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Giorgio Vasari - Leben der ber├╝hmtesten Maler, Bildhauer und Baumeister

Wer sich mit der Renaissance befasst, wird fr├╝her oder sp├Ąter auf den Namen Giorgio Vasari und dessen im Jahre 1550 ver├Âffentlichte K├╝nstlerviten sto├čen, die eine der wichtigsten Grundlagen zum Verst├Ąndnis dieser Epoche bilden. Da sich Giorgio Vasaris Geburtstag am 30. Juli 2011 zum 500. Male j├Ąhrt, hat Gerd Blum (geb. 1965), Professor f├╝r Kunstgeschichte an der Kunstakademie M├╝nster, eine Biographie des Biographen vorgelegt.
Biographie ist nicht gleich Biographie; Lebensbeschreibungen gro├čer Pers├Ânlichkeiten bewegen sich in Antike, Mittelalter und Renaissance zwischen Heldensage und Heiligenlegende, m├╝ssen sich also nicht immer an historische Tatsachen halten. Das hei├čt, dass Vasaris "K├╝nstlerviten ... keine wertfreie Sammlung von Lebensbeschreibungen der italienischen K├╝nstler von Cimabue bis Michelangelo sowie einiger weniger K├╝nstlerinnen" sind. "Dass Vasari einige K├╝nstler besonders lobte, andere tadelte, kurz abhandelte oder verschwieg, hat die Wahrnehmung dieser K├╝nstler bis heute gepr├Ągt - oder auch verhindert." Die eigene Vita des "Vaters der Kunstgeschichte" und Architekten der Florentiner Uffizien, die er ans Ende der Neuauflage der Viten vom Jahr 1568 stellt, enth├Ąlt eine Reihe stark gesch├Ânter und stilisierter Passagen, zum Beispiel was die lang ersehnte und immer wieder verwehrte Anstellung bei den Medici betraf. Dies entspricht ebenfalls einer Tradition von Selbst-├ťberh├Âhung, wie man sie aus antiken Lebensbeschreibungen kennt.
Irgendwann hatte er sie dann doch erlangt: die Lebensstellung bei den Medici. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die materielle Not eines Freiberuflers l├Ąngst ├╝berwunden, als er als Wanderk├╝nstler durch die D├Ârfer der Toskana zog und dort tage- oder wochenweise an Projekten f├╝r ├Âffentliche Geb├Ąude und Kirchen arbeitete. Erst der Kontakt zu Kl├Âstern in Arezzo seit 1537 hatte ihm zum Durchbruch verholfen, und die Ver├Âffentlichung seiner Viten hatte ihn schlagartig zu einer Ber├╝hmtheit gemacht. F├╝nf Jahre sp├Ąter war er bei Cosimo Medici in Diensten.

Ruhm erlangte Vasari als Autor und Historiograph, als Architekt und Koordinator, weniger als K├╝nstler, kein Werk aus seiner Hand hat sich ins kollektive Ged├Ąchtnis eingebrannt. Vasaris Verdienste liegen woanders, vor allem in der Festschreibung von Begrifflichkeiten und seiner systematischen Lebensbeschreibungen. Zwar hatte schon D├╝rer von einer Wiedergeburt der Antike gesprochen, aber auf Vasari wird der Begriff der Renaissance (rinascimento) als Erneuerung nach der Phase des Wachstums (Antike) und des Verfalls (Mittelalter) zur├╝ckgef├╝hrt; durch ihn wird dieser Gedanke zum g├Ąngigen Epochenbegriff. Ihm ist auch das bis heute g├╝ltige Bild des k├╝nstlerischen Genies geschuldet; f├╝r Vasari haben K├╝nstler wie Raffael, Leonardo und Michelangelo einen unbedingten Sonderstatus gegen├╝ber dem Handwerker. Um diesen Sonderstatus zu untermauern, erz├Ąhlt Vasari eine Reihe exzentrischer Anekdoten ├╝ber die K├╝nstler, die er "offensichtlich mit gro├čem Vergn├╝gen literarisch zuspitzte". Wegweisend war au├čerdem, dass Mitte des 16. Jahrhunderts zum ersten Mal ein Buch die "Geschichte von bildender Kunst und Architektur zum alleinigen Gegenstand hatte".
Der Autor Gerd Blum widmet sich nicht nur dem Lebenswerk Giorgio Vasaris, sondern weist auch auf die Vorl├Ąufer seiner K├╝nstlerviten hin - denn die K├╝nstlerbiographie wurde im florentinischen 15. Jahrhundert erfunden - und behandelt ausf├╝hrlich die Systematik der ersten Auflage. Dass sich Winckelmann im 18. Jahrhundert und Heinrich W├Âlfflin Anfang des 20. Jahrhundert von Vasaris Werk entschieden abgrenzten - der eine strebte eine "Geschichte des Stils statt Geschichten von K├╝nstlern" an und der andere eine "Kunstgeschichte ohne Namen" - nimmt dem Quellenwerk Vasaris nichts von seiner Bedeutung.

Blum, Gerd. Giorgio Vasari. Der Erfinder der Renaissance. 320 S. 43 Abb. 22 x 14 cm, Gb. EUR 24,95. CHF 34,90 C.H. Beck Verlag, M├╝nchen 2011. ISBN 978-3-406-61455-2

Erg├Ąnzung der Redaktion:
Au├čerdem ist dieser Tage erschienen: Vasari, Giorgio: Leben der ber├╝hmtesten Maler, Bildhauer und Baumeister. Von Cimabue bis zum Jahre 1567.
ÔÇ×Zur bahnbrechendsten Leistung des Universalgenies Vasari wurde ein Buch:ÔÇť ÔÇô so der Verlag ÔÇô ÔÇ×es sind die ÔÇ×Vite, die Lebensbeschreibung der ber├╝hmtesten Maler, Bildhauer und BaumeisterÔÇť, mit denen die monumentalisierte abendl├Ąndische Kunstgeschichtsschreibung beginnt. In dieser Ausgabe sind ├╝ber 60 der bedeutendsten K├╝nstlerviten versammelt. 640 S. 22 x 15 cm. Gb Marix Verlag, Wiesbaden 2010. EUR 15,00 978-3-86539-224-4


Daniela Maria Ziegler
Vasari, Giorgio: Leben der ber├╝hmtesten Maler, Bildhauer und Baumeister. Von Cimabue bis zum Jahre 1567. 640 S. 22 x 15 cm. Gb Matrix Verlag, Wiesbaden 2010. EUR 15,00
ISBN 978-3-86539-224-4
 
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