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Crème de la cream?

Cr√®me de la cream ? - 10 Kuratoren finden 100 K√ľnstler
Jede Form einer √§u√üeren Pr√§sentation - wie etwa eine Kunst-Ausstellung ‚Äď beruht auf einem Effekt, der durch die Auswahl ihrer Elemente bewirkt wird. In einer Bilder-Welt, die zunehmend aus √§hnlicher werdenden Informationen, Kontexten und wechselnden Bildfragmenten besteht, w√§chst der Zwang, aus der Masse auszuw√§hlen um so mehr als die Welt selbst unbeobachtbar geworden ist. Vor allem Ausstellungsmacher sp√ľren permanent die Notwendigkeit auszuw√§hlen und dabei vor allem die Angabe von Kritierien, die ihre aktuelle Auswahl rechtfertigen. Der im noblen englischen Phaidon-Verlag ver√∂ffentlichte, schwergewichtige Band CREAM 3 ist ein solches Produkt, das selbst durch vielfaches Ausw√§hlen entstand. Durch die Auswahl von 10 mehr oder weniger renommierten Kuratorinnen und Kuratoren ( u.a. Udo Kittelmann, Beatrix Ruf, Nancy Spector) die ihrerseits jeweils 10 K√ľnstlerinnen und K√ľnstler ausw√§hlten und mit einem kurzen (manchmal allerdings wenig aussagekr√§ftigen) Kommentar w√ľrdigten, entsteht so etwas wie eine Aufnahme des Tatorts, der die Aspekte gegenw√§rtiger kuratorischer Praxis beleuchtet. In einem einleitenden Gespr√§ch thematisieren die Kuratoren vor allem ihre eigene Arbeitsweise: sie beschreiben ihre Auswahlpraxis und Umgangsweise, die zwischen subjektiven Einzelentscheidungen und offener K√ľnstlerkollaboration, zwischen politisch-√§sthetischer Subversion und kuratorischer Selbstinszenierung hin- und herpendelt. Deutlich wird: Jede/r Kurator/in ist implizit oder explizit Teil des ideologischen Betriebs, der qua Ausstellung die Funktionen des Betriebs aufrecht erh√§lt. Das Insistieren einiger Kuratoren auf der Qualit√§t des Einzelwerkes wird dabei als eine historische Variable in der Geschichte des Ausstellens erkennbar. Eine H√§lfte der hier vertretenen K√ľnstler kann als im Markt erfolgreich positioniert gelten ( John Bock, David Claerbout, Christian Jankowski, Atelier van Lieshout, Manfred Pernice, Wilhelm Sasnal, Gregor Schneider u.a.m.). Auff√§llig sind zwei allgemeine Tendenzen: der Einsatz des K√∂rpers als Medium der sozialen Inszenierung von Machtverh√§ltnissen und die kunstvolle Erfindung von Umwelten, die als Formen von Design lesbar werden. Ein Gro√üteil der Arbeiten stammt dabei aus den letzten beiden Jahren, was dem Gebrauchswert des Bandes sehr zu Gute kommt.
So wie heute der Ausstellungs- und Kunstmarkt l√§ngst selbst globale Dimensionen angenommen hat, so werden offensichtlich auch die medialen Bild-Kontexte zumindest auf ihrer Oberfl√§che selbst immer austauschbarer und sich selbst √§hnlicher. Eine Entwicklung mit Folgen: Laufen K√ľnstler und Kuratoren heute Gefahr sich selbst zu scheinbar autonomen /(Marken-)Namen zu stilisieren (eine Konsequenz liegt dann die Herausgabe von Auswahlb√§nden), ver√§ndern parallel dazu die Werke offenbar ihre Produktionsweise: das Kombinieren und Vertauschen, Zitieren und Ersetzen ihrer Referenzen erzeugt ein oszillierendes Bewu√ütsein des Medialen, das auf Seiten des Betrachters die F√§higkeit zum Unterscheiden von √§u√üeren und inneren Kontexten erfordert. Ein Medium bildet von Natur aus kein eigene, autonome Wirklichkeit ‚Äď sie entsteht erst im und mit dem Betrachten von Unterscheidungen. Der Kurator als Spezialist f√ľr Unterscheidungs- und Kontextsituationen ist derjenige, der sich, zwischen viele Fronten geraten, gerade diesen Einsichten und Wirklichkeiten stellen mu√ü.

4.12.2003
Michael Kröger
CREAM 3, 100 artists..., 10 Curabots, 10 source artists. 448 S., 700 fb., u. 40 sw Abb., 29 cm, Gb, Phaidon, Berlin 2003. EUR 65,-
ISBN 0-7148-4311-3
 
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