gearbeitet, sondern wohl in der Stadt Nivelles. Ihre Arbeit ist denn auch stark dem dort befindlichen berĂŒhmten Gertrudenschrein verpflichtet. Die Untersuchung der ArbeitsablĂ€ufe hat gezeigt, daß die Herstellung des außerordentlich reich illustrierten Codex fĂŒr die KĂŒnstler keine alltĂ€gliche Aufgabe darstellte.
Die monographische Darlegung des Bilderandachtsbuches erfolgt im Zusammenhang mit der Produktion illuminierter Handschriften in der Diözese Cambrai, die im Mittelalter mit Brabant und Hennegau einen betrĂ€chtlichen Umfang erreichte und stĂ€dtische Zentren wie Mons, BrĂŒssel und Mechelen umfaßte.
Die Monographie enthĂ€lt außer einer kunsthistorischen und historischen Einordnung sĂ€mtliche Miniaturen sowie ausfĂŒhrliches Vergleichsmaterial in ĂŒber 200 Abbildungen.
Christina Thieme. Das Tafelbild aus der Kathedrale von Trogir. Kunsttechnologische Studien zur Tafelmalerei Dalmatiens des 13. Jahrhunderts. SpĂ€tantike - FrĂŒhes Christentum Byzanz. REihe A. Grundlagen und Monumente. Bd. 14. 2008. 292 S., 120 sw. Abb und 224 fb. Abb., 49 sw. und 2 fb. Strichzeichnungen. 29 x 22 cm, Gb. EUR ISBN: 978-3-89500-562-6 L, Reichert
Das Tafelbild von Trogir, als Hochaltarretabel fĂŒr die Kathedrale des kleinen dalmatinischen StĂ€dtchens an der östlichen AdriakĂŒste geschaffen, stellt ein einzigartiges kulturelles und kĂŒnstlerisches Zeugnis der fruchtbaren Begegnung von Osten und Westen dar. Das Tafelbild entspricht formal der westlichen Kunstgattung, folgt aber in Planung und AusfĂŒhrung östlichen Konventionen und spiegelt somit die lebendige Spannung zwischen der östlichen hochbyzantinischen und der neu entstehenden westlichen Tafelmalerei wider.
Der erste Teil der Arbeit beschĂ€ftigt sich mit der Geschichte Dalmatiens und der Stadt Trogir, die politisch und kulturell im Spannungsfeld zwischen Byzanz und Rom, zwischen dem ungarischen Königreich und Venedig lag. Daran schließen sich Studien zur Kult- und Liturgiegeschichte der Stadt Trogir an, die trotz der geographischen NĂ€he zur Ostkirche an die römische Kirche gebunden war. Neben den Fragen aus dem Kontext des Fundortes bilden Untersuchungen am Tafelbild selbst den Kern der Arbeit. Nach einer Beschreibung der Darstellung werden Holztechnik, vorbereitende Maßnahmen fĂŒr die Malerei und die Maltechniken bis ins Detail untersucht und erfasst. DarĂŒber hinaus bezieht Cristiana Thieme stilistische und qualitative Eigenschaften der Malerei ein. Schließlich wertet sie die umfangreiche kroatische Literatur aus, um das Tafelbild von Trogir mit der dalmatinischen Tafelmalerei des 13. Jahrhunderts vergleichen zu können.
Die Autorin:
Dr. phil. Dipl.-Restauratorin Cristina Thieme absolvierte ihr Studium der Konservierung und Restaurierung an der Hochschule der KĂŒnste (HKB), Bern. 1991 bis 1995 war sie Mitarbeiterin am Bayerischen Landesamt fĂŒr Denkmalpflege und bearbeitete Konservierungsfragen zur Polychromie der Terrakotta-Armee des Ersten Kaisers von China, Qin Shi Huandi. Seit 1997 ist sie wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl fĂŒr Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft an der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen. 2006 promovierte sie ĂŒber das Tafelbild von Trogir an der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen. Forschungsschwerpunkte sind kunsttechnologische Fragen zur Maltechnik, Mikroskopie und die Analytik von Malmaterialien.
Neapolitanische Bilderbibeln des Trecento. Anjou-Buchmalerei von Robert dem Weisen bis zu Johanna I. Andreas BrÀm. 1056 S., Textband. 464 S., Tafelband. mit 866 sw und 45 Farbtafeln. 29 x 22 cm, Gb. EUR 248,00 ISBN: 978-3-89500-503-9 L, Reichert
Andreas BrÀni analysiert erstmals acht zwischen 1310 und 1365 in Neapel illuminierte lateinische Bibeln, die unter Robert dem Weisen (König von Neapel 1309-1343) und seiner Nachfolgerin Johanna I. (Königin von Neapel 1343-1382) entstanden. Neben Bildprogrammen, Stil und Ikonographie, ErzÀhlstruktur, beteiligten WerkstÀtten und Buchmalern ermittelt er die Auftraggeber. Im Vordergrund stehen die Illustrationszyklen, die ein neues Licht auf dieses Feld der Kunstgeschichte werfen.
Die neapolitanischen Trecentobibeln sind die bedeutendsten illustrierten Vulgata-Handschriften ihres Jahrhunderts und werden heute unter anderem im Vatikan, in Turin, in der österreichischen Nationalbibliothek und der British Library aufbewahrt. Ihre narrativen Bibelzyklen werden nur von den Bible mora/wee-Handschriften, einem Buchtyp, der im 13. Jahrhundert im Umkreis des französischen Königshofes geschaffen wurde, ĂŒbertroffen. Andreas BrĂ€m wies nach, dass in Neapel französische Handschriften vorlagen, die teilweise kopiert wurden. Den Bibeln lassen sich ferner byzantinische Oktateuche an die Seite stellen, die fĂŒr Einzelszenen als Vorlagen dienten. Die Apokalypse-Zyklen der Planisio- und der Wiener-Bibel gehen auf zwei in Stuttgart aufbewahrte Tafeln zurĂŒck, der olkham-Hall-Bibel diente ein anglonormannischer Zyklus als Vorbild. Einzelne Bilder beruhen sogar auf außerbiblischen Quellen, so auf Flavius ]osephus Antiquitates ludaicae.
