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Reichert, Dr. Ludwig Verlag

 
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Der Bildhauer Arnold Hensler und die Fotografin Annie Hensler-Möring. Kunstgeschichte Wiesbaden (5). Hamm, Franz Josef; Kunstarche Wiesbaden e. V. Ein KĂŒnstlerpaar zwischen den Weltkriegen. 2018. 96 S. 156 z. T. fb. Abb. 21 x 22 cm. EUR 12,00. ISBN: 978-3-95490-312-2 L, Reichert
Die Reihe „Kunstgeschichte Wiesbaden“ stellt mit diesem Band das Werk eines Bildhauers vor das mit der Stadt Wiesbaden stark verbunden ist. Henslers reifes Werk „Die Quellnymphe“ steht in einer GrĂŒnanlage im Zentrum der Stadt. Die „Reisinger Brunnenanlage“ wurde von Henslers Freunden, dem Gartenarchitekten Friedrich Wilhelm Hirsch und dem Architekten Edmund Fabry, entworfen und 1932 eingeweiht. Es ist jene Verbindung von Parkanlage und sprudelndem Wasser, die das Trio Hirsch, Fabry, Hensler thematisieren wollten und die fĂŒr die Stadt der warmen Quellen, an den AuslĂ€ufern des Taunus gelegen, charakteristisch ist. Aus Wiesbaden hatte Hensler schon einmal als junger Mann um 1914 einen Auftrag erhalten, nĂ€mlich am Schmuck der Kuppel im Oktogon des Museums in der Friedrich-Ebert-Allee mitzuarbeiten. Er schuf fĂŒr vier Wandnischen schlanke Frauengestalten, die vollkommen weiß sich stark vom umgebenden, goldfarbenen Mosaik abheben. Auch bei diesen Skulpturen fĂŒr das „Neue Museum Wiesbaden“ war das Thema die Bedeutung des Wassers. Eine Folge der Aufarbeitung der Archivalien ist ein neuer Einblick in die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. So zeigt das Buch die fĂŒr die 20er Jahre charakteristische Gleichzeitigkeit der verschiedenen gesellschaftlichen Kreise. Auf der einen Seite die Reaktionen von Kirche und Staat auf die „Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts“ und auf der anderen Seite Mitglieder einer eleganten Gesellschaft im damaligen Kulturleben, die den Krieg ĂŒberlebt hatten und neue Ă€sthetische Visionen entwickelten. Da die Gemeinden vor die Aufgaben gestellt waren, die Gefallenen zu ehren und die Witwen und Waisen der Gefallenen zu versorgen, ist es nicht verwunderlich, dass eine große Zahl der AuftrĂ€ge des Bildhauers Kriegerdenkmale, bzw. Ehrenmale fĂŒr alle vom Krieg Betroffene, waren. Anders die Aufgabenstellung der Fotografin Annie Hensler-Möring, die in ihrem Atelier ihre vom Krieg unversehrten Kunden z. B. in mondĂ€ner Garderobe portrĂ€tierte. Die Not der Bevölkerung wĂ€hrend der Rheinlandbesatzung und die sich steigernde Geldentwertung werden deutlich an Archivalien des Stadtarchivs Wiesbaden. Alle Werke der beiden KĂŒnstler aus den betreffenden Jahren sind in einem Katalog abgebildet.
Tei1: SĂŒdharzvorland, Saale-Elster-Region, ThĂŒringer Wald. Corpus der römischen Funde im europĂ€ischen Barbaricum (D 8,1); Dtschland. Überarbeitet von Dusek (†), Sigrid; Becker, Matthias; Eberhardt, Ines; Grasselt, Thomas; Heising, Alexander; KĂŒnzel, Heike; Peschel, Karl; Schlapke, Mario; Seidel, Mathias; Verfasst mit Aichinger, Monika; Fischer (†), Karin; Kleinschmidt, Torsten; Klischies, Frank; Pauleweit, Anette. Freistaat ThĂŒringen. 2017. 176 S. 113 fb. Abb. 30 x 22 cm. EUR 39,00. ISBN: 978-3-95490-308-5 L, Reichert
Die erste Teillieferung „Freistaat ThĂŒringen, SĂŒdharzvorland, Elbe-Elster-Region, ThĂŒringer Wald“ des „Corpus der Römischen Funde im europĂ€ischen Barbaricum“ beinhaltet mit den GrĂ€berfeldern von Großromstedt, Lkr. Weimarer Land, und Haßleben, Lkr. Sömmerda, dem Hortfund von Großbodungen, Lkr. Eichsfeld, sowie weiteren Fundkomplexen SchlĂŒsselbefunde von europĂ€ischem Rang. Neben spektakulĂ€r mit römischen wie einheimischen LuxusgĂŒtern bzw. Statussymbolen ausgestatteten Grabfunden vermitteln die Fundaufkommen der Siedlungen einen Eindruck vom Gebrauch römischer Erzeugnisse in der Alltagskultur. So im Falle einer Siedlung bei Dienstedt, Ilm-Kreis, in deren Nachbarschaft das Körpergrab einer als „FĂŒrstin“ bezeichneten Dame aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. geborgen werden konnte. UnabhĂ€ngig von den besonderen Regeln unterliegenden Bestattungssitten werden damit Fragen der sozialen Stratifizierung der Gesellschaft und Selbstdarstellung von Eliten sowie der Akzeptanz oder Ablehnung römischer Erzeugnisse und Kulturtechniken sichtbar.
Die Inschriften der Stadt Ingolstadt. Die Deutschen Inschriften (99); MĂŒnchener Reihe (18). Steininger, Christine. 2017. 648 S. 186 z. T. fb. Abb. 27 x 19 cm. EUR 89,00. ISBN: 978-3-95490-254-5 L, Reichert
Ingolstadts Inschriftenlandschaft ist geprĂ€gt vom Dreiklang Herzogliche Beamtenschaft, BĂŒrgerschaft und UniversitĂ€tsangehörige. Der Inschriftenbestand setzt relativ spĂ€t im 14. Jahrhundert ein, der Schwerpunkt der Überlieferung liegt im 16. Jahrhundert. Im Vordergrund stehen Inschriften des Totengedenkens. Reich ist besonders der Bestand an Epitaphien. Herzogliche Verwaltungs- und StiftungstĂ€tigkeit wird in der Ausstattung der UniversitĂ€tskirche und den inschriftlichen Zeugnissen der Befestigungsanlage sichtbar. DenkmĂ€ler aus dem Umfeld der UniversitĂ€t zeigen interessante Zeugnisse der LatinitĂ€t der frĂŒhen Neuzeit und zeigen eine frĂŒhe Differenzierung zwischen UniversitĂ€tslehrern aus dem Laienstand und Mitgliedern des Klerus. Die DenkmĂ€ler stellen außerdem eine zusĂ€tzliche Quelle fĂŒr Ingolstadts Rolle als Festung in der frĂŒhen Neuzeit dar. Zeugnisse aus den eingemeindeten Orten bieten zusĂ€tzlich einen Ausblick in das Umland.
