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Bruno Munari ÔÇô Munari Maschinen

Wolke 7 und Wolke 9 sind schon besetzt, Bruno Munari l├Ądt auf Wolke 8 ein. Durch Kubismus, Futurismus, Surrealismus, Konstruktivismus hindurch schweben wir wohin auch immer, wir wissen es nicht, noch nicht. Doch falsch, wir sind bereits gelandet, Punktlandung in der Phantasie. Rechts gr├╝├čt uns Munaris bekannte Gabel mit den f├╝nf verbogenen Zinken und in der Ferne drehen sich die Sch├Âpfbecher eines Wasserrades das, es ist windstill, Luft sch├Âpft. Nun ist auch der Faden zu sehen, mit dem es uns zu sich hinzieht.

Munaris Hand legt sich beruhigend auf unsere Schulter. Macchine inutile, unn├╝tze Maschinen, sein Metier. Seine Hand bleibt auf unserer Schulter liegen, bewegt sich doch eine Gestalt langsam auf uns zu, Jean Tinguely auf dem Weg zu seiner macchine gigantesche. Er verbeugt sich tief, gr├╝├čt unseren wolkenf├╝hrenden Maschinenmeister und deutet, mit einem Auge beruhigend zwinkernd, hinter sich auf eine Schar m├╝de l├Ąchelnder fortschrittsgl├Ąubiger Technikapostel deren Konturen im Nebel verschwimmen. Pl├Âtzlich rei├čt unser Faden und wir fallen in einen Regenschirm unter uns. Ein sanfter Windsto├č treibt ihn zum Sch├Âpfrad hin, ├╝ber dem wir stehen bleiben.

Vorsichtig schauen wir nach unten, wo sich die Sch├Âpfbecher drehen. Dort bl├Ąst eine Sackpfeife ein Liedchen, weil ein Wecker das Kaffeek├Ąnnchen Nummer 9 w├Ąrmen soll (Seite 4). Der sanfte Luftzug eines Fl├╝gelflatterventilators (Seite 6) ist zu sp├╝ren, der einen M├╝ckenschwarm anzieht, dank Munaris Verfahren zum Au├čer-Gefecht-Setzen von M├╝cken (Seite 12) jedoch nicht lange. Wir riechen k├╝nstliche Blumen mittels einer besonderen Installation (Seite 10) und h├Âren lautes Hundegebell, die Schwanzwedelmaschine f├╝r faule Hunde (Seite 20) funktioniert wieder. Derweil hat unser umgedrehter Regenschirm eine regenbetriebene Schluckaufmusikalisierungsanlage aktiviert (Seite 26), die ans Aussteigen denken l├Ą├čt. Doch bleiben wir auch deshalb noch h├Âflich und neugierig, da wir Munari mit seinem automatischen Kochzeitme├čger├Ąt f├╝r harte Eier (Seite 14) an das n├Ąchste Fr├╝hst├╝ck erinnern k├Ânnen, dem zudem in einem der Sch├Âpfbecher ein Ger├Ąt zur vorzeitigen Inaugenscheinnahme der Morgenr├Âte folgt (Seite 18).

Nun sehen wir. Die Spitze des Regenschirms ist an einem d├╝nnen Seil auf der Erde befestigt, sein Griff wird von einem in den Himmel ragenden Mast gehalten. Wir verabschieden uns von Munari mit unserem linken Fu├č in seiner rechten Hand, er f├╝hlt sich verstanden. Der Leser solle sich, ruft er uns zu, die hier fehlenden Sch├Âpfbecher-Inhalte doch selbst ansehen, der Rezensent wirke ├╝berfordert. Und winkt uns beim Hinabrutschen auf die Erde mit seinem Taschentuchwinkapparat (Seite 28) fr├Âhlich zu.
Wir werden ihn nicht vergessen. Er hat sich in unsere Sympathie phantasiert.

Dies Buch: In Format und Layout an der italienischen Erstausgabe von 1942 (Torino, Einaudi) orientiert, die Abbildungen der skurrilen Apparaturen Munaris seinen phantasief├╝hrenden Texten jeweils gegen├╝bergestellt. Eine erinnernswerte Parodie auf das Maschinenzeitalter eines bisher zu selten ins Deutsche ├╝bersetzten Autors. Der das Verlagsprofil weiter akzentuiert

23.10.2017
Wolfgang Schmidt, Berlin-Friedenau
Munari-Maschinen. Munari, Bruno. 2017. 34 S. 32 fb. Abb., 32 Karte(n). 29 x 21 cm. diaphanes Verlag, Z├╝rich 2017. EUR 18,00. CHF 22,50
ISBN 978-3-03734-996-0
 
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