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Rheinsberg ÔÇô Musenhof in neuem Glanz

Eine Einladung nach Rheinsberg - und schon sind wir auf dem Weg zu einem alten, von dort zu einem neuen und einem neu gegr├╝ndeten Musenhof. Den ersten bauten und kannten Kronprinz Friedrich II. und Knobelsdorff (1740-44), danach mit Langhans jahrzehntelang der j├╝ngere K├Ânigsbruder Heinrich. Der, dort Gartengestalter, Theater- und Musikliebhaber, auch fast das gesamte Schlo├činnere fr├╝hklassizistisch umgestalten l├Ą├čt. Und mit dem Rheinsberg dann zu jenem Musenhof wird, den wir hier kennen lernen. Im 19. Jahrhundert verstaubt, m├Âbelentleert und doch auch von Theodor Fontane (mehr) und Adolph Menzel (weniger) aus seinem Dornr├Âschenschlaf geweckt. Um dann, ein Zeitsprung, 1991 als teilweise erschreckend bemalt-verbautes ehemaliges DDR-Sanatorium erlebt zu werden. Nun, nach 25-j├Ąhriger Arbeit, gl├Ąnzend saniert und restauriert.

Schlo├čgeschichte, in diesem Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung unterhaltsam pr├Ąsentiert und mit dem Fokus auf diesem Heute farbig fotografisch Illustriert. Doch kann man aufh├Âren, dieses fast zu opulente Motivangebot zu betrachten? Dieses Rheinsberg in Licht und Schatten, Spiegelungen, Details und Gesamtansichten aus unterschiedlichen Perspektiven? Denn nur der erste Blick f├Ąllt auf blo├če Abbildungen, der zweite erschlie├čt uns oft die Aura, auch Melancholie dieses Ortes. Eine Aura, die sich als immer wieder neue Mischung aus Beschwingtheit und Erdgebundenheit erweist, im Kontrast zwischen fr├╝hbauzeitlichen Fu├čbodendielen (die Finanzen; Parkett folgt erst sp├Ąter) und erhaltenem friderizianischem Rokoko-Rauminterieur wird sie so deutlich. Und die leise Melancholie mancher Fotografien erinnert, Leseempfehlung, an den Schlu├č von Tucholskys "Rheinsberg. Ein Bilderbuch f├╝r Verliebte" (1912), an Rheinsberg als, schon f├╝r Friedrich II., unerf├╝llt bleibender Traum vom Gl├╝ck. Im einf├╝hlsamen Essay ├╝ber das dem Schlo├č inkorporierte Kurt Tucholsky Literaturmuseum klingt es an.

Doch k├Ânnten Arbeit und Entdeckungen der Restauratoren, in der kronprinzlichen Goldenen Kammer fand sich illusionistische Architekturmalerei von um 1740, st├Ąrker akzentuiert sein. W├Ąre dann nicht jenem breiten Publikum f├╝r das dieser Begleitband gedacht ist, die hier zu recht mit dezentem Stolz aufgezeigte "Metamorphose" (Einleitung) der letzten 25 Jahre noch anschaulicher geworden? Entsch├Ądigt werden wir mit einem ausf├╝hrlichen Blick auf k├╝nstlerische und politische Sichtweisen des Prinzen Heinrich von Preu├čen, der hier deutlich in unser noch immer von Friedrich dem Gro├čen dominiertes Rheinsberger Geschichtsbild eintritt. Als lebensl├Ąnglich nicht nur vom k├Âniglichen Bruder Friedrich dominiert, der viele seiner k├╝nstlerischen Vorstellungen realisieren kann, nicht aber ansatzweise alternative politische. Dazu pa├čt, auch er auf seine Art Alternative, der anti-wilhelministische Preu├če Kurt Tucholksky mit dem ihm gewidmeten Literaturmuseum. Das nun, zusammen mit dem wieder aufgebauten Rheinsberger Theater und der Kammeroper jenen demokratisierten Musenhof unserer Tage abgibt, der hier so anschaulich beschrieben wird. Und in Text und Fotografien atmosph├Ąrisch einpr├Ągsam verortet ist.

Und mit dem wir, f├╝r einen Moment, vergessen k├Ânnen wie kurz in Preu├čen der Weg vom Musenhof zum Kasernenhof war.

07.09.2016
Wolfgang Schmidt, Berlin-Friedenau
Rheinsberg. Musenhof in neuem Glanz. Fuchs, Detlef. Hrsg.: Stiftung Preu├čische Schl├Âsser und G├Ąrten. 120 S. 125 fb. Abb. 27 x 22 cm. Gb. Hirmer Verlag, M├╝nchen 2016. EUR 24,90. CHF 31,60
ISBN 978-3-7774-2556-6
 
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