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Deutschen Schnitzretabel des 14. Jahrhunderts

Aus dem bunten Spektrum mittelalterlicher Altaraufs√§tze kristallisiert sich gegen Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts in der deutschsprachigen Kunstlandschaft die Version des geschnitzten Fl√ľgelretabels heraus. Im Unterschied zu den Schnitzalt√§ren der Sp√§tgotik, die in der Literatur opulent behandelt wurden, sind die fr√ľhen Werke immer noch zu wenig im Bewu√ütsein der √Ėffentlichkeit verankert. Erst in den letzten Jahren richtet sich wieder mehr Aufmerksamkeit auf den insgesamt faszinierenden Denkm√§lerbestand dieser Fr√ľhzeit. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die vorliegende Arbeit, die von den √§ltesten erhaltenen Werken um 1300 bis zu St√ľcken der Zeit um 1380 erstmals einen vollst√§ndigen √úberblick bietet ‚Äď eine Synopse der erhaltenen und rekonstruierbaren Werke in ihrem authentischen materiellen Bestand, in ihrer Morphologie und Ikonographie. Auf der Basis dieses bis dato noch nicht vorhandenen Katalogs werden schlie√ülich gattungstypische Fragen aufgeworfen.
Die Fr√ľhphase des Schnitzretabels ist von gro√üer formaler Experimentierfreude gepr√§gt, und dementsprechend kompliziert ist der Versuch m√∂glicher typologischer Ableitungen. Im Zentrum der Arbeit steht ferner das Problem funktionaler Eigenschaften der Retabel, deren Fl√ľgel nicht, zumindest nicht vordergr√ľndig, als Schutzmechanismus f√ľr einen kostbaren Reliquieninhalt zu verstehen sind, sondern einer liturgisch-rituellen Bildpr√§sentation und ‚Äďverh√ľllung dienten. In engem Zusammenhang damit stehen auch die spezifischen Bildprogramme, welche nicht als popul√§re "Bilderbibel" fungierten, sondern ein institutionell kirchliches Selbstbewu√ütsein vermittelten. Kirchliche Eigenrepr√§sentation umschrieb f√ľr die Schnitzalt√§re des genannten Zeitraums einen monastischen Kontext, denn fast ausschlie√ülich in den Sanktuarien von Klosterkirchen fanden sie ihren Platz. Mit dem Ende des 14. Jahrhunderts kam es hierin zu einem "Paradigmenwechsel", weshalb das Buch mit diesem Zeitpunkt endet und auf die Jahrzehnte um und nach 1400 nur noch ein kurzes Streiflicht wirft. Unter vielen Aspekten also entsteht vor dem Leser ein vielschichtiges Panorama von Kunst und Fr√∂mmigkeit im hohen und sp√§teren Mittelalter.
vdr
Wolf, Norbert: Die deutschen Schnitzretabel des 14. Jahrhunderts. Anfänge. Aufgaben. Bedeutung. Deutscher Verlag f. Kunstwissenschaft, Berlin 2002. 411 S., 241 teilw. fb. Abb. Gb. Ln EUR 99,-
ISBN 3-87157-194-6
 
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