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Die Kunst der Antike

Zum 50. Jahrestag der Neuer├Âffnung der M├╝nchener Antikensammlungen am 21. April 1967 hat der jetzige Direktor und Klassische Arch├Ąologe Florian Knau├č eine W├╝rdigung dieser Sammlung antiker Kleinkunst inklusive deren Geschichte und der damit verbundenen Personen von Albrecht V. von Bayern bis Hans von Schoen verfasst: ein Jubil├Ąumsband erster G├╝te. Die Auswahl der Exponate ist repr├Ąsentativ und bewusst subjektiv: Sie folgt der Chronologie von der Geometrischen Zeit bis zur R├Âmischen Kaiserzeit; das ├Ąlteste vorgestellte Objekt ist ein Kykladenidol (2600 - 2400 v. Chr.), das j├╝ngste ein filigranes Diatretglas aus K├Âln (300 - 350 n. Chr.). Dazwischen findet sich der Goldschmuck einer Dame aus Vulci, eine kleine Eule aus Korinth, die sich als Salbgef├Ą├č entpuppt, Bronzebeschl├Ąge f├╝r einen eleganten Wagen und vieles mehr. Knau├č stellt Meisterst├╝ck f├╝r Meisterst├╝ck vor und lehrt uns Lesende das genaue Hinschauen.
Den Einband ziert eine der Ber├╝hmtheiten der Sammlung: die Dionysos-Schale des Exekias, zu datieren zwischen 540 und 530 v. Chr. ├ťber die Sch├Âpfer griechischer Gef├Ą├če ist so gut wie nichts bekannt, allenfalls kennt man ihre Namen, wenn Signaturen auf den Gef├Ą├čen zu finden sind - so wie hier: Exekias epoiesen - Exekias hat es gemacht (d.h. get├Âpfert) ist auf dem Fu├č der Schale zu lesen. Vielleicht hat er die Schale nicht nur geformt, sondern auch bemalt, sicher kann man das nicht sagen. Die T├Âpfer als Besitzer der Werkst├Ątten waren stets wichtiger, die Maler waren angestellt oder zogen als Wanderarbeiter von Werkstatt zu Werkstatt. Das Au├čergew├Âhnliche an der Schale ist, dass der Maler ihre Innenfl├Ąche vollst├Ąndig bis zum Rand f├╝r seine entspannte, idyllische Dionysos-Szene nutzt. Dionysos, als Weingott erkennbar an einem Efeukranz im Haar und den Weintrauben, die sich am Mast seines Schiffleins emporranken, segelt gem├Ąchlich vor sich hin, w├Ąhrend spielende Delphine ihn begleiten. Die Tiere weisen auf einen Mythos um Dionysos hin: Etruskische Piraten hatten einst Dionysos entf├╝hrt, woraufhin sie von dem Gott in Delphine verwandelt wurden - es gibt wahrliche schlimmere Bestrafungen in der antiken Mythologie! Die Schale selbst war ein Trinkgef├Ą├č, das vornehme Zecher bei ihren Gelagen verwendeten.
Noch geh├Ârt das Gef├Ą├č dem schwarzfigurigen Stil an, der bis 525 v. Chr. etwa ├╝blich war und bei dem schwarze Figuren auf terrakottafarbenem Grund agieren: W├Ąhrend man Figuren wie den Gott Dionysos mit schwarzem Tonschlicker direkt auf das Gef├Ą├č gemalt hat, greift man sp├Ąter dazu, den Hintergrund schwarz auszumalen, die Umrisse f├╝r Figuren und Gegenst├Ąnde auszusparen und Einzelheiten an Gesichtern und Gew├Ąndern mit schwarzer Binnenzeichnung zu versehen. (├ťberfl├╝ssig, darauf hinzuweisen, dass die M├╝nchner Antikensammlung auch ├╝ber eine Reihe hochwertiger rotfiguriger Gef├Ą├če verf├╝gt, auf denen der gesamte G├Âtterhimmel und so wichtige Halbg├Âtter wie beispielsweise Herakles ihre Abenteuer bestehen!)
Wie kam dieses einzigartige St├╝ck nach M├╝nchen? Lucien Bonaparte, Bruder Napoleons, hatte in Vulci arch├Ąologische Grabungen durchf├╝hren lassen und diese Schale in seine eigene Sammlung aufgenommen. Erst nach seinem Tod 1841 konnte der segelnde Dionysos f├╝r Ludwig I. erworben werden. Seitdem geh├Ârt die Schale zum Kanon der Klassischen Arch├Ąologie, und jede/r Studierende kennt - und liebt sie.
Das Buch ersetzt keinen Museumsbesuch, meint Knau├č. Das ist sicher richtig, aber wer selten oder nie nach M├╝nchen kommt, findet in dem reich bebilderten Band einen guten Ersatz, und das ganz ohne Audioguide! Nach eigener Lust und Laune kann man in der Mitte anfangen, sich in Einzeldarstellungen festlesen, von Rom nach Griechenland und wieder zur├╝ckreisen, und wenn man dann noch Lust hat, das Ganze vertiefen.
Allerdings ist das Buch nicht so ohne weiteres f├╝r Studierende benutzbar, da die Literaturliste lediglich Titel ├╝ber die Sammlung im Ganzen aufweist, nicht Literatur zu den einzelnen Objekten. Ein Augenschmaus und eine Fundgrube des Wissens ist es allemal!

06.10. 2017
Daniela Maria Ziegler
Die Kunst der Antike. Meisterwerke der M├╝nchner Antikensammlungen. Knau├č, Florian. 288 S. 214 meist fb. Abb. und 3 Karten. 27 x 21 cm. Kt. C. H. Beck Verlag, Berlin 2017. EUR 28,00.
ISBN 978-3-406-71175-6   [C. H. Beck]
 
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