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Wie kommt die Ordnung in die Kunst?

┬╗Als ich k├╝rzlich durch Zufall kurz hintereinander die renommierten Sammlungen der Tate Modern, des Centre Pompidou und des Museum of Modern Art besuchte, kam ich mir unwillk├╝rlich vor wie bei einem Zoobesuch. So wie man dort die Elefanten traditionell neben dem Nashorn findet, worauf man sich zu den Giraffen begibt, die Zebras besichtigt und herb entt├Ąuscht w├Ąre, w├╝rde man danach nicht auch noch an den Schimpansen vorbeigef├╝hrt, war auch hier dreimal ein nahezu identischer Parcours durch die Kunst des 20. Jahrhunderts abgesteckt.┬ź
Chistian Demand, Jahrgang 1960 und ausgewiesener Kenner der Kunstgeschichte, versucht auf lockere Weise in diesem Sinne Ordnung in die Kunst zu bringen.


ÔÇ×Wie konnte aus der gro├čen ├Ąsthetischen Revolution eine derart vorhersehbare und gleichf├Ârmige Veranstaltung werden? Die Frage stellt sich f├╝r Demand vor allem deshalb, weil die Ordnungsraster, mit denen Kunstgeschichte und Kunstkritik des fr├╝hen 20. Jahrhunderts der ├╝berbordenden F├╝lle neuer k├╝nstlerischer Formen Herr werden wollten, allesamt l├Ąngst obsolet geworden sind.

In f├╝nf Kapiteln: ÔÇ×The Story of ArtÔÇť; ÔÇ×Spiel ohne GrenzenÔÇť; ÔÇ×Moral und KritikÔÇť, ÔÇ×Laien und ExpertenÔÇť und ÔÇ×Grenzen der Kennerschaft ÔÇ× wird der Leser auf unterhaltsame Weise aber mit angemessenem Tiefgang durch das scheinbar komplizierte Gel├Ąnde der Kunstwissenschaft und Kunstkritik gef├╝hrt.


Kein Mensch glaubt heute noch an eine Avantgarde, die immer auf der ├ťberholspur f├Ąhrt, niemand redet mehr ernsthaft vom endlosen k├╝nstlerischen Fortschritt, in Festreden und Katalogvorworten wird feierlich der Abschied von der Verbindlichkeit beschworen, das Wort ┬╗Kanon┬ź findet man allenfalls noch an der Volkshochschule. Dennoch pr├Ąsentieren die Museen weltweit auch weiterhin eine Geschichte der Kunst der Moderne und Gegenwart, die so tut, als sei die Vielfalt allenfalls ein quantitatives Problem, dessen L├Âsung man sinnvollerweise denen ├╝berlassen sollte, die am meisten davon verstehen: den Fachleuten. Mit welchem Recht eigentlich? Worauf aber gr├╝ndet sich der Expertisevorsprung der Insider gegen├╝ber dem Publikum? Wie unterscheidet man zwischen einem Experten- und Laienurteil, wenn die normative ├ästhetik erst einmal verabschiedet ist? Weshalb sollte man sich eigentlich nicht auch seines Geschmacks ohne die Leitung eines anderen bedienen d├╝rfen?

Dem kann man nur zustimmen und dieses kleine, handliche, leicht zu lesende Buch hilft dabei genau das zu tunÔÇŽ

09.10.2011
Gabriele Klempert
Demand, Christian: Wie kommt die Ordnung in die Kunst?. 200 S. 19 x 13 cm. Gb ZuKlampen, Springe 2010. EUR 18,00
ISBN 978-3-86674-057-0
 
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