KunstbuchAnzeiger - Kunst, Architektur, Fotografie, Design Anzeige Verlag Langewiesche K├Ânigstein | Blaue B├╝cher
[Home] [Epochen] [Rezensionen] [Druckansicht]
Themen
Recherche
Service

[zurŘck]

Preu├čen und China.. Eine Geschichte schwieriger Beziehungen

Wohlstand aus dem Ostindienhandel hatte sich Friedrich der Gro├če aus seiner Gr├╝ndung einer Ostasiatischen Compagnie versprochen, doch nur sechs Fahrten wurden von Emden nach Kanton unternommen, und geblieben ist von ihnen einzig das in China hergestellte gro├če Tafelservice mit dem preu├čischen Wappen, mit dem an Bord die letzte Fahrt vor der Insel Borkum im allzu seichten Wattenmeer endete. Das Service zerbrach zum Teil und wurde damit als Geschenk an den k├Âniglichen Gr├╝nder der Kompanie unbrauchbar. F├╝r die Borkumer aber hatte Gott den Strand gesegnet.
Das erscheint symbolisch: Versuche, die Ostindienkompanie neu zu beleben, erstreckten sich bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als ein in Bremen gebautes Schiff ÔÇ×aus dem Ein-Adler-LandÔÇť (so ein chinesischer Zeitzeuge), also aus Preu├čen, nach Kanton fuhr.
Die ÔÇ×Preu├čische SeehandlungÔÇť war wenig erfolgreicher in ihrem Bestreben, den seit dem Siebenj├Ąhrigen Krieg daniederliegenden Fernhandel des Landes wieder zu beleben. Die Interessen Friedrichs des Gro├čen richteten sich nun nicht mehr nach Fernost, und es blieben sein auf Anregung Voltaires geschriebener fiktiver ÔÇ×Bericht des Phihihu, Sendboten des Kaisers von China in EuropaÔÇť (1760), und ÔÇ×ein bedeutendes, alle Wechself├Ąlle und Mi├čerfolge ├╝berdauerndes Ergebnis des Chinahandels und der Chinabegeisterung war sicherlich auch der Bau des `Chinesischen Hauses┬┤ im s├╝d├Âstlichen Teil des Parks von Sanssouci. in den Jahren 1754 ÔÇô 56,ÔÇť also ziemlich genau zum Zeitpunkt des kurzes Agierens der ÔÇ×Preu├čisch-Asiatischen HandelskompanieÔÇť.

Wenn auch schon im friderizianischen Preu├čen das merkantilistische Interesse gegen├╝ber dem geistigen ├╝berwogen haben mag, das Reich der Mitte zu bereisen, so kamen im wilhelminischen noch ganz andere T├Âne hinzu: ÔÇ×Ohne ein solches Geschwader, das ├╝berall Respekt vor den deutschen Flaggen einfl├Â├čt, ist der Vertrag eine Illusion, w├Ąhrend er andererseits das Mittel sein wird, unserm Handel zu einer ungeahnten Entwicklung zu verhelfen,ÔÇť schreibt ein Teilnehmer der Eulenburg-Mission nach deren R├╝ckkehr aus China 1863.

Das Buch beantwortet die Frage, was man in Preu├čen von China wu├čte, gezielt und pr├Ązise. Genauso akribisch aber scheint der Sinologe Bernd Eberstein zu wissen, was man in China von Preu├čen wu├čte ÔÇô und in dieser st├Ąndigen Spiegelung der beiden so verschiedenen Nationen liegt ein gro├čer Teil des Reizes, den die Lekt├╝re des Buches dem historisch interessierten Leser bereitet. Der Autor liefert dabei auch eine Reihe kunstgeschichtlich interessanter Schlaglichter, so etwa, wenn er den Eindruck, den ein Schlachtenpanorama auf eine chinesische Gesandtschaft machte, heraufbeschw├Ârt. ÔÇ×Es ist ein unertr├Ąglicher Anblick (ÔÇŽ) Fast fragt man sich, ob das nicht ein wirkliches Schlachtfeld ist (ÔÇŽ).ÔÇť (S. 169)

Am Ende schlie├čt der Autor mit einem Statement, das das niedergehende Preu├čen mit der verfallenden Ming-Dynastie im 17. Jahrhundert in Bezug setzt, deren Hofzeremoniell keine realistischen Lageberichte zulie├č, sondern auch da noch von den eigenen Siegen sprach, wo die feindlichen Sieger schon leibhaftig im Lande waren. Der Urheber dieses Vergleichs war der preu├čischste aller preu├čischen Autoren: Theodor Fontane.
J├Ârg Deuter
Eberstein, Bernd: Preu├čen und China.. Eine Geschichte schwieriger Beziehungen.. 281 S., Abb.; 281 S. 23 x 16 cm. Duncker & Humblot, Berlin 2007. Gb EUR 28,00
ISBN 978-3-428-12654-5
 
© 2003 Verlag Langewiesche [Impressum] [Nutzungsbedingungen]