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Gerhard Wendland - Frei war er, Richtungen zu ├Ąndern

Ein Katalogbuch ├╝ber den K├╝nstler Gerhard Wendland

In diesem Jahr j├Ąhrt sich der Geburtstag des 1910 in Hannover geborenen und 1986 in N├╝rnberg verstorbenen K├╝nstlers Gerhard Wendland. Anlass, ein Werk wiederzuentdecken, das in gro├čen Teilen als Druckgrafik auf uns gekommen ist. Wendland ist einer jener K├╝nstler, die in den f├╝nfziger Jahren zur abstrakten Kunst fanden ÔÇô als Teil einer internationalen Avantgarde. 1959 stellte Wendland auf der zweiten documenta aus ÔÇô ein H├Âhepunkt in der Biografie. Kurz danach kam seine Berufung an die Akademie der Bildenden K├╝nste in N├╝rnberg, der er bis Ende der siebziger Jahre verbunden blieb.

Beim Bl├Ąttern in dem jetzt erschienenen Katalog, der vor allem das druckgrafische Werk vorstellt, ist man verbl├╝fft. Immer wieder wechselte Wendland seine k├╝nstlerische Handschrift, experimentierte mit Neuer Sachlichkeit, Op-Art, Fauvismus, Expressionismus, spirituellem, exotischem Lyrismus ÔÇô Paul Klee oder auch Kandinsky nicht un├Ąhnlich. Frei war er, Richtungen zu ├Ąndern, neue Wege einzuschlagen.

Als Wendland eingeladen wurde, auf der documenta II drei Werke zu pr├Ąsentieren, galt er als einer der bedeutsamsten Vertreter der Abstraktion in Deutschland. Sein Werk atmet den Geist der sp├Ąten Moderne, mal deutet er Figuren an, dann findet er sein Gl├╝ck in leuchtenden Farbfl├Ąchen, um sich sp├Ąter dann kosmischen Sujets zu widmen: Am Ende seines K├╝nstlerlebens entstehen Darstellungen von Sonnen und Monden.

Immer wieder wurde kritisiert, Wendland habe zu viel experimentiert, konnte keinen genuinen Stil finden. So berechtigt diese Feststellung ist, so kann ihr auch widersprochen werden: In seinen immer neuen Drehungen und Wendungen wird die Lust des K├╝nstlers sp├╝rbar, Kunst als immer neues, poetisches Erlebnis, als Poesie-Erreger zu begreifen.

Der Katalog setzt diese Idee wunderbar um ÔÇô und bietet nicht nur ein Werkverzeichnis der druckgrafischen Arbeiten, sondern auch lesenswerte Texte ├╝ber Wendlands Teilnahme an der 2. documenta, ├╝ber Parallelen zu Paul Klee und die N├╝rnberger Kunstszene der Zeit. Eindrucksvoll auch die vielen Fotografien zum Leben Wendlands aus dem Nachlass ÔÇô und die sehr pers├Ânlichen Texte ehemaliger Sch├╝ler wie Herbert Achternbusch.

ÔÇ×Er war neben dem Bruder meiner Gro├čmutter mein einziger LehrerÔÇť, so Achternbusch, ÔÇ×er war der beste Lehrer, obwohl er mir nichts zugetraut hat, hat er alles von mir erwartet.ÔÇť Und der 1941 geborene ehemalige Wendland-Sch├╝ler Norbert Pfeiffer res├╝miert: ÔÇ×Er machte aus dem Lehren eine Kunst.ÔÇť

16.09.2010
Marc Peschke
G├╝nter Braunsberg, Andrea Dippel, Birgit Suk, Petra Weigle, Gerlinde Wendland, Harriet Zilch. Gerhard Wendland. Das druckgraphische Werk. Hrsg. Andrea Dippel, Matthias Strobel, Kunstvilla im KunstKulturQuartier. 256 S., Pb. Verlag f├╝r moderne Kunst, N├╝rnberg 2010. EUR 39,00
ISBN 978-3-86984-044-4
 
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