Die neapolitanischen Bibeln sind das Werk von vier Buchmalern, die weitere Bilderhandschriften hinterlassen haben: Der Maler der Holkham-Hall-Bibel, der Maler des Andalo di Negro, Christophoro Orimina und der Wiener Bibelmaler. Das Gesamtwerk der beteiligten KĂŒnstler wird ebenso untersucht wie ihr VerhĂ€ltnis zu anderen neapolitanischen Trecento-KĂŒnstlern. Diese umfassende Darstellung ermöglicht weitere Einblicke in Arbeitsweise und Quellen der Illustrationsprogramme sowie Datierungen der TĂ€tigkeit der Vulgata-Maler. Insgesamt entsteht eine Monographie zur Buchmalerei Neapels zwischen 1330 und 1380, in der alle wesentlichen Werke abgebildet sind.
Als Auftraggeber der ersten Bibel, die heute in der vatikanischen Bibliothek aufbewahrt wird, ließ sich der Cölestinerabt Matteo de Planisio ermitteln, wĂ€hrend die Hamilton-Bibel fĂŒr Königin Johanna entstand. Weitere Auftraggeber sind Johannas Gemahl Ludwig von Tarent und die Erzbischöfe Landolfo Brancaccio und Giovanni Gaetani Orsini.
Viele Stellen zeigen, wie die Illuminierung auf ihre Auftraggeber zugeschnitten wurde. Eine SchlĂŒsselszene ist etwa die Besiegelung des neu geschlossenen Bundes mit Gott am Ende des Buches Josua: WĂ€hrend diese Episode in der Planisio-Bibel fĂŒr den Abt Matteo in ein christlich-sakrales Ambiente verlegt wird, erscheint sie in der fĂŒr Königin Johanna bemalten Hamilton-Bibel in einer stĂ€dtisch-royalistischen PrĂ€gung. In der ersten Miniatur ist der als alter Mann dargestellte, nimbierte FĂŒhrer von einer basilikalen Kleinarchitektur umgeben, in der zweiten erscheint er als mittelalterlicher König.
Kosmos der Zeichen. Schriftbild und Bildformel in Antike und Mittelalter. Begleitbuch zur Ausstellung des Lehr- und Forschungszentrums fĂŒr die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes der UniversitĂ€t zu Köln und des Römisch-Germanischen Museums der Stadt Köln. Hrsg. Boschung, Dietrich /Hellenkemper, Hansgerd. 2007. 384 S., 120 Abb. 24 x 17 cm. (Schriften des Lehr- und Forschungszentrums fĂŒr die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes Centre for Mediterranean Cultures 5) Pb EUR 39,90 ISBN: 3-89500-585-1 L, Reichert
Aizanoi, Dokimion und Anatolien. Stadt und Land, Siedlungs- und Steinmetzwesen vom spÀteren 4. bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. ArchÀologische Forschungen, Band 23 Aizanoi, Band1. Von Philipp Niewöhner. 2007. 4°. 374 S., 637 sw. u. 1 fb. Abb., 1 Faltplan. EUR 78,00 ISBN: 978-3-89500-547-3 L, Reichert
1990 begann ein neuer Abschnitt der Aizanoi-Grabung mit dem Ziel, die Stadtentwicklung von den AnfĂ€ngen bis zur Einbeziehung der Ruinen in das traditionelle tĂŒrkische LandstĂ€dtchen Çavdarhisar zu untersuchen. Diese Untersuchungen liefern Erkenntnisse zur Erforschung des Siedlungswesens und der Kulturlandschaften im westlichen Zentralanatolien und darĂŒber hinaus.
Im Gegensatz zu anderen anatolischen StÀdten hat die Lage Aizanois abseits der modernen Wirtschafts- und Tourismuszentren zahlreiche antike Hinterlassenschaften bewahrt. In vielen Dörfern finden sich Architekturteile, die offensichtlich aus christlichen Bauten stammen, aber kaum Hinweise auf antike ReprÀsentationsarchitektur.
Philipp Niewöhner analysiert jenen historischen Wandlungsprozess am Ende der Antike, indem er alle auffindbaren frĂŒhbyzantinischen Monumente der Aizanitis dokumentiert und auswertet. Er weist ĂŒberzeugend nach, dass sich die Siedlungsbilder des stĂ€dtischen Zentrums und der lĂ€ndlichen Siedlungen im 5. und 6. Jh. angleichen. Die fortschreitende VernachlĂ€ssigung der Stadt geht mit einem Bauboom auf dem Land einher, der auf steigende Bevölkerungszahlen hinweist – eine Tendenz, die ganz Anatolien im 5. und 6. Jh. prĂ€gte. Ihre Ursachen liegen im komplexen Zusammenwirken von politisch-gesellschaftlichen und ökonomischen Faktoren.
Ein weiteres Ergebnis zeichnete sich erst im Lauf der Untersuchungen ab: Erstklassige Steinmetzarbeiten aus dem gleichen dokimischen Marmor, der in der Kaiserzeit fĂŒr die berĂŒhmten kleinasiatischen Sarkophage verwendet wurde, belegen die fortgesetzte Produktion der BrĂŒche und WerkstĂ€tten in Dokimion. Sie entwickelten im 4. Jh. jenes charakteristische Formenrepertoire, das in theodosianischer Zeit von den hauptstĂ€dtischen MarmorbrĂŒchen auf Prokonnesos ĂŒbernommen wurde, und blieb bis ins 6. Jh. erstklassig. Diese Entdeckungen werfen ein neues Licht auf die Entwicklung der Steinmetzkunst, insbesondere in Bezug auf das VerhĂ€ltnis von Hauptstadt und Provinz. FĂŒr die weitere Erforschung des frĂŒhbyzantinischen Siedlungs- und Steinmetzwesens in Anatolien bieten die neu vorgelegten Befunde aus Aizanoi eine umfangreiche und in vieler Hinsicht reprĂ€sentative Materialbasis.
Kult und Kommunikation. Medien in HeiligtĂŒmern der Antike. Schriften des Lehr- und Forschungszentrums fĂŒr die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes – Centre for Mediterranean Cultures (ZAKMIRA), Band 4. Hrsg.: Christian Frevel und Henner von Hesberg. 2007. 8°. 468 S., 116 s/w-Abb., kart., EUR 42,00 ISBN: 978-3-89500-574-9 L, Reichert
Der vorliegende Band untersucht die komplexen ZusammenhĂ€nge und Strukturen von Kommunikation an und in antiken HeiligtĂŒmern.
Dabei wird offensichtlich, dass diese spezielle Kommunikation untrennbar mit den HeiligtĂŒmern verbunden ist.
