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Goldenes Mittelalter. Geschichte der Buchmalerei

Das Mittelalter ist populĂ€r. Das beweisen nicht nur die jĂ€hrlichen Neuerscheinungen zu allen Aspekten mittelalterlicher Kultur, sondern auch die in die Millionen gehende Anzahl von Treffern bei Angabe des Suchbegriffs „Mittelalter“ bei einer bekannten Internetsuchmaschine. Gleichermaßen populĂ€r sind aber auch nicht ausrottbare Fehlannahmen, wie etwa diejenige, das Mittelalter sei eine „dunkle Epoche“ gewesen. Implizit gegen diese Annahme wendet sich der Titel des Buchs der Kunsthistorikerin Anja Grebe, die mit „Goldenes Mittelalter. Geschichte der Buchmalerei“ eine Überblicksdarstellung der mittelalterlichen Buchgestaltung vorlegt. Mit ihrer EinfĂŒhrung in die Welt der mittelalterlichen Schreiber und Illustratoren und ihrer komplexen kulturellen HintergrĂŒnde lĂ€ĂŸt sie ein Bild eines nicht bloß goldenen, sondern in vielen Farben leuchtenden Mittelalters entstehen, das so völlig abseits der stets postulierten Dunkelheit steht.:
Grebe gliedert ihren Überblick in drei Hauptkapitel: das erste klĂ€rt ĂŒber die materiellen Grundlagen, HintergrĂŒnde und MĂ€zene mittelalterlicher Handschriftenproduktion auf, um den Leser des 21. Jahrhunderts ĂŒberhaupt erst auf die Besonderheiten mittelalterlicher Buchproduktion aufmerksam zu machen, wĂ€hrend ein zweites in die Grundlagen und Funktionen der verschiedenen Facetten mittelalterlicher Buchgestaltung, wie Initiale, Miniatur und BordĂŒre einfĂŒhrt. Der Großteil des Buches widmet sich hingegen der Aufgabe, die Entwicklung, beginnend bei den AnfĂ€ngen im sechsten Jahrhundert bis hin zu einem Ausblick auf die Buchmalerei in den ersten gedruckten BĂŒchern in Renaissance und Barock, zu skizzieren.
Das Buch besticht durch seine klare und verstĂ€ndliche Sprache, die Reproduktionen der mittelalterlichen Handschriften sind exzellent: wie in einem mittelalterlichen Codex gehen in Grebes Buch Bild und Text eine klug ĂŒberlegte Symbiose ein.
Einige kleine Kritikpunkte sind jedoch anzumerken: zwar ist das Buch als Coffee Table Book konzipiert und realisiert und kommt wahrscheinlich deshalb vollstĂ€ndig ohne Fuß- und Endnoten aus, manchesmal wĂŒrde sich der interessierte Leser aber nichtsdestotrotz einen Verweis auf die Forschungsliteratur wĂŒnschen, und sei es nur, um selber an entsprechender Stelle weiterlesen zu können – ein Mangel, der auch nicht durch das am Ende beigefĂŒgte, jedoch sehr begrĂŒĂŸenswerte Literaturverzeichnis behoben wird. Bedauernswert aber ist bei einem Buch, das einen Überblick „der westlichen Buchmalerei“ (S. 13) anstrebt, das Fehlen der volkssprachlichen insularen Handschriftenkultur. Zwar behandelt Grebe durchaus die PrachtstĂŒcke der mittelalterlichen insularen Handschriftenproduktion wie das Book of Kells oder das Book of Durrow, spĂ€tere volkssprachliche Handschriften aus Irland oder Wales etwa fehlen aber völlig. Grebe beschrĂ€nkt sich hier auf den Kontinent – allerdings eine hĂ€ufige Auslassung in Überblickswerken zur mittelalterlichen Literatur und Kultur.

Nichtsdestotrotz: „Goldes Mittelalter“ ist ein Coffee Table Book par excellence, auf das sorgfĂ€ltigste lektoriert, dessen Literaturverzeichnis dem interessierten Laien umstandslos ein Weiterlesen ermöglicht!
19.12009


Dagmar SchlĂŒter
Grebe, Anja: Goldenes Mittelalter. Geschichte der Buchmalerei. 160 S., zahlr. meist fb. Abb. 24 x 30 cm. Gb. Thorbecke, Ostfildern 2007. EUR 39,90
ISBN 978-3-7995-0184-2
 
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