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Bolognas neue Kunstbuchmesse: Artelibro

Zum zweiten Mal fand vom 22. bis 26. September in Bologna die Artelibro statt (www.artelibro.it). Die auf eine Initiative der Associazone Italiana Editori zur√ľckgehende Veranstaltung, die dem Fehlen eines vergleichbaren Forums im Programm des Turiner Salone del Libro Abhilfe schaffen soll, konnte gegen√ľber der Premiere im letzten Jahr eine Steigerung der Besucher- und Ausstellerzahlen verzeichnen. Mehr als 100 italienische Verlage pr√§sentierten ihr Programm in den S√§len des historischen Palazzo Re Enzo dem kunstinteressierten Lesepublikum, ca. 25.000 Besucher wurden gez√§hlt, 5.000 B√ľcher verkauft.
Ein umfangreiches Begleitprogramm flankierte die f√ľnft√§gige Publikumsmesse. Vortr√§ge bekannter Kunsthistoriker, Buchpr√§sentationen, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen f√ľhrten den Besucher in barocke Pal√§ste und fresken-geschm√ľckte S√§le im historischen Zentrum der √§ltesten Universit√§tsstadt Europas. Die Allgegenwart einer √ľberm√§chtigen k√ľnstlerischen Vergangenheit ist hier wie allerorten in Italien deutlich zu sp√ľren, und auch auf den Podien war viel vom kulturellen Erbe und seiner identit√§tsstiftenden Funktion f√ľr Italien die Rede, w√§hrend die zeitgen√∂ssische Kunst des Landes sehr viel seltener im Zentrum des Interesses stand. Die nationale und internationale Gegenwartskunst wird jedoch im n√§chsten Jahr den thematischen Schwerpunkt der Artelibro bilden.
Richteten sich die zahlreichen Vortr√§ge vor allem an das lesende und studierende Publikum, besch√§ftigten sich mehrere Podiumsdiskussionen f√ľr Fachleute mit Fragen vor allem des Verh√§ltnisses von Museen und Verlagen, das angesichts der Unzahl kleinerer und kleinster musealer Einrichtungen auf der einen und einigen gro√üen Verlagen, die zudem als Betreiber von Museumsbuchhandlungen und gleichzeitig als Veranstalter von Ausstellungen auftreten, naturgem√§√ü andere Probleme aufwirft als in Deutschland. Nicht einfacher wird die Situation ganz offensichtlich durch die in Italien traditionell m√§chtige staatliche Kulturb√ľrokratie.
Die Besonderheit der italienischen Verlagslandschaft, in der es neben einigen auch international agierenden Gro√üverlagen nach wie vor viele kleine, regional verwurzelte Verlage gerade auch im Kunstbuchbereich gibt, spiegelt sich im Ausstellerverzeichnis der Artelibro ebenso wie die Pr√§senz der Banken, die sich im Bereich vor allem der Pflege und Erhaltung der Kunstsch√§tze ihrer jeweiligen Region engagieren und durch die Produktion von im Handel nicht erh√§ltlichen Jahresgaben manchem Verlag zu gesicherten Einnahmen verhelfen. Auch hier steht allerdings das kulturelle Erbe gegen√ľber der k√ľnstlerischen Gegenwart im Vordergrund des Interesses.
Deutsche und andere ausländische Verlage sind auf der Artelibro bisher fast ausschließlich in Form ausgesuchter Titel am Stand einer Mailänder Buchhandlung vertreten. Wenn umgekehrt beklagt wird, dass die wegen ihrer Qualität und Aktualität allgemein geschätzten Titel deutscher Kunstbuchverlage in den Buchhandlungen und Museumsbookshops der Apenninhalbinsel nur schwer erhältlich seien, böte sich hier möglicherweise die Chance einer sichtbareren Präsenz.
Die f√ľr das verlegerische Fachpublikum entschieden interessanteste Veranstaltung war eine au√üerhalb des √∂ffentlichen Programms in Zusammenarbeit mit dem Bureau International de l‚ÄôEdition Fran√ßaise organisierte Begegnung italienischer Verleger mit ihren Kollegen aus Frankreich, die Gelegenheit zu zwanglosem Meinungsaustausch und zur Entwicklung gemeinsamer Projekte gab.
Angesichts der Bedeutung, die dem Exportgut Kunst nach wie vor zukommt, nicht zuletzt auch auf dem traditionell italieninteressierten deutschen Markt, k√∂nnte sich die Artelibro, deren Termin 2006 auf Mitte September vorgezogen wird, zu einem Forum f√ľr die Anbahnung von Lizenzgesch√§ften und gemeinsamen Produktionen im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse entwickeln. Das Ambiente k√∂nnte nicht besser gew√§hlt sein.
18.10.2005
Achim Wurm
Bolognas neue Kunstbuchmesse: Artelibro
Hier berichten wir ausnahmsweise einmal nicht √ľber ein konkretes Buch, sondern √ľber eine neue Buchmesse zur Kunst.
Der Besucher war Achim Wurm, Köln, seine Internetadresse: italics.de
ISBN 3-0000-XXXX-1
 
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