Zumindest fĂŒr die heidnische Antike gilt, dass im Heiligtum die Verbindung von Gottheiten und Menschen in besonderer Weise vermittelt wurde und in Kult und Ritual fĂŒr die Teilnehmer erfahrbar sein sollte. In diesem Zusammenhang sind eine Vielzahl von Kommunikationssituationen und -konstellationen denkbar. Ohne Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit lassen sich vier Bereiche der Kommunikation an und in HeiligtĂŒmern unterscheiden. ZunĂ€chst gibt es den Bereich der direkten sprachlichen Kommunikation, wie er in Gebeten, Ritualen, Orakeln oder auch im Austausch mit anderen Kultteilnehmern auftritt. Daneben existiert die schriftlich fixierte Kommunikation eines Tempelbetriebes, die aus Opferlisten, Tarifen oder anderen Texten besteht. Der dritte Bereich umfasst die medial vermittelte Kommunikation wĂ€hrend der Kulthandlung, zu dem Prozessionen, konsumptive Opfer oder Votiv- und Weihegaben zĂ€hlen. Zuletzt ist der Bereich der symbolisch reprĂ€sentativen Kommunikation zu nennen, der aus Architektur, Ausstattung, Kultbildern, Inschriften etc. besteht. Der Begriff „Medium“ steht hierbei als Synonym fĂŒr den TrĂ€ger oder Mittler einer Kommunikationsleistung und beschrĂ€nkt sich nicht auf die technischapparativen Aspekte der InformationsĂŒbertragung. Er schließt vielmehr die antiken Symbolsysteme und ihre Kommunikation mit ein und hilft, die ReprĂ€sentanz und Permanenz der antiken Kulturen genauer zu beschreiben.
Der Fokus dieses Bandes liegt auf dem Zusammenhang zwischen Kult und MedialitĂ€t in ihren verschiedenen Formen von Kommunikation an, in und ĂŒber HeiligtĂŒmern. Die AufsĂ€tze des ersten Teils zeigen auf, dass die heiligen StĂ€tten mehr als nur Orte waren, an denen Rituale vollzogen und das Göttliche reprĂ€sentiert wurde.
Stattdessen verstehen sie HeiligtĂŒmer als komplexe Kommunikationssysteme, durch die religiöse, politische und wirtschaftliche Botschaften anhand von sprachlichen und graphischen Medien vermittelt wurden.
Der zweite Teil befasst sich mit der besonderen Bedeutung, die Votiv- und Weihegaben zukommt, da sie sich sowohl an eine Gottheit als auch an die anderen Kultteilnehmer richten. Die AufsÀtze beleuchten unterschiedliche Aspekte der Votivkulte und decken den gesamten Mittelmeerraum in der Zeit vom akeramischen Neolithikum bis zur SpÀtantike ab.
Aus dem Inhalt:
Christian Frevel, Henner von Hesberg: EinfĂŒhrung
I. HeiligtĂŒmer
José Luis García-Ramon: Der Begriff des Heiligtums aus sprachgeschichtlicher Perspektive
Katja Sporn: HöhlenheiligtĂŒmer in Griechenland
Dietrich Boschung: Kultbilder als Vermittler religiöser Vorstellungen
Bernd Manuwald: Wundergeschichten aus dem Asklepios-Heiligtum von Epidauros.
Dokumente eines religiösen Kommunikationssystems Wolfgang Thiel: Überlegungen zur Kultur- und Religionspolitik König Antiochos’ IV.
Epiphanes am Beispiel der Entwicklung des Heiligtums des Zeus Olympios/Akraios von Nysa-Skythopolis
Rotraud Wisskirchen: Die Apsisstirnwand von SS. Cosma e Damiano/ Rom: Ihre Aussage zur Kirchenpolitik Sergius’ I. (687–701)
II. Votive
Christian Frevel: Geschenke fĂŒr die Götter: Votive als Kommunikationsindikatoren in HeiligtĂŒmern der Bronze- und Eisenzeit in PalĂ€stina/Israel
Robert Wenning: NabatĂ€ische Votivnischen, Clan-HeiligtĂŒmer, Tempel und Votive Henner von Hesberg: Votivseriationen
Daphni Doepner: Zur medialen Funktion von Terrakottastatuetten in griechischen HeiligtĂŒmern. Ein Befund in Medma (Rosarno)
Helga Bumke: Fremde Weihungen fĂŒr griechische Götter. Überlegungen zu den Bronzestatuetten Ă€gyptischer Götter und Priester im Heraion von Samos
Ralf Krumeich: Ehrenstatuen als Weihgeschenke auf der Athener Akropolis. Staatliche Ehrungen in religiösem Kontext
Werner Eck: VotivaltĂ€re in den MatronenheiligtĂŒmern in Niedergermanien: Ihre AussagefĂ€higkeit fĂŒr die Formen der „Kommunikation zwischen Menschen und Göttern“
Manuel Fiedler, Constanze Höpken: Das „gemeinschaftliche“ und das „private“ Opfer: Beispiele aus dem Spektrum von Votivpraktiken in römischen HeiligtĂŒmern, dargestellt an Befunden aus Apulum und Sarmizegetusa (Dakien)
Madrider Mitteilungen. Band 48 (2007). Hrsg. Deutsches ArchÀologisches Institut, Abteilung Madrid. 2007. 8°. 384 S., 200 s/w- und 11 fb. Abb. 36 Tafeln, Gb. EUR 78,00 ISBN: 978-3-89500-577-0 L, Reichert
Aus dem Inhalt:
M. KUNST und M. A. ROJO GUERRA: La LĂĄmpara und La Revilla del Campo. Zwei Siedlungen des frĂŒhesten Neolithikums der Iberischen Halbinsel bei Ambrona (Provinz Soria) und ihre absolute Chronologie. Teil 1: La LĂĄmpara
H.-P. STIKA: FrĂŒher neolithischer Ackerbau in Zentralspanien sowie Pflanzenreste aus einem neolithischen GrabhĂŒgel aus Ambrona (Provinz Soria) R. DAMBECK und H. THIEMEYER: GeoarchĂ€ologisch-bodenkundliche Untersuchungen bei Ambrona (Provinz Soria). Zwischenbericht
