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Luc Tuymans

Zur gro√üen diesj√§hrigen Ausstellungstournee von Luc Tuymans, die im Kunstverein Hannover startete und √ľber die Pinakothek der Moderne in M√ľnchen in den Kunstverein St. Gallen wandert, ist bei Hatje Cantz ein handliches Buch mit knapp 120 gebundenen Seiten in dezentem Hellblau erschienen. Nach der College "The Arena" von 1978 benannt, die f√ľr Tuymans sp√§teres Werk als ma√ügeblich dargestellt wird, will der Katalog mehr als Bilderbuch zu den gr√∂√ütenteils im deutschsprachigen Raum erstmals pr√§sentierten Werken, sondern auch Schl√ľssel zum konzeptuellen Vorgehen des K√ľnstlers sein. Drei Beitr√§ge von Stephan Berg, Philippe Pirotte und Konrad Bitterli in englisch und deutsch kommentieren ein paar wenige Werke Tuymans aus den 80er Jahren und vornehmlich solche, die seit der Mitte der 90er entstanden. Nur in englischer Sprache sind die Bildunterschriften und andere √ľbliche Ausstattungsmerkmale eines Ausstellungskataloges, wie Biografie und Ausstellungsverzeichnis, wiedergegeben.
In nicht ganz einsichtiger Weise sind die knapp 60 Abbildungen von Polyroids, Gem√§lden, Aquarellen und Gouachen, sowie von ein paar Collagen in mehreren Bl√∂cken zusammengefasst und zwischen die Texte eingestreut. Besonders empfehlenswert ist unter diesen die Lekt√ľre des Beitrages "Bilderd√§mmerung" von Stephan Berg. Er findet nicht nur die richtigen Worte sich der Kunst von Luc Tuymans zu n√§hern, wenn er die Herleitung der Motivwelt aus Zeitungen und Zeitschriften, aus Filmstills und selbstgemachten Polaroids erkl√§rt. Vor allem beschreibt er, die Aussage Tuymans "Um etwas zu zeigen, male ich viel weg." als Gel√§nder benutzend, die typischen bodenlosen und ortlosen Bildr√§ume, die von fahlem Licht erf√ľllt sind, das die Leere erleuchtet, das erscheinende Motive als im Verschwinden begriffenes Zeichen von Abwesenheit ausweist. Kleinformatig, bleich und monochrom, wie sie sind, erlangen Tuymans Arbeiten laut Berg eine unglaubliche Monumentalit√§t, in ihrer Fl√§chigkeit erscheinen sie wie konturierte Leerstellen, in der Tradition des Tafelbildes stehend ist ihr Pinselgestus "anonymisierde Indifferenzmalerei". So tragen die Werke "die Impr√§gnierung des Banalen und Harmlosen mit der Latenz des Bedrohlichen und Katastrophalen, das als verdr√§ngter Rest in unsere Wirklichkeit ragt...".
24.4.2004
Annegret Winter
Luc Tuymans. Texte Berg, Stephan. 160 S., 100 Abb., dav.70 fb. 24 cm. Gb. Hatje Cantz, Ostfildern 2003. EUR 19,80
ISBN 3-7757-1265-8
 
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