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Über Bäder und das Baden

Die R√∂mer haben zum Wasser ein sehr nat√ľrlich, intimes Verh√§ltnis. Das ist heute nicht anders als vor 2000 Jahren. Zu vielf√§ltigem Vergn√ľgen und Nutzen war und ist Wasser f√ľr den R√∂mer Lebenselexier und Mittel k√ľnstlerischer sowie ingenieurtechnischer Bet√§tigung. Kein Wunder also, dass das Wasser auch Gegenstand dichterischer Betrachtungen wurde.
Davon handelt das vorliegende Buch. Als Dissertation entstanden, vermittelt es in Detailwissen mit Quellen und kritischen Anmerkungen ‚Äď das Ganze allerdings in einer leichten, fl√ľssigen Sprache, die auch den interessierten Laien anzusprechen vermag, vor allem auch deswegen, weil der Autor neben der literarischen Reflektion dem "Leben in den B√§dern" breiten Raum widmet.
Einleitend erf√§hrt der Leser einiges √ľber Herkunft, Anlage und Ausstattung der B√§der im antiken Rom und seinen Provinzen, au√üerdem auch einiges zur Quellenlage, Literatur und zum Stand der wissenschaftlichen Forschung.
Anschlie√üend werden ausf√ľhrlich die literarischen Zeugnisse des r√∂mischen B√§derlebens behandelt. Es fehlen nicht die Gedichte von Martials und Statius (1. Jh.), die insbesondere den Luxus beschreiben, der kennzeichnend f√ľr die r√∂mischen B√§der in der Kaiserzeit war, nicht die Verse des Ausonius (4. Jh), der in seiner "Mosella", Loblied auf den Fluss der damaligen Kaiserresidenz Trier, begeistert √ľber die B√§der am Flussufer schreibt:
"Wenn ein Fremder von den Gestaden Cumaes hierherk√§me, w√ľrde er glauben, dass Baiae, die Eub√∂ische Kolonie, ein feines Abbild diesem Ort geschenkt h√§tte. So gro√üer Komfort und Glanz lockt an, und doch f√ľhrt die Erquickung nicht zur Ausschweifung."
Ein Teil innerhalb der "B√§der-Epigramme" sind jenen vorbehalten, in denen √ľber Einrichtung, Renovierung und Unterhalt der B√§der berichtet wird. Hier finden sich griechische Bauinschriften aus dem 3.-6. Jh., z.B. zur Thematik "das sorgenvertreibende Bad" und ‚ÄěSponsorig", wie folgender Text an den Hadrian- Thermen von Aphrodisias (Westanatolien) beweist: "Dreitausend Goldst√ľcke spendete f√ľr dieses Bad Hermias und verschaffte sich immerw√§hrendes Andenken"; ferner Epigramme zum Bade der G√∂tter, Venus und der Chariten z. B, aber auch Besonderheiten der separaten Frauen- und M√§nnerb√§der. Schier endlos ist die F√ľlle der Informationen: Die Rolle des Bades im Tagesablauf, die Gewohnheiten, "Gesch√§ftsbeziehungen" anzukn√ľpfen bzw. Einladungen zum Essen zu erschleichen, aber auch technische Aspekte zur Betreibung der B√§der, Sicherung der Temperatur, Reinigung, Wasserqualit√§t usw. Man erf√§hrt von individuellen Badegewohnheiten, von B√§dern als Orte k√ľnstlerischer Auff√ľhrungen und dass es keine sozialen Grenzen gab ‚Äď auch Sklaven durften die √∂ffentlichen B√§der benutzen.
Aufgelistet sind auch B√§der-Epigramme als Grabinschriften, an christlichen Kirchen und entsprechende als Graffiti aus Pompeji und Herculaneum: "Wenn ich deinen Leib, mein Leben!, mit meinen H√§nden ber√ľhren k√∂nnte, w√ľrden jene das hei√üe Wasser nicht mehr ertragen."
Dieses Buch von St. Busch ist ohne Zweifel ein erneuter Beweis daf√ľr, wie unverbraucht nah uns noch immer die Antike sein kann.
Gisela Ewert
Busch, Stephan: Versus Balnearum. Die antike Dichtung √ľber B√§der und Baden im r√∂mischen Reich [Badewesen]. 05/1999. XIV,616 S., 6 Abb. Pb DEM 148,- [1] /ATS 1080,- /CHF 133,-
ISBN 3-598-77256-4
 
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