A. SCHWEIZER: Ein pleniweichselzeitliches Pollenprofil von der spanischen Nordmeseta bei Miño de Medinaceli (Provinz Soria)
A. SCHWEIZER: Einblicke in die mittel- bis spÀtholozÀne Vegetationsgeschichte auf der Nordmeseta Spaniens bei Miño de Medinaceli (Provinz Soria). Ergebnisse einer archÀopalynologischen Prospektion
H.-P. STIKA: Großrestbestimmungen an Pollenprofilen aus Ambrona (Provinz Soria)
A. M. ARRUDA: A idade do ferro do Sul de Portugal. Estado da investigação
R. GRAELLS I FABREGAT: Espadas miniturizadas en las necrópolis del Noreste de la Península Ibérica
J. VIVES-FERRÁNDIZ SÁNCHEZ: A propósito de un infundibulum etrusco hallado en aguas de la Bahía e Xàbia (Alacant)
J. MAIER ALLENDE und TH. G. SCHATTNER: Neues zur gallÀkischen Kriegerstatue von Villar de Barrio (Provinz Orense)
D. GRAEN: Ein neues Fragment eines Reliefsarkophages aus Quinta de Marim (OlhĂŁo, Distrikt Faro, Portugal). Bemerkungen zur Sarkophagbestattung in der Lusitania
J. PERA ISERN und A. USCATESCU: La AntigĂŒedad TardĂ­a en la ciudad de Iesso (Guissona, LĂ©rida). Una aproximaciĂłn a travĂ©s del anĂĄlisis de algunos contextos estratigrĂĄficos
CH. EGER: Guarrazar (Provinz Toledo). Bericht zu den Untersuchungen 2002 bis 2005
F. GIESE-VÖGELI: Die Gewölbe der Großen Moschee von CĂłrdoba und der islamische Osten. Ursprung, Verbreitung und Auflösung eines Wölbsystems
Die antiken Skulpturen in Newby Hall sowie in anderen Sammlungen in Yorkshire. Monumenta Artis Romanae, Band XXXV. Hrsg.: Forschungsarchiv fĂŒr Antike Plastik am ArchĂ€ologischen Institut der UniversitĂ€t zu Köln. Antike Skulpturen in englischen Schlössern. BegrĂŒndet von Hansgeorg Oehler. Von Dietrich Boschung und Henner von Hesberg. 2007. 4°. 320 S., 497 s/w- und 4 fb. Abb., Gb. EUR 110,00 ISBN: 978-3-89500-431-5 L, Reichert
Die Skulpturengalerie in Newby Hall gehört zu den bedeutendsten Antikensammlungen in Privatbesitz. Ihr Rang grĂŒndet sich vor allem auf die QualitĂ€t der hier zusammengetragenen 69 Statuen, BĂŒsten und Reliefs. Die Bedeutung der Statuen ist in der archĂ€ologischen Literatur seit dem 9. Jahrhundert betont worden, doch wird eine zuverlĂ€ssige Beurteilung der StĂŒcke erst durch den vorliegenden Katalog ermöglicht.
Newby Hall gilt zu Recht als Muster einer englischen Antikensammlung des 18. Jahrhunderts – sie ist in ihrem Aufstellungskontext seit 1764 weitgehend intakt geblieben. Eine ausfĂŒhrliche Einleitung beschĂ€ftigt sich daher mit der Erwerbungsgeschichte und mit dem Aufstellungskonzept des 18. Jahrhunderts.
Diese Publikation enthĂ€lt in erster Linie die wissenschaftliche Erschließung der 137 Antiken in Newby Hall und in sieben weiteren englischen Privatsammlungen. Zum Teil wurden sie bisher nur ungenĂŒgend vorgelegt, zum Teil werden sie hier erstmals veröffentlicht.
Dem Ziel einer Grundlagenpublikation entsprechend, dokumentiert die vorliegende Monographie alle StĂŒcke fotografisch, basierend auf den Fotokampagnen des Kölner Forschungsarchivs fĂŒr Antike Plastik. Ebenso wichtig ist die sorgfĂ€ltige Darstellung von Erhaltungszustand und modernen ErgĂ€nzungen, die in der bisherigen Literatur zum Teil kontrovers beurteilt wurden. Die einzelnen Katalogtexte ermöglichen zudem die begrĂŒndete Datierung sowie Einordnung und Interpretation der Skulpturen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage nach der Provenienz der StĂŒcke, die sich in zahlreichen FĂ€llen klĂ€ren ließ.
Der Orientteppich. Einblicke in Geschichte und Ästhetik. Von Werner BrĂŒggemann. 2007. 8°.416 S., 124 z. T. fb. Abb. Gb., EUR 98,00 ISBN: 978-3-89500-563-3 L, Reichert
Der Orientteppich wird meistens aus der kunsthistorischen Perspektive betrachtet. Werner BrĂŒggemann wĂŒrdigt in der vorliegenden Arbeit erstmals die Bedeutung des Orientteppichs anhand geschichtlicher und Ă€sthetischer Aspekte. FĂŒnf Abhandlungen fĂŒhren in bislang unbekannte Themen ein und eröffnen neue Einblicke in die „Bild“-Welt der Orientteppiche. Neben einer Geschichtsbetrachtung untersucht der Autor verschiedene Teppichmuster und verfolgt deren UrsprĂŒnge.
Im letzten Teil widmet er sich der Rezeption des Orientteppichs im 20. Jahrhundert. Ziel des Bandes ist ein vertieftes VerstĂ€ndnis fĂŒr diesen bedeutenden Gegenstand orientalischer Kultur. Werner BrĂŒggemann studierte Literaturwissenschaft, Germanistik, Geschichte und Philosophie, bevor er sich auf islamische Kunst und Orientteppiche spezialisierte. Seit 1968 arbeitet er wissenschaftlich auf diesem Gebiet. Sein Interesse gilt vor allem der Ästhetik des Orientteppichs. Er hat dazu zahlreiche Ausstellungen begleitet und Publikationen herausgegeben. Zwei seiner Werke gelten als Standardwerke: Teppiche der Bauern und Nomaden in Anatolien (gemeinsam mit Harald Böhmer) und Yayla, Form und Farbe in tĂŒrkischer Textilkunst.
