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Fernando Botero

Leben, das aus der Form geraten ist: Ein neues Botero-Buch bei Swiridoff.
Fernando Botero, 1932 im kolumbianischen Medellin geboren, gilt als weltzugewandter K├╝nstler. Auf den ersten Blick wirkt die Opulenz und Sinnenfreude seiner wie aufgeblasenen Menschenfiguren sympathisch und heiter, doch w├╝rde man Boteros Menschenbild missverstehen, wenn man nicht mehr sehen w├╝rde: die Dekadenz, das Groteske, das Monstr├Âse.
Und: Botero ist ein Maler, Zeichner und Bildhauer, der seine Arbeit als Mittel der Einmischung versteht. Schon am Anfang seiner Karriere, 1971, malte er ein sarkastisches "Offizielles Portr├Ąt der Milit├Ąrjunta" seiner Heimat - und auch vor kurzem hat er eindr├╝cklich daran erinnert, dass Kunst w├╝tend und zornig sein muss, ein Dokument des Nicht-Einverstanden-Seins: Als Reaktion auf die Folterungen im irakischen Gef├Ąngnis Abu Ghraib malte er einen Zyklus, welcher die dem├╝tigende Folter zeigt und von Thomas Wagner in der FAZ treffend beschrieben wurde: "Aus der grandiosen F├╝lle und der melancholischen Sinnlichkeit von Boteros Figuren ist pures Entsetzen geworden."
In der Kunsthalle W├╝rth ist bis zum 16. April 2006 dieser Zyklus erstmals in Deutschland zu sehen, mit dem Botero die Erinnerung an das begangenes Unrecht wach halten m├Âchte. Diese Bilder, aber auch einen hervorragenden ├ťberblick ├╝ber das Gesamtwerk, zeigt das jetzt erschienene Katalogbuch - erg├Ąnzt um Texte von Beate Elsen-Schwedler, Mario Vargas Llosa und Werner Spies. Vor allem die beiden Texte des kolumbianischen Schriftstellers Vargas Llosa verdienen Erw├Ąhnung: Sie wurden erstmals f├╝r diesen Band ins Deutsche ├╝bersetzt - wunderbare Beispiele einer poetischen, luziden Kunstbetrachtung.
Zu bewundern sind Werke aus allen Schaffensperioden, vor allem auch seine ├╝berquellenden, barockhaften Frauenakte. Madonnen, Heilige und Huren, deren Reiz in der Wiederholung des Immergleichen liegt. Botero malt keine Individuen, sondern maskenhafte Symbole eines Lebens, das aus der Form geraten ist.
23.1.2006

Marc Peschke
Botero, Fernando: Fernando Botero. 160 S., 22 x 28 cm, zahlr. Abb., Leinen m. Schutzumschlag. Swiridoff, K├╝nzelsau, 2005. EUR 24,60

ISBN 3-89929-054-2
 
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