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Geology for Archaeologists

Eine faszinierende aber auch schwierig zu bestimmende Materialgattung innerhalb der Archäologie sind Gesteine und Mineralien. Oft liegt dies an der Feinheit der geologischen Untergliederung, die eine eindeutige Zuweisung teilweise nur unter Anfertigung eines Dünnschliffes und somit einer chemischen Untersuchung ermöglicht. Des Weiteren haben sich im Laufe der Entwicklungsgeschichte von Geologie und Archäologie falsche oder ungenaue Termini vor allem auf Seiten der Archäologie „eingeschliffen“ und werden immer weiter tradiert, was nicht zuletzt bis heute immer wieder zu falschen Bestimmungen führt. Der Erwerb von Grundkenntnissen zur Geologie ist daher für jeden Archäologen unumgänglich. Es ist somit erfreulich, dass im Archaeopress Verlag ein kleines handliches Bändchen des renommierten Geologen J. R. L. Allen erschienen ist, welches im Untertitel bereits verspricht, eine kurze Einleitung in die Thematik speziell für Archäologen darzustellen.
Die Erwartungen sind daher denkbar hoch und werden – dies sei hier bereits vorangestellt – leider nicht in allen Aspekten erfüllt. Wenngleich der Titel einen umfangreichen Einführungsband verspricht, schränkt der Autor bereits im Vorwort ein, dass er sich vor allem auf die Geologie Großbritanniens bezieht, was freilich vielleicht bereits in den Titel hätte integriert werden sollen.

Das Büchlein gliedert sich in zwölf kleinere Kapitel, von dem im ersten die Bedeutung der Geologie im Speziellen für die Archäologie erläutert wird (S. 1–3). Der Archäologe wird in diesem kurzen Einführungskapitel, das sich vor allem von der geologischen Seite her nähert, die Erwähnung der parallelen und sich teils bedingenden Entwicklung der beiden Wissenschaften aus der Forschungsgeschichte heraus vermissen. Dies ist auch deswegen sehr schade, da gerade die Bedeutung der Geologie für die Entwicklung der archäologischen Methodik (z. B. Stratigraphie etc.) des 19. und 20. Jh. eine herausragende Rolle gespielt hat.
Die folgenden Kapitel stellen dem Leser die wichtigsten Aspekte zum Verständnis von Gesteinen und die zugehörigen Mineralien wie etwa Quarz, Feldspat etc. vor (Kapitel 2). Kapitel 3 ist den Gesteinen und Sedimenten gewidmet. In beiden Kapiteln wird vor allem die grobe geologische Unterscheidung präsentiert, die mit Detailfotografien sowie Dünnschliffen bebildert wird. Praktischer wird es schließlich in Kapitel 4, das sich mit dem Lesen und Verständnis geologischer Karten beschäftigt. Der geologischen Stratigraphie ist schließlich Kapitel 5 gewidmet. Es folgen Betrachtungen zum Wechselspiel von Landschaft, Klima und Geologie (Kapitel 6), Fragen zur Bedeutung von Flüssen und den damit zusammenhängenden Sedimentationsprozessen (Kapitel 7) und eine Betrachtung der Küstengebiete (Kapitel 8). Neben einer kurzen Vorstellung von Gesteinen als Bau- (Kapitel 9) und Werkzeugrohmaterialien (Kapitel 10) wird schließlich in den beiden letzten Kapiteln auch auf Ton und damit die Herstellung von Keramik und Ziegeln (Kapitel 11) sowie auf Metallurgie (Kapitel 12) eingegangen. Jedes dieser Kapitel ist mit jeweils kurzgefassten und prägnant auf den Punkt gebrachten Fallbeispielen sowie einer kurzen Literaturliste illustriert. Zum Schluss wartet das Bändchen noch mit einem kurzen Glossar auf, der alle wichtigen fachspezifischen geologischen Termini in gebotener Kürze auflistet und erklärt.
Aufbau und Gestaltung haben sowohl Vor- als auch Nachteile. Der Leser erhält einen groben Überblick über die wichtigsten Fragen der Geologie, die mit Hilfe von Fallbeispielen vorgestellt werden, die sich leider aber allesamt aus den geologischen Gegebenheiten der britischen Inseln speisen. Für jeden britischen Archäologiestudenten bzw. Archäologen ist dies sicherlich ein großartiges Kompendium und wird mit großem Nutzen herangezogen werden. Das schlanke Bändchen nahezu im Westentaschenformat mag hierzu gleichsam nützlich sein. Dem etwas breiter interessierten Leser wird diese starke Fokussierung jedoch nachteilig auffallen. Für den eigentlichen Einsatz im Felde wäre sicher eine Auswahl von Fototafeln mit den wichtigsten Gesteinen in Anschliff, rau und im Dünnschliff wünschenswert gewesen. Dies hätte freilich den Charakter dieser Einführung deutlich verändert und es wäre erneut eher ein Bestimmungsbuch herausgekommen. Für die praktische Arbeit wäre daher sicherlich eine Publikation wünschenswert, die sowohl die im vorliegenden Band sehr schön präsentierte geologische Kurzfassung bietet, gleichzeitig aber auch die wichtigsten Gesteine und Mineralien in der oben angesprochenen Art vor Augen führt.
Das zu Rate ziehen von klassischen Bestimmungsbüchern sowie das Befragen und gemeinsame Arbeiten mit Geologen kann daher durch das Buch von J. R. Allen nicht ersetzt werden. Wohl aber wird es dazu beitragen, dass die Leser sehr viel besser informiert sind und andere bzw. spezifischere Fragen an die Geologen stellen können, was sicherlich zum Erfolg beider Disziplinen beitragen wird.

21.05.2018
Robert Kuhn
. R. L. Allen, Geology for Archaeologists. A short introduction. 140 S., 28 fb. Abb. , Archaeopress Publishing LTD, Oxford 2017. EUR 29,99
Bestellen unter: http://www.archaeopress.com/ArchaeopressShop/Public/defaultAll.asp?QuickSearch=Geology+for+Archaeologists&displayedSearchLanguageID=true&LanguageID=0

ISBN 978-1-78491-687-9
 
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