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August Macke ganz Privat

Wie wäre es, wenn alles dieses nicht da wäre? - Eine ergreifende August Macke - Ausstellung aus privaten Leihgaben und der dazu gehörige Katalog.

‚ÄěAugust VonderFarbe‚Äú ist in einer feinen Ausstellung nebst Katalog wieder auferstanden, blutvoll und prall. Franz Marc diente dem beleibten und lebensfrohen Freund August Macke diesen Namen an ‚Äď beiden war nur ein kurzes Leben im Farbrausch verg√∂nnt. Als h√§tte August Macke geahnt, wie wenig Zeit ihm zur Verf√ľgung stand, vertr√∂delte er sie nicht mit langatmigen Studien. Nicht nur das Gymnasium, auch die Ausbildung an der D√ľsseldorfer Kunstakademie brach der 1887 in Meschede geborene Ingenieurssohn ab. Frei nach dem Motto ‚Äěwer die Mittel hat und die Freiheit liebt, entflieht‚Äú. Frei war der junge August Macke, er experimentierte nach inspirierenden Bildern franz√∂sischer K√ľnstler, liebte Karikaturen und versuchte sich neben Zeichnungen und Aquarellen auch in Entw√ľrfen f√ľr Stickereien, Vasen, T√∂pfe, Keramiken, M√∂bel und Teppiche. Der enge Bereich seiner Familie und Freunde war ein zentraler thematischer Aspekt in Mackes Schaffen, vor allem seine Frau Elisabeth, die er als ‚Äězweites Ich‚Äú wahrnahm, wird motivisch immer wieder variiert; als Aktfigur, Stickende, Mutter, Ruhende, Lesende und so fort. Die beiden kannten und liebten sich seit der Schulzeit, als sie sich f√ľnfzehn und sechzehnj√§hrig √ľber den Weg gelaufen waren. Diese innige Verbindung, durch die Geburt zweier S√∂hne verst√§rkt, ist in Mackes Arbeiten sichtbar geblieben. Die Vertrautheit mit allen nahen Menschen und Dingen, die Macke auszeichnet, war auch Zeichen seiner Sensibilit√§t. So schreibt Elisabeth ihren Lebenserinnerungen; ‚Ķ ‚Äěer trug an allem schwer, an seinem eigenen Gl√ľck, an der mannigfachen Sch√∂nheit der Natur im kleinsten wie im gr√∂√üten, an dem harten Dahinleben mancher Menschen. Ihn ergriff all das im Innersten, und er litt darunter.‚Äú
Was reizt uns heute an einem solchen privaten Blick auf einen K√ľnstler? Vor allem die traurige Gewissheit des Unvollendeten, des fr√ľhen j√§hen Todes. August Macke waren nur zehn Schaffens- Jahre verg√∂nnt, er fiel siebenundzwanzigj√§hrig 1914 im Ersten Weltkrieg. In den Kreis seiner Familie und Freunde, seiner Netzwerke und G√∂nner riss Mackes Tod ein klaffendes Loch. Der √§ltere Sohn Walter notiert als Sechzehnj√§hriger in sein Tagebuch: 24. Februar 1927: ‚ÄěPapa war einer der ganz Gl√ľcklichen, ein Kind der Sonne! Was k√∂nnte ich alles noch von ihm lernen, mu√ü ich immer wieder denken. Aber es ist vielleicht besser, da√ü ich selbst lerne und mich kl√§re ohne seinen pers√∂nlichen Einflu√ü‚Ķ Ich bin so froh, da√ü ich jeden Tag in Papas Bildern auch seinen Geist, seine Lebensfreude um mich sp√ľre. Wie w√§re es, wenn alles dieses nicht da w√§re?‚Äú Nur einen Tag sp√§ter erkrankt Walter Macke, der selbst bereits malerisches Talent erkennen lie√ü und starb am 10. M√§rz 1927 an einer vereiterten Mandelentz√ľndung.

Im Katalog sind viele sehr pers√∂nliche Texte enthalten, die von nahen Verwandten und Vertrauten, seinen Enkelkinder, ihren Partnern, den Kindern Elisabeths aus zweiter Ehe mit dem langj√§hrigen Freund der Familie (Lothar Erdmann) geschrieben wurden und davon zeugen, wie liebevoll der Umgang mit dem K√ľnstler und seinem Verm√§chtnis gepflegt wurde und wird. Wie Bilder versteckt und gerettet, betrachtet und vererbt wurden. Und mit ihnen gelebt. Da w√ľnscht sich der lesende Betrachter einen Abend in der alten Remise des Bonner Macke-Hauses miterlebt haben zu d√ľrfen, wenn Mutter Elisabeth Klavier spielt, dass der Putz nebst Farbe vom Macke-Marc-Fresko rieselt und die Hamster des kleinen Til hinter den an die Wand gelehnten √Ėlbildern des Gro√üvaters langhuschen, auf der Suche nach Fasern f√ľr ein Nest.
Im Freiburger Museum f√ľr Neue Kunst haben die Arbeiten Licht und Raum, laden einige der Texte zum Vertiefen ein, dennoch empfiehlt sich nach dem Besuch der Ausstellung unbedingt der Erwerb dieses Kataloges, der in seiner feinen Gestaltung mit Leinenr√ľcken und farblich gestuften Textbl√∂cken einen ganz vorz√ľglichen privaten Rundgang durch das Universum Macke bietet.

Noch zu sehen: August Macke Haus Bonn
8. Oktober 2010 ‚Äď 9. Januar 2011

07.05.2010
Anne Hahn
August Macke - ganz Privat. Beitr. v. Ewers-Schultz, Ina. Hrsg. v. Verein August Macke Haus e.V. 144 S., 160 fb. Abb. 27 x 20 cm. Gb Wienand, Köln 2009. EUR 29,80
ISBN 978-3-86832-007-7
 
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