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Conrad von Soest. Maler unter f├╝rstlichen Kaufherren

Conrad von Soest ist einer der Gro├čen der mittelalterlichen Malerei. Sein Wildunger Altar von 1403 gilt als Meilenstein in der europ├Ąischen Kunstgeschichte. Um so entt├Ąuschender ist es, da├č Abhandlungen zur Kunst des ber├╝hmten Westfalen rar sind. Drei sehr unterschiedliche B├╝cher, deren Erscheinungszeitpunkte weit auseinander liegen, seien im folgenden vorgestellt. Eine aktuelle Monographie stammt aus der Feder von Brigitte Corley, Spezialistin auf dem Gebiet der sp├Ątmittelalterlichen Tafelmalerei, die ihre Ergebnisse nach langj├Ąhriger Besch├Ąftigung mit Conrad von Soest nun in deutscher Fassung vorlegt hat, nachdem das englischsprachige Original bereits 1996 erschienen war. Mit f├╝r den Leser klar nachvollziehbarer Argumentationsweise entwickelt die Autorin neue Thesen zur Wanderschaft Conrads, zu seinen Bildquellen und zum Einflu├č, den er auf die nordalpine Malerei aus├╝bte. So kommt sie zu dem Schlu├č, da├č der westf├Ąlische Meister im Paris der 1380er Jahre eine nachdr├╝ckliche Pr├Ągung erfahren haben mu├č, und er selbst wiederum in seiner Werkstatt den K├Âlner Meister der Heiligen Veronika ausgeformt habe. Zugleich wird das Panorama der Kunst um 1400 pr├Ągnant beschrieben, und dar├╝ber hinaus versucht sich Corley am Einfangen des in Conrads Wirkungsort Dortmund herrschenden geistigen Klimas. Erstmalig wagt sie sich an die heikle Frage heran, wer seine Auftraggeber waren. Die Verfasserin erkl├Ąrt die wohlhabenden patrizischen Kaufherren zu den Kunden des Malers, ein Umstand dem das Buch seinen Untertitel verdankt. Alle diese teilweise sehr ├╝berzeugenden ├ťberlegungen sind eingebunden in eine kenntnisreiche Betrachtungsweise von Kunstwerken und in die W├╝rdigung von Conrads K├Ânnen. Umfangreiches Abbildungsmaterial von seinen Werken und seiner Zeitgenossen lockern die Kapitel auf. Corleys in der deutschen ├ťbersetzung erhalten gebliebener eing├Ąngiger Schreibstil tun auch die teilweise nachl├Ąssig lektorierten Textpassagen keinen Abbruch, die wiederum kein Ruhmesblatt f├╝r einen so renommierten Anbieter wie den Gebr├╝der Mann Verlag sind.
Von durchweg h├Âherer Qualit├Ąt sind die Bildreproduktionen in Arthur Engelberts Conrad von Soest-Monographie aus dem Jahr 1995 (Walther K├Ânig, K├Âln), bei der der Blick im Unterschied zur erheblich breiter angelegten Studie Brigitte Corleys auf den Maler selbst konzentriert ist. Sch├Ân ist die Idee, die Hauptwerke Conrads ├Ąhnlich ihrer Erscheinungsweise im Kirchenjahr abzubilden, als auf- und zuklappbare Leporellos. Engelberts Buch ist mehr als anspruchsvolles Bilderbuch mit Ausfl├╝gen in die Realienkunde angelegt denn als Arbeit ├╝ber die Wirkungszeit des K├╝nstlers und einer Auseinandersetzung mit aktuell in der Kunstwissenschaft gef├╝hrten Diskussionen wie dies in den Texten von Brigitte Corley der Fall ist.
Im Vergleich zu den genannten ├╝ppigen K├╝nstlermonographien mutet das schon 1966 in der Langewiesche-B├╝cherei ├╝ber Conrad von Soest erschienene B├Ąndchen von au├čen mager an, jedoch nur auf den ersten Blick. Die Brosch├╝re, die mit sechs Textseiten auskommt, ist ein Klassiker. Bis heute ist sie das Standardkompendium ├╝ber den gro├čen Westfalen mit 32 brillanten Abbildungstafeln der ihm zugeordneten Werke, die H├Ąlfte davon in Farbe. Verfasser des Textes ist keine geringerer als Alfred Stange, Altmeister der Erforschung deutscher Malerei der Gotik. Die in blumige Sprache gepackte Abhandlung ist das Produkt seiner Jahrzehnte w├Ąhrenden Auseinandersetzung mit dem Schaffen Conrads. Stanges Entwurf vom Werdegang des Malers, von seiner Beeinflussung und Wirkungskraft sowie die Zusammenstellung von dessen OEuvre avancierte in den Jahrzehnten nach dem Erscheinen zur grundlegenden Studie ├╝ber den K├╝nstler. Auf dieser Basis bauten Forscher wie Arthur Engelbert, der Autor des gro├čformatigen Bildbandes, und Brigitte Corley, die Verfasserin der aktuellsten Monographie, auf. Das B├╝chlein aus der Langewiesche Reihe wird Grundlage einer jeden Besch├Ąftigung mit dem Thema bleiben.
Was die so unterschiedlichen, jedoch gleicherma├čen qualit├Ątvollen B├╝cher von Alfred Stange und Brigitte Corley eint, ist der stilkritische Ansatz bei der Herangehensweise an die Malereien und die den Kunstwerken angemessene Sprache der Beschreibung und Bewertung. Beide B├╝cher sind Produkte ihrer jeweiligen Entstehungszeit und werden dennoch gleicherma├čen lesenswert bleiben.
Annette Scherer
Alfred Stange: Conrad von Soest. 40 S., 32 Abb., SC; Langewiesche-K├Ânigstein 1966. EUR 3,50
ISBN 3-7845-0370-5   [Langewiesche - K├Ânigstein]
Corley, Brigitte. Conrad von Soest. Maler unter f├╝rstlichen Kaufherren. Aus d. Engl.: Grote, Andreas. Gebr. Mann, Berlin 1999. HC; EUR 102,-
ISBN 3-7861-2293-8
 
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