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Beuys in Hessen

Beuys in Hessen!? Sein Name ist doch eigentlich untrennbar mit D├╝sseldorf, Kleve und dem Rheinland verbunden? Doch egal wie man heute zu ihm geografisch, politisch und kunstkritisch stehen mag - eines mu├č man Beuys auch im heutigen R├╝ckblick lassen: Er war seiner Zeit gleichzeitig meilenweit voraus (Stichworte: Jeder Mensch ist ein K├╝nstler, Utopie, ├Âkologischer Kunstbegriff u.a) und hinterher: er provozierte beispielsweise h├Âchst erfolgreich durch kalkulierte R├╝ckerinnerungsprojekte (das Trauma Ausschwitz, der Schock nach 1945, so ist in diesem Band zu lesen, "war mein Grunderlebnis"). Dass die Hessische Kulturstiftung nun einen, wie man so sch├Ân sagt, opulent-repr├Ąsentativen Band mit dem etwas verrutschten Titel "Beuys in Hessen" herausgibt und damit die Beuysliteratur erfolgreich um exakt 3 cm verl├Ąngert ÔÇô sei`s drum.

Trotzdem sei nat├╝rlich die Frage erlaubt: mu├čte dieser Band nun auch noch sein? Wenn ja, warum und wenn nicht, warum nicht? Ja, dieser Band hat nat├╝rlich - und nicht nur f├╝r die Gemeinde der Beuysianerinnen - seine Berechtigung! Wichtige Ausstellungen und Sammlungskomplexe sind mit hessischen Museen, Kuratorinnen und Kulturschaffenden verbunden. Mario Kramer und Philipp Ursprung liefern beispielsweise h├Âchst lesenswerte Texte zu zentralen Beuysarbeiten, die heute wohl Weltrang genie├čen - und damit selbstverst├Ąndlich auch den Wert der Kulturregion Hessen unter Beweis stellen. Nur mal so als spontane Idee: Beuys und die unermesslich anwachsende Beuysliteratur. Hallo Kolleginnen in Museum Schloss Moyland: W├Ąre allein dieser Aspekt nicht einmal ein Buch-KunstAusstellung wert? Eine geniale F├Ąhigkeit von Beuys und Leistung seiner Werke war offenbar die F├Ąhigkeit mit Hilfe von Kunst unseren Blick auf die Probleme kommender Gegenwarten zu ver├Ąndern. Wer heute Werke von Beuys betrachtet, das freche Charisma dieses Sch├Âpfers bewundert und in die mehrere Tausende von Beuysb├╝chern hineinliest (und manchmal M├╝he hat wieder in die kunstlose Wirklichkeit zur├╝ckzufinden) - der merkt: es gibt eigentlich keinen ernsthaften Grund keine weiteren - gerne auch kritische - Beuysb├╝cher auf dem Markt anzubieten. Nach der Lekt├╝re dieses Bandes entstehen jedenfalls produktive Nachfragen: Wie h├Ątte Beuys heute in Zeiten des zunehmenden globalen Rechtsextremismus und Faschismus wohl seine Ansichten aktualisiert und seinerseits kunstpolitisch erweitert? Welche aus Beuys Idee des erweiterten Kunstbegriffs ist heute noch anschlussf├Ąhig an unsere Zeit? Gegenwartsfragen dieser und ├Ąhnlicher Art sind in diesen Band leider nicht enthalten. Ein Grundtenor dieser leicht aus der Gegenwart gefallenen Publikation, so vielgestaltig und anregend sie sich f├╝r die Einzelnen auch lesen mag - Felicitas Hoppes kunstvoll-ironischer Beitrag "So viele Schlitten. Und kein einziger Hund! " sind nat├╝rlich wunderbar leicht-lesbar geschrieben - ist nat├╝rlich die nach wie vor andauernde Feier dieses Kunst-Meisters aus Deutschland. So nachvollziehbar der Wunsch vieler Hessen und Hesseninnen wohl war endlich auch einen "Beuys in Hessen" in der Hand zu halten, umso selbstkritischer m├╝├čte sich heute jeder und jede fragen: Welchen Beuys meine ich eigentlich heute? Und hat Beuys es nicht eigentlich etwas mehr und anderes verdient als n u r als K├╝nstlerstar einer Kunstregion gefeiert zu werden?

24.03.2024
Michael Kr├Âger
Beuys in Hessen. Hrsg.: Scholtz, Claudia; Beitr.: Groh, Martin; Haas, Mechthild; Hinrichsen, Kristina; Hoppe, Felicitas; Janhsen, Angeli u.v.a. 256 S. 105 fb. Abb., 111 Abb. 22 x 28 cm. Wienand Verlag, K├Âln 2023 EUR 36,00. CHF 36,00
ISBN 978-3-86832-666-6
 
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