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Preußen - Eine europäische Geschichte

Insgesamt zw√∂lf Titel zum Thema Preu√üen sind im Henschel Verlag 2001 anl√§sslich des so genannten "Preu√üenjahr[es]" - der 300-Jahr-Feier des Jahrestages der Selbstkr√∂nung des Kurf√ľrsten Friedrich III. in K√∂nigsberg zum K√∂nig (Friedrich I.) erschienen. Darunter Werke zur Geschichte der Bildung im 18. Jahrhundert, zur Bedeutung der Frauen in Preu√üen oder zur preu√üischen Prinzenerziehung aber auch dem Heerwesen. Bei den vorliegenden zwei B√§nden "Preu√üen 1701. Eine europ√§ische Geschichte" handelt es sich um den Katalog zur gleichnamigen Ausstellung. Sie war vor etwa einem Jahr in Berlin als Teil der gro√üen Landesausstellung "Preu√üen 2001" in der Gro√üen Orangerie von Schloss Charlottenburg zu sehen.
Viel von dem, was seit der legend√§ren Ausstellung zu Preu√üen im Jahre 1981 in der Forschung erarbeitet wurde, hat Eingang in die Ver√∂ffentlichung gefunden. Ihr Nutzen liegt vor allem in der ausf√ľhrlichen Darstellung der Ereignisse im engeren und weiteren Zusammenhang mit der Kr√∂nung des Jahres 1701. Denn Preu√üen - als historisches Ph√§nomen - darf nicht zuletzt auf dem Hintergrund der gegenw√§rtigen Bem√ľhungen um das alte Berliner Stadtschloss Interesse beanspruchen.
Der Katalog, dessen Aufbau sich an den rund zw√∂lf Sektionen der Ausstellung (S. 17 zeigt ein Modell) orientiert, weist insgesamt 639 Nummern auf. Die meisten dieser Objekte werden pr√§zise und ausf√ľhrlich beschrieben, so dass sich √ľber sie - insbesondere dann, wenn auch eine Abbildung vorhanden ist (in etwa einem Drittel der F√§lle) - leicht und anschaulich zentrale Aspekte der preu√üischen Geschichte erschlie√üen lassen. Gerne st√∂bert man als Leser in dem riesigen Fundus: Architekturzeichnungen, B√ľcher, B√ľsten, Gem√§lde, Handschriften, Kupferstiche, Medaillen, M√∂bel, Objekte aus Porzellan, kostbare Pokale, Skulpturen, Textilien und nicht zuletzt eben auch Waffen. Der √ľberwiegende Teil der besprochenen Objekte enth√§lt Verweise auf weiterf√ľhrende Literatur, die sich in der umfassenden Bibliografie (S. 335-348) findet.
Schade nur, dass der Katalog im Gegensatz zu den Essays des zweiten Bandes kein Register hat, was die Suche nach einzelnen Pers√∂nlichkeiten zweifellos wesentlich erleichtern w√ľrde. Eher zuf√§llig st√∂√üt man denn (auf Seite 294) auf die so interessanten Gespr√§che zwischen dem franz√∂sischen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz und K√∂nigin Sophie Charlotte aus dem Sommer 1702, die Anlass f√ľr das ber√ľhmte Werk des Wissenschaftler waren - die 1710 in Amsterdam erschienenen "Abhandlungen √ľber die Gerechtigkeit Gottes".
Alternativ dazu bietet sich ein Einstieg in die Thematik √ľber die den zw√∂lf Ausstellungsektionen vorangestellten sehr kurzen einf√ľhrenden Texte an. Sie folgen chronologisch aufeinander und spannen den Bogen inhaltlich etwa von den "K√∂nige[n] und ihre[n] Bildnisse[n]" (S. 27) √ľber die "Vorbereitung der Kr√∂nung 1701 - Diplomatie und Kriege in Europa" (S. 75) oder die "Facetten des h√∂fischen Lebens" (S. 167) aber auch die am Hofe so wichtigen "K√ľnste und Wissenschaften" (S. 269) bis hin zu dem Abschnitt "Der Tod des K√∂nigs" (S. 315).
Veranschaulicht der Katalog gut die Welt barocker Prachtentfaltung am preu√üischen K√∂nigshof, so reflektieren demgegen√ľber die insgesamt 38 (!) Aufs√§tze des Essaybands (Literatur S. 389-405; Personenregister S. 407-411) die historische Bedeutung der K√∂nigsberger Selbstkr√∂nung vor dem Hintergrund der politischen, geistesgeschichtlichen sowie kunsthistorischen Situation in Europa. Dabei sind nicht alle Texte aus derselben weitsichtigen Perspektive heraus geschrieben wie beispielsweise der Essay "Europa um 1700. Eine Welt der H√∂fe und Allianzen und eine Hierarchie der Dynastien" (S. 12-30) oder "Die K√∂nigskr√∂nung Friedrichs I. In der bildenden Kunst" (S. 223-236). So enth√§lt der Aufsatz "In stolzer Ruhe und vollem Frieden". Alte Landesherrschaften und neuer Staat in Brandenburg-Preu√üen um 1700" (S. 31-46) zwar auch eine anschauliche Schilderung der Lebenswirklichkeiten der einfachen Bev√∂lkerung und damit ein Aspekt, der im Katalog zu kurz kommt, doch erscheinen andererseits √úberlegungen wie die folgende, das Verh√§ltnis zwischen Friedrich I. und Sophie Charlotte betreffende, wenig aussagekr√§ftig im Hinblick auf ein vertieftes Verst√§ndnis der Biografien beider Pers√∂nlichkeiten: "Doch war seine Gestalt den gnadenlosen Blicken t√∂richter Menschen ausgesetzt und Gegenstand der herzlosen Klatschgeschichten an den H√∂fen, an denen sich auch seine zweite Frau, Sophie Charlotte, beteiligte. Geistig war die K√∂nigin ihrem Manne keineswegs √ľberlegen, wie immer mal wieder behauptet wird..." (S. 43).
Und dennoch: So fern die - zeitlich so nahe - Vergangenheit von Preu√üen in der heutigen Zeit auch erscheinen mag, "Preu√üen 1701. Eine europ√§ische Geschichte" ist eine Publikation, die viel interessantes Material √ľberwiegend leicht lesbar aufbereitet bietet und dadurch fruchtbare Wege zu einer schwer zug√§nglichen Epoche der europ√§ischen Geschichte weist.
24.8.2002
Matthias Mochner
Preussen 1701 - Eine Europäische Geschichte. Bd. 1 Katalogband. Bd. 2 Essayband. 2. Hrsg.: Deutsches Historisches Museum, Stiftung Preussische Schlösser u. Gärten Berlin-Brandenburg. 2001. Zus. 736 S., zahlr. Abb. - 28 x 22 cm. Br DEM zus 138,-
ISBN 3-89487-382-5
 
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