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Vedute di Roma

Piranesis Welt, das ist die Welt des antiken Rom, der PalĂ€ste, Villen, Circi und AquĂ€dukte, aber auch der KanĂ€le, Grotten und Kloaken, und es ist die Welt Carceri, der phantastischen Zwischen- oder Unterwelten, der Kerker voller visionĂ€rer Einblicke und perspektivischer Irrungen. Kaum ein anderer KĂŒnstler hat eine so eigene Sicht auf die Architektur gehabt und wohl keiner ist in unserer Vorstellung so fest verankert: Ein antiker Kosmos dargestellt aus der Sicht des 18. Jahrhunderts. Der Anstoß kam von außen: Die InitialzĂŒndung ging von Canalettos Venedig-Veduten aus und fand im Jahr 1744 statt, mitten im goldenen Jahrzehnt der „AcadĂ©mie de France Ă  Rome“ und direkt vor deren HaustĂŒr.

Der Band von Luigi Ficacci vom Istituto Nazionale per la Grafica ist ausgesprochen wohlfeil, und er kann fĂŒr sich in Anspruch nehmen, das druckgraphische Gesamtwerk Giovanni Battista Piranesis komplett zu versammeln. Der Haupttext ist in englischer Sprache gedruckt, in schwer lesbarer FußnotengrĂ¶ĂŸe erscheint er auch deutsch und französisch. Ein knapper Einleitungstext muss zwangslĂ€ufig Vereinfachungen mit sich bringen, so wenn die Tempel von PĂ€stum 1777 als „noch unbekannt“ (S. 38) bezeichnet werden. Auch wird manches offen gelassen, was Neugier geweckt hat, so der Anteil, den die Absolventen der AcadĂ©mie de Rome an Piranesis „Vedute di Roma“ genommen haben könnten
Dabei ist Ficacci ein lebendiger Schilderer der Grundstrukturen und Probleme, die die HerausschĂ€lung des antiken aus dem modernen Rom fĂŒr Piranesi stellt. Der Polemiker Piranesi, der fĂŒr den Primat der römischen Architektur vor der griechischen und barbarisch-„gotischen“ eintritt, wird gestreift, Piranesis spĂ€tes archĂ€ologisches Interesse in Pompeji und Herkulaneum kurz benannt. Der Reiz des Buches in seiner neuen Form liegt darin, dass es handlich und doch nicht zu klein ist, so dass die Stiche in einem akzeptablen Format abgebildet werden können, was die Lesbarkeit der auf ihnen angebrachten Inschriften aber nicht einschließt.

Wer nur die „Vedute di Roma“ kennen lernen oder wieder betrachten möchte, dem bietet der Ausstellungskatalog des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin eine leider nur reprĂ€sentative Auswahl in grĂ¶ĂŸerem Format. Die LĂŒckenhaftigkeit der vorhandenen Piranesi-BestĂ€nde in beiden ehemaligen Berliner Kupferstichkabinetten fĂŒhrt dazu, dass sich das etwas willkĂŒrlich ĂŒberlieferte Material in einen imaginĂ€ren Stadtrundgang durch Rom gliedert, den Hein-Th. Schulze Altcappenberg mit dem Leser unternimmt. Ihm folgt Ulf Sölter mit einem kleinen Überblick ĂŒber Staffage und Ornament bei Piranesi. Die jeweils auf den Rom-Veduten dargestellten Bauwerke werden in pointierten Bildunterschriften kurz, aber informativ beschrieben, so dass sich auch hier Manches kennen lernen oder auffrischen lĂ€sst.

Wer allerdings tiefer in das Thema eindringen möchte, der wird auf Norbert Millers Klassiker „ArchĂ€ologie des Traums. Versuch ĂŒber Giovanni Battista Piranesi“ (1978) zurĂŒckgreifen mĂŒssen, ein Buch, das es gegenwĂ€rtig nur antiquarisch gibt.
19.1.2009

Ficacci, Luigi: Piranesi. 25 Jahre TASCHEN. 2006. 352 S. - 21,7 x 17,1 cm. TASCHEN Verlag, Köln 2006. Gb EUR 9,99 3-8228-5094-2

Jörg Deuter
Giovanni Battista Piranesi. Vedute di Roma /Ansichten von Rom. Aus dem Berliner Kupferstichkabinett. Katalog Hrsg.: Schulze Altcappenberg, Hein Th /Sölter, Ulf /Staatliche Museen zu Berlin. 64 S., 28 sw. u. 8 fb. Abb. 28 x 22 cm. Pb. Deutscher Kunstverlag, MĂŒnchen 2007. EUR 19,90
ISBN 978-3-422-06741-7
 
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