Aus dem Inhalt
Vorwort: Jens Kröger
EinfĂŒhrung: Versuch einer AnnĂ€herung
Erster Teil: Zur Geschichte des Orientteppichs I Traditionen in Anatolien – Eine andere Betrachtung der Geschichte
II Van Eyck – Ein unbekanntes Teppichmuster aus frĂŒher Zeit
III Holbein-Teppich und Holbein-Kelim Zweiter Teil: Zur Ästhetik des Orientteppichs IV Die Stunde des Fragments
V Die Macht des Einfachen
Farbabbildungen
Anhang
Statuen in der SpĂ€tantike. Hrsg.: Franz Alto Bauer und Christian Witschel. SpĂ€tantike · FrĂŒhes Christentum · Byzanz. Kunst im ersten Jahrtausend. Hrsg. Beat Brenk, Johannes G. Deckers, Arne Effenberger, Lieselotte Kötzsche. Reihe B: Studien und Perspektiven, Band 23. 2007. 8°. 500 S., 202 s/w- und 4 fb. Abb. Gb. EUR 98,00 ISBN: 978-3-89500-576-3 L, Reichert
Die Erforschung statuarischer Bildwerke steht im Schnittpunkt verschiedener altertumswissenschaftlicher Disziplinen, und dies gilt insbesondere fĂŒr spĂ€tantike Skulpturen: Sie sind Zeugnisse einer allmĂ€hlich auslaufenden Kunstgattung, der Vollplastik, denen – vielleicht gerade infolge nachlassender Produktion – besondere Bedeutung beigemessen wird. Statuen, die im öffentlichen Raum aufgestellt waren, bilden einen wichtigen Gradmesser fĂŒr die KontinuitĂ€t stĂ€dtischer Ausstattungspraxis in der SpĂ€tantike. Sie belegen, sofern es sich um Bildwerke im privaten Lebensbereich handelt, die Langlebigkeit klassisch-mythologischer Sujets am Übergang zum Mittelalter. Die Inschriften auf Statuenbasen wiederum entwerfen in ihrer IntellektualitĂ€t das Bild einer bildungsfreudigen Oberschicht, wĂ€hrend gerade VerstĂŒmmelungen und Zerstörungen von Bildnissen die Furcht vor Statuen bezeugen.
Damit sind nur einige wenige Aspekte der Bedeutung und verschiedenartigen Wahrnehmung von Bildwerken in der SpĂ€tantike genannt, die in dem vorliegenden Band aus verschiedenen Blickwinkeln von ArchĂ€ologen, Historikern und Kunsthistorikern thematisiert werden. Dabei werden am Beispiel ausgewĂ€hlter Befunde und Kontexte nicht nur Probleme der Chronologie und der Entstehung von Statuensammlungen thematisiert, sondern auch Fragen der Kontextualisierung sowohl im privaten wie im öffentlichen Raum behandelt. Besonderes Augenmerk gilt der Frage nach den GrĂŒnden fĂŒr das Ende der Statuenproduktion und welche ReprĂ€sentationsformen an die Stelle der Statuenausstattung traten.
Aus dem Inhalt:
Vorwort
Franz Alto Bauer, Christian Witschel: Statuen in der SpÀtantike
I. Statuen im kulturellen Diskurs der SpÀtantike
Peter Stewart: Continuity and Tradition in Late Antique Perceptions of Portrait Statuary Barbara E. Borg: Bilder fĂŒr die Ewigkeit oder glanzvoller Auftritt?
Zum ReprÀsentationsverhalten der stadtrömischen Eliten im 3. Jh. n. Chr.
Franz Alto Bauer: Virtuelle Statuensammlungen
II. Statuen im öffentlichen Bereich Christian Witschel: Statuen auf spÀtantiken Platzanlagen in Italien und Africa
Robert Coates-Stephens: The Reuse of Ancient Statuary in Late Antique Rome and the End of the Statue Habit
Sarah Bassett: Ancient Statuary in Fourth-Century Constantinople: Subject, Style, and Function
R. R. R. Smith: Statue Life in the Hadrianic Baths at Aphrodisias, AD 100−600: Local Context and Historical Meaning
Johanna Auinger, Elisabeth Rathmayr: Zur spÀtantiken Stautenausstattung der Thermen und NymphÀen in Ephesos
III. Statuen im privaten Bereich
Niels Hannestad: Late Antique Mythological Sculpture – In Search of a Chronology
Lea M. Stirling: Statuary Collecting and Display in the Late Antique Villas of Gaul and Spain: A Comparative Study
Marianne Bergmann: Die kaiserzeitlichen PortrÀts der Villa von Chiragan: SpÀtantike Sammlung oder gewachsenes Ensemble?
Susanne Muth: Das Manko der Statuen? Zum Wettstreit der bildlichen Ausstattung im spÀtantiken Wohnraum
Bayer, Karl: Cristoforo Buondelmonti, Liber insularum (ULBD Ms. G 133). Transkription des DĂŒsseldorfer Exemplars, Übersetzung und Kommentar. 2007. 92 S., 1 Kte 43 x 30 cm. Pb EUR 49,00 ISBN: 3-89500-542-8 L, Reichert
Der Florentiner Cristoforo Buondelmonti besuchte wĂ€hrend des ersten Drittels des 15. Jahrhunderts auf mehreren Reisen die Ă€gĂ€ische Inselwelt, Kreta, die ionische WestkĂŒste und Konstantinopel. Seine so gewonnenen geographischen Erkenntnisse legte er in zwei Schriften nieder: in der Descriptio insulae Cretae (1417) und im Liber insularum archipelagi (1420), die beide in der Folge in verschiedenen Fassungen eine weite Verbreitung fanden. Sie sind unter anderem in der unter der Signatur Ms. G 13 in der UniversitĂ€ts- und Landesbibliothek DĂŒsseldorf verwahrten spĂ€tmittelalterlichen Sammelhandschrift ĂŒberliefert, die geographische, historiogra-phische und astronomisch-astrologische Texte vereint. Die besondere Bedeutung der DĂŒsseldorfer Fassung des Liber insularum liegt in der Illustration des Textes, nĂ€mlich den Karten von den einzelnen beschriebenen griechischen Inseln mitsamt Einzeichnung wichtiger Bauwerke. Von ĂŒberragender Bedeutung ist dabei eine ganzseitige Ansicht von Konstantinopel, die völlig neue AufschlĂŒsse zu Topographie und Baugeschichte der Stadt im spĂ€ten 15. Jahrhundert gibt und deren Quellenwert weit ĂŒber den begleitenden Text hinausweist. Der Text selbst beschreibt detailreich und immer um ObjektivitĂ€t bemĂŒht die kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen VerhĂ€ltnisse der bereisten Orte. Im Vordergrund steht jedoch – wie könnte es im Zeitalter des Renaissance-Humanismus auch anders sein? – die Suche nach Überresten der antiken Kultur. Er registriert einen erstaunlichen Bestand v. a. an marmornen SĂ€ulen, wohl allerdings mit dem Hintergedanken, dass man derlei in Florenz gut brauchen könnte. In einem Fall macht er sich sogar an die Wiederaufrichtung einer großen SĂ€ule, was ihm aber trotz des Einsatzes von Schiffsmaschinen nicht gelingt. Die „Transkription“ von Karl Bayer enthĂ€lt eine Übersetzung ins Deutsche, eine Übersichtskarte, einige Kommentarnotizen und umfangreiche Register.
