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Wolfskinder

Auf dem Bucheinband f├Ąllt sp├Ąrliches Tageslicht in wenigen, schmalen L├Ąngsstreifen zwischen dicht stehende B├Ąume. Als m├╝├čte es sich verstecken, wie noch so lange die hier portr├Ątierten ostpreu├čischen Kinder. Verloren gegangen 1944/45 im explodierenden K├Ânigsberg, auf Trecks vor dem westw├Ąrts weiterziehenden deutschen Krieg. Tausende, pl├Âtzlich elternlos geworden, alleine, in Gruppen, Tieren ├Ąhnlicher als Menschen auf der Suche nach Obdach und Nahrung. Die wichtiger wurde als Lesen und Schreiben.
Wolfskinder, hinausgeworfen in die ostpreu├čischen W├Ąlder. Fremde im 1944/45 verw├╝steten Ostpreu├čen und bald schon weiter auf der Flucht vor den Russen, vor Deportationen. Nach Litauen, ins Paradies, so hatte es sich herumgesprochen, dort gab es etwas zu essen. Und Mitleid. Von Litauern aufgenommen, aufgelesen, lebten und arbeiteten viele fr├╝h auf einem Bauernhof. Doch auch dort waren sie nicht sicher, in den Anfangsjahren. Wer Deutsche bei sich aufnahm, dem drohte die Deportation.

Erwachsen geworden heiraten sie Litauer, bekommen Kinder, Enkelkinder, manche vergessen, verlernen ihre Sprache. Nach 1990 wird es leichter nach der oft unbekannten Herkunft, Familie zu suchen, Reisen zu im Westen lebenden, verloren geglaubten Eltern, Geschwistern m├Âglich. Nicht alle w├╝nschen sich diesen Kontakt.

Ein Familien-Fotoalbum. Zwischen vielen farbigen Fotografien litauischer W├Ąlder jeweils ein Blatt mit einer oder zwei Seiten Text f├╝r jedes dieser wenigen ├╝berlebenden, noch lebenden Wolfskinder, ihre alte und neue Familie. Einblicke in Familiengeschichten, neu fotografiert in Portr├Ąts heute hochbetagter M├Ąnner und Frauen in einem oft sehr bescheidenen h├Ąuslichen Umfeld. Mit alten Fotografien und einigen wenigen Familienpapieren aus einer Welt und Zeit die unserer vorausging. Und mit der uns dieses Buch, oft schmerzlich, verbindet.
Ein Buch, eindringlich in seinen Texten und durch seine Fotografien. Ein Buch das anr├╝hrt.

Von der Amsterdamer Tageszeitung "de Volkskrant" als eines der f├╝nfzehn sch├Ânsten Fotob├╝cher des Jahres 2015 benannt. Fotografien aus diesem Buch zeigt das Ostpreu├čische Landesmuseum in L├╝neburg, www.ostpreussisches-landesmuseum.de, in einer Ausstellung vom 12. M├Ąrz bis zum 29. Mai 2016 und bietet dazu ein umfangreiches Begleitprogramm an.

08.04.2016
Wolfgang Schmidt, Berlin-Friedenau
Wolfskinder. Fotografien Claudia Heinermann, Texte Sonya Winterberg, Epilog Prof. Dr. Wolfgang Freiherr von Stetten, Design SYB Sybren Kuiper, 404 S. 187 fb., 96 sw. Abb. 31 x 23 cm, Dtsch/Engl. EUR 50,00 Claudia Heinemann, Selbstverlag 2015. Das Buch kann unter www.wolfskinder.eu bestellt werden.
ISBN 978-90-814089-3-6
 
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