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Das individuelle Prinzip war die Parole

Temperamentvolle Malerei in leuchtenden Farben und im gro√üen Format, heitere Freilichtszenen, Aktdarstellungen und repr√§sentative Portr√§ts junger Frauen sind die charakteristischen Themen der M√ľnchner K√ľnstlergruppe ‚ÄěDie Scholle‚Äú (1899-1911). Ihre helle Farbpalette und ihr fl√§chiger Malstil zeugen von Anregungen, die sich die jungen K√ľnstler in Frankreich geholt hatten. Sie kannten sich alle aus dem Studium bei Paul H√∂cker an der Akademie und von ihrer Arbeit bei dem M√ľnchner Wochenjournal ‚ÄěJugend‚Äú. Die Parole der erfolgsorientierten K√ľnstler war das individuelle Prinzip, wie sie selbst in der ‚ÄěJugend‚Äú von 1903 festschrieben: ‚ÄěJeder bebaue seine eigene Scholle, die freilich auf keiner Landkarte zu finden ist.‚Äú Nachdem sich die meisten Mitglieder im Kunstbetrieb etabliert hatten, l√∂ste sich die ‚ÄěScholle‚Äú im Jahre 1911 auf. Zu den wichtigsten Mitgliedern geh√∂rten Gustav Bechler, Reinhold Max Eichler, Fritz Erler, Adolf M√ľnzer, Leo Putz, Franz Wilhelm Voigt und Robert Weise.

Die insgesamt zw√∂lfk√∂pfige Gruppe hatte einen festen Platz auf den gro√üen Kunstschauen in M√ľnchen, Wien und Berlin, bis vor kurzem war sie leider fast v√∂llig aus dem √∂ffentlichen Bewusstsein verschwunden. Das hat sich jetzt gl√ľcklicherweise ge√§ndert: Auf mehr als 300 Seiten deckt der Ende 2007 erschienene Band ‚ÄěDie Scholle. Eine K√ľnstlergruppe zwischen Secession und Blauer Reiter‚Äú die ganze Geschichte der K√ľnstlervereinigung von der Generation der Lehrer und Vorbilder √ľber die zeitgen√∂ssische Rezeption bis hin zum Nachleben der ‚ÄěScholle‚Äú in den 1920er und 1930er Jahren umfassend ab. Die √ľber 300seitige, opulente Publikation beinhaltet zahlreiche Artikel von knapp zwanzig Experten, u. a. von der Spezialistin f√ľr die M√ľnchner Secession, Bettina Best, oder von Andreas Strobl, dem Kurator der Graphischen Sammlung in M√ľnchen. ‚ÄěDie Zeit von 1899 bis 1911 erf√§hrt mit der Neuerscheinung √ľber die K√ľnstlergruppe ‚ÄěDie Scholle‚Äú eine Neubewertung als gro√üartige M√ľnchner Kunstepoche‚Äú, so Hartfrid Neunzert, Leiter der st√§dtischen Museen Landsberg am Lech. Wichtige Kapitel widmen sich zudem den ‚Äěvergessenen Motiven‚Äú der ‚ÄěScholle‚Äú sowie ihren fr√ľhen Sammlern und Galeristen. Kurzbiographien zu allen ‚ÄěScholle‚Äú-K√ľnstlern sowie reiches Bildmaterial aus der Meraner Sammlung Unterberger runden den Band ab.

Der Herausgeber Siegfried Unterberger hat sich in der Branche l√§ngst einen Namen gemacht: Er sammelt seit √ľber drei√üig Jahren M√ľnchner und Tiroler Kunst des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts und f√∂rdert Forschungsprojekte sowie Ausstellungen. Ute Strimmer, leitende Redakteurin bei der M√ľnchner Kunstzeitschrift Weltkunst (ZEIT Verlag, Hamburg), entwarf gemeinsam mit dem M√ľnchner Hans Purrmann-Spezialisten Felix Billeter das Buchkonzept: ein sehr gelungenes Werk, das auch durch sein gro√üz√ľgiges, modernes Layout und die hervorragende Qualit√§t der Abbildungen besticht. Wer sich also auf Entdeckungsreise in M√ľnchen begeben will, sollte sich in diese Neuerscheinung auf jeden Fall vertiefen!
21.2.2008
Marie Annette Laufer
Die Scholle. Eine K√ľnstlergruppe zwischen Sezession und Blauer Reiter. Hrsg.: Unterberger, Siegfried. 304 S., 120 sw. u. 80 fb. Abb. 30 x 24 cm. Gb, Prestel, M√ľnchen 2007. EUR 75,00
ISBN 3-7913-3740-8
 
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