Studien zur westgriechischen Altararchitektur im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. Sonderschriften des Deutschen ArchĂ€ologischen Instituts Rom (21). Voigts, Clemens. Selinus VI. Die AltĂ€re in den StadtheiligtĂŒmern. 2017. 194 S. 242 z. T. fb. Abb. 34 x 25 cm. EUR 78,00. ISBN: 978-3-95490-213-2 L, Reichert
Der Band befasst sich mit den monumentalen BrandopferaltĂ€ren Selinunts. Die an der SĂŒdwestkĂŒste Siziliens gelegene griechische Kolonie erweist sich dabei als eine Ă€ußerst reichhaltige archĂ€ologische StĂ€tte. WĂ€hrend griechische AltĂ€re andernorts meist schlecht erhalten und deshalb nur wenig bekannt sind, finden sich in den StadtheiligtĂŒmern Selinunts die Reste von neun großen Altarbauten aus dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr.
Die AltĂ€re werden in detaillierten Bauaufnahmen dargestellt und zeichnerisch rekonstruiert. Ihre dichte zeitliche Abfolge wird genutzt, um die architektonische Entwicklung in archaischer und klassischer Zeit nachzuvollziehen: Von schlichten, aber großen Opfertischen hin zu aufwĂ€ndig gestalteten Bauten, die mit dem Formenapparat der dorischen Ordnung geschmĂŒckt waren. Spuren von Umbauten, die minutiös beobachtet werden, ermöglichen zudem RĂŒckschlĂŒsse auf die Benutzungsweise, sodass erstmals ein anschauliches Bild von den AltĂ€ren des griechischen Westens entsteht.
Die Ägyptenreise von Max und Otto Meyerhof im Winter 1900/01. Menschen – Reisen – Forschungen (3). Lehnert, Isolde. Zur Kur an den Nil. 2017. 280 S. 263 meist fb. Abb. 27 x 21 cm. EUR 69,00. ISBN: 978-3-95490-136-4 L, Reichert
„Zur Kur an den Nil“ ist die kommentierte Edition eines Reisetagebuchs vom Winter 1900/01 aus den ArchivbestĂ€nden des Deutschen ArchĂ€ologischen Instituts Kairo. Es stammt von dem deutsch-jĂŒdischen Augenarzt und Orientalisten Max Meyerhof (1874-1945), der mit seinem jĂŒngeren Verwandten Otto Meyerhof (1884-1951), dem spĂ€teren NobelpreistrĂ€ger fĂŒr Medizin, aus gesundheitlichen GrĂŒnden fĂŒr fĂŒnf Monate nach Ägypten reiste. Nach einem sechswöchigen Aufenthalt im damals renommierten Kur- und Badeort Heluan bei Kairo ging es ĂŒber Luxor weiter nach Assuan. Neben den medizinischen Anwendungen blieb ausreichend Zeit, um neugierig in dieses fremdartige, so exotisch wirkende orientalische Umfeld einzutauchen. Das Tagebuch beschreibt das Gesehene und Erlebte in einem Ă€ußerst lebendigen und unterhaltsamen Stil, entspricht jedoch dem eurozentrischen Duktus jener Epoche, einer ambivalenten Mischung aus Faszination und (ab)wertender Distanz. Verglichen mit Zitaten aus zeitgenössischer Reiseliteratur, deren Ton von ĂŒberheblich und geringschĂ€tzig bis hin zu deutlich rassistisch eingefĂ€rbten Äußerungen reicht, können Meyerhofs Bemerkungen eher als gemĂ€ĂŸigt eingestuft werden. Sicher auch, weil ihm als Augenarzt die ZusammenhĂ€nge zwischen dem allgegenwĂ€rtigen Schmutz und den zahlreichen Augenleiden bewusst waren, die Ägypten fĂŒr Jahrhunderte den Beinamen „Land der Blinden“ eintrugen. Er knĂŒpft Kontakte zur einheimischen Ärzteschaft und wird sein weiteres Leben der Linderung dieser Plage widmen. Die diversen Reisebekanntschaften umfassen prominente Personen wie beispielsweise Karl Neufeld (1856-1918), der als Gefangener des Mahdi Schlagzeilen machte, oder Mohareb Todrous (ca. 1847-1937), den deutschen Konsularagenten und AntiquitĂ€tenhĂ€ndler in Luxor. Durch seinen Vetter Wilhelm Spiegelberg (1870-1930) bringt Meyerhof nicht nur archĂ€ologisches Grundwissen mit, er kennt auch den Altmeister der Afrikanistik Georg Schweinfurth (1836-1925), der unter anderem das WĂŒstengebiet um Heluan kartographiert hat. Sie werden in eigenen Recherchekapiteln nĂ€her beleuchtet, ebenso wie der in Kairo ansĂ€ssige Hoffotograf Paul Dittrich (1868-nach 1934), der deutsche Bierwirt August Gorff (1835-um 1902) und die beiden Stangenschen ReisebĂŒros in Berlin, die als starke Konkurrenten von Thomas Cook das Land am Nil touristisch erschlossen. Bewusst populĂ€r-wissenschaftlich geschrieben verfolgt der reich illustrierte Band gleich zwei Ziele: altes Material aus vergangener Zeit mit „Infotainment“ zu neuem Leben zu erwecken und dabei zu zeigen, wie Ereignisse und Menschen – heute wie damals – miteinander verwoben sind. Umfangreiche Literatur- und Archivangaben sowie zwei Indices ermöglichen weitere Recherchen.
