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Barack Obama - Bilder einer Ära

Barack Obamas Präsidentschaft endete am 20. Januar, doch was unser Gefühl betrifft, liegt sie bereits lange hinter uns – zu präsent ist sein Nachfolger Donald Trump. Geblieben sind Erinnerungen an Obama, viele Bilder, von denen die bekanntesten ein einziger Mann gemacht hat: Pete Souza war der Hausfotograf der Obamas im Weißen Haus. Seit 2005 hat er den späteren Präsidenten fotografisch begleitet. Das Bild, das wir von dem ersten afroamerikanischen Präsidenten haben, hat er entscheidend beeinflusst.
Jetzt ist ein Buch erschienen, das „Bilder einer Ära“ zeigt. Es sind viele Fotografien darunter, deren Privatheit überrascht. Diplomatische Begegnungen – etwa mit Wladimir Putin, Papst Franziskus oder Angela Merkel – scheinen in der Fotografie von Souza immer persönlich durchdrungen. Das Politische – vorgetragen in oft glänzender Rhetorik – ist bei Obama stets auch immer privat.
Die intimsten Fotografien zeigen den Präsidenten mit seiner Familie. Etwa jenes aus dem Jahr 2009: Barack und Michelle Obama in einem Lastenaufzug, auf dem Weg zu einem Ball zur Amtseinführung. Es scheint kühl: Sie trägt sein Jackett über ihrem Abendkleid. Er sucht ihre die Nähe, scherzend, liebevoll. Ein Bild, das bereits am ersten Tag der Amtszeit von Barack Obama fotografiert worden ist. In diesem Bild steckt viel, was wir bis heute in Obama sehen: Er ist ein lässiger Typ, fotogen, Teil einer sehr solidarischen Paarbeziehung. Ein Mann, der Ernsthaftigkeit mit ungewöhnlich viel Humor zu würzen versteht. Ein Präsident, der gekonnt zwischen verschiedenen Rollen wechseln kann. Nicht nur darin erinnert Obama an John F. Kennedy.
„Meine wichtigste Aufgabe ist es, ein historisches Bildarchiv dieser Präsidentschaft zu schaffen“, so kommentiert der erfahrene Bildjournalist Souza – er arbeitete unter anderem für „National Geographic“ und „Life“ – heute seine Fotografien. Viele der Bilder haben ikonischen Charakter. Jenes etwa, auf dem Obama einen Hausmeister des White House lässig mit der Bruderfaust begrüßt. Oder andere, auf denen er mit seinem Hund Bo durch die Gänge spurtet.
Obama ist unkonventionell, nahbar, sympathisch und solidarisch, sagen diese Fotografien. Obama ist zärtlich, erzählen viele der Bilder, die Obama mit seiner Frau Michelle darstellen. Souzas Werke zeigen oftmals keinen Präsidenten, sondern einfach einen Mann, mit dem man selbst gerne befreundet wäre.
Auch Angela Merkel fühlte sich augenscheinlich wohl mit Obama. Um die Welt ging das beim G7-Gipfel im oberbayerischen Krün entstandene Bild, das den Präsidenten auf einer Holzbank sitzend von hinten zeigt, vor ihm Angela Merkel, dahinter die noch schneebedeckten Alpen. Mit ausgebreiteten Armen steht Merkel vor Obama, der später kommentieren wird: „I have to admit that I forgot to bring my Lederhosen.“
In Erinnerung bleiben wird Barack Obama als ein Mann, der zwischen großer Weltpolitik und familiärer Wärme wechseln konnte, ohne die Würde des Amtes zu verraten. Aus diesem Wechselspiel von Nähe und Distanz zieht Souza seine besten Bilder. Was bleibt von der Präsidentschaft Barack Obamas? Eine Frage, die heute noch schwer zu beantworten ist. Viele der Ziele, die sich Obama stellte, konnte er nicht erreichen. In jedem Fall bleiben die Bilder von Pete Souza. Das Vorwort zu dem Bildband stammt von Barack Obama selbst.

08.05.2018
Marc Peschke
Barack Obama. Bilder einer Ära. Souza, Pete. Vorwort von Obama, Barack. 352 S. 325 fb. Abb. 26 x 31 cm. Prestel Verlag, München 2018. EUR 42,00. CHF 55,50
ISBN 978-3-7913-8433-7
 
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