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Ottonische Neuanf├ĄngeZur Landesausstellung Otto der Grosse, Magdeburg und Europa 1999

Es ist zur g├Ąngigen ├ťbung geworden, gro├če Ausstellungen durch bedeutende Publikationen zu begleiten oder nachtr├Ąglich zu bereichern. F├╝r die im Sp├Ątsommer dieses Jahres geplante Schau des Europarates in Magdeburg ├╝ber die Zeit Kaiser Ottos des Gro├čen hat ein 1999 gehaltenes Kolloquium gleichsam die wissenschaftlichen Voraussetzungen nach derzeitigem Stande fixiert. Ein eigens berufener Beirat hat die mit der ├ära der Ottonenherrscher verbundenen "Neuanf├Ąnge" analysiert, in R├╝ckblende auf die Karolingerzeit und als Zukunftsplan im Blick auf die Konstituierung einer "deutschen Nationalgeschichte". Die Ausstellung selber wird die arch├Ąlogischen und kunsthistorischen Anschauungsmaterialien dazu liefern. Allerdings bleibt die hier angezeigte Aufsatzsammlung fragmentarisch, da nur ein Teil der seinerzeit gehaltenen Vortr├Ąge zum Abdruck gekommen ist. Aber die gro├čen Linien der Arbeit werden deutlich genug.
Einleitend wird mit "Ottonische Neuanf├Ąnge" (St. Weinfurter) die im neuen Selbstverst├Ąndnis der Herrscher und ihrer Aufgaben begr├╝ndete Konzeption verdeutlicht, mit der Vision eines erneuten "Goldenen Zeitalters", wie die Zeitgenossen prognostizierten. Viele der im folgenden n├Ąher ausgef├╝hrten Ideen, ihre Voraussetzungen und Folgen, sind hier bereits angesprochen: Otto des Gro├čen "Platz in der Geschichte" (R. Schieffer), letztlich als Begr├╝nder einer so verstandenen deutschen Nation, ferner Sachsen und Magdeburg als Ort der geplanten Ausstellung in einer "Neuen Zentrallandschaft des Reiches" (J. Ehlers), arch├Ąologisch verdeutlicht in zwei Beitr├Ągen aus dem arch├Ąologischen Bereich ├╝ber kaiserliche Bauten in der neuen"Residenz" (C. Meckseper, B. Ludovici) und, ausgehend von der besonderen geopolitischen Funktion dieser Stadt am Ostrand des Reiches, zur "Erweiterung des ├Âstlichen Horizonts" mit dem "Eintritt der Slawen in die europ├Ąische Geschichte" (Chr. L├╝bke). Weitere Beitr├Ąge sind bedeutsam f├╝r das Verst├Ąndnis der von K├Ânigtum und Adel gepr├Ągten Geschichte der Zeit: "Basis und ├ťberbau" in ihrem Verh├Ąltnis (T. Reuter), nicht zuletzt im Spiegel der schriftlichen ├ťberlieferung, in unserer gesellschaftspolitisch interessierten Zeit besonders aufmerksam notiert (G. Althoff).
Eine eindrucksvolle Gruppe von Aufs├Ątzen befa├čt sich mit besonderen Erscheinungsweisen der K├Ânigsherrschaft. Ottonische M├╝nzpr├Ągung als ein "Hauptproblem der deutschen Mittelalternumismatik" (B. Kluge) l├Ą├čt den Unterschied im K├Ânigs- bzw. Kaisertitel erkennen, nicht aber eine Differenzierung zwischen den Herrschern des Otto-Namens. R├╝ckblickend auf die Karolingerzeit mag verwundern, dass das damals bedeutende XPICTIANA RELIGIO - Gepr├Ąge nicht aufgenommen worden ist. Mit dem Problem "Krone und Kr├Ânung in fr├╝hottonischer Zeit" (J.Ott) verbinden Kunsthistoriker vor allem die Frage um die sog. Reichskrone, ihre Datierung und Ikonographie, die aber auch in diesem Beitrag keineswegs eine verbindlichere Kl├Ąrung erf├Ąhrt. Das anschlie├čend er├Ârterte Thema "Wandel der Herrschaftspr├Ąsentation" (H: Keller) konzentriert sich auf die neue Formulierung des K├Ânigssiegels. Thematisch nahestehend die folgende Untersuchung ├╝ber "Kaisertum, Rom und Papstbezug" (E.-D. Hehl), weitergef├╝hrt zur byzantinischen Frage - "Byzanz als Mythos und Erfahrung" (J.Koder) -, mit interessanten Bemerkungen zu den griechischen Sprachkenntnissen als "sakraler Sondersprache". Der Gegensatz von "grecisa subtilitas" und "saxonica rusticitas" scheint damals fast ein gefl├╝geltes Wort gewesen zu sein.
Zwei der letzten Aufs├Ątze wenden sich in besonderer Weise den k├Âniglichen Personen zu, so den "Ottonischen K├Âniginnen als F├╝rsprecherinnen" (K.G├Ârich), nicht zuletzt also dem Einflu├č auf das politische - und kirchliche - Geschehen durch pers├Ânliche Intervention. Dies mag besonders unter der Regentschaft Adelheids der Fall gewesen sein, von Gebert als "mater regnorum" bezeichnet. Der auf Otto II., "Eines gro├čen Vaters gl├╝cklosen Sohn" (H. Seibert) bezogene Beitrag schildert das Agieren eines bem├╝hten Sohnes, dem das "Pech an den H├Ąnden klebte".
Ein Beitrag wendet sich ausdr├╝cklich kunstgeschichtlichen Fragen zu: nach den "Europ├Ąischen Wurzeln der ottonischen Kunst in Sachsen" (H. Fillitz). Der Einflu├č der von Nordfrankreich her beeinflu├čten "Nova Corbeia" f├╝r die Buchkunst, die Bedeutung der vom Verf. auf Oberitalien zur├╝ckgef├╝hrten Prunkurkunden f├╝r Theophanu und des Ottonianum, vor allem dann die Gruppe der in Mailand geschaffenen Elfenbeinschnitzereien sind hier ebenso angesprochen wie nochmals die Problematik der Reichskrone als dem wichtigsten Herrschaftszeichen der Epoche. Die divergierenden ├äu├čerungen j├╝ngster Zeit dazu machen es schwer, eine ├╝berzeugende Stellungnahme zu erkennen. Aber gerade von diesem Beitrag wird man weitergef├╝hrt zu der erwarteten Europarats-Ausstellung "Otto der Gro├če - Magdeburg und Europa". Mit dem kritisch-zusammenfassenden, abschlie├čenden Beitrag des Sammelbandes "Am Ende der Anf├Ąnge" (B. Schneidm├╝ller) wird man weniger hoffen k├Ânnen, die Quellen zur Epoche vermehrt zu sehen, als vielmehr, von ver├Ąnderten Interessen und Sehweisen her "eine neue Ottonenzeit" zu erkennen.
Der vorz├╝glich gedruckte Band weist wenige, aber wohl akzentuierte Abbildungen und Farbtafeln auf.
Victor H. Elbern
Ottonische "Neuanf├Ąnge". Symposion zur Vorbereitung der Landesausstellung Otto der Grosse, Magdeburg und Europa vom 12. bis 15.Mai 1999 in Magdeburg. Hrsg. v. Schneidm├╝ler, Bernd /Winfurter, Stefan.2000. ca. 450 S., 8 farb. Taf. mit 8 Abb., 50 schw.-w. Taf. mit 80Abb. Ln DEM ca 150,-
ISBN 3-8053-2701-3
 
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