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Geschichtsbilder - Deutsche Geschichte im Spiegel der Kunst.

Geschichtsbild und Methode des Autors widerspiegeln das politisierte Wissenschaftsverst├Ąndnis der sechziger/siebziger Jahre. In einer Gesellschaft, hier bis heute als sozial und politisch antagonistisch verstanden, kommt K├╝nstlern und Kunst nur eine Funktion zu, die, politisch-gesellschaftskritisch zu wirken. Ein methodischer Ansatz, bei dem historisch-politische und k├╝nstlerisch-├Ąsthetische Zwischent├Âne rar bleiben m├╝ssen. Womit diese ├ťbersicht ├╝ber eine alleine politisch engagierte, gesellschaftskritische Kunst zwischen 1871 und 1993 zur h├Ąufig frustierend-├Ąrgerlichen Lekt├╝re ger├Ąt.

Will hei├čen: Da werden den Kunstauffassungen eines nur restaurativ-konservativ verstandenen B├╝rgertums und Adels zwischen 1871 und 1945 Werke bekannter Protagonisten sozialer und/oder politischer Anklagen gegen├╝bergestellt, von Adolf Menzels ÔÇ×EisenwalzwerkÔÇť (1879) ├╝ber Dix, Kollwitz, Grosz, Heartfield, Grundig, H├Âch hin zu Felix Nu├čbaum (Selbstbildnis mit Judenpa├č, um 1943). Der Expressionismus mu├č bei dieser methodisch-ideologischen Me├člatte scheitern weil er, weltfremd und nicht gesellschaftskritisch, au├čerhalb der geschichtlichen Entwicklung steht. Und die argumentative Hintergrundfolie eines kollektiv verstandenen Verdr├Ąngungsprozesses der NS-Zeit dient mit Verweis auf Otto Baumeister dazu, die abstrakte Kunst Westdeutschlands nach 1945 als nicht gesellschaftskritisch pauschal zu negieren. Allein das Kapitel ├╝ber DDR-K├╝nstler vermag leidlich zu ├╝berzeugen, wird doch hier der k├╝nstlerische Abl├Âsungsproze├č von Otto Nagel, Hans Grundig und Fritz Cremer von einer sich alleine akklamativ verstehenden sozialistischen Kunst deutlich. Wodurch, Beispiele sind Willi Sitte, Werner T├╝bke, Walter Mattheuer, der fr├╝he A.R. Penck, Gerhard Richter, Anselm Kiefers Geschichts-Entmythologisierungen, J├Ârg Immendorff (Cafe Deutschland, um 1980), Hans Haackes verfremdeter deutscher Biennale-Pavillion (1993), ansatzweise eine Traditionslinie nicht abstrakter, auch gesamtdeutscher gesellschaftskritischer Kunst aufscheint. Mit dem nun fast nicht mehr verbl├╝ffenden Fazit, da├č sich beide deutsche Gesellschaftssysteme gegen├╝ber nicht abstrakter, gesellschaftskritischer Kunst repressiv verhielten. Gelte doch in beiden Gesellschaftssystemen solche Kunst als, hier setzt der Autor Anf├╝hrungszeichen, ÔÇ×entartetÔÇť.

Ikonologisch-ikonographische und literarische Grundierungen, Rekurse auf wenig bekannte regional wirkende gesellschaftskritische K├╝nstler gleichen den Eindruck von irrlichternden Interpretationen gesellschaftlicher und kunsthistorischer Entwicklungsstr├Ąnge nicht aus. Ein Buch von gestern f├╝r gestern.

10.02.2015

Wolfgang Schmidt, Berlin-Friedenau
Geschichtsbilder. Deutsche Geschichte im Spiegel der Kunst. K├Âsters, Klaus. 166 S. fb. Abb. Pb. Aschendorff Verlag, M├╝nster 2014. EUR 22,80. CHF 32,90
ISBN 978-3-402-13047-6
 
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