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W├Ąchtersbacher Steingut - 180 Jahre

Die Hoch-Kunst f├╝r alle funktioniert heute nicht mehr. Global organisierte Hersteller schwemmen die Waren f├╝r jeden Haushalt mit mehr oder weniger sch├Ânem Design zu billigen Preisen in Massen auf den Markt. Kleinserien gehen nicht mehr.

Auch die Arbeiter der W├Ąchtersbacher-Keramik Werkstatt fingen ganz klein auf dem Gel├Ąnde einer alten M├╝hle an. Um das Design dem Zeitgeschmack anzupassen und gegen die Konkurrenz erfolgreich zu sein zog man bekannte K├╝nstler hinzu. Das Dekor der allt├Ąglichen Geschirre begann mit volksnahem Dekor, wie der W├Ąchtersbacher Rose und dicken blau- oder schwarzwei├čen Quadraten geschm├╝ckten Kaffeekannen, ÔÇ×conische FormÔÇť. Bis 1900 waren die Vasen mit aufgelegten Blumen ├╝ppig geschm├╝ckt und eine Schale mit einem tanzenden M├Ądchen aus Metall verziert. Danach pr├Ągte Christian Neureuther, beeinflusst von den K├╝nstlern der Darmst├Ądter Mathildenh├Âhe Joseph Maria Olbrich, Hans Christiansen, Paul Haustein und Peter Behrens bis 1920 das Design des W├Ąchtersbacher Jugendstils. Ein grandioses Design, das heute noch zahlreiche Liebhaber findet. Nach dem fr├╝hen Tod Neureuthers folgen unter Eduard Schweizer au├čer noch unverwirklichten Entw├╝rfen Neureuthers Dekore des Art d├ęco und Bauhaustils.
In der Zeit der Designerin Ursula Fesca von 1930 bis 1965, die allerdings w├Ąhrend des Nationalsozialismus zwischen 1939 und 1947 krankheitsbedingt eine Pause einlegte, entstand, abgesehen von nationalsozialistisch gepr├Ągten St├╝cken mit Texten wie ÔÇ×Aus Korn ward BrotÔÇť und ÔÇ×Ehret die Scholle, die uns ern├ĄhrtÔÇť, ÔÇ×Heil dem Gast, der zu uns kommtÔÇť oder 1939 ÔÇ×Freut Euch des LebensÔÇť nach dem Krieg wieder ein frisches, modernes Design. Dar├╝ber, was in den Jahren von 1941 bis 1945 der Direktor Hans Viereck, Mitglied der NSDAP, angestellt hat, schweigen die Autoren leider.
Der Aufbruch in die 1970er Jahre wird in W├Ąchtersbach dann richtig bunt, aus betriebswirtschaftlichen Gr├╝nden erweitert man das Programm durch eine neue, spanische Produktionsst├Ątte. 1990/91 zieren Uniglasuren die Tische junger Haushalte, ebenso wie das Blumendekor Primavera von Doris M├╝ller, doch der Niedergang des Unternehmens ist trotz vielfacher Bem├╝hungen nicht mehr aufzuhalten. Die Stilllegung der Produktionsst├Ątte in Brachttal-Schlierbach erfolgt im Jahr 2011.

Sammler haben bisher zur├╝ckgreifen k├Ânnen auf das W├Ąchtersbacher-Steingut-Buch des Ehepaars Frensch (K├Ânigstein 1978), das bereits eine Markentafel enthielt. Der vorliegende Band bietet daher eine korrigierte und aktualisierte ├ťbersicht aller bekannten und verwendeten W├Ąchtersbach-Marken.
Wer dieser Zeit noch eine W├Ąchtersbacher Arbeit sein eigen nennen kann, darf sich gl├╝cklich sch├Ątzen.
Dieses sch├Âne und informative Buch wird helfen, die Erinnerung an eine grandiose Designkunst ÔÇ×f├╝r alleÔÇť wach zu halten und auf den Flohm├Ąrkten und Internetportalen die Augen aufzusperren, falls dort noch wertvolle St├╝cke als Schn├Ąppchen angepriesen werden.

04.09.2015
Gabriele Klempert
W├Ąchtersbacher Steingut - 180 Jahre. Mit aktueller Markentafel 2015. Berting, Ulrich; Neidhardt, Erich. Hrsg.: Museums- und Geschichtsverein Brachttal e. V. 156 S. zahlr. fb. Abb. 21 x 21 cm. Gb. Brachttal-Museum, Brachttal 2015. EUR 34,90. CHF 46,90
ISBN 978-3-00-049175-7
 
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