Petrie’s 1907/08 Dig Season Near Suhag. Part I: The photographic record. El-Sayed, Rafed. Studia Panopolitana (AAXYH78), Band 2. Engl. 2017. 80 S., 119 z. T. fb. Abb. 14 Tafeln. 30 x 21 cm. Br. EUR 19,95 ISBN: 978-3-95490-264-4 L, Reichert
Studia Panopolitana, Occasional Paper 2 ist der erste gedruckte Band der Studia Panopolitana. Gleichzeitig eröffnet er eine Serie von BeitrĂ€gen, die sich mit den Ausgrabungen des britischen ArchĂ€ologen W. M. Flinders Petrie auf mehreren FundplĂ€tzen nahe der Stadt Suhagˇ auf dem Westufer gegenĂŒber von AHmim beschĂ€ftigt. Im Zentrum der Abhandlung stehen die heute im Petrie Museum of Egyptian Archaeology aufbewahrten Negative, die seit ihrer Anfertigung im Winter 1907/08 bis auf den heutigen Tag grĂ¶ĂŸtenteils unveröffentlicht geblieben sind.
Petrie`s 1907/08 Dig Season Near Suhag. Part II: The corpus of finds – 1. Ceramic vessels and sherds. El-Sayed, Rafed / Lakomy, Konstantin C. Studia Panopolitana (AAXYH78), Band: 3. Engl. 2017. 96 S., 156 meist fb. Abb. 30 x 21 cm. Br. EUR 29,95 ISBN: 978-3-95490-265-1 L, Reichert
Studia Panopolitana, Occasional Paper 3 ist der zweite Band einer Serie von BeitrĂ€gen, die sich mit den Ausgrabungen des britischen ArchĂ€ologen W.M. Flinders Petrie auf mehreren FundplĂ€tzen nahe der Stadt Suhagˇ auf dem Westufer gegenĂŒber von AHmim beschĂ€ftigt. Innerhalb eines ausfĂŒhrlichen Kataloges werden die aus Petries Ausgrabungen stammenden (spĂ€t)antiken KeramikgefĂ€ĂŸe und -scherben, die sich heute im British Museum, dem Victoria and Albert Museum und dem Manchester Museum befinden dokumentiert, klassifiziert und rekontextualisiert. Die Abhandlung stellt zudem einen Beitrag zur Ă€gyptologischen Forschungs- und Sammlungsgeschichte des frĂŒhen 20. Jahrhunderts dar.
Gammertingen, St. Michael. Frommer, Sören. Auswertung der archĂ€ologischen Ausgrabungen insbesondere unter herrschafts-, siedlungs- und landesgeschichtlicher Fragestellung. Forschungen und Berichte zur ArchĂ€ologie in Baden-WĂŒrttemberg (AAXSR03), Band: 4. 2017. 365 S., 30 x 21 cm. 286 fb. u. 311 sw. Abb. Gb. EUR 65,00 ISBN: 978-3-95490-230-9 L, Reichert
Die am Nordrand der schwĂ€bischen Kleinstadt Gammertingen gelegene baulich unscheinbare Michaelskapelle wurde im Jahr 1981 fast vollstĂ€ndig archĂ€ologisch untersucht. Schon im Vorbericht wurde deutlich, dass die Kapelle in vorstĂ€dtische Zeit zurĂŒckreichte und auf eine herrschaftliche Eigenkirche zurĂŒckgehen dĂŒrfte. Dies kann nun konkretisiert werden: Die Michaelskapelle entstand im 10. Jahrhundert auf einer den Grafen von Gammertingen zuzuordnenden Niederungsburg, deren Kernburg aus zwei miteinander verbundenen und von einem gemeinsamen Graben umgebenen kĂŒnstlich aufgeschĂŒtteten HĂŒgeln bestand. WĂ€hrend auf dem in den benachbarten Flusslauf hineingebauten OsthĂŒgel das herrschaftliche WohngebĂ€ude zu rekonstruieren ist, war der unscheinbarere WesthĂŒgel der sakralen Nutzung zugeordnet. Mit dem um 980 errichteten ersten massiven Kirchenbau beginnt unmittelbar die Nutzung als Familiengrablege der ansĂ€ssigen Hochadelssippe. Die acht erfassten Bestattungen konnten ĂŒber molekulargenetische Untersuchungen zu einem vier Generationen umfassenden Stammbaum zusammengefĂŒgt werden. Die offenbar nach festem Belegungsmuster bestatteten Toten sind mit den jeweiligen mĂ€nnlichen FamilienoberhĂ€uptern identisch oder im ersten Grad blutsverwandt. Im Verbund mit der GrĂ€berstratigrafie und radiometrischen Untersuchungen der Gebeine lassen sich fĂŒr die Belegungszeit des 10./11. Jahrhunderts sehr exakte Datierungen formulieren, was auch Auswirkungen auf die Chronologie der in den GrĂ€bern gefundenen Keramik hat. Der Zentralbefund Erbgrablege steht nicht allein, sondern ist in eine Entwicklung eingebunden, die mit einem ersten Herrenhof des mittleren 7. Jahrhunderts beginnt, in dessen Umfeld in grĂ¶ĂŸerem Maßstab EisenverhĂŒttung betrieben wurde. Nach einer „goldenen Generation“ der Gammertinger Grafen in der ersten HĂ€lfte des 11. Jahrhunderts, die die neue Höhenburg Baldenstein errichten ließ und die Michaelskapelle zur Basilika mit Seitenturm ausbaute, begann ein schleichender Niedergang, der mit dem Aussterben der Grafen in der 2. HĂ€lfte des 12. Jahrhunderts seinen Schlusspunkt fand. Nur mit GlĂŒck blieb der ausgebrannte Torso der grĂ€flichen Eigenkirche erhalten, bis in der 2. HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts die GrĂŒndung der Stadt Gammertingen erfolgte. Die Michaelskapelle wurde als Schlosskapelle in den stadtherrschaftlichen Bezirk miteingebunden und erbrachte als solche bis in die Neuzeit hinein relevante Befunde zur Stadt-, aber auch zur Landesgeschichte.
