KunstbuchAnzeiger - Kunst, Architektur, Fotografie, Design Anzeige Verlag Langewiesche K├Ânigstein | Blaue B├╝cher
[Home] [Epochen] [Rezensionen] [Druckansicht]
Themen
Recherche
Service

[zurŘck]

Einblattdrucke des 15. und fr├╝hen 16. Jahrhunderts -

Im wahrsten Sinne des Wortes ÔÇ×einseitige" Information von h├Âchstem Rang bietet das vorliegende Buch mit einer umfrangreichen Zusammenfassung eingehender Studien auch hinsichtlich historischer, literatur- und sprachwissenschaftler, buch- und kunsthistorischer sowie inkunabelkundlicher Aspekte. Nicht nur der Text bildet eine Grundlage f├╝r diese Studien, sondern auch die sorgf├Ąltig ausgearbeiteten Bildelemente, ja sogar ganzseitige chirographische bzw. chiroxylographische Abbildungen, insbesondere bei Blickdrucken und bietet damit dem Leser eine f├╝r das sp├Ąte Mittelalter neue Dimension zur fr├╝hen Neuzeit.
Die Studien entstanden vor dem Hintergrund des seit 1994 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gef├Ârderten Projektes "Textierte Einblattdrucke im Deutschen Reich bis 1500 als Ausdruck pragmatischer Schriftlichkeit".
Im ersten Kapitel widmen sich die Autoren, z. Teil Mitarbeiter des o.g. Projekts, den Vorformen der gedruckten Einblattschriften und geben einen ├ťberblick ├╝er die Urkunden, Anschl├Ąge, Flugschriften und (h├Âchstverordnete) Einblatthandschriften es im Mittelalter vor Gutenberg gab, um anschlie├čend der Frage nachzugehen, wo die Grenze zwischen Inkunabel und modernem Buch zu ziehen ist, bzw. oder ob es so etwas wie "Postinkunabeln" gibt.
Hierzu erden 5 ausgew├Ąhlte Drucker und 111 Einblattdrucke exemplarisch herangezogen. Die folgenden Aufs├Ątze befassen sich mit dem Thema der Inkunabeln als "├ťberlieferungstr├Ąger" und gehen dabei ausf├╝hrlich auf die Frage ein, warum die meisten Einblattdrucke nun einseitig bedruckt sind, wobei die Besonderheiten der jeweiligen Druckverfahren und Medien beleuchtet werden, ebenso wie Untersuchungen zu Auflagenh├Âhen.
Neben verschiedenen "Gebrauchsformen" und "Gebrauchsr├Ąumen" wird auch das semiotische Dreieck um Karl B├╝hler herangezogen, um die Relation von linguistischer Appellstruktur sowie den Symbolcharakter und die daraus resultierende Zeichennatur der Sprache zu verdeutlichen, dabei wird jedem Text-Bild-Komplex das "Rekognitive" klar ersichtlich.
Dem Kapitel "Probleme und Perspektiven" folgen verschiedene Fallstudien u.a. zum "Text-Bild-Programm" eines allegorisch-dogmatischen Einblattdrucks des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Dabei sind die gedruckten Sch├╝tzenbriefe aus der Zeit vor 1500, wie auch die seltenen B├╝cheranzeigen der Inkunabelzeit und die "astronomisch-kalendarische Tafel f├╝r die Forschung von besonderem Reiz.Das Buch bietet dem Spezialisten wie auch dem interessiertem Laien einen Fundes an Informationen zur Volkskunde, zum Brauchtum und Volkssprache, d.h. der dialektalen Umgangssprache, die sich verst├Ąrkt im 15. Jahrhundert ausbildet. Das Buch beleuchtet auf dem Gebiet volksnahen Einblattdrucke der fr├╝hen Neuzeit, eine Buch-, Kunst- und Sprachforschung, die bislang nur wenig erschlossen ist.
Oliver Roth
Einblattdrucke des 15. und fr├╝hen 16. Jahrhunderts. Probleme, Perspektiven, Fallstudien. Hrsg.: Honemann, Volker u.a. 460 S., 61 Abb. HC, EUR 80,-
ISBN 3-484-64012-X
 
© 2003 Verlag Langewiesche [Impressum] [Nutzungsbedingungen]