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Ikonen der Renaissance

Alexander Markschies, ausgewiesener Kenner der Renaissancearchitektur, hat bei Prestel erlesene Ikonen derselben in einem lehrreichen Bilderbuch auf etwa 144 Seiten und in 266 Abbildungen zusammengefasst. Einleitend hebt er neben zeitlicher Eingrenzung und dem √ľblichen Hinweis auf die Idee von der Wiedergeburt der Antike auf das Bewusstsein dieser Epoche ab, sich in einer Zeit der (Er-)Neuerungen t√§tig zu sehen, zu denen man die Entdeckung neuer Meere ebenso z√§hlte wie auch die Erfindung des Buchdruckes. So stellt Markschies die Architekten der Zeit als herausragende Bauk√ľnstler dar, die arch√§ologisch forschten oder bedeutende Architekturtraktate verfassten. Obwohl die Auftraggeber dieser Architekten wenig √ľber ihre Beweggr√ľnde verlauten lie√üen, k√∂nne man aus den wenigen √ľberkommenen Aussagen durchaus schlie√üen, dass sie ein Bewusstsein √ľber die religi√∂se und gesellschaftspolitische Dimension ihrer Bauvorhaben hatten. Eindringlich auch Markschies Hinweis auf die Gr√∂√üe der damaligen Baustellen, die von mehreren Hundert Handwerkern betrieben wurden und deren teils erhaltenen Aufstellungen der Kosten und Auftragsvergaben vom komplexen Bauvorgang zeugen.
Markschies reiht die ausgew√§hlten Bauten in chronologischer Reihefolge ihrer Entstehung auf, so dass der Leser eine Entwicklungsgeschichte in all ihrer Logik, in ihrer regionalen Andersartigkeit und in der Vielfalt der zeittypischen Bauaufgaben erf√§hrt. Dabei beschr√§nkt sich der Autor nicht auf den √ľblichen Blick nach Italien, sondern sortiert - durch die zeitliche Reihung manche √úberraschung provozierend - die Highlights der Renaissancearchitektur auch aus Russland, Tschechien, Polen, Ungarn, Deutschland, Belgien etc. ein. So belegt er eine europaweite Stilbewegung, deren Vielfalt und architektonisch klare - gelegentlich mit sp√§tgotischem Ornament versetzte - Sprache sich im Bewusstsein der Leser durch diesen Band verankern sollte. Jede einzelne Bau-Ikone wird von Markschies auf zwei Buchseiten beschrieben und mit kurzen Lebensl√§ufen der Architekten, mit Grundrissen sowie Fotos des Baus und wichtiger Baudetails vorgestellt. In kurzen, aber √§u√üerst pr√§gnanten Texten, aus seinem profunden Wissensschatz sch√∂pfend, gelingt es Markschies nicht nur die architekturgeschichtlich relevanten Besonderheiten und deren Wirkung zu beschreiben, sondern die einzelnen Bauten mitsamt Entstehungsgeschichte, Funktion, Auftragsgeber in den kulturgeschichtlichen Kontext einzubinden.
Annegret Winter
Ikonen der Renaissance Architektur. Alexander Markschies. 144 S. 190 fb. Abb. 32 cm. Kst Prestel, Köln 2003. EUR 39,95
ISBN 3-7913-2840-9
 
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