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Sascha Schneider ‚Äď Ein K√ľnstler des deutschen Symbolismus

Sascha Schneider (1870‚Äď1927) war eine der schillerndsten und vielgestaltigsten K√ľnstlerpers√∂nlichkeiten der Dresdner Jahrhundertwende. Er trat als Maler monumentaler, symbolistischer Bildsch√∂pfungen, als meisterhafter Zeichner, als Graphiker, Bildhauer, Professor an der Gro√üherzoglich-S√§chsischen Kunstschule in Weimar auf. Dar√ľber hinaus galt er als K√∂rperk√ľnstler und war Gr√ľnder eines auf √Ąsthetik und Antikenrezeption ausgelegten Studios, das wir heute unter dem Begriff Bodybuilding eingruppieren w√ľrden.

Sascha Schneider spiegelte in seinem k√ľnstlerischen Schaffen sowohl die historische Realit√§t als auch die geistesgeschichtlichen Bewegungen, den Innovationswillen ebenso wie den Eskapismus. Am st√§rksten tritt dabei sein ausgepr√§gter Hang zur Abgrenzung und zur Kultivierung eines Einzelg√§ngertums hervor, dessen Ursprung in der romantischen Tradition zu suchen ist und sich in seiner als stark empfundenen Andersartigkeit als Homosexueller, K√ľnstler und Vision√§r fortpflanzte. Als Symbolist arbeitet er dort weiter, wo pr√§gende Vorbilder wie Arnold B√∂cklin, Hans von Mar√©es und Adolf von Hildebrand aufgeh√∂rt hatten. Er war wie viele Zeitgenossen auch durch die Lebensreform stark beeinflusst, doch war er nicht Teil der k√ľnstlerischen Lebensreform. Er fand zu seiner Lebensreform durch seine subjektiv empfundene k√∂rperliche Eingeschr√§nktheit, die er zu √ľberwinden suchte. F√ľr Sascha Schneider kam noch die pers√∂nliche Note hinzu, dass Homosexualit√§t gemeinhin als verweichlicht, feminin, schwach und verschlagen dargestellt wurde, was seine Sehnsucht nach Kraft, Proportion und offenem Kampf mit erkl√§rt.

Einem breiteren Publikum wurde das Enfant terrible des deutschen Symbolismus, das mit bemerkenswerter Offenheit seine Homosexualit√§t auslebte, durch die Gestaltung der symbolistischen Titelbilder f√ľr Karl Mays ‚ÄěGesammelte Reiseerz√§hlungen‚Äú bekannt.

In immer neuen Visualisierungen verarbeitete Schneider ein turbulentes Leben zwischen sexueller Erf√ľllung, Strafverfolgung und der Sehnsucht nach gesellschaftlicher Anerkennung. Die facettenreiche Entwicklung von K√ľnstler und Werk, von narrativen Bildwelten bis hin zur k√ľnstlerischen Ver√§nderung des menschlichen K√∂rpers, macht Christiane Starck durch akribisch recherchiertes Quellenmaterial und den auf DVD beiliegenden ersten Werkkatalog Sascha Schneiders nachvollziehbar.

19.1.2017
Gabriele Klempert
Sascha Schneider. Ein K√ľnstler des deutschen Symbolismus. Wissenschaftliche Beitr√§ge aus dem Tectum-Verlag (5). Starck, Christiane. 480 S. 32 fb. Abb. im Buch und 792 Abb. des Werkkatalogs auf DVD-ROM. 24 x 17 cm. Gb. Tectum Verlag, Marburg 2016. EUR 49,95.
ISBN 978-3-8288-3805-5
 
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