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Kloster Doberan

Backsteingotik: Ein neuer Band ĂŒber Kloster Doberan.

Die an der „EuropĂ€ischen Route der Backsteingotik“ gelegene ehemalige Zisterzienser-Abtei im mecklenburgischen Bad Doberan, heute Pfarrkirche der evangelischen Gemeinde, ist unbestritten einer der wichtigsten gotischen Backsteinbauten Deutschlands. So ist es auch ganz verstĂ€ndlich, dass sich immer wieder neue Publikationen mit dem Bau beschĂ€ftigen - obwohl viel Neues kaum zu vermelden ist. Der kunsthistorische Forschungsstand wurde in einem 1995 erschienenen Band von Wolfgang Erdmann erschöpfend dargelegt, im Jahr 2006 ist zudem Ernst von BĂŒlows Band „Doberan und seine Geschichte“ erschienen.

Der jetzt im Rostocker Hinstorff-Verlag erschienene Bildband „Kloster Doberan“ fasst den Wissensstand ĂŒber den Bau in einem Text von Joachim Skerl griffig auf etwa 20 Seiten zusammen: 1171 wurde das Kloster durch Mönche seines Mutterklosters Amelungsborn gegrĂŒndet. Ein romanischer VorgĂ€ngerbau wurde bald begonnen, um 1295 begann der Bau der 1368 geweihten neuen Kirche, in die Teile des romanischen Baus integriert wurden. 1552 wurde das Kloster sĂ€kularisiert. Zerstörungen an der Klosteranlage waren die Folge, doch schon bald wurde diese saniert. 1564 wurde der erste evangelische Pfarrer bestĂ€tigt - die ehemalige Klosterkirche war nun evangelischen Pfarrkirche. Nach verschiedenen Zerstörungen und Umbauten im DreißigjĂ€hrigen Krieg wurde das Kloster im spĂ€ten 19. Jahrhundert im neugotischen Stil restauriert, doch spĂ€ter wiederum in den ursprĂŒnglichen Zustandes versetzt. Heute zĂ€hlt Kloster Doberan - das sich kunsthistorisch auf die LĂŒbecker Marienkirche, aber auch auf die Nikolaikirche in Stralsund und die Marienkirche in Rostock bezieht - jĂ€hrlich etwa 200 000 Besucher.

Der Hauptakzent des jetzt erschienenen Bandes liegt freilich auf dem Bildteil. Dem 1956 geborenen Fotografen Thomas Grundner gelingen eindringliche Fotos, welche den architektonischen Bestand und die kĂŒnstlerischen Höhepunkte der weitgehend erhalten gebliebenen Innenausstattung - wie etwa den Hochaltar (der Ă€lteste FlĂŒgelaltar der Kunstgeschichte), das Sakramentshaus, den Kreuzaltar und die herzogliche Grablege - en gros und en detail vorstellen. Doch auch jenseits des Dokumentarischen sucht Grundner Motive: In Bad Doberan findet er sie etwa im 1793 unter der Leitung des Ludwigsluster HofgĂ€rtners Johann Heinrich Schweer angelegten stimmungsvollen Englischen Garten, den BĂ€ume prĂ€gen, die ĂŒber 200 Jahre alt sind. Grundner vermag all das, BĂ€ume, Teiche, BachlĂ€ufe und die imposante Backsteinarchitektur des Klosters sehr stimmungsvoll in Szene zu setzen.

Wer tiefer in Bau- und Kunstgeschichte der Zisterzienser-Abtei schĂŒrfen möchte, dem sei aber Wolfgang Erdmanns Buch ans Herz gelegt. Das kleinformatige BĂ€ndchen aus der renommierten Reihe „Die Blauen BĂŒcher“ macht sich zwar auf dem Kaffee-Tisch nicht ganz so gut wie der grĂ¶ĂŸere Bildband - doch ist seine Detailgenauigkeit weiterhin unerreicht.

Erdmann, Wolfgang: Zisterzienserabtei Doberan. Kult und Kunst. 1995. 95 S., 130 Abb., davon 44 fb. 24 x 17 cm. (Blauen BĂŒcher ) Langewiesche, K.R., Königstein 1995. Pb EUR 7,50 ISBN 3-7845-0411-6


Marc Peschke
Thomas Grundner und Joachim Skerl: Kloster Doberan. Hrsg. Verein der Freunde und Förderer des Klosters Doberan e. V. 32 x 24 cm. 80 S. 60 fb. u. 8 sw. Abb. Gb. Hinstorff, Rostock 2007. EUR 19,90
ISBN 978-3-356-01181-4
 
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