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Religiöse Vereine

Im politisch-kulturellen Widerstreit zwischen den unterschied lichen Interessengruppen einer Gesellschaft liegt die Wurzel f√ľr die Etablierung von sozialen Gemeinschaften. Das ist heute nicht anders als im klassischen Altertum. Allerdings verfolgten Vereine in der Antike vorrangig religi√∂se Anliegen, was in der staatspolitischen Bedeutung von Religion und Mythos begr√ľndet ist. Der vorliegende Band der Reihe "Studien und Texte zu An-tike und Christentum" informiert √ľber das gesamte Netzwerk r√∂misch-antiker Gemeinschaften - collegia, sodalitates, scholae - angefangen beim Ursprung im 4. Jh. v. Chr. in Athen (Stichwort Epikureer) bis hin zu christlichen Vereinigungen in der Sp√§tantike (4. Jh. n. Chr.). Gegliedert in zwei Teilen, widmet sich der 1. Teil (S. 9-120) vorwiegend den sozialen und religi√∂sen Grundlagen des r√∂mischen Vereinswesens. Dabei werden neben den sozialreligi√∂sen Fragen auch juristische beleuchtet und insbesondere die staats- und religionstragende Bedeutung der Gemeinschaften in Priesterkollegien, Geheimb√ľnden, in Handwerker- und Mysterienvereinen.
Der 2. Teil (5. 123-297) spricht insbesondere den Kunst-wissenschaftler an. Hier geht es um architektonische Be-dingungen, um das Verhältnis von Raumordnung und Raumge-staltung als Element der Religionsästhetik und Mittel zur Repräsentation des Vereinsanliegens.
Der Einfluss von Vereinssitten auf die Alltagskultur wird dabei recht anschaulich im Beitrag von J√∂rg R√ľpke "Collegia sacerdotum" illustriert: Die Bedingungen beim Amtsantrittsessen stadtr√∂mischer Priester, der cena aditialis, die Zusammengeh√∂rigkeit von Opfer und Mahlzeit, beeinflussten den r√∂mischen Hausbau. Da die Privath√§user der Priester als "Amtslokale" genutzt wurden, lieferten sie die Orientierung f√ľr die Trennung zwischen privaten und √∂ffentlichen R√§umen im r√∂mischen Haus der Oberschicht und davon ausgehend Vorlagen f√ľr die Einrichtung und Ausschm√ľckung der √∂ffentlich genutzten R√§ume: Die Verschwendung bei den cenae sacerdotales war Indiz f√ľr die verschwenderische Ausschm√ľckung der Speiser√§ume, wof√ľr wir gen√ľgend Belege aus Pompeji oder Thera haben.
Andere Beitr√§ge analysieren die k√ľnstlerisch vielgestaltige Innenarchitektur, beispielsweise die von Kultanlagen dionysischer Vereine in Kallatis an der westlichen Schwarzmeerk√ľste, in Athen und Melos, oder die der fr√ľh-christlichen Basiliken in Nordafrika, Vorderasien (Syrien, Libanon, Antiochia) und Italien. Nicht minder ausf√ľhrlich werden religi√∂se und profane Vereinsgeb√§ude aus Ostia und Pergamon vorgestellt.
Abbildungen, Lagepl√§ne und katalogm√§√üige Beschreibungen der Fundst√ľcke aus einzelnen Vereinslokien erg√§nzen die verbalen Ausf√ľhrungen. Wissenschaftlich ausgewogen, mit Quellenbelegen und erg√§nzenden Literaturangaben sowie Register am Schlu√ü vermittelt dieses Buch dem Fachinteressierten viele Details, allerdings in stilistisch anspruchsvoller Form.
Wer sich ergänzend zu Kultpraxis und Rituale antiker Mysterienreligionen sowie ihrer Verbindung zum Christentum informieren möchte, dem sei das gut verständliche Taschenbuch von Hans Kloft "Mysterienkulte der Antike:
G√∂tter, Menschen, Ritualen" (M√ľnchen: Beck, 1999. ISBN 3-406-44606-X) empfohlen.
Gisela Ewert
Religiöse Vereine in der römischen Antike. Untersuchungen zu Organisation, Ritual und Raumordnung. Hrsg.: Egelhaaf-Gaiser, Ulrike. 2002. 320 S.. Br Eur[D] 60,-
ISBN 3-16-147771-5
 
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