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Manet malt Monet - Ein Sommer in Argenteuil

Argenteuil liegt nordwestlich von Paris am rechten Ufer der Seine und zieht sich f√ľnf Kilometer am Fluss entlang: Vom Wasser gepr√§gt ist der Ort ideal f√ľr die Pariser des 19. Jahrhunderts, um dort die Sommerfrische zu verbringen, f√ľr K√ľnstler wie Claude Monet ein Ort der Inspiration. Im Sommer 1874 kommt hier ein Treffen zwischen ihm und √Čdouard Manet zustande, wobei Manet, der Beobachter der Pariser Gesellschaft, offenbar zum Lernenden wird und sich nach Monets Vorbild im raschen Pinselstrich direkt in der Natur √ľbt. Es entstehen Bilder der Familie Monet im Garten, von Segelbooten im Wasser sowie eine sehr bekannt gewordene Poussierszene am Hafen - und eben das Bild, um das sich das schmale, aber wunderbare B√ľchlein des Kunsthistorikers Willibald Sauerl√§nder dreht: "Monet malt in seinem Boot-Atelier", das in der Neuen Pinakothek zu M√ľnchen h√§ngt.
Dieses Boot: Allein drei Mal ist es im Buch selbst vertreten, ein bisschen mehr als ein Kahn, aber l√§ngst noch kein Hausboot, mit einem mittleren Aufbau wie ein H√§uschen mit gew√∂lbtem, schattenspendendem Dach. Auf den drei Bildern Monets (eines in Otterlo, das zweite in Philadelphia, das dritte in Neuchatel) ist das "H√§uschen" gr√ľn, bei Manet ist es blau.
Auf Manets Bild sitzt Monet mit Sonnenhut im Bug, seine Frau Camille im Schatten des H√§uschens, eine wei√ü-rote Markise h√§ngt vom Dach herunter. Der Maler richtet seinen Blick konzentriert auf das Bild, an dem er gerade arbeitet; dem Betrachter ist ein Blick darauf gestattet, einer etwas diffusen Szene mit Wasser und einem Hintergrund aus Vertikalen, die in den Himmel ragen. Vertikale T√ľrme bzw. Schlote, auch B√§ume, wiederholen sich im Hintergrund der gesamten Szene. Umrahmt ist alles von spiegelndem Wasser, dessen Bl√§ue sich im breiten Unterk√∂rper des Bootes in gro√üer Intensit√§t wiederholt.
Das Sujet "Maler bei der Arbeit" ist nicht neu, wie Sauerl√§nder anhand einiger Beispiele kundig darlegt (Rogier van der Weyden um 1440, √ądouard Manet um 1860 sowie Henri Fantin-Latour um 1870 etwa), ein Maler, der sein Atelier in ein Wasserfahrzeug verlegt, ist allerdings eine Neuheit: W√§hrend der Maler im Boot arbeitet, gibt es keinen Stillstand; das Motiv bewegt sich im Auf und Ab der Wellen, ja, es zieht sogar wie in einem Film am Betrachter vorbei. Die Frage, ob Manets Bild vom malenden Kollegen denn fertig sei, er√ľbrigt sich: "In der progressiven Malerei des sp√§teren 19. Jahrhunderts sind Gem√§lde offene Prozesse, welche nie definitiv zu Ende kommen, sondern in irgendeinem aussagekr√§ftigen Moment angehalten werden", schreibt Sauerl√§nder.
Manet hat seinen K√ľnstlerkollegen Monet als "Raffael des Wassers" bezeichnet: Ein gr√∂√üeres Lob kann ein Kollege dem anderen gar nicht machen.

10.04.2013

Daniela Maria Ziegler
Sauerl√§nder, Willibald. Manet malt Monet. Ein Sommer in Argenteuil. 77 S. 30 fb. u. 8 sw. Abb. Pb. C. H. Beck Verlag, M√ľnchen 2013. EUR 6,00.
ISBN 978-3-406-64324-8   [C. H. Beck]
 
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