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Paul Schatz: Technik und Gestaltung

Es ist f√ľr einen Naturwissenschaftler ausgesprochen ungew√∂hnlich, sich k√ľnstlerisch mit Fragen der Technik zu besch√§ftigen. Genau aber dies tat Paul Schatz (1898-1979), der Entdecker der lautlos-rhythmischen Umst√ľlpung des W√ľrfels, aus der ihm mit dem Oloid die Entwicklung einer neuen Technologie gelang, deren Potentiale gegenw√§rtig l√§ngst nicht ausgesch√∂pft sind. Schatz' Bem√ľhungen um eine natur- und menschengem√§√üe Technik sind in ihren geistigen Grundlagen noch wenig erforscht, obschon die auch √§sthetisch anmutende Bewegungsdynamik der Oloid-Technologie rege Verbreitung besitzt. Mit dem Wiederabdruck einiger der schwer zug√§nglichen Ver√∂ffentlichungen des Autodidakten, der auch als Holzbildhauer beachtlich re√ľssierte, wurde mit dem vorliegenden Band ein wichtiger Schritt zur Erforschung eben jener geistigen Grundlagen des Schatzschen Lebenswerkes getan. Der Erfinder selbst plante die zwischen 1938 und 1967 in der Wochenschrift ¬ĽDas Goetheanum¬ę publizierte, achtteilige Aufsatzreihe ¬ĽTechnik und Geisteswissenschaft¬ę als eigene Publikation herauszugeben, was zu Lebzeiten nicht ‚Äď mit dem vorliegenden Band nun endlich doch noch gelang. Die Beitr√§ge werden erg√§nzt durch acht, teilweise bisher unver√∂ffentlichte Aufs√§tze von Paul Schatz, die das Thema erweitern und vertiefen, darunter auch der letzte zu Lebzeiten ver√∂ffentlichte Beitrag mit dem Titel ¬ĽTechnik und Auferstehung¬ę. Den Texten ist eine ausgesprochen anregende Einleitung von Christoph Podak vorangestellt, die den Leser mit einigen Gesichtspunkten der kaum bekannten Biografie dieses um die Technik hochverdienten Mannes j√ľdischer Abstammung bekannt macht.

Die Texte von Paul Schatz sind von gro√üer gedanklicher Klarheit, gleichsam k√ľnstlerisch durchgeformt bis in die Sprache gem√§√ü der im Titel seines mit knapp 29 Jahren im Selbstverlag 1927 ver√∂ffentlichten ersten Buches benannten eigens entwickelten Methodik, ¬ĽDer Weg zur k√ľnstlerischen Gestaltung in der Kraft des Bewusstseins¬ę. Man sp√ľrt in ihnen gleichsam das plastische Verm√∂gen des Bildhauers Paul Schatz. Die Texte erweisen sich, und es ist zu hoffen, dass sie von der Technikgeschichte in ihrer Bedeutung in den n√§chsten Jahren erkannt werden, als unerl√§sslich f√ľr das geisteswissenschaftliche Verst√§ndnis von Technik, dem sich Paul Schatz lebenslang verpflichtet f√ľhlte. Es sind ¬ĽPerlen¬ę und ¬ĽKeime¬ę im Sinne auch heute noch neuer und zun√§chst scheinbar ungew√∂hnlicher Gedanken, denn welcher Wissenschaftler betrachtet sein technisches Werk im Lichte der Auferstehung, wie es Paul Schatz im genannten Aufsatz vollzieht? Die Texte offenbaren des weiteren eine innige Beziehung ihres Autors zum Schicksal der Erde, auch das in der Mitte des 20. Jahrhunderts vielleicht noch ungew√∂hnlicher als in der Gegenwart angesichts der globalen Weltzerst√∂rung. Arbeitet man sich durch die nicht leichten, aber lohnenswerten und immer glasklaren Gedanken des Erfinders des Umst√ľlpbaren W√ľrfels, so wird man als Leser die Probleme der modernen Technik, die Schatz sowohl gedanklich als auch im Hinblick auf seine vielf√§ltigen technischen Entwicklungen antizipierte, in verwandeltem Licht zu sehen sich geneigt f√ľhlen.

17.02.2011

Matthias Mochner
Paul Schatz: Technik und Gestaltung. Gesammelte Aufs√§tze. Geisteswissenschaftliche Naturerkenntnis und technische Gestaltungskultur. Ausgew√§hlte Aufs√§tze aus dem Nachlass. 91 Seiten, 20. Abb. 26 x 20 cm, Gb. Niggli Verlag, Z√ľrich 2008. 24,00 EUR
ISBN 978-3-7212-0655-5
 
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