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Konrad Zuse - Erfinder, Unternehmer, Philosoph und K├╝nstler

Die Feiern zu seinem 100. Geburtstag 2010 sind vorbei, Nachwirkungen jedoch absehbar: auf der Kassseler ÔÇ×documenta 13ÔÇť (ab 6. Juni 2012), werden auch die wenig bekannten grafisch-malerischen Werke des Computer-Pioniers Konrad Zuse (1910 ÔÇô 1995) zu sehen sein. Vielleicht ist das auch diesem 2011 erschienenen Buch mit geschuldet, in dem sein Ouevre in einen mehrdimensionaler als bisher pr├Ąsentierten Lebenslauf eingebettet ist.
Eine Karriere im herk├Âmmlichen Sinne wird hier nicht nachgebildet, auch erleben wir keinen Sonderling oder Au├čenseiter. Sondern wir lesen von Erfolgen und Fehleinsch├Ątzungen eines exzellenten Technikers, Wissenschaftlers und Unternehmers, der seine Vorstellungen auch in widrigen Zeitl├Ąuften realisiert: 1938 baut er die erste programmgesteuerte Rechenmaschine der Welt, 1941 und 1950 gr├╝ndet er jeweils eine erfolgreiche Firma f├╝r den Rechnerbau ÔÇô und mu├č sie doch in den sechziger Jahren verkaufen. Aber vor, zwischen und besonders nach all diesen Jahren kehrt er aus dieser Welt immer wieder in die eines ÔÇ×verhinderten K├╝nstlersÔÇť (Selbstcharakteristik) zur├╝ck. Das zeigen hier schon fr├╝h karrikierende Sch├╝ler-Zeichnungen nicht nur technischer Art, eine einj├Ąhrige Unterbrechung des Bauingenieur-Studiums als Werbezeichner in den drei├čiger Jahren und 1945/46 in Bayern zur Begleichung der Hausmiete an US-Soldaten verkaufte ├ľlbilder. ├ťber 500 Bilder, auch grafische Arbeiten, sind von Zuse ├╝berliefert, von denen sich meist zwischen 1962 und 1994 entstandene Werke hier finden, Auswahlkriterien daf├╝r werden nicht genannt. Talent f├╝r konventionelle Darstellungen von Objekten oder Landschaften ist an ihnen ablesbar und, vor allem und immer wieder, eine kontrollierte Dynamik meist farbiger Strahlen und Rundungen: Pflanzen, am Wegrand wie Flammen z├╝ngelnd (1965, 1977), H├Ąuser und Stra├čen in manchmal nicht enden wollendem vision├Ąrem Blau (1967,1976, 1989) - Reflexe der expressionistischen, licht- und technikbesessenenen Zwanziger Jahre. Aber Zuse erweist sich auch als ├╝berzeugender Maler von Portr├Ąts: Bill Gates ist zu sehen, Roman Herzog auf dem letzten seiner Bilder.
Grafisch gut dokumentiert, mit dem neuesten wissenschaftlichen Kenntnisstand beschrieben und erkennbarer Liebe zum Subjekt verfasst, d├╝rften die doch zu vielen physikalisch-fachwissenschaftlichen L├Ąngen ein Lese-Hindernis f├╝r das erw├╝nschte breite Publikum sein. Das Buch wirkt deshalb ein wenig unsortiert, das abschlie├čende Kapitel ÔÇ×Der K├╝nstlerÔÇť gar abgebrochen. Sodass sich der Wunsch nach einer eigenst├Ąndigen Publikation zum grafischen und malerischen Werk Zuses einstellt, chronologisch bestimmt und im Kontext der vielf├Ąltigen k├╝nstlerischen Ausdrucksformen der zwanziger Jahre betrachtet. Ob die Pr├Ąsentation von Zuses Werken auf der ÔÇ×documenta 13ÔÇť daf├╝r den Weg bereitet ?

30.03.2012




Wolfgang Schmidt, Berlin-Friedenau
B├Âttiger, Helmut. Konrad Zuse. Erfinder, Unternehmer, Philosoph und K├╝nstler. 128 S. 84 Abb., fb., 13 Abb.,sw. 28 x 22 cm. Gb. Imhof Verlag, Petersberg 2011. EUR 24,95. CHF 35,50
ISBN 978-3-86568-743-2   [Imhof]
 
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