KunstbuchAnzeiger - Kunst, Architektur, Fotografie, Design Anzeige Verlag Langewiesche K├Ânigstein | Blaue B├╝cher
[Home] [Kunst] [Rezensionen] [Druckansicht]
Themen
Recherche
Service

[zurŘck]

Johan Lorbeer - verlebendigte Farbe

Ist die Verschr├Ąnkung traditioneller k├╝nstlerischer Gattungen in der Moderne oft genug belegt worden, so mag dies f├╝r die Performance als darstellender Kunstform weniger augenf├Ąllig werden. Selbst wenn sich K├╝nstler malerisch und fotografisch sowie in Installationen und Performances bet├Ątigen, soll h├Ąufig eher die Vielfalt k├╝nstlerischer Potenz (im Sinne einer quantitativen Steigerung) betont werden, als dass sich wirklich grenz├╝berschreitende Verzahnungen, die ├╝ber das Thematische hinausgehen, beweisen lassen. Die Spannung, die entsteht, wenn Kunst statt sich gattungsspezifisch zu verhalten, st├Ąndig sich in changierender Selbstreflexivit├Ąt bewegt, bis sie schlie├člich kaum noch zuzuordnen ist, f├╝hrt der K├╝nstler Johan Lorbeer in seinen bildnerischen Arbeiten und den Performances vor. Aus Anla├č einer one-man-show Lorbeers, die in Saarbr├╝cken, Erlangen und Ingolstadt zu sehen war, erschien eine umfangreiche Monografie, die Lorbeers Arbeiten allein in einem konzeptuellen Spannungsverh├Ąltnis von Bild und Auff├╝hrung verstehen lassen. In drei Kapiteln n├Ąhert sich Janeckes Text dem Werk chronologisch und untersucht die fr├╝hen Performances der 70er Jahre, widmet sich dann dem bildnerischen Werk der 80er und fr├╝hen 90er Jahre, um schlie├člich die Still-Life-Performances der 90er als Synthese seiner k├╝nstlerischen Arbeit zu w├╝rdigen.
Einige der fr├╝hen Performances Lorbeers werden vom Autor in Beziehung zur Gattung des Tableau Vivant gesetzt, deren Motiv sich auch in den sp├Ąteren Aktionen beobachten l├Ą├čt. Die Fotografien, durch die die Sukzession der Auff├╝hrung zum Bild gerinnt, zeugen von einer Komik, welche die N├Ąhe zum Nonsens nicht scheut, verk├Ârpern aber auch die Problematik der Aktionen selbst. Eine Bewegung, die als Pose wahrgenommen wird, und eine Haltung, die sich ├╝ber Stunden zur minimalisierten Handlung erstreckt, bemessen das Ausdrucksfeld des K├╝nstlers, ohne einen Fixpunkt angzugeben.
Diese beunruhigende Indifferenz findet sich auch in Lorbeers bildnerischem Werk, das sich dem Thema Farbe bzw. Farbdiskurs widmet. Unter dem Stern der ÔÇ×profanen ErleuchtungÔÇť mag die Thematisierung von erhabener Monochromie und der Alltagserfahrung mit Farbeimern in den Wandgestaltungen und Installationen Lorbeers gesehen werden. Der Autor h├Ąlt auch hier an seiner Argumentation fest und belegt Lorbeers Verfahren, den Charakter der Erscheinung von Farbe (ihre ÔÇ×WirkmachtÔÇť, die ja von der monochromen Malerei beschworen wurde) mit dem Gebrauch von Farbe als Ready-made zu konterkarieren. Dass sich hier zwei k├╝nstlerische Traditionen des 20. Jahrhunderts ironisieren und zugleich in die Trivialit├Ąt (bspw. eines U-Bahnhofs) ├╝berf├╝hrt werden, spricht erneut f├╝r die Unbestimmtheitsformel des K├╝nstlers, aus der sich der Betrachter allein mit einem ├╝berlegenen L├Ącheln retten kann.
Als ÔÇ×reife SyntheseÔÇť werden schlie├člich die Still-Life-Performances bezeichnet, denen der Autor ein ÔÇ×wechselseitiges Konstitutionsverh├ĄltnisÔÇť von Bild und Auff├╝hrung bescheinigt. Erneut wird problematisiert, was der K├╝nstler in Szene setzt: verlebendigte Farbe in spektakul├Ąrer Auff├╝hrung, scheinbar zum Bild erstarrte Ausdrucksbewegung, der der Rahmen, also die Grenze zum Betrachterraum fehlt. In diesem irisierenden und irritierenden Wahrnehmungsproze├č der Performances findet Janecke zudem einen modernen Vergleich.
Der Band stellt Johan Lorbeer als einen K├╝nstler vor, der mit seinen Arbeiten zielsicher Grenzbereiche k├╝nstlerischer Gattungen ansteuert, sich ihnen in bisweilen anstrengender Tragikomik aussetzt und sie dadurch auszuspielen vermag. Der Text argumentiert ├╝berzeugend (wenn auch mitunter stilistisch verkomplizierend) und geht in seinen Schlu├čfolgerungen ├╝ber das hinaus, was von einer monografischen Interpretation verlangt werden kann: Lesbar ist er auch als einf├╝hrende, fundierte Studie zu Problemen performativer K├╝nste.
Dominique Moldehn
Johan Lorbeer. Text von Christian Janecke. 96. S., 77 Abb., dav. 29 fb., 24 cm, HC, 2000. EUr 24,50
ISBN 3-928342-99-1
 
© 2003 Verlag Langewiesche [Impressum] [Nutzungsbedingungen]