Die Arbeit zeigt, dass eine interdisziplinĂ€r und methodenbewusst aufgestellte ArchĂ€ologie in der Lage ist, das herrschaftsgeschichtlich effektiv immer noch „dunkle Zeitalter“ vor dem Einsetzen einer der etwas breiteren klösterlich getragenen SchriftĂŒberlieferung im spĂ€teren 11. Jahrhundert deutlich zu erhellen. Auch wenn es erwartungsgemĂ€ĂŸ nicht gelang, eine direkte Verbindung vom spangenhelmtragenden „FĂŒrst von Gammertingen“ des spĂ€ten 6. Jahrhunderts bis zu den Grafen des Hochmittelalters zu knĂŒpfen, kann der Befund von Gammertingen doch paradigmatische Bedeutung beanspruchen – in dem Sinn, dass die in den frĂŒhen Schriftquellen noch nicht aufscheinende Bedeutung lokaler KontinuitĂ€t fĂŒr die Frage nach der Entstehung des hochmittelalterlichen Adels gleichwohl prominent mitbedacht werden muss.
Das heilige Tor. Kerameikos (19). Kuhn, Gerhard. 2017. 280 S. 7 Beilagen, 258 Abb. 30 x 21 cm. EUR 110,00. ISBN: 978-3-95490-235-4 L, Reichert
Das Heilige Tor, das nur 42 m vom grĂ¶ĂŸten Stadttor Athens, dem Dipylon, entfernt ist, gehört, wie dieses, zum Typus des nach außen hin offenen Hoftores. Dabei ist die Verschlusszone gegenĂŒber der angrenzenden Stadtmauer zum Stadtinneren hin zurĂŒckversetzt. So konnten die anstĂŒrmenden Belagerer von der Seite her unter Beschuss genommen werden. Neben der Heiligen Straße, auf der die Prozessionen zum Mysterienheiligtum der Demeter und Kore nach Eleusis zogen, verließ auch der einzige im Innern des Mauerrings fließende Bach, der Eridanos, an dieser Stelle das Stadtareal. Das Heilige Tor wurde zusammen mit der Stadtmauer nach dem Abzug der Perser im Winter 479/478 v. Chr. errichtet (Thuk. 1, 93) und erlebte bis zur Zerstörung durch den römischen Feldherrn Sulla im Jahre 86 v. Chr. fĂŒnf weitere Bauphasen, die, anders als am benachbarten Dipylon, auch einschneidende VerĂ€nderungen des Grundrisses mit sich brachten. Ein wichtiges Agens dafĂŒr war der Bachlauf, der von Anfang an einen fortifikatorischen Schwachpunkt darstellte, ein anderes die seit spĂ€tklassischer Zeit zu beobachtende Entwicklung schwerer Steinkatapulte. WĂ€hrend der ersten sechs Phasen bestand die Bausubstanz des Heiligen Tores, ebenso wie diejenige der Stadtmauer, aus mit feinem Putz ĂŒberzogenen Lehmziegeln auf steinernem Sockel. Zwei spĂ€tkaiserzeitliche Bauperioden, wĂ€hrend derer der Torbau ganz aus wiederverwendeten Steinen errichtet war, beschließen die rund tausendjĂ€hrige Geschichte des Bauwerks.
Figur und Raum in der frĂŒhgriechischen FlĂ€chenkunst. ArchĂ€ologisches Symposion fĂŒr Hanna Koenigs-Philipp Liebieghaus Frankfurt am Main im Juni 2008. Hrsg.: Raeck, Wulf. 2017. 156 S. 97 z. T. fb. Abb. 24 x 17 cm. EUR 59,00. ISBN: 978-3-95490-058-9 L, Reichert
In der Phase der Formierung der griechischen Polisgesellschaft vom 8. bis zum frĂŒhen 5. Jh. v. Chr. wurden die Weichen fĂŒr die Entwicklung der abendlĂ€ndischen Bildkunst gestellt. Die Analyse der frĂŒhen Seh- und Darstellungsweisen und ihrer VerĂ€nderungen bildet die wesentliche Grundlage fĂŒr unser VerstĂ€ndnis der frĂŒharchaischen Bilder. Seit den wegweisenden Arbeiten von Nikolaus Himmelmann und anderen vor mehr als halben Jahrhundert hat die archĂ€ologische Forschung daran zwar regelmĂ€ĂŸig, aber doch meist nur punktuell gearbeitet. Der vorliegende Band versammelt acht thematisch eng verzahnte BeitrĂ€ge von Spezialisten der frĂŒhgriechischen Kunst zum Kernproblem des griechisch archaischen Bildschaffens, dem spannungsreichen VerhĂ€ltnis von Figur und Raum. Dabei wird teils bislang unpubliziertes Material vorgelegt, teils kommen altbekannte Meisterwerke zur Sprache. Eine wichtige Rolle spielt selbstverstĂ€ndlich die Vasenmalerei unterschiedlicher Regionen, daneben werden Erzeugnisse der Toreutik, aber auch Beispiele der Marmorskulptur berĂŒcksichtigt.
Die Autoren nĂ€hern sich dem Thema von verschiedenen Seiten, unterschiedliche Aspekte werden herausgegriffen. So steht rigoroses Beschneiden des Bildfeldes neben wohldosierten Überschneidungen zur Verdeutlichung des Raumes. DenkmĂ€lergattungen wie die anspruchsvollen Silhouettenbleche sterben aus, wohl weil sie dem neuen BedĂŒrfnis nach RĂ€umlichkeit nicht genĂŒgen. Votivbleche können je nach Darstellungs- bzw. ErzĂ€hlintention komponiert werden. Orientalische VersatzstĂŒcke werden im wahrsten Sinne des Wortes zu ganz neuen Ensembles zusammengefĂŒgt. Ornamente erweisen sich zum einen als in alter Tradition mit Bedeutung aufgeladen, enthalten zum anderen neue Informationen ĂŒber rĂ€umliche Sachverhalte, die der moderne Blick nicht ohne weiteres decodieren kann. Die DreidimensionalitĂ€t des Vasenkörpers selbst trĂ€gt zur Bildwirkung in nie gekannter Weise bei und erlaubt Bilderfindungen, wie sie spĂ€ter nicht wieder gewagt werden. Die Art, wie Gewandpartien in ihrem VerhĂ€ltnis zueinander und zum Körper gestaltet werden, erschließt sich modernen Sehgewohnheiten nur mit MĂŒhe, unterscheidet sich aber auch von den Darstellungskonventionen der Klassik und unterstreicht so die Notwendigkeit ernsthafter bildhermeneutischer Reflexion in besonderer Weise. Gerade in diesem Falle wird auch die Bedeutung der hier zusammengestellten Texte fĂŒr Methodik der Interpretation frĂŒhgriechischer Bildkunst deutlich.
