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L├╝beck 1500 ÔÇô Kunstmetropole im Ostseeraum

Der hundertste Geburtstag des St. Annen-Museums und der 500. Jahrestag der Weihe des Klosters, in dem sich das Museum heute befindet gaben 2015 den Anlass zu einer gro├čartigen Ausstellung sp├Ątmittelalterlichen Kunst. Die hier im Katalog gezeigten Kunstsch├Ątze befinden sich nicht nur im Annen-Museum, sondern auch in zahlreichen Kirchen L├╝becks, erg├Ąnzt mit weiteren Leihgaben.

Zwar f├╝hrte die Reformation in L├╝beck zu einem Einbruch des Kunstgewerbes, verzichtete aber auf Bilderst├╝rme, denn L├╝beck war traditionsbewusst, auch wenn das mittelalterliche Inventar seiner urspr├╝nglichen Funktion beraubt wurde.

Der Sammlungsbestand der Ausstellung umfasst einen Zeitraum beginnend mit den mittelalterlichen K├╝nstlern Bernt Notke und Hermen Rode 1460 bis 1540, nach Einf├╝hrung der Reformation 1531.

Skulptur und Malerei von Altaraufs├Ątzen nehmen den Schwerpunkt ein. Dabei sind abgesehen von Bernt Notke und Hermen Rode weitere Werkkomplexe verschiedener namentlich bekannter K├╝nstler vertreten, vor allen Dingen die Bildschnitzer Henning van der Heyde, Claus Berg und Benedikt Dryer, die Maler Wilm Dedeke, Erhart Altdorfer, Jakob Claesz, van Utrecht und Hans Kemmer. Aber auch Werke namenloser K├╝nstler werden gezeigt, wie die Meister der Burgkirchensippe oder des Prenzlauer Hochaltars. Neben der Geschichte der K├╝nstler steht die Kunstgeschichte im Vordergrund, das hei├čt die Verbreitung von Bildtypen, zum Beispiel die Darstellung des Heiligen J├╝rgen, auch Georg genannt, Fragen der Arbeitsbedingungen, der Ab- und Zuwanderungen sowie Fragen nach den Ursachen der Ver├Ąnderungen besonders nach Einf├╝hrung der Reformation. Aber auch die Goldschmiedekunst findet Beachtung. Wenngleich nur noch sp├Ąrlich ├╝berliefert, werden Beispiele sakraler Gegenst├Ąnde wie Kelche als auch profane Luxusg├╝ter wie Becher und Pokale pr├Ąsentiert, f├╝r deren Herstellung L├╝beck vermutlich eines der entscheidenden Zentren des Ostseeraums darstellte.
Von besonderer Bedeutung ist die Zusammenstellung dreier St. J├╝rgen-Reliquiare, die aus Riga und Elbing stammen. Aber auch die j├╝ngste der sp├Ątmittelalterlichen Kunstgattungen, der Buchdruck, der in L├╝beck eines seiner wichtigsten Druckzentren in Deutschland beherbergte, wird ausf├╝hrlich behandelt. Gedruckt wurde in L├╝beck alles, was einen K├Ąufer fand, von religi├Âsen Schriften bis zu profanen Versromanen, Abhandlungen des Rechts oder Kr├Ąuterb├╝cher.

Abgesehen von der Darstellung und Beschreibung zahlreicher Kunstobjekte liefern 13 ausf├╝hrliche Essays dar├╝ber hinaus nicht nur wissenschaftlichen Ertrag, sondern auch f├╝r den Laien eine wunderbare Gelegenheit, L├╝beck in der Zeit um 1500 kennen zu lernen. ÔÇ×Nicht-NordlichternÔÇť wird klar, welch eine Einheit der Ostseeraum war und noch immer ist.

Zun├Ąchst werden in 5 Aufs├Ątzen die Rahmenbedingungen dieser Zeit erl├Ąutert, da geht es um Auftraggeber, Drachen und Greifen in L├╝beck, die Kunst als Handelsware und die Reformation. Es folgen Texte zur Kunstgeschichte. Welche Verbindungen gab es zum Westen und welche Rolle spielte Bernt Notke in L├╝beck. Hierzu sind trotz neuester Erkenntnisse bis heute alle Fragen offen. Und am Ende gibt es noch ein Kapitel ├╝ber das St. Annen-Kloster auf seinem Weg zu einem Museum, dem wir diesen wunderbaren Ausstellungskatalog zu verdanken haben.
Das Auge erfreuen dar├╝ber hinaus pr├Ąchtige Abbildungen und eine sch├Âne Gestaltung.

Ein wunderbares, dickes, sch├Ânes Buch ├╝ber die Kunstmetropole im Ostseeraum ÔÇ×L├╝beck 1500ÔÇť.

19.11.2017
Gabriele Klempert
L├╝beck 1500. Kunstmetropole im Ostseeraum. Hrsg.: Kulturstiftung Hansestadt L├╝beck; Museumsquartier St. Annen, L├╝beck; Richter, Jan Friedrich. 2015. 448 S. 264 meist fb. Abb. 30 x 24 cm. Engl. Br. EUR 49,95. CHF 57,40
ISBN 978-3-7319-0175-4   [Michael Imhof]
 
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