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High-Tech im Mittelalter ‚Äď Die Astronomische Uhr in St. Marien zu Rostock

High-Tech im Mittelalter: Die √§lteste noch funktionierende Astronomische Uhr der Welt steht in der St. Marienkirche zu Rostock. Jetzt liegt eine aktualisierte und erweiterte Ausgabe der inhaltsreichsten je erschienenen Publikation √ľber diese Uhr vor. Und, nach langer Wartezeit wurde die mittelalterliche Uhr nun bei der UNESCO als Weltkulturerbe angemeldet.

Dieses mittelalterliche Wunderwerk wurde 1472 als Monumental-Uhr erbaut und ist mit ihrem originalen Gehäuse und den Uhrwerken erhalten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie 1641/43 renoviert und ergänzt. 1710 erhielt sie eine moderne Pendelhemmung.
Aufgrund ihrer Einmaligkeit ist sie durchaus eines UNESCO-Welterbes w√ľrdig, meinen der Verleger Hans Curt K√∂ster und sein Autor Prof. Dr. Manfred Schukowski (*1928, Professor em. f√ľr die Methodik und Didaktik des Astronomie-Unterrichts u. a. in Jena), der seit 1978 mittelalterliche astronomische Monumentaluhren erforscht.
In den vergangenen 10 Jahren gelang es Schukowski und seinen Mitautoren, dem Kulturwissenschaftler Wolfgang Fehlberg und Dr. ¬¨Kristina Hegner (ehemals Staatliches Museum Schwerin), neue und teils entscheidende Erkenntnisse √ľber die Rostocker Astronomische Uhr zu gewinnen. Diese betreffen etwa den Wechsel und die Aktualisierung der Kalenderscheibe, die nun bis 2150 G√ľltigkeit besitzt, neue Interpretationen des Bildprogramms, Fragen zum Standort der Vorg√§ngeruhr aus dem 14. Jahrhundert und vieles mehr.
Das Buch zeigt die Uhr mit ihrem Uhrenzifferblatt und der Kalenderscheibe, dem Figurenumlauf und dem Musikautomaten, astronomischen, astrologischen und kalendarischen Anzeigen ebenso wie mit ihren f√ľnf Werken und deren Zusammenspiel.
Der Band ist (wie schon 1992 die 1. und 2010 die 2. Auflage) in der Reihe ‚ÄěDie Blauen B√ľcher‚Äú des Verlags Langewiesche in K√∂nigstein im Taunus erschienen. Ma√ügeblich gef√∂rdert wurde die Drucklegung sowohl von der Evangelisch-lutherischen Innenstadt-Gemeinde Rostock (zu der auch die Marienkirche geh√∂rt) als auch von der Hanse- und Universit√§tsstadt Stadt Rostock.

Zusätzliche Informationen:
Im Mittelalter war Uhrenbau ein High-Tech Unternehmen, wobei Rostock eine wichtige Rolle spielte. Diese ‚Äěneue‚Äú Uhr zeigt im Gegensatz zu den vorher unterschiedlich langen Stunden nun ‚Äědie neue Zeit‚Äú, d.h. gleich lange Stunden und zahlreiche weitere Daten an, die f√ľr Handel, die Seefahrt und st√§dtisches Leben unentbehrlich waren.
Noch heute funktioniert diese Uhr in ihrem originalen Gehäuse und mit den Uhrwerken von 1472. Im Dreißigjährigen Krieg 1641/43 wurde sie nur renoviert und im reformatorischen Geist ergänzt. 1710 erhielt sie eine moderne Pendelhemmung.
Manfred Schukowski, Rostock, erkl√§rt in diesem Buch nicht nur, wie die multifunktionalen Anzeigen der astronomischen Uhr abgelesen werden, sondern ebenso die Konstruktion der Uhr und die notwendigen astronomischen Erkenntnisse und technischen Erfindungen. In Verbindung mit ihm verglich der Medi√§vist Wolfgang Erdmann (‚Ć2003) die Rostocker Uhr mit anderen mittelalterlichen Uhren, etablierte den Begriff ‚ÄěOstsee-Uhrenfamilie‚Äú und verdeutlichte damit den Stellenwert der Rostocker Uhr als eines neuen Typs in der Uhren- und ‚ÄěZeit‚Äú-Geschichte. Untersucht wurde auch die Frage nach den Auftraggebern (die u. a. mit der Rostocker Universit√§t in Verbindung standen), die Finanzierung und die Frage, wer der Uhrmacher war.
Dar√ľber hinaus wird die Bedeutung dieser Uhr f√ľr die Menschen im Mittelalter im liturgisch-kultischen Bereich behandelt wie auch Aspekte der Geistes-, Wissenschafts- und der Kunstgeschichte. Dr. Kristina Hegner beschreibt die mittelalterlichen Figuren und Wolfgang Fehlberg konnte wichtige Details aus der Geschichte Mecklenburgs und Rostocks beisteuern.
Dieser Gesamt√ľberblick mit 140 Abbildungen und ausf√ľhrlichen Texten √ľber dieses Wunderwerk mittelalterlicher Technik und Kultur ist f√ľr jeden Laien gut verst√§ndlich und erm√∂glicht einen hervorragenden Einblick in dieses bedeutsame Kapitel Rostocker Kirchen- und Kulturgeschichte.

Weitere Stichworte aus dem Inhalt:
- 1379/80 bestand eine Vorgängeruhr mit Schlag-Glocke.
- Der Uhrmacher der ber√ľhmten Stralsunder Uhr von 1394, Nikolaus Lilienfeld, ist 1396 Rostocker B√ľrger.
- 1426 wirkt Konrad Gessel, Baccalaureus als Astronom, in Rostock, er wird in Zusammenhang mit der Uhr gebracht.
- Zum Ablass von 1472, des bisher neben dendrochronologischen Befunden einzigen Datierungs-Belegs.
- Gr√ľnde, warum Hans D√ľringer, Erbauer der Danziger Uhr, am Bau der Uhr um 1472 beteiligt war.
- Die Erfindung der ‚ÄěSpindel-Hemmung mit Waag‚Äú ‚Äď das Herz der mittelalterlichen R√§deruhr ‚Äď wird historisch, technisch und theologisch erl√§utert.
- Eine Beschreibung, Einordnung und Datierung der Tierkreis- und Monats-Bilder.
- Die Apostel des Apostelumgangs werden mehrheitlich namentlich identifiziert.
- Das Anzeige-System des Kalendariums wird gr√ľndlich erkl√§rt und diskutiert.

Ein Buch f√ľr jeden Laien, aber auch wissenschaftlich interessierte Leser.

16.08.2021

Gabriele Klempert
Die Astronomische Uhr in St. Marien zu Rostock, 3. Aufl. Die Blauen B√ľcher. Schukowski, Manfred; Erdmann, Wolfgang; Hegner, Kristina; Fehlberg, Wolfgang. 80 S. 140 meist fb. Abb. 24,5 x 17,0 cm. Deutsch. Langewiesche Verlag, K√∂nigstein 2020. EUR 7,90
ISBN 978-3-7845-1237-2   [Langewiesche - K√∂nigstein]
 
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