The groundwork for the development of Western figurative art was laid out during the formation of the Greek polis from the 8th to early 5th centuries BC. The analysis of early visual perceptions and representative approaches forms the main foundation of our understanding of early archaic images. Ever since the ground-breaking studies of Nikolaus Himmelmann and others half a century ago, archaeological research has steadily, yet merely selectively, worked on this topic. The present volume collects eight closely-linked thematic contributions of experts on early Greek art focusing on the core problem of Archaic imagery production: the tense interrelation between figure and space. For this purpose, unpublished material in addition to well-known masterpieces will be discussed. Obviously, vase painting from various regions is of special importance for this theme; additionally, toreutic products as well as marble sculptures are taken into consideration.
The authors approach the topic from various angles and by selecting different aspects. Rigorous cut offs of the field of view stand against well-metered overlaps to emphasize space. Object classes such as the sophisticated silhouette sheets disappear, very likely because they did not fulfill the newly developed requirements for space. Bronze votive plaques are composed in accordance with the intended depiction or narrative. Oriental set pieces get reassembled to new compositions. Ornaments on the one hand are charged with meaning based on older traditions, while on the other hand they contain special meanings that are not always easy to decode in the modern day. The three dimensions of the body of a vase itself add to the effectiveness of the images in a completely new way and represent visual developments that are not seen in later times. The manner in which parts of garments were put together in relation to each other and to the human body itself is hard to comprehend with our visual perception. However, it differs significantly from the representation habit in Classical times and again underlines the need for serious visual hermeneutical reflection. This example makes it especially clear why this collection of texts on the methodology of interpreting early Greek figurative art is of such great importance.
Karabalgasun – Stadt der Nomaden. Die archĂ€ologischen Ausgrabungen in der frĂŒhuigurischen Hauptstadt 2009–2011. Forschungen zur ArchĂ€ologie AußereuropĂ€ischer Kulturen (14). DĂ€hne, Burkart. 2017. 248 S. 207 z. T. fb. Abb. 30 x 21 cm. EUR 110,00. ISBN: 978-3-95490-126-5 L, Reichert
Die Erforschung der Urbanisierung spĂ€tnomadischer Kulturen hat in der eurasischen SteppenarchĂ€ologie bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Die Ergebnisse erster archĂ€ologischer Grabungen in der frĂŒhuigurischen Hauptstadt Karabalgasun durch die Mongolisch-Deutsche-Orchon-Expedition (MONDOrEx) der Kampagnen 2009-2011 liefern daher einen wichtigen grundlegenden Beitrag zu diesem Forschungsfeld. Der vorliegende Band bietet erstmals einen zusammenfassenden Überblick der aktuellen wie der Ă€lteren Forschungen Karabalgasuns und beinhaltet neues Kartenmaterial. Neben einer umfangreichen Forschungsgeschichte werden die ergrabenen stadtgeschichtlich relvanten archĂ€ologischen Befunde Karabalgasuns dargestellt und analysiert sowie die Bedeutung der Stadt als staatsbildender Faktor im Rahmen spĂ€tnomadischen Herrschaftsbildungen diskutiert.
Papers on the Conference held at the University of Bamberg, 31 October–2 November, 2012. Studien zur islamischen Kunst und ArchĂ€ologie (2). Hrsg.: MĂŒller-Wiener, Martina; Korn, Lorenz. Central Periphery? Art, Culture and History of the Medieval Jazira (Northern Mesopotamia, 8th-15th centuries). Engl. 2017. 280 S. 89 z. T. fb. Abb. 24 x 17 cm. EUR 98,00. ISBN: 978-3-95490-198-2 L, Reichert
The medieval Jazira has still to offer a multitude of topics for research. As a crossroads in which artistic currents from different regions met, it is unique in the history of the Near East, and at the same time, as a cultural landscape in which different traditions were worked into a dense fabric of material expressions, it is also characteristic of the history of this larger region. There will certainly be more to be discovered in and about this region that can throw light on its history and culture.
Offizielle Symbole griechischer Poleis und Bundesstaaten. ArchÀologische Forschungen (36). Killen, Simone. Parasema. 2017. 395 S. 36 Tafeln, 9 Karten, 541 z. T. fb. Abb. 30 x 21 cm. EUR 78,00. ISBN: 978-3-95490-234-7 L, Reichert
Parasema – griechische Staatssymbole – begegneten den Menschen tagtĂ€glich in griechischen Poleis: Die meist kleinformatigen Symbole waren auf Objekten des alltĂ€glichen Lebens angebracht, wie auf Marktgewichten, MĂŒnzen oder Losplaketten, aber auch auf stĂ€dtischen Siegeln oder auf Urkundenstelen. Diesen Gattungen ist gemein, dass sie offiziellen Charakter besaßen, da sie von staatlichen FunktionstrĂ€gern hergestellt bzw. verwendet wurden. Das PhĂ€nomen dieser Parasema ist bislang nur unzureichend erforscht: Es fehlt ein Überblick ĂŒber das archĂ€ologische Material sowie seine Auswertung unter BerĂŒcksichtigung der literarischen und epigraphischen Quellen. Diese ForschungslĂŒcke schließt die vorliegende Studie, indem sie Parasema auf Grundlage einer vollstĂ€ndigen Materialsammlung aller Gattungen untersucht.
