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Die fr√ľhchristliche und byzantinische Kunst

Das vierte B√§ndchen der neuen C.H.Beck-Wissen Reihe ‚ÄěKunstepochen‚Äú handelt von der fr√ľhchristlichen und byzantinischen Kunst. Kein geringerer als Johannes Deckers, Emeritus der Byzantinischen Kunstgeschichte, ist es, der die sowohl faszinierende als auch grenzensprengende Epoche behandelt und anschaulich den Weg zum Verst√§ndnis christlich gepr√§gter Kunst √∂ffnet. Der Autor gliedert sein umfangreiches Thema in vier Phasen: die sp√§tantike-fr√ľhbyzantinische (3.-8. Jh.), die mittel- (8. Jh.-1204), die sp√§t- (1204-1453) sowie die nachbyzantinische Phase von 1453 bis heute. In sechs Schwerpunkten behandelt er die Anf√§nge christlicher Kunst, das Ph√§nomen der Ikone, den Kirchenbau inklusive Bildprogramm, den √∂ffentlichen Raum mit seinen Portr√§ts sowie die Au√üenwirkung byzantinischer Kunst und schlie√ülich das Nachleben von Byzanz nach 1453 im Spannungsfeld zwischen den Metropolen Rom und Konstantinopel.

Sich fr√ľhchristlicher und byzantinischer Kunst zu n√§hern, hei√üt, sich mit dem Gebot der Bilderlosigkeit des jungen Christentums zu befassen und sich stets der Grenze zwischen der blo√üen Darstellung und der Verehrung eines Bildes bewusst zu sein: ein Problem, dem sich sowohl K√ľnstler als auch Betrachter ausgesetzt sahen. Die fr√ľhchristliche Zeit war gepr√§gt, inspiriert sowie √ľberschattet von der bilderreichen Antike. Gegen dieses Erbe galt es sich abzusetzen, es galt aber auch, Erworbenes in den Dienst der neuen Religion zu stellen. Daraus entwickelte sich der fr√ľhchristliche Symbolekanon (Fisch, Taube, Anker etc.). In der Sarkophagkunst machte man sich bew√§hrte Bildformeln zunutze: Ein schlafender J√ľngling, den man als Endymion zu deuten gewohnt war, konnte in christlichem Kontext als Jonas gesehen werden; sollte der Liebreiz der verstorbenen Ehefrau gepriesen werden, griff man statt zur Liebesg√∂ttin Venus zur Susanna, deren Sch√∂nheit im Bade belauscht wird.

Ganz auf Bilder konnte man zu keiner Zeit christlicher Glaubensgeschichte verzichten. Die wichtigsten Motive des Christentums waren bald das Bild Jesu Christi und das der Gottesmutter, die ihren spirituellen und k√ľnstlerischen H√∂hepunkt schlie√ülich in den Ikonen fanden, die nach dem Volksglauben unabh√§ngig vom Urheber durchaus ein Eigenleben zu f√ľhren imstande waren. Die Errichtung gro√üer Kirchenbauten nach Konstantin f√ľhrte zu einer ‚ÄěImperialisierung der Gestalt Christi‚Äú im Sakralraum; Christus wird sozusagen ‚Äěkaisertauglich‚Äú, das hei√üt: Die Ikonographie seiner g√∂ttlichen Allmacht greift auf bew√§hrte kaiserliche Darstellungsformen zur√ľck - Nimbus, Purupurmantel, Thronsitz sowie Sonne, Mond und Sterne als Begleiter und Folie. Dar√ľber hinaus veranschaulicht das kirchliche Bildprogramm mit Heiligen und vorbildlichen W√ľrdentr√§gern hierarchisch die g√∂ttliche Weltordnung. Im √∂ffentlichen Stadt-Raum Konstantinopels spielten nach wie vor die Bildnisse von Kaisern und hohen Beamten eine gewisse Rolle.

Erstaunlicherweise war die Abkehr von der Antike in Konstantinopel weniger vehement als im Westen: Da die St√§dter sich als echte R√∂mer (‚ÄěRhomaioi‚Äú) verstanden, hegte man das antike Erbe. In seiner christlichen Identit√§t war man selbstbewusst genug, um dies m√∂glich zu machen.

Daniela Maria Ziegler
Deckers, Johannes: Die fr√ľhchristliche und byzantinische Kunst. (Beck'sche Reihe 2553) Pb. C.H. Beck, M√ľnchen 2007 EUR 7,90
ISBN 978-3-406-56293-8   [C. H. Beck]
 
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