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Farbe, Felder, Philosophie

Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir haben es hier mit einem ganz besonderen Buch ├╝ber zeitgen├Âssische Kunst zu tun. Ein Buch, das sich still und leise, und dadurch nur um so deutlicher, aus der riesigen F├╝lle all dessen, was Jahr f├╝r Jahr ├╝ber Kunst geschrieben wird, heraushebt. Ein Buch, das man/frau immer wieder gerne aufs Neue zur Hand nimmt, das in einer in der Gegenwart selten anzutreffenden Weise durch die Kraft der geschriebenen Worte wirkt. Minimalistisch und dabei doch ausgesprochen solide in der ├Ąu├čeren Gestaltung (Hardcover), birgt es S├Ątze von mathematischer Klarheit und gro├čer Sch├Ânheit. "Wir stehen mit beiden Beinen auf der Erde. Es geht um die Malerei jenseits dieser Welt: die stets fortwirkende, stets totgesagte Avantgarde" (Vorwort, S. 9). Fast meditative Formulierungen sind das, die einleitend das Anliegen des Bandes formulieren.
Die Autoren der sieben Aufs├Ątze, die in dem von Gerd Reising herausgegebenen Band versammelt sind, besch├Ąftigen sich mit einzelnen K├╝nstlern, deren Werke ein solches feinsinniges Sprechen ├╝ber die Kunst erfordern, f├╝r die ein derartiges Ringen um Wirklichkeit im Medium der Sprache angemessen, weil mit ihren Werken kongenial erscheint. Es sind dies: Bruno Erdmann, Thomas Kaminsky, Alfons Lachauer, Thomas Rajlich, Rolf Rose, Guang Yao Wu und Jerry Zeniuk.
Auswahl und Wertigkeit dieser subtilen Interpretationen sind exemplarisch, nicht exklusiv. Die Werke der vorgestellten K├╝nstler weisen stellvertretend f├╝r viele weitere auf Richtungen im zeitgen├Âssischen Kunstschaffen. "Ihre Auswahl erfolgt", schreibt Gert Reising am Anfang (S. 9) mit Blick auf das spannungsvolle Verh├Ąltnis zwischen Text und Bild, "nach den Prinzipien der Einfalt des Zufalls, und der Absicht, Positionen nebeneinander und auseinander zu f├Ąchern".
Die Wirkung dieser Heran- und Vorgehensweise auf den Leser ist beeindruckend, stehen doch die Texte gleichberechtigt neben den einzelnen Kunstwerken, von denen sie k├╝nden. Dabei f├Ąllt auf, und zwar erstaunlicherweise keineswegs unangenehm, dass die Texte gewiss mindestens ebenso viel die Aufmerksamkeit ihrer Leser und Leserinnen erfordern wie die entsprechenden Wahrnehmungen der Kunstwerke, die im ├╝brigen in Abbildungen, die auch noch die Beobachtung feinster Nuancen (besonders bei Bruno Erdmann) zulassen, wiedergegeben sind.
Damit l├Âst das kleine Buch "Farbe, Felder, Philosophie" das im Untertitel formulierte Versprechen eines ├Ąsthetischen Dialoges voll und ganz ein. Wenn es denn einer Begr├╝ndung f├╝r die grunds├Ątzliche Bedeutung, ├╝ber Kunst zu sprechen und zu schreiben, bed├╝rfte - mit diesem au├čergew├Âhnlichen Werk wird eine solche wieder einmal nachdr├╝cklich vor Augen gef├╝hrt.
17.10.2002
Matthias Mochner
Farbe, Felder, Philosophie. Ein ├Ąsthetischer Dialog. Beitr. Henrich, Dieter /Keulen, Sybrandt van /K├╝hn, Rolf /Lypp, Bernhard u.a. 2000. 128 S., 24 Abb., davon 22 fb. 25 cm. Kt EUR 23,00
ISBN 3-931876-31-4   [Chorus]
 
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