Tiryns. Band XIV. Hg. vom Deutschen ArchĂ€ologischen Institut in Athen. Studien zur spĂ€tmykenischen Keramik. Hrsg. von Joseph Maran. Von Christian Podzuweit (†). 2007. 4°. 616 S., 1339 s/w- Abb., und 100 Tabellen, EUR 78,00 ISBN: 978-3-89500-548-0 L, Reichert
Der vorliegende Band fußt auf der Habilitationsschrift »Studien zur spĂ€tmykenischen Keramik«, die Christian Podzuweit 1992 an der UniversitĂ€t Bonn einreichte. Kurz nach Abschluss des Habilitationsverfahren verstarb er plötzlich und hinterließ ein Manuskript, das fĂŒr die Beurteilung der formenkundlichen und stilistischen Entwicklung mykenischer Keramik von großer Bedeutung ist. Podzuweit war seit Beginn der Ausgrabungen in Tiryns unter der Leitung von Klaus Kilian einer seiner engsten Mitarbeiter, und ihm wurde die Bearbeitung der bemalten mykenischen Keramik der ausgehenden mykenischen Palastzeit und der Nachpalastzeit ĂŒbertragen. Als er diese Aufgabe ĂŒbernahm, war abzusehen, dass wegen der Möglichkeit zur feinen stratigraphischen Unterteilung der Siedlungsbefunde und wegen deren exzellenter Erhaltung gĂŒnstige Voraussetzungen fĂŒr die Keramikauswertung bestehen wĂŒrden. Von Anfang an war aber auch klar, dass es sich bei der spĂ€tmykenischen Keramik aus der Unterburg nicht nur um einen der bedeutendsten, sondern auch umfangreichsten Fundkomplexe des 2. Jts. v. Chr. im Ostmittelmeerraum handeln wĂŒrde. Dies veranlasste den Grabungsleiter, die zutage tretende spĂ€tmykenische Keramik nicht als Gesamtkomplex von einem Bearbeiter auswerten zu lassen, sondern die unterschiedlichen Keramikgattungen die bemalte, die unbemalte, die figĂŒrlich bemalte und die handgemachte, geglĂ€ttete mykenische Keramik — auf vier Bearbeiter zu verteilen. Trotz dieses Vorgehens wurden die Verantwortlichen von der schieren Menge des Fundstoffs geradezu ĂŒberrollt. Aus diesem Grund wurde die Auswertung der in diesem Band untersuchten Keramik erst neun Jahre nach der letzten Ausgrabungskampagne abgeschlossen. Podzuweit vermochte es, die schwierige Aufgabe der Bearbeitung dieses umfangreichen Fundbestandes der bemalten mykenischen Keramik zu Ende zu fĂŒhren und dabei Ergebnisse zu erzielen, die nicht nur fĂŒr die Kenntnis dieser Fundgruppe, sondern auch fĂŒr die Kulturgeschichte der spĂ€tmykenischen Argolis wichtig sind. Anhand der Keramik zeichnet Podzuweit (nach GefĂ€ĂŸformen getrennt) meisterhaft die Grundlinien der Keramikentwicklung von den letzten Jahrzehnten der Palastherrschaft bis zum Ende der mykenischen Epoche in der Argolis nach. Ihm gelingen neue Einblicke in das Spektrum und den Wandel von GefĂ€ĂŸformen und Dekorsystemen einer Keramikart, der seit den Untersuchungen von A. Furumark eine ĂŒberragende Rolle fĂŒr die relative Chronologie der mykenischen Zeit beigemessen wird. FĂŒr die gerade in jĂŒngster Zeit diskutierte Frage nach den Trinksitten der mykenischen Palastzeit und ihrer VerĂ€nderung am Übergang zur Nachpalastzeit enthĂ€lt die Studie eine FĂŒlle aufschlussreicher Beobachtungen.
Timm, Stefan: Das christlich-koptische Ägypten in arabischer Zeit (Teil 1: A-C). Eine Sammlung christlicher StĂ€tten in Ägypten in arabischer Zeit, unter Ausschluß von Alexandria, Kairo, des Apa-Mena-Klosters, der Sketis und der Sinai-Region. 2007. 494 S. 24 x 17 cm. (TĂŒbinger Atlas d. Vorderen Orients (Beih.) B 41) Pb EUR 74,00 ISBN: 3-88226-208-7 L, Reichert
ArchĂ€ologie der antiken Bischofssitze I: SpĂ€tantike Bischofssitze Ägyptens. Hg. von Hans Reinhard Seeliger, bearbeitet von Kirsten Krumeich. Sprachen und Kulturen des Christlichen Orients. Bd. 15. 2006. 8°. 120 S., 35 Abb., Gb. EUR 49,00 ISBN: 978-3-89500-501-5 L, Reichert
Mehr als einhundert Bischofssitze sind in Ägypten gegen Ende der SpĂ€tantike historisch bezeugt. Doch welche Bauformen wĂ€hlte man fĂŒr die bischöflichen Kirchen und welchen Ort nehmen sie innerhalb der Stadttopographie ein? Mit welchem Aufwand wurden die Episkopien gestaltet? Lassen sich karitative Einrichtungen der Bischöfe baulich nachweisen? Im Rahmen der neu begrĂŒndeten Reihe „ArchĂ€ologie der antiken Bischofssitze“ werden in Band 1 diejenigen zwölf StĂ€tten Agyptens vorgestellt, an denen sich materielle Zeugnisse der bischöflichen PrĂ€senz nachweisen lassen oder hypothetisch mit ihr verbunden wurden. Die Belege erstrecken sich vom Patriarchensitz Alexandreia bis zur Nilinsel Philai in der Thebais II. Einleitende BeitrĂ€ge analysieren die spĂ€tantiken Ă€gyptischen Bischofslisten und die archĂ€ologischen Befunde. Ferner sind dem ausfĂŒhrlichen Katalog PlĂ€ne und Abbildungen beigegeben.
Die Verfasser:
Hans Reinhard Seeliger ist Inhaber des Lehrstuhls fĂŒr Alte Kirchengeschichte, Patrologie und Christliche ArchĂ€ologie an der Katholisch-Theologischen FakultĂ€t der Eberhard-Karls-UniversitĂ€t TĂŒbingen. Er hat zahlreiche kirchenhistorische und ikonographische Publikationen vorgelegt und war ĂŒber viele Jahre im Bereich der Erforschung der Malerei und Geschichte der römischen Katakomben tĂ€tig.
