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Die Ritter des Herrn

Kritische √Ąu√üerungen zu den Kreuzz√ľgen haben in den politischen und kulturhistorischen Diskussionen j√ľngster Zeit hohe Konjunktur. Aus den islamischen L√§ndern ert√∂nen noch weniger differenzierte Invektiven gegen die "Kreuzritter" in Vergangenheit und Gegenwart. So gesehen, sollte ein Buch von strikt historisch-wissenschaftlichem Tenor √ľber die Geschichte der Geistlichen Ritterorden des Mittelalters, als wesentlicher Tr√§ger der Kreuzzugsidee, besonders willkommen erscheinen, obwohl es auch in j√ľngster Vergangenheit an einschl√§gigen Bem√ľhungen der Geschichtsschreibung nicht gefehlt hat. Der Verfasser des hier angezeigten Buches von zusammenfassendem Charakter verdient gehobene Aufmerksamkeit auch deshalb, weil aus seiner Feder schon eine wichtige Darstellung zur Geschichte des Templerordens (auch in deutscher √úbersetzung) vorliegt. Die Zerschlagung dieses m√§chtigsten unter den Geistlichen Ritterorden, 1119 in Jerusalem begr√ľndet und nach bedeutender Bl√ľte und milit√§risch-politischer Leistung von K√∂nig Philipp dem Sch√∂nen im Jahre 1307 gewaltsam unterdr√ľckt, bezeichnete einen der √§rgsten Skandale des hohen Mittelalters, mit erheblichen Auswirkungen auf Staat, Kirche, gesellschaftliche Strukturen und Finanzwelt, ‚Äď ein Vorgang, der im vorliegenden Buche allerdings nur am Rande ber√ľhrt wird.
Dem Verfasser geht es vor allem um die Standortbestimmung der Geistlichen Ritterorden in der Geschichte des mittelalterlichen Ritterwesens allgemein, ausgehend von ihrer Begr√ľndung bald nach der Eroberung des Heiligen Landes im Ersten Kreuzzug mit den dadurch notwendig gewordenen politisch-milit√§rischen sowie neuen‚Äö sozialen Strukturen. Der geistliche Charakter der elit√§ren Ritterorden ist prim√§r von ihrer Jerusalemer Herkunft gepr√§gt. Man d√ľrfte sogar sowohl den Templer- wie den Hospitaliterorden als sakralisierte "militiae" zum Schutze des Heiligen Grabes und der ihm zustr√∂menden Pilger definieren. Weitere, praktische Notwendigkeiten f√ľhrten zur Begr√ľndung anderer Ritterb√ľndnisse religi√∂sen Charakters, - so des Lazarusordens zur Pflege der Auss√§tzigen, ferner - in regionaler Verengung - des "Deutschen Ordens von der hl. Maria" oder des englischen St. Thomas-Ordens, w√§hrend die franz√∂sischen Ritter sich im wesentlichen im Templerorden gefunden hatten. Ein fundamentales und gemeinsames Gr√ľndungsprinzip aller Geistlichen Ritterorden der Kreuzfahrerzeit war jedenfalls ihr karitatives Engagement.
Nach ihrer relativ kurzen Geschichte im Kreuzfahrerstaat des Hl. Landes dehnten die Ritterorden ihre Aktivit√§ten aus auf die benachbarten Gebiete Kleinasiens, Griechenlands und der mittelmeerischen Inseln sowie auf das christliche Abendland. Hier wird der Kreuzzugsgedanke √ľbertragen auf den allgemeinen Kampf gegen die Ungl√§ubigen, - so in der spanischen Reconquista, dort auch verbunden mit der Gr√ľndung eigener Orden, sowie f√ľr Deutschland besonders wichtig mit der christianisierenden Eroberung der √∂stlichen Gebiete der heidnischen Pruzzen und Livl√§nder; machtpolitische Unternehmungen von geradezu staatsbildendem Charakter, die dem neuzeitlichen Betrachter als zweckentfremdete Eins√§tze religi√∂ser Ritterverb√§nde erscheinen m√ľssen: Pruzzen und Balten als "Sarazenen" verstanden!
Neben der Schilderung der historischen Abl√§ufe wird im Buche von Demurger sodann die Spiritualit√§t der Geistlichen Ritterorden als "Ordensfamilien eigener Art" ausf√ľhrlich angesprochen.
Ausf√ľhrlich werden die Pragen nach Herkunft und Rekratierung der Ordensmitglieder gestellt, nach Organisation, Besitzverh√§ltnissen, wirtschaftlichen Aktivit√§ten, z.B. auch nach dem Verh√§ltnis zu Frauen, - "ein gef√§hrlich ding" (Templerregel). Von eigener Problematik f√ľr die Geistlichen Ritterorden ist die mit ihnen gegebene christliche Guthei√üung von Gewalt und Kampf, und ein Verst√§ndnis des Krieges als Werk frommer Bu√üe. In solchem Zusammenhang ist manchmal eine Beziehung zum "ribat" vermutet worden, einer milit√§risch-religi√∂sen Versammlung im islamischen Nordafrika und Spanien, oder gar zum "dschihad", dem Heiligen Krieg der Mohammedaner. Es sollte aber auch gesagt werden, dass die hier gegebene Problematik "Geistlicher" Ritterorden schon im l2. Jahrhundert auf christlicher Seite gesehen und mit energischer Kritik abgemahnt worden ist.
Abschlie√üende Ausblicke des Buches befassen sich mit dem Ph√§nomen der Geistlichen Ritterorden in neuerer Zeit. Ihre Existenzberechtigung gr√ľndet wieder in der karitativen T√§tigkeit, - man denke an Johanniter, Lazarus- und Deutschen Orden, - nur im Falle der Malteser verbleibt noch ein Rest urspr√ľnglicher Souver√§nit√§t. Hier ergibt sich jedenfalls in gewissem Sinne eine R√ľckkehr zu den urspr√ľnglichen Zielsetzungen der Geistlichen Ritterorden des Mittelalters. In Artikel 4 der Regel des Deutschen Ordens hei√üt es:'...weil dieser Orden erst ein Spital gewesen ist und erst dann Ritterschafft."

Viktor Elbern
Demurger, Alain: Die Ritter des Herrn. Geschichte der geistlichen Ritterorden. Aus d. Franz. v. Kaiser, Wolfgang. 399 S., 20 Abb., 7 Ktn. Gb., C.H. Beck, M√ľnchen 2003. EUR 26,90
ISBN 3-406-50282-2   [C. H. Beck]
 
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