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Jerry Zeniuk – How to Paint

Der radikale Maler und die Kunstgeschichte

Der New Yorker Maler Jerry Zeniuk, als Sohn ukrainischer Flüchtlinge in Deutschland geboren, ist seit Jahrzehnten seinem Geburtsland als Akademieprofessor wieder verbunden und nach seiner Emeritierung auch weiterhin am Ort seiner letzten Lehrstelle, in München, präsent geblieben. Bekannt wurde Zeniuk in den 1970er Jahren mit minimalistischen Gemälden. In der Technik der Enkaustik schuf er mehr Farbkörper als Malerei, wobei seine Lieblingsfarben vom gedeckten Grau bis zu rötlichen Tönen reichten. Über mehrere Entwicklungsstufen kam er später zu einer starkfarbigen Fleckenmalerei, angesichts deren kindlicher Einfachheit der Betrachter zuerst denkt: So simpel kann man es sich doch mit ein paar Flecksen nicht machen. Aber bereits indem man den ersten optischen Eindruck als simpel charakterisiert, bringt man sich selbst ins Stolpern. Was passiert in diesen Bildern tatsächlich. Der Maler spielt ein trickreiches Spiel mit dem Betrachter, seinen Erwartungen, seiner Suche nach Logik oder System und mit den grundsätzlichen Phänomenen menschlichen Wahrnehmens.
In den 1980er Jahren wurde für diese Malerei von Zeniuk und Gleichgesinnten wie etwa Marcia Hafif, Joseph Marioni oder in Deutschland Günther Umberger das Schlagwort „Radical Painting“ geprägt. Es ging und geht den Künstlern um die Farbe und das Material selbst. In 37 kurzen Kapiteln zum Wesen der Malerei reflektiert Zeniuk nochmals: „Wie entsteht Kunst, etwas Geistvolles, aus banaler Farbe?“ Für Zeniuk hat sich diese Frage über Jahrhunderte nicht verändert. Dementsprechend werden seine Texte durch ausgewählte Abbildungen von Werken der Geschichte der Malerei, von Tizian über Velázquez, bis zu Cézanne und Mondrian begleitet. Die Bandbreite so einfacher englischer Worte wie „image“, „painting“, „paint“ und „color“ zeigt schon, dass es ebenso hilfreich war, diese philosophischen Texte trotz der hervorragenden Übersetzung von Nikolaus G. Schneider – im Zusammenspiel mit Heinz Liesbrock – gleich zweisprachig zu drucken.
Entgegen der ewigen Laier vom Intuitiven in der Malerei lautet Zeniuks Credo: „Maler sind konzeptuelle Künstler.“ Und: „Sehen ist Denken.“ Ihm beim Denken zuzusehen ist ebenso belebend und erfrischend wie mit dem Auge den Spuren seiner Malerei zu folgen. Nur viel mehr Abbildungen seiner Bilder hätte man sich hierfür gewünscht. Aber dann wäre das sympathisch und trickreich gestaltete Understatement dieses kleinen Buches flöten gegangen, eines Buches, das man wegen der Konzentration seiner Texte immer wieder zur Hand nehmen muss.

26.02.2018
Andreas Strobl
How to Paint. Zeniuk, Jerry. Hrsg.: Josef Albers Museum Quadrat Bottrop. Engl.; Dtsch. 2017. 116 S. 24 x 14 cm. Gb. Sieveking Verlag, München 2017. EUR 24,90.
ISBN 978-3-944874-62-3
 
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