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Sketching Sherds. A comic handbook for pottery drawing and typology. |
Ein Handbuch der ganz anderen Art liefert der italienische Archäologe Agostino Sotgia, der gleichzeitig ein Diplom der Scuola Romana die Fumetti besitzt und somit gleich beide Leidenschaften auf kluge und innovative Weise zusammenführt: Das Zeichnen archäologischer Artefakte und die Kunst des Comics. Das Ergebnis ist unzweifelhaft eines der spannendsten archäologischen Einführungsbüchern zur Thematik, die bislang auf dem Markt existieren.
In vier Hauptkapiteln unterteilt, gibt der Autor eine detaillierte und klar verständliche Einführung in die komplexe Thematik der archäologischen Zeichnung von Keramik. In der Introduction – Einführung wird kurz die eigentliche Bedeutung des archäologischen Zeichnens bis heute hervorgehoben und mit augenzwinkernden Bildern gleichsam die Angst davor genommen, denn das Zeichnen ist freilich „one of the most fun activities in Archaeology.“ (S. 5). Dieser Aussage werden die meisten Kollegen wohl sofort zustimmen können.
Im ersten Kapitel schließlich wird ein sehr guter Überblick über das eigentliche technische Zeichnen und die hierfür nötigen Hilfsmittel gegeben (S. 8–10). Hierbei werden selbst sehr komplexe und nur noch selten verwendete Techniken wie die „Kompass-Methode“ zur Ermittlung des Durchmessers von Gefäßfragmenten, auf gut verständliche Art erklärt.
Kapitel 2 ist der zeichnerischen Umsetzung gewidmet, so werden Details zum Schattieren und Besonderheiten wie die von Henkeln, Knubben, anderen Gefäßapplikationen und Dekors sowie der Umgang mit farbigen Darstellungen auf Gefäßen und -fragmenten vorgestellt (S. 24–25).
Dem Tuschen wendet sich A. Sotgia im dritten Kapitel zu, wobei er nicht nur die traditionelle Methodik mittels Tuschestift oder Rapidograph sondern gleichsam Vektorgrafiken und KI-Möglichkeiten vorstellt.
Im letzten Kapitel widmet sich der Autor der komplexen Thematik der Typologie und bringt hier nochmals die Fäden und die Bedeutung des Zeichnens und somit auch der Entscheidung des jeweiligen Bearbeiters für bestimmte Details auf den Punkt. Gerade dieses Thema ist sicherlich für viele Studierende hilfreich in der konzisen und wunderbaren Bildsprache, die Sotgia gefunden hat. Immer wieder werden treffende Zitate aus italienischen Fachbüchern eingestreut, die dem Leser die Bedeutung und den Hintergrund konzise beleuchten: „Typology is a tool and not the end…“ (S. 49). Es ist sicher eine der Stärken des Buches, neben der grafisch sehr ansprechenden Umsetzung, dass sowohl Sotgia in seinem abschließenden Kapitel (Conclusion), als auch Antonio F. Ferrandes in seinem Vorwort, auf die wissenschaftliche Bedeutung des archäologischen Zeichnens abheben. Es handelt sich eben nicht um eine reine Illustration in einer wissenschaftlichen Arbeit, sondern das Zeichnen selbst gehört zum wissenschaftlichen Prozess und zur Objektbearbeitung ganz wesentlich dazu. „Archaeological Drawing is not meant to produce beautiful images of the past, it is meant to ask better questions in the present.“ (S. 52).
Der Band schließt mit einigen wichtigen References und einen Appendix, in dem weitere Gefäßformen mit ihren Spezifika kurz vorgestellt werden. Während der gesamte Band unzweifelhaft großartig gelungen ist, wäre gerade an diesem letzten Appendix eine kleine kritische Anmerkung zu setzen. Die Differenzierung von Gefäßformen wie Schalen, Schüsseln, Becher etc. erfolgen mehr oder weniger pauschal, wie dies häufig auch in den Übersichtswerken zu finden ist. An dieser Stelle hätte man sich gewünscht, dass etwa der Arbeit und Bestimmung mithilfe des Gefäßindex Raum gegeben wird, um eine klare und objektive Unterscheidung von sehr ähnlich gelagerten Formen wie etwa Tellern, Schüsseln, Schalen und Näpfen etc. zu treffen.
Agostino Sotgia ist eine Einführung gelungen, die sich an Studierende wendet, die noch wenig Erfahrung mit dem archäologischen Zeichnen haben. In dieser kreativen Form gelingt es ihm augenzwinkernd ein komplexes Thema auf wenigen Seiten transparent und hervorragend aufzuarbeiten. Dabei verliert er an keiner Stelle das Ziel aus den Augen, auch die Bedeutung des Zeichnens als wichtige und unumgängliche Methode der Fundbearbeitung herauszustellen. Dieses Buch gehört auf jede Leseliste und den Schreibtisch von Studierenden der archäologischen Wissenschaften.
05.11.2026 |
| Robert Kuhn, Berlin |
Sketching Sherds. A comic handbook for pottery drawing and typology. Agostino Sotgia. BAR International Series 2379, Oxford 2026. 73 S. EUR 47,90
ISBN 978-1-4073-6483-4
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