Kirsten Krumeich hat mit der Arbeit „SpĂ€tantike Bauskulptur aus Oxyrhynchos“ (Reichert-Verlag 2003) promoviert, fĂŒr die sie mit dem „Juliana-Anicia-Prcis“ ausgezeichnet wurde. Sie war von 2001 bis 2006 Mitarbeiterin am Forschungsprojekt „ArchĂ€ologie der antiken Bischofssitze“ (ARABS) an der UniversitĂ€t TĂŒbingen und ist Assistentin am Seminar fĂŒr Orientalische ArchĂ€ologie und Kunstgeschichte der Martin-Luther-UniversitĂ€t Halle.
Ulrike Ehmig. Die römischen Amphoren im Umland von Mainz. 2007. 4°, 358 S., 8 fb. und 96 sw. Tafeln, zahlr. Tabellen. Gb., EUR 98,00 ISBN: 978-3-89500-567-1 L, Reichert
Anschließend an die Untersuchung zu den römischen Amphoren aus Mogontiacum – Mainz (Frankfurter ArchĂ€ologische Schriften 4) wurden in einer dreijĂ€hrigen Studie 9.000 Amphoren ausgewĂ€hlter Fundorte im Umland der Provinzhauptstadt und des Legionslagers ausgewertet. Zum ersten Mal können damit wirtschaftsarchĂ€ologische Fragen innerhalb eines grĂ¶ĂŸeren Raumes mit wichtigen Siedlungen unterschiedlichen Charakters behandelt werden. Neben den Hauptorten der zivilen Gebietskörperschaften sind dies Kastelle und Kastellvici sowie einige lĂ€ndliche Villen. Im Vergleich der Funde lĂ€ĂŸt sich ein vielgestaltiges Bild davon gewinnen, welche Waren in welchen Mengen aus dem Mittelmeergebiet importiert worden waren, und welche Bedeutung lokalen Produkten beizumessen ist. Wie keine zweite Materialgruppe vermitteln die Amphoren so eine Vorstellung, wie sich die Menschen in den ersten drei bis vier Jahrhunderten n. Chr. in der Region ernĂ€hrt haben. Mediterrane Öle, Oliven, Weine und Fischsaucen gelangten in alle untersuchten Fundorte, Unterschiede zeichnen sich allerdings in ihren Anteilen ab. Am augenfĂ€lligsten ist, daß in den BestĂ€nden rund um das Zentrum Mainz kaum Fischsaucen- und Olivenamphoren zu finden sind. Diese Beobachtung rĂŒckt die Frage nach andersartigen Speisesitten in Provinzhauptstadt und Legionslager einerseits und dessen lĂ€ndlichem Umland andererseits in den Blick. Im Zuge der Studie wurden Töpfe vermutlich Mainzer Produktion entdeckt, die ihren Aufschriften zufolge dem Verkauf von Oliven in kleinen Mengen dienten. Sie widersprechen dem Gedanken, daß diese Produkte abseits des Zentrums nicht konsumiert wurden und korrigieren zugleich die Ansicht, daß das Fehlen von Amphoren notwendigerweise auch das Fehlen der in ihnen importierten Waren vor Ort bedeutet. ErgĂ€nzend zu den Warenimporten gilt den in Obergermanien seit der Mitte des 2. Jahrhunderts stark vertretenen lokalen Amphoren besondere Aufmerksamkeit. Mit geochemischen Analysen können rund ein dutzend Produktionen im Mainzer Umland ausgemacht werden. Bemerkenswert ist die Zahl dieser Amphoren an solchen Orten, wo nur wenige importierte Weinamphoren gefunden wurden. Diese und weitere Beobachtungen erlauben RĂŒckschlĂŒsse auf einen entsprechenden Inhalt der Amphoren. Korrekturen und PrĂ€zisierungen bisheriger Arbeiten bringt auch die erneute Diskussion der gestempelten sĂŒdspanischen Ölamphoren. Sie schließt argumentativ an die Auswertung der gestempelten Amphoren aus Mainz an. Drei BeitrĂ€ge naturwissenschaftlicher Kollegen runden die Studie ab: Prof. Dr. Klaus Ruthenberg bespricht die Überreste von 30 Verpichungenresten, Dr. Karin Kraus analysierte die KalkfĂŒllungen in einer Reihe von Amphoren aus Mainz und dem Mainzer Umland. Dr. Gerwulf Schneider und Dr. Małgorzata Daszkiewicz haben DĂŒnnschliffe und Nachbrennversuche an den lokal produzierten Amphoren durchgefĂŒhrt.
Late Antique and Early Christian Gems. Von Jeffrey Spier. SpĂ€tantike - FrĂŒhes Christentum - Byzanz. Kunst im ersten Jahrtausend. Hrg. Beat Brenk Johannes G. Deckers, Arne Effenbeger, Lieselotte Kötzche. Reihe B. Studien und Perspektiven, Band 20. 2007. 4°, 388 S., 1300 Abb., Gb. EUR 198,- ISBN: 978-3-89500-434-6 L, Reichert
This study gathers all known engraved gems of the late antique period (late third to the early seventh centuries) and discusses their chronology, workshops, and iconographical significance. Approximately 1000 gems and cameos are described, most of which are illustrated in over 150 plates. Many of these objects have never before been published.
Engraved gems used as personal seals had been used in the Graeco-Roman world for many centuries and survive today in large numbers. The gems and cameos of the late antique period are, however, far rarer, reflecting the rapid decline, beginning in the mid-third century, of this long artistic tradition. Remarkably, the early Christians of the late third and early fourth centuries began to use seals of traditional form but engraved with distinctive images and inscriptions. Symbols, such as the fish, anchor, and Good Shepherd, appear, as do Old and New Testament scenes.
Although there was a remarkable revival of fine quality engraved gems at the time of Emperor Constantine and his successors, by the end of the fourth century few gems were being cut. However, several new workshops emerged in the late fifth and sixth centuries, producing gems in fine materials, such as garnet, sapphire, amethyst, and rock crystal. The iconography of these gems reflects the interests of Christian artists of the early Byzantine period.
Other chapters in the book are devoted to cameos, Christian Sasanian seals, Jewish seals, magical amulets, and the history of scholarship and collecting. Three appendices discuss engraved rings, lead seals, and monograms, and much comparative material is illustrated.
The catalogue presents an important body of material that has been largely unpublished and neglected. The range of Christian images found on the early gems is similar to that found in the catacombs of Rome, although it is mostly of Eastern rather than Western origin. The early Byzantine workshops identified in the catalogue attest to the revival of this classical tradition in the luxurious court art of Constantinople and other prominent cities of the Byzantine Empire.