Dabei wird gezeigt, dass es sich bei Parasema um ein originĂ€r griechisches PhĂ€nomen handelt, das in insgesamt 14 verschiedenen DenkmĂ€lergattungen fĂŒr den Zeitraum vom 6. bis zum 1. Jh. v. Chr. nachgewiesen werden kann. Nicht nur diese lange und vielfĂ€ltige Verwendung, sondern auch die weite geographische Verbreitung – Parasema sind in 96 Poleis und 8 Bundesstaaten in Griechenland, Kleinasien und an der SchwarzmeerkĂŒste belegt – zeugen von der allgemeinen VerstĂ€ndlichkeit der Symbole und von ihrer Bedeutung fĂŒr die BĂŒrgergemeinschaften. In der ikonographischen Untersuchung werden vor allem die Parasema der Poleis Athen, Priene und Magnesia am Maeander in Fallstudien in den Mittelpunkt gerĂŒckt. Neben den staatsrechtlichen Funktionen – Garantie, Kontrolle, Herkunftsangabe – waren Parasema aufgrund ihrer stets positiv besetzten Motive bestens dafĂŒr geeignet, die Gemeinwesen in optimaler, knapper Form zu reprĂ€sentieren.
Die Studie umfasst zudem einen umfangreichen geographisch gegliederten Katalog, mehrere Appendices sowie 36 Tafeln.
Aline und ihre Kinder. Mumien aus dem römerzeitlichen Ägypten. Ägypten im Blick (2). Hrsg.: Helmbold-DoyĂ©, Jana. 2017. 80 S. 104 z. T. fb. Abb. 22 x 16 cm. EUR 15,90. ISBN: 978-3-95490-193-7 L, Reichert
Richard von Kaufmann entdeckte im MĂ€rz 1892 ein römerzeitliches Familiengrab im Gebiet des Fayum (Ägypten), in dem acht Mumien zusammen mit wenigen Beigaben lagen. Es handelt sich um einen Zufallsfund eines Berliner Sammlers, der sich vor allem den GemĂ€lden des XIV. bis XVI. Jahrhunderts verschrieben hatte. In dem ersten Teil werden HintergrĂŒnde zu seiner Person und den persönlichen Verbindungen zu den Königlich Preußischen Museen Berlin beleuchtet, die teilweise sein Interesse an den Antiken erklĂ€ren. Die Wahl Richard von Kaufmanns fiel nicht zufĂ€llig auf den Ort Hawara. Wenige Jahre zuvor hatten die Funde dieses Platzes fĂŒr Furore gesorgt, denn der englische ArchĂ€ologe William Flinders Petrie fĂŒhrte dort seit 1887 sehr ergiebige Ausgrabungen, unter anderem von römerzeitlichen GrĂ€bern, durch. In diesen fand er aufwĂ€ndig gewickelte Mumien mit Masken und - das war die Sensation schlechthin - auch mit MumienportrĂ€ts. Es handelt sich hierbei insgesamt betrachtet um einen Grabfund von immenser Bedeutung, denn zu einer von diesen Mumien gehört das weit bekannte PortrĂ€t einer Frau namens Aline. Dieses Tafelbild der Verstorbenen hat aus verschiedenen GrĂŒnden frĂŒhzeitig große Aufmerksamkeit erfahren. Es gehört zu einem der frĂŒhesten MumienportrĂ€ts, deren Malerei auf Textil aufgetragen ist. Daneben kann die Mumie mit einer Grabinschrift in Einklang gebracht werden, in der ihr Name, ihr Sterbealter von 35 Jahren und eine Datumsangabe genannt sind. Daran schloss sich eine anhaltende Diskussion um die Datierung des Grabes als solches an - insbesondere, was das PortrĂ€t der Aline angeht. Anhand neuer CT-Untersuchungen der drei Kindermumien werden an dieser Stelle aktuelle Forschungsergebnisse prĂ€sentiert. Dabei werden die Mumien dieser wohlhabenden Familie nicht singulĂ€r betrachtet, sondern eingebunden in ihren historischen und regionalen Kontext. Hinzu kommt, dass durch neue Fragen und weiterfĂŒhrende Erkenntnisse das Grab mit seinen Funden in einem gĂ€nzlich neuen Licht erscheint, was eine Neubewertung des eigentlichen Status quo notwendig und lohnenswert macht. ErgĂ€nzt werden die kompensierten AusfĂŒhrungen um zahlreiche Fotos, die bisher noch nie gezeigt wurden.
Der Heidengraben auf der Uracher Alb. Vor-und frĂŒhgeschichliche Befestigungen 23. Atlas archĂ€ologischer GelĂ€ndedenkmĂ€ler in Baden-WĂŒrttemberg (2). Morrissey, Christoph; MĂŒller, Dieter. 2017. 168 S. 158 meist fb. Abb. 29 x 21 cm. EUR 29,00. ISBN: 978-3-95490-247-7 L, Reichert
Das ‚Oppidum‘ Heidengraben ist mit annĂ€hernd 17.000 ha FlĂ€che das grĂ¶ĂŸte unter den frĂŒhstĂ€dtischen Anlagen aus spĂ€tkeltischer Zeit in ganz Mitteleuropa. In dem neu erschienenen Heft werden die Ergebnisse langjĂ€hriger, arbeitsintensiver topographischer GelĂ€ndeaufnahmen umfassend dargestellt. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der 170 ha großen ‚Elsachstadt‘ als Siedlungskern des Oppidums sowie den Befestigungen beim Burrenhof, bei Erkenbrechtsweiler und sĂŒdlich von Grabenstetten. Die durch den Ort Grabenstetten verlaufende Wallanlage konnte anhand unveröffentlichter archĂ€ologischer Beobachtungen neu bewertet werden. DarĂŒber hinaus werden auch Aspekte der historischen Kulturlandschaft, der Altwege, der Wasserversorgung, weiterer vor- und frĂŒhgeschichtlicher wie auch mittelalterlicher Anlagen und auffallender GelĂ€ndeformen unterschiedlichster Funktion und Zeitstellung berĂŒcksichtigt.
