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Zu wenig Parfum, zu viel Pf√ľtze ‚Äď Hans Baluschek

Es sind nur wenige Schritte von diesem Schreibtisch zu seiner Ehrenwohnung (1929 bis 1933) mit Atelier im Turm der Berliner Cecilieng√§rten. Doch ein innerlicher Abstand zu Baluscheks ‚Äú(1870 ‚Äď 1935) Sujets ist immer geblieben. Alle diese so √§hnlichen, oft leicht vorgebeugten Gestalten mit traurigen Gesichern, verh√§rmte Frauen und M√§nner in meist unwirtlichem, sch√§bigem Umfeld. Die M√§nner korpulent wenn sie √§hnlich wie bei George Grosz die herrschende Klasse repr√§sentieren. Doch Grosz zeigt sie √ľberzeugend weil satirisch zugespitzt, √ľberspitzt, K√§the Kollwitz gestaltet Menschen mit einem leisen, sanften, vers√∂hnlich-weichen Unterton von Empathie, Zille ironisch-humorvoll und verst√§ndnisvoll-distanziert. Kaum etwas davon bei Baluschek. Seine Gestalten scheinen holzschnittartige Figuren zu sein, wie Baustein-Versatzst√ľcke.

Portr√§ts des Prekariats, von Au√üenseitern. Motive in grau oder schwarz-wei√ü mit, durchaus symbolisch, nur punktuellem Licht, dem Gelb oder Rot von Lampen, Laternen, Fenstern, Zigaretten. Wirkm√§chtig dann der H√∂hepunkt dieser Ausstellung, das Gem√§lde ‚ÄúBerliner Rummelplatz‚ÄĚ von 1929. Dort leuchtet es hundertfach, man wird in einen Sog von Licht-Punkten in diesen Jahrmarkt hineingezogen. Ein Ausnahmemotiv Baluscheks, der Eisenbahnmotive liebt und dem seine Zeitgenossen vorwarfen das Sch√∂ne nicht zu zeigen. Doch mehr als dieser Einwand z√§hlt, da√ü seine so oft einstr√§ngig-anklagenden Motivgestaltungen das m√∂gliche Spektrum vielf√§ltiger Interpretationsm√∂glichkeiten stark reduzieren.

Doch gab es auch einen Baluschek mit einer ‚Äúanderen K√ľnstlernatur‚ÄĚ (Margrit Br√∂han im
Ausstellungskatalog). Und der illustrierte zwischen 1915 und 24 vier Kinderb√ľcher in schwarz-wei√ü und Farbe. Die ungebrochene Popularit√§t gleich des ersten, ‚ÄúPeterchens Mondfahrt‚ÄĚ, zeigte sich noch 2019, als dieser Kinderbuchklassiker ins Chinesische √ľbersetzt wurde. Nach 1919 und 20 finden sich dann 1924 in ‚ÄúGrimms ausgew√§hlte M√§rchen‚ÄĚ die graphisch und schwarz-wei√ü vielleicht √ľberzeugendsten, ausgereiftesten Darstellungen dieses anderen Baluschek. Fein, fast elegant konturierte Figuren, hier scheint alles zu gleiten, zu flie√üen, nichts ist hier schematisiert, Weichheit der Formen und individuelle Gestaltung bestimmen diese Illustrationen. Welch ein Kontrast zu dem Baluschek, wie wir ihn kennen. Der innerliche Abstand zu Baluschek, hier verringert er sich.

Doch erscheinen diese Kinderbuchillustrationen in Ausstellung und Katalog nur ganz kurz, bleiben randst√§ndig. Erl√§uterungen, gar Details zu diesem Teil seiner k√ľnstlerischen Arbeit fehlen. Die Chance, dem Publikum einen Baluschek in der ganzen Breite seines k√ľnstlerischen Schaffens ausf√ľhrlich zu pr√§sentieren wird nicht genutzt. Schade.

Wer sich trotzdem diese Ausstellung im Berliner Bröhan-Museum anschauen möchte, hat bis zum 26. September 2020 dazu Gelegenheit.

17.07.2020
Wolfgang Schmidt
‚ÄěZu wenig Parf√ľm, zu viel Pf√ľtze." Hans Baluschek zum 150. Geburtstag. Katalog zur Ausstellung im Br√∂han Museum, Berlin 2020. Hrsg.: Hoffmann, Tobias; Beitr.: Br√∂han, Margrit; Grosskopf, Anna; Hartenstein, Julia; Hinz, Sylvia; Reifferscheidt, Fabian; Hrsg.: Grosskopf, Anna; Reifferscheidt, Fabian; Beitr.: Hoffmann, Tobias. Deutsch. 168 S. 104 fb. Abb. 26,0 x 22,0 cm. Wienand Verlag, K√∂ln 2020. EUR 32,00. CHF 39,00
ISBN 978-3-86832-565-2
 
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