Das alte Vietnam. Auf den Spuren des AbbĂ© Charles-Thomas de Saint-Phalle in Tunkin. Mit einem vollstĂ€ndigen Nachdruck des Werkes. „Sittliche und natĂŒrliche Geschichte von Tunkin“. von Heinrich August Ottokar Reichard herausgegeben, kommentiert und illustriert von Andreas Reinecke und NguyĂȘ~ n Thi. Thanh LuyĂȘn. 2007. 8°. 264 S., 110 s/w- und 4-fb. Abb., Gb., EUR 49,00 ISBN: 978-3-89500-570-1 L, Reichert
Im Jahre 1779 ĂŒbersetzte der Reisebuchautor Heinrich August Ottokar Reichard das Buch „Histoire naturelle, civile et politique du Tonquin“ von JĂ©rĂŽme Richard aus dem Französischen. Dieses Werk war ein Jahr zuvor in Paris publiziert worden und enthielt Aufzeichnungen des Missionars Charles-Thomas de Saint-Phalle, der zwischen 1730 und 1738 Viet-nam bereist hatte. WĂ€hrend sich das Original zum großen Teil mit missionarischen Aspekten beschĂ€ftigte, rĂŒckte Reichard in seiner Über-tragung „Sittliche und natĂŒrliche Geschichte von Tunkin“ die Menschen mit ihrem Alltag, ihrer Kultur und Geschichte in den Mittelpunkt und beschrieb sie detailliert.
Die Autoren kommentieren die Neuausgabe ausfĂŒhrlich und ergĂ€nzen sie durch zahlreiche Illustrationen. Ein Vergleich mit anderen historischen Berichten ĂŒber Vietnam zeigt den außergewöhnlichen Wert der Arbeit von Reichard. Andreas Reinecke, geboren in Leipzig, Studium und Promotion in Berlin. Zwischen 1991 und 1993 war er Herausgeber der populĂ€rwissenschaftlichen Zeitschrift „Das Altertum“, seit 1993 ist er als Referent fĂŒr SĂŒdostasien an der Kommissi-on fĂŒr ArchĂ€ologie AußereuropĂ€ischer Kulturen des Deutschen ArchĂ€ologischen Instituts tĂ€tig. Seither unternimmt er alljĂ€hrliche Feldforschungen in Vietnam und den NachbarlĂ€ndern.
NguyĂȘn Thi. Thanh LuyĂȘn, geboren in der Provinz Ha’ i Du’o’ng in Nordvietnam, lebt seit 2005 in Deutschland. Nach einer Ausbildung als Theater-Drehbuchautorin am Spezialgymnasium fĂŒr Kultur und Kunst in Saigon, studierte sie Jour-nalistik an der UniversitĂ€t in Saigon. Bis 2005 arbeitete sie als Redakteurin und Journalistin bei verschiedenen vietname-sischen Zeitschriften und Zeitungen. Seither ist sie als freie Journalistin tĂ€tig.
Der Mensuralcodex St. Emmeram. Faksimile der Handschrift Clm 14274 der Bayerischen Staatsbibliothek MĂŒnchen Kommentar und Inventar von Ian Rumbold unter Mitarbeit von Peter Wright. EinfĂŒhrung von Martin Staehelin. Hrsg. von der Bayerischen Staatsbibliothek und Lorenz Welker 2006. 22,5 x 32 cm. Faksimile, 328 S.; Kommentar deutsch und englisch, 160 S., 20 Abb., zahlr. Tabellen, Ln., zwei BĂ€nde im Schuber, EUR 258,– ISBN: 978-3-89500-506-0 L, Reichert
Der Mensuralcodex St. Emmeram ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Quelle zur Überlieferung von internationaler Mehrstimmigkeit in Mitteleuropa, die uns aus dem spĂ€ten Mittelalter erhalten ist. Sie ist mit Sicherheit die Ă€lteste erhaltene Sammlung internationaler Mehrstimmigkeit im deutschen Sprachbereich (vor den Handschriften in Aosta und Trient) und sie gibt in besonderer Weise Zeugnis fĂŒr die allmĂ€hliche Akzeptanz eines internationalen Stils im „rĂŒckstĂ€ndigen“ Mitteleuropa.
Der Codex (Clm 14274 der Bayerischen Staatsbibliothek) ist eine Papierhandschrift im Format 28,5 x 21 cm und umfaßt 158 BlĂ€tter in 13 Lagen. Er enthĂ€lt etwa 280 ein- und mehrstimmige MusikstĂŒcke sowie einen Index. Angelegt wurde er etwa in den Jahren 1435-1443, wobei der grĂ¶ĂŸte Teil des Inhalts von dem aus Bayreuth stammenden Schulmeister und BĂŒchersammler Hermann Pötzlinger eingetragen wurde. Da Pötzlinger seine Bibliothek dem Kloster St. Emmeram in Regensburg hinterließ, wo er seit spĂ€testens 1448 als Schulmeister wirkte, kamen die BĂ€nde aus seinem Besitz mit den ĂŒbrigen BestĂ€nden der St. Emmeramer Klosterbibliothek im Jahr 1812 im Zuge der SĂ€kularisation in die damalige Königlich Baierische Hof- und Centralbibliothek nach MĂŒnchen, die spĂ€tere Bayerische Staatsbibliothek. In der Handschriftenabteilung der Bayerische Staatsbibliothek befinden sich heute noch insgesamt 92 BĂ€nde aus Pötzlingers Besitz, davon wurden 56 Handschriften zumindest teilweise von ihm selbst geschrieben. Die heute ĂŒbliche Bezeichnung des Clm 14274 als „Mensuralcodex St. Emmeram“ verweist auf die Herkunft aus dem Regensburger Kloster.
Die Handschrift ĂŒberliefert unter anderem große Teile des Werks von Komponisten wie Guillaume Dufay, wie kein anderer die musikalische Sprache Europas an der Wende vom Mittelalter zur Renaissance geprĂ€gt hat, und zwar mit zum Teil eigenstĂ€ndigen Fassungen und zahlreichen Unica. Dufay ist mit 42 Werken der wichtigste Komponist der Sammlung. Weiterhin finden sich in der Sammlung Werke von Gilles Binchois und John Dunstable, aber auch SĂ€tze von wenig bekannten Komponisten wie Hermann Edlerauer und Urbanus Kungsperger. Neben internationaler Polyphonie dokumentiert der Codex die weiterbestehenden genuin zentraleuropĂ€ischen Traditionen in der liturgischen Einstimmigkeit, der usuellen Mehrstimmigkeit und in den lokalen Kompositionen, die bereits am Vorbild eines internationalen Stils.
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