Übertragung. Bedeutungspraxis und ‚Bildlichkeit‘ in Literatur und Kunst des Mittelalters. Imagines Medii Aevi. InterdisziplinĂ€re BeitrĂ€ge zur Mittelalterforschung (39). Hrsg.: Wenzel, Franziska; Selmayr, Pia. 2017. 320 S. 84 meist fb. Abb. 24 x 17 cm. EUR 98,00. ISBN: 978-3-95490-206-4 L, Reichert
Fragen nach der ‚Bildlichkeit’ von Illustrationen, sprachlich erzeugter Anschaulichkeit oder konkretisierten Begriffen eröffnen nicht nur weite Referenzbereiche, sondern sie legen auch analytisch vielfĂ€ltige Perspektiven nahe. Der Sammelband geht konzeptuell neue Wege und entwirft einen hermeneutischen Rahmen vom prozessualen Begriff der ‚Übertragung‘ her. Diese Ausrichtung wird auf ihr heuristisches Potenzial geprĂŒft und verbindet dabei die auch experimentelle Frage nach ihrer analytischen ProduktivitĂ€t mit einer RĂŒckversicherung an historischen Metaphernkonzepten. Der interdisziplinĂ€r angelegte Band vereint Arbeiten zur mittelalterlichen Bezeichnungs- und Bedeutungspraxis in Text (metaphorische und anschauliche Rede) und Bild (Illustration, Emblematik und Einbandkunst). Ziel der einzelnen BeitrĂ€ge ist es, den Prozess der Bedeutungsbildung intramedial und/oder intermedial zu beschreiben. Gegen das Dogma eines iconic turn einerseits und die Trennung von Text- und Bildanalyse andererseits, versuchen die Beitragenden die komplexen Relationen sprachlicher und bildlicher Übertragungsprozesse herauszuarbeiten.
Stadt und Umland. ArchÀologische Forschungen (37); Priene (5). Fildhuth, Jesko. Das byzantinische Priene. 2017. 280 S. 4 Falttafel, 200 z. T. fb. Abb. 30 x 21 cm. EUR 78,00. ISBN: 978-3-95490-240-8 L, Reichert
Das Buch behandelt die urbanistische Entwicklung des westkleinasiatischen Priene und seines Umlandes, welches das Gebirge der Mykale sowie die untere MĂ€anderebene umfasste, in der SpĂ€tantike und der byzantinischen Epoche (5.‒13. Jh.). Als Ausgangspunkt dient die Vorstellung, dass Stadt und Umland ein komplementĂ€res System bilden, innerhalb dessen die SiedlungsverhĂ€ltnisse einer Region von den Kernelementen Stadt und Land bestimmt werden, die sich wechselseitig beeinflussen und ergĂ€nzen. Durch die gemeinsame und ergĂ€nzende Untersuchung beider Bereiche werden die LebensverhĂ€ltnisse und die Organisation von stĂ€dtischem und lĂ€ndlichem Raum analysiert, um auf dieser Grundlage das Siedlungssystem der Region zu rekonstruieren und in seiner historischen Entwicklung zu deuten.
Bau und Baudekor. Studien zur islamischen Kunst und ArchÀologie (1). Ritter, Markus. Der umayyadische Palast des 8. Jahrhunderts in Hirbat al-Minya am See von Tiberias. 2017. 395 S. 80 Tafeln, 1 Faltkarte, 37 fb. Abb., 927 sw. Abb. 30 x 21 cm. EUR 119,00. ISBN: 978-3-89500-679-1 L, Reichert
Ëirbat al-Minya in NordpalĂ€stina am See von Tiberias wird in die Zeit des Kalifen al-Walid I. (705–15) datiert und gilt als einer der frĂŒhesten bekannten Residenzbauten der frĂŒhislamischen Dynastie der arabischen Umayyaden mit Sitz in Damaskus (661-750). Der Bau wurde 1932–39 von deutschen Forschern weitgehend freigelegt und nach 1948 von israelischer Seite weiter erforscht. Die kunsthistorische und archĂ€ologische Bedeutung liegt u.a. in der Anlage mit einem Palasttrakt, der reichen Baudekoration und der vermuteten frĂŒhen Datierung. Der Band legt die Baudekoration aus den deutschen Ausgrabungen in systematischer vergleichender Aufarbeitung und mit Abbildungen vor: Reliefdekor in Werkstein, SĂ€ulen, Wandinkrustation, Marmorreliefplatten mit Farbfassung (ChamplevĂ©technik), Opus sectile und Marmorfliesen, Wandstuckrelief, Stucktransennen und Fensterglas, Schrankenplatten und -gitter, Wandmosaik. Voran gehen EinfĂŒhrungen in den Bau und in die Ortslage. Leitender Faden ist die Frage nach den stilistischen Merkmalen der Dekoration im VerhĂ€ltnis zu anderen umayyadischen Bauten und spĂ€tantiken VorlĂ€ufern in PalĂ€stina und Syrien.
Wohnkultur im spÀtantiken Ostia. Kölner Schriften zur ArchÀologie (1). Danner, Marcel. 2017. 342 S. 133 z. T. fb. Abb, . 30 x 21 cm. Gb. EUR 78,00. ISBN: 978-3-95490-128-9 L, Reichert
Im Laufe der spĂ€ten Kaiserzeit und der SpĂ€tantike – zwischen dem 3. und dem 5. Jh. n. Chr. – verĂ€nderte sich das römische Imperium in vielerlei Hinsicht, die Gesellschaftsordnung blieb jedoch in ihrem Kern bestehen. Ausgehend von einer Gruppe herausragend gut erhaltener HĂ€user dieses Zeitraums in der antiken Hafenstadt Ostia wird das VerhĂ€ltnis von KontinuitĂ€t und Transformation der Wohnkultur zwischen Kaiserzeit und SpĂ€tantike in dieser Arbeit eingehend untersucht. Dabei werden unter anderem folgende Fragen thematisiert: Inwiefern wandelten sich die Wohnviertel der spĂ€tantiken StĂ€dte? VerĂ€nderten sich die Nutzungsgewohnheiten von Bewohnern und GĂ€sten? Wie wandelten sich Wohngeschmack und SelbstverstĂ€ndnis der Hausherren? Im Zentrum der Arbeit steht eine Gruppe von 18 teils großen und reich ausgestatteten WohnhĂ€usern, die wĂ€hrend des Untersuchungszeitraums instand gehalten oder neu errichtet wurden. An Ihnen lassen sich die genannten Fragen exemplarisch beantworten: So zeichnet sich in Ostia ab, dass sich VerĂ€nderungen der regionalen Wirtschaftsstruktur