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Angelika Kauffmann. K√ľnstlerin und Gesch√§ftsfrau

Manchem f√§llt beim Namen der Malerin Angelika Kauffmann (30.10.1741 in Chur - 5.11.1807 in Rom) das Portr√§t des Wegbereiters der Klassischen Arch√§ologie Johann Jakob Winckelmann ein, manch anderem das stark gesch√∂nte Bildnis von Johann Wolfgang von Goethe, das selbst ihm zu harmlos-h√ľbsch war. Sprichw√∂rtlich war zu ihrer Zeit der "Kauffmann-Glow", mehr eine atmosph√§rische Behandlung des Portr√§ts als eine echte Technik, aber sehr beliebt, weil sie die Dargestellten in eine Aura vornehmer Sch√∂nheit h√ľllte. Zweifellos war das Bildnis, auch das Selbstbildnis, neben gro√üformatigen Historienbildern eines ihrer gro√üen St√§rken. √Ąhnlich wie bei Rembrandt schien es auch bei der Malerin aus Vorarlberg der Selbstvergewisserung gedient zu haben, nicht zuletzt ist es aber f√ľr die Betrachter ein Fenster zu ihrer Pers√∂nlichkeit. Dankenswerterweise gibt das bei Belser erschienene Buch reichlich Gelegenheit, Angelika Kauffmanns Z√ľge von fr√ľhester Jugend bis ins Alter zu studieren.
Doch keine Frauenkarriere (nicht nur) zu dieser Zeit ohne einen verst√§ndnisvollen Vater oder anderen F√∂rderer/Forderer, der das Talent seiner Tochter erkennt und zielstrebig lenkt, wie Joseph Johann Kauffmann immer an ihrer Seite ist - und die 16j√§hrige Tochter sogar 1757 in der Schwarzenberger Pfarrkirche beim Malen der Deckenfresken und Kreuzwegstationen die Wandmedaillons ausf√ľhren l√§sst. Ob die Motive eines Vaters dabei eigenn√ľtzig oder uneigenn√ľtzig waren (siehe Vater Mozart), erscheint im R√ľckblick weniger wichtig. Wichtig ist das Ergebnis, n√§mlich der sp√§tere finanzielle Erfolg und der Bekanntheitsgrad der Malerin, ihr 1000 Werke umfassendes Oeuvre und vor allem ihre eigene, unverwechselbare Handschrift.
Die promovierte Kunsthistorikerin und Historikerin Gabriele Katz f√ľhrt in neun Kapiteln durch Leben und Werk der Angelika Kauffmann und begleitet sie auf ihren Stationen in Italien, London, wo sie zur Freundin von Joshua Reynolds wurde, und schlie√ülich Rom, wo sie einem Kreis von K√ľnstlern und Gelehrten in ihrem Haus vorsa√ü; ihre Biographie ist nicht die erste der ber√ľhmt gewordenen Tochter eines Wandermalers, aber sicher eine der detailreichsten, ist der kundigen Autorin doch der Kontext der Malerin, die schon als Kind mit dem Vater die Welt bereiste, besonders wichtig.
Klar, fast n√ľchtern schaut uns die K√ľnstlerin aus ihren Selbstportr√§ts an; ihr erstes entstand, als sie 12 Jahre alt war. Ihr Blick auf sich selbst zeigt sie in verschiedenen Rollen, als Bregenzerw√§ldlerin in Tracht, als Muse, als Bacchantin, als Musikerin, vor allem aber als Malerin mit Stift und Skizzenbuch. Nur selten entschlie√üt sich ihr Mund, ein wenig zu l√§cheln, auff√§llig ist stets eine gewisse Bodenst√§ndigkeit, die aus ihr spricht, als wolle sie sagen: Was ist denn so Besonderes an einer erfolgreichen Malerin?

29.11.2012
Daniela Maria Ziegler,
Katz, Gabriele. Angelika Kauffmann. K√ľnstlerin und Gesch√§ftsfrau. 168 S. 80 fb. Abb. 22 x 17 cm. Gb. Belser Verlag, Stuttgart 2012. EUR 24,95. CHF 37,90
ISBN 978-3-7630-2609-8
 
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