wie die Abwanderung großer gewerblicher Einrichtungen ab dem beginnenden 3. Jh. n. Chr. in einer verĂ€nderten Ausdehnung und Verteilung der Wohnviertel ebenso wie in einem zunehmenden Kontrast zwischen der Instandhaltung mancher Stadtviertel und dem Verfall anderer niederschlug. WĂ€hrend desselben Zeitraums lassen sich in Ostia auch VerĂ€nderungen der Raumstrukturen und der dekorativen Ausstattung der WohnhĂ€user greifen. Vergleiche mit HĂ€usern in anderen Teilen des römischen Reiches zeigen, dass die in Ostia beobachteten Transformationen fĂŒr die Entwicklung der Wohnkultur des 3. bis 5. Jhs. n. Chr. weitestgehend reprĂ€sentativ sind. Die VerĂ€nderungen der HĂ€user lassen auf sich wandelnde Formen der Raumnutzung schließen. So waren spĂ€tantike Hausherren offenbar um eine zunehmende Kontrolle der Bewegung von GĂ€sten und Besuchern, um eine Absonderung der Empfangsbereiche von den RĂŒckzugsbereichen und um eine zunehmend ostentative Inszenierung der QualitĂ€ten des Hauses bemĂŒht. Ihre tatsĂ€chliche oder ersehnte Zugehörigkeit zur gesellschaftlichen Elite drĂŒckten die Herren anspruchsvoller HĂ€user in der SpĂ€tantike nicht mehr wie zuvor ĂŒber die Evokation einer bukolischen und sakralen AtmosphĂ€re aus, sondern ĂŒber eine unvermittelte Zurschaustellung ihrer Finanzkraft und ihres Einflusses. Die am archĂ€ologischen Befund beobachteten Transformationen gehen mit einem gesellschaftlichen Wandel einher, in dessen Zuge die Mitglieder des Senats in Rom ebenso wie die Angehörigen der stĂ€dtischen FĂŒhrungsschichten ihre Kompetenzen innerhalb der jeweiligen Stadtgesellschaft zum Teil neu definieren mussten. Eben diese VerĂ€nderungen scheinen die Architektur und die Ausstattung der WohnhĂ€user widerzuspiegeln. Anders als vorhergehende Untersuchungen beruft sich die Arbeit dabei nicht nur auf einzelne Aspekte der spĂ€tantiken Wohnkultur, sondern legt den zentralen Thesen eine umfassende bauhistorische Analyse und Dokumentation von 18 Hausbefunden zu Grunde, die zugleich als Ausgangspunkt fĂŒr weitere Forschungen zur Wohnkultur der Kaiserzeit und der SpĂ€tantike dienen soll.
Attisch rotfigurige und schwarzgefirnißte Lekanides. Breitfeld-von Eickstedt, Diana. 2017. 304 S. 40 Tafeln, 229 Abb. 30 x 21 cm. Gb. EUR 110,00. ISBN: 978-3-95490-226-2 L, Reichert
Gegenstand der vorliegenden Untersuchung ist die konventionell als Lekanis bezeichnete GefĂ€ĂŸform. Die kulturgeschichtliche Bedeutung dieser Vase im 5. und 4. Jh. v. Chr. wird unter folgenden Aspekten dargelegt: Funktion, Formentwicklung, WerkstĂ€tten, Ikonographie und Verbreitung. Die Form dieses GefĂ€ĂŸes blieb weitgehend unverĂ€ndert, und es diente als KosmetikgefĂ€ĂŸ sowie auch als Speisegeschirr. Behandelt wird der Stellenwert der Lekanis in der Keramikproduktion einzelner Athener WerkstĂ€tten. Sie ist meist singulĂ€r auch im Repertoire bedeutender Vasenmaler vertreten. Die Spezialisierung eines Malers bzw. einer Malergruppe auf diese GefĂ€ĂŸform ist erst im zweiten Viertel des 4. Jhs. v. Chr. nachweisbar; gleichzeitig wird sie zur â€șMassenwareâ€č, die in grĂ¶ĂŸeren WerkstĂ€tten mit einer Standardisierung des Formats, der Ornamentik und der Darstellungen produziert wird. Nach der Mitte des 4. Jhs. v. Chr. werden mit RĂŒckgang der Produktion wieder einzelne, wohl in kleineren Manufakturen tĂ€tige Maler faßbar. Bis zum Ende des 5. Jhs. v. Chr. ist die Ikonographie mit teilweise einzigartigen Themen vielfĂ€ltig. Danach setzt eine Konzentration auf wenige Bildthemen ein: Bilder aus dem Bereich der Frau, Darstellungen von Frauen, Eroten, JĂŒnglingen, Greifen und Orientalenköpfen. Diese Entwicklung weist auf einen bevorzugten Gebrauch der Lekanis im Frauengemach bzw. als KosmetikgefĂ€ĂŸ. Da mit zunehmender Produktion der Lekanides die Herstellung der Pyxiden rĂŒcklĂ€ufig ist, dĂŒrfte die Lekanis diese ersetzt haben. Die Lekanis ist jedoch kein HochzeitsgefĂ€ĂŸ schlechthin gewesen, wie in der Literatur oft behauptet wird. Die Verbreitung der Lekanis im Mittel- und Schwarzmeerraum wird im letzten Kapitel ausfĂŒhrlich besprochen. Lekanides waren in den Exportgebieten nicht nur bei Griechen, sondern auch bei Einheimischen populĂ€r und galten auch als Prestigeobjekte, wie an den Befunden aus FĂŒrstengrĂ€bern und GrĂ€bern der indigenen Oberschicht abzulesen ist. Die weite Verbreitung der Lekanis könnte mit ihrer multifunktionalen Verwendungsmöglichkeit zusammenhĂ€ngen. Nur in Unteritalien ist eine spezifische Bildthemenwahl mit der Bevorzugung außergewöhnlicher Mythen zu beobachten. In Sizilien, Nordafrika, Zypern und im Vorderen Orient wurde der Ikonographie offenbar wenig Bedeutung beigemessen, da dorthin vorwiegend schwarzgefirnißte Lekanides exportiert wurden. Durch die Erfassung von ĂŒber 1000 Lekanides konnten fĂŒr die Entwicklung dieser GefĂ€ĂŸform, die Untersuchung ihrer Ikonographie und ihres Exports verlĂ€ĂŸliche Ergebnisse erzielt werden, die fĂŒr die Wissenschaft auch langfristig eine Basis bieten. Das meiste Material stammt aus dem 4. Jh. v. Chr., einem Zeitraum, der in den letzten Jahren wieder stĂ€rker im Fokus